{"id":1798,"date":"2000-12-10T23:18:06","date_gmt":"2000-12-10T22:18:06","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1798"},"modified":"2017-10-24T20:12:18","modified_gmt":"2017-10-24T19:12:18","slug":"predigt-wenn-die-zukunft-die-gegenwart-erhellt-jesaja-35-3-10-10-dezember-2000-2-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1798","title":{"rendered":"Predigt: Wenn die Zukunft die Gegenwart erhellt (Jesaja 35, 3-10) 10. Dezember 2000, 2. Advent"},"content":{"rendered":"<h4><\/h4>\n<p align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\nunser Predigttext steht beim Propheten Jesaja, im 35. Kapitel.<br \/>\nIch m\u00f6chte ihnen diesenText nicht einfach so vorlesen. Ich m\u00f6chte ihn in eine Geschichte hineinstellen. Damit er dort zu Wort kommt, wo er urspr\u00fcnglich geh\u00f6rt worden ist: Vor \u00fcber zweieinhalb tausend Jahren in Israel. Von Miriam und ihrer Mutter Rahel m\u00f6chte ich Ihnen erz\u00e4hlen:<\/span><\/span><\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p>Die Sonne war gerade untergegangen, als Miriam vom Feld zur\u00fcckkam. Zur\u00fcck zu den nicht einmal mannshohen H\u00fctten an Ortsrand von Jericho. Dutzende von solchen Behausungen standen hier. Aus Lehm, ohne Fenster, mit einer h\u00fcfthohen T\u00fcrluke. Meist hing ein altes Tuch vor diesem Eing\u00e4ngen.<br \/>\nMiriam n\u00e4herte sich den H\u00fctten mit schweren Schritten. Sie wusste selbst nicht, ob es die Wut, die Verzweiflung oder die Ersch\u00f6pfung war, die sie so m\u00fcde machte. Die H\u00e4lfte ihres Hirsefeldes hatte jemand niedergetrampelt. Menschen? Tiere? Sie wusste es nicht. Mit ihren kleinen H\u00e4nden hatte sie versucht, die Halme wieder aufzurichten &#8211; vergeblich. Immer wieder sind sie umgefallen. So stolz war sie gewesen, dass sie dem d\u00fcrren Boden einige Fr\u00fcchte entlocken konnte &#8211; sie das zw\u00f6lfj\u00e4hrige M\u00e4dchen, und ihre Mutter. &#8211; Es war einfach umsonst.<br \/>\nWahrscheinlich wird ihre Mutter wieder betteln gehen m\u00fcssen, wie so viele Witwen in ihrer Stadt.<\/p>\n<p>Miriam ging auf das Haus ihrer Mutter zu, kroch unter der T\u00fcr hindurch und setzte sich mit den R\u00fccken an die Lehmwand auf den Boden. Zog ihre m\u00fcden Beine an den K\u00f6rper und umschloss sie mit den Armen. &#8211; Ihr war kalt.<br \/>\nRahel sah ihre Tochter an, ohne ein Wort. Sie konnte in ihren Augen lesen. Sie rutschte an ihre Seite und legte eine Hand auf ihre Schulter:<br \/>\n\u201eMiriam, ich wei\u00df auch nicht, warum vieles so schlimm ist. Aber vielleicht wird es auch einmal wieder besser&#8230;\u201c<br \/>\nMiriam h\u00f6rte nicht hin, was ihre Mutter sagte. Sie wollte sich nicht tr\u00f6sten lassen &#8211; nicht jetzt.<\/p>\n<p>Nach einer langen Stille rutschte ihre Mutter in die andere Ecke der H\u00fctte, wurde von der Dunkelheit verschluckt, die sich breitgemacht hatte. Es raschelte, ein Funke: Dann sah sie das Gesicht ihrer Mutter wieder &#8211; im Schein der \u00d6llampe. Sie kam zur\u00fcck mit der Papyrusrolle. Einem der wenigen Gegenst\u00e4nde die ihre Mutter selbst in der bittersten Not niemals verkauft hatte. Sie suchte offenbar eine bestimmte Stelle in dieser Rolle, Miriam nahm die Lampe in die Hand, damit ihre Mutter mit beiden H\u00e4nden das empfindliche Papyrus entrollen konnte.<br \/>\nDa ist es, sagte sie mit gespannter Stimme: Mein Schatz, h\u00f6re dir das an, was der Prophet Jesaja schreibt:<br \/>\n<i><b>St\u00e4rkt die m\u00fcden H\u00e4nde und macht fest die wankenden Knie!<br \/>\nSaget den verzagten Herzen: \u00bbSeid getrost, f\u00fcrchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.\u00ab<br \/>\nDann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben ge\u00f6ffnet werden.<br \/>\nDann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der W\u00fcste hervorbrechen und Str\u00f6me im d\u00fcrren Lande.<br \/>\nUnd wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es d\u00fcrre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen. Und es wird dort eine Bahn sein, die der heilige Weg hei\u00dfen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren d\u00fcrfen nicht darauf umherirren.<br \/>\nEs wird da kein L\u00f6we sein und kein rei\u00dfendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erl\u00f6sten werden dort gehen.<br \/>\nDie Erl\u00f6sten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird \u00fcber ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.<\/b><\/i><\/p>\n<p>Mutter und Tochter blieben noch lange so sitzen. Ohne ein Wort. Das, was vor ihren Augen da entstand, wollten sie nicht verscheuchen. Eine Wirklichkeit hatte sich in ihrer H\u00fctte ausgebreitet, die w\u00e4rmte sie trotz der K\u00e4lte. Die lie\u00df es hell werden, obwohl da nur eine kleine \u00d6llampe flackerte.<\/p>\n<p>&#8212;Musik &#8212;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nin der H\u00fctte von Rahel und ihrer Tochter Miriam wurde es f\u00fcr einige Minuten hell und warm. Weil ein Licht aus der Zukunft in ihre Behausung hineinschien. Die Hoffnung auf etwas, das sie noch nicht sehen konnten, auch nicht erahnen konnten, hat ihre Wirklichkeit ver\u00e4ndert.<br \/>\nDie Verhei\u00dfung aus dem Buch Jesaja passt eigentlich gar nicht zu dem Leben der Frau und des M\u00e4dchens in der H\u00fctte. Das, was die Mutter Rahel ihrer Tochter da vorgelesen hat war doch eigentlich eine reine Vision &#8211; eigentlich nicht erreichbar, nicht machbar. Das alles erschien doch ganz unwahrscheinlich, und hat dennoch den beiden neue Hoffnung, neue Kraft gegeben.<\/p>\n<p>Vielleicht deshalb, weil sie die alten Geschichten kannten, den Weg Gottes mit seinem Volk.<br \/>\nVielleicht dachte Mutter Rahel an die Erz\u00e4hlung von Abraham und Sara. Denen hatte Gott im hohen, unfruchtbaren Alter eine gro\u00dfe Nachkommenschaft verhei\u00dfen. Und wahrscheinlich h\u00e4tte sie wie Sara dar\u00fcber nur gelacht, wenn sie nicht genau gewusst h\u00e4tte, dass sie selbst zu dieser f\u00fcr unm\u00f6glich gehaltenen Nachkommenschaft geh\u00f6rte; die den weiten Landstrich zwischen dem Roten Meer und den Libanon bev\u00f6lkert.<br \/>\nVielleicht f\u00fchlte sich die junge Miriam an den kleinen Schafhirten David erinnert, dem ein Prophet verhei\u00dfen hat, K\u00f6nig zu werden. Und sie h\u00e4tte ihn, so wie seine gro\u00dfen Br\u00fcder, nie ernst genommen. \u201eDu mal K\u00f6nig? unm\u00f6glich\u201c. Aber Miriam kannte die Geschichte ihres Volkes, und wusste, dass dieser David der bedeutendsten K\u00f6nig Israels der letzten 1000 Jahre war.<br \/>\n! Die Erinnerung an erf\u00fcllte Versprechen Gottes l\u00e4sst das Vertrauen in die k\u00fcnftigen Verhei\u00dfungen wachsen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndas ist der Unterschied zwischen menschlichen Visionen und Verhei\u00dfungen Gottes. Visionen, die Menschen haben, gab und gibt es viele. Sie malen die Zukunft in tollen Farben und mit viel Phantasie aus. Der globale Friede, der Sieg der Medizin \u00fcber alle Krankheiten bis zur Besiedlung fremder Planeten. In den letzten Jahren hat &#8211; so ist mein Eindruck &#8211; dieser Fortschritts-Optimismus nachgelassen. So mancher Fort-Schritt hat sich als Fehl-Tritt entpuppt. Wir Menschen machen nach wie vor Fehler.<br \/>\nVisionen sind nichts schlechtes, sind ein Motor f\u00fcr menschliches Arbeiten. Aber sich darauf verlassen? Sein Leben darauf gr\u00fcnden?<\/p>\n<p>Anders halte ich es mit Verhei\u00dfungen. Zum Beispiel der Verhei\u00dfung aus dem Predigttext. Sie malt mir auch eine wundervolle Zukunft vor Augen. Wie bei den Visionen auch. Mit einem Unterschied: Nicht wir sollen das schaffen. Die Verhei\u00dfung beschreibt, was Gott mit uns vor hat.<br \/>\nViele Verhei\u00dfungen haben sich erf\u00fcllt: Die an Abraham und Sara, die an David. Aber die ganz gro\u00dfe Verhei\u00dfung ist noch auf dem Weg. Und von dieser gro\u00dfen Verhei\u00dfung spricht Jesaja hier:<br \/>\n&#8211; von W\u00fcsten, die zu Leben erwachen<br \/>\n&#8211; Von Menschen, die ihre Krankheiten und Behinderungen loswerden: Stumme singen und Lahme laufen herum &#8211; Das Elend hat ein Ende: \u201eFreude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen werden entfliehen.\u201c<br \/>\n&#8211; Das was wir \u201ehimmlische Zust\u00e4nde\u201c nennen.<\/p>\n<p>Diese Zukunft Gottes hat einen langen Anmarschweg. Als Christen befinden wir uns aber auf diesem Weg.<br \/>\nWir haben Advent: Der Name sagt es: Es geht um Ankunft: Um die Ankunft von Jesus Christus. Mit ihm wurde diese alte Verhei\u00dfung buchst\u00e4blich Fleisch und Blut: Er ist der Garant dass sie noch gilt.<br \/>\nIndem er Kranke geheilt, Menschen getr\u00f6stet und ihnen Gottes Liebe nahegebracht hat, hat er gezeigt: Hier wird das Versprochene jetzt schon Wirklichkeit.<br \/>\nBis zur endg\u00fcltigen Erf\u00fcllung ist diese Verhei\u00dfung noch auf dem Weg.<br \/>\nAber sie kann jetzt schon in unser Leben scheinen; gerade da, wo unser Erleben und Erleiden noch dieser Verhei\u00dfung noch nicht entspricht.<br \/>\nWenn wir wie Rahel und Miriam das Licht der Zukunft in unsere Gegenwart hinein scheinen lassen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, unser Predigttext steht beim Propheten Jesaja, im 35. Kapitel. Ich m\u00f6chte ihnen diesenText nicht einfach so vorlesen. Ich m\u00f6chte ihn in eine Geschichte hineinstellen. 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