{"id":1785,"date":"2001-04-08T22:19:09","date_gmt":"2001-04-08T20:19:09","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1785"},"modified":"2017-10-24T20:04:28","modified_gmt":"2017-10-24T19:04:28","slug":"predigt-weitersagen-johannes-17-5-8-8-april-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1785","title":{"rendered":"Predigt: Weitersagen! (Johannes 17, 5-8 ) 8. April 2001"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir haben Palmsonntag. Die Evangelienlesung hat davon berichtet: Jesus geht nach Jerusalem hinein die Leute bejubelten ihn, aber er selbst hat sich nicht von der Begeisterung mitrei\u00dfen lassen. Denn er wusste: eine Woche noch &#8211; dann kommt das Kreuz. Und die, die gerade noch mit Palmwedeln winkten, werden am Freitag &#8220; kreuzigt ihn&#8220; br\u00fcllen.<br \/>\nJesus auf dem Weg zum Kreuz. Der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag geh\u00f6rt hier hinein. Es ist ein Gebet Jesu, das er kurz vor seiner Gefangennahme gesprochen hat. Die J\u00fcnger waren offensichtlich dabei, Jesus hat sie mith\u00f6ren lassen &#8211; das Gebet war f\u00fcr ihn etwas sehr pers\u00f6nliches, aber nichts geheimes.<!--more--><\/p>\n<p>Er hat sich nicht geniert, wenn er mit seinen himmlischen Vater gesprochen hat. Wir sind da heute deutlich vorsichtiger, wagen es vielleicht nicht einmal offen zuzugeben, dass wir \u00fcberhaupt beten.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren den Predigttext aus dem 17. Kapitel des Johannesevangeliums:<br \/>\n<b><i>So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>7 Nun wissen sie, da\u00df alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, da\u00df ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, da\u00df du mich gesandt hast.<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<br \/>\nin diesem nicht ganz leicht verst\u00e4ndlichen Ausschnitt aus dem Gebet Jesu sagt er in einem sehr kurzen S\u00e4tzchen, was er in der Welt gemacht hat: <b><i>ich habe deinen Namen den Menschen offenbart<\/i><\/b>. Gott hat also einen Namen &#8211; das klingt vielleicht auf den ersten Blick ganz banal, ist es aber nicht: Wer einen Namen hat, den kann ich ansprechen, der ist mir ein Gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Jesus hat den Menschen Gott einmal richtig gezeigt. Hat ihnen vom Willen des himmlischen Vaters erz\u00e4hlt; hat von seiner unglaublichen Liebe zu den Menschen erz\u00e4hlt ; hat als Zeichen dieser Liebe Gottes Menschen geheilt und sie von ihren S\u00fcnden losgesprochen.<br \/>\nGott hat ja viele Namen.<br \/>\nDem <span style=\"text-decoration: underline;\">Mose<\/span> beim Dornbusch hat er sich bekanntgemacht als &#8220; ich bin der ich bin&#8220;, als der Gott der mitgeht.<br \/>\nF\u00fcr viele <span style=\"text-decoration: underline;\">Israeliten<\/span> ist er der Gott der V\u00e4ter.<br \/>\nDer <span style=\"text-decoration: underline;\">K\u00f6nig David <\/span>hat diesen Gott anscheinend vor allem als Guten Hirten erfahren.<br \/>\nJesus hat den Menschen den Namen Gottes noch einmal ganz neu mitgeteilt und gezeigt: Eben der Gott der vergibt,\u00a0 der heilt, der vers\u00f6hnt. Und als Christ glaube ich, dass diese Namen, die Christus uns kundgetan hat, die &#8222;eigentlichen&#8220; Namen Gottes sind.<br \/>\n<span style=\"color: #cc33cc;\">\u00a0<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #cc33cc;\">&#8211; Gott mit einem Gesicht &#8211;<\/span><\/p>\n<p>Durch Jesus Christus hat Gott f\u00fcr uns Menschen einen Namen bekommen, ein Gesicht, ein Profil. Bei ihm wei\u00df ich, woran ich bin, wei\u00df von seinen Verhei\u00dfungen und auch von seinen Geboten.<\/p>\n<ul>\n<li>Ganz anders sieht es aus, wenn ich mir so manche fern\u00f6stliche Religion angehe. Da gibt&#8217;s keinen Gott mit einem Namen oder einem Gesicht, auf den ich mich verlassen k\u00f6nnte. Die endlose Tretm\u00fchle der Wiedergeburt im Hinduismus, wo ich immer genau das ausbaden muss, was sich im vorherigen Leben verzapft habe, das ist kein Gott, das ist ein gesichtsloser Albtraum.<\/li>\n<li>Oder wenn ich mir den Umgang der Nazis mit dem, was sie die Vorsehung nannten, anschaue: das war wohl eher ein beliebig aufblasbarer Taschenspielergott, den man je nach Bedarf f\u00fcr die eigenen Zwecke hervorziehen konnte. Dieser Gott hatte keinen Namen, in dieser Zeit gab es andere Namen, die z\u00e4hlten.<\/li>\n<li>Und heute? Da wird ganz gerne Gott und Schicksal in einen Topf geworfen: &#8222;Das Schicksal hat so gewollt&#8220;. Was soll das blo\u00df hei\u00dfen? Da kann ich doch gleich Zufall sagen. Denn das sogenannte Schicksal hat mir noch keiner gezeigt oder erkl\u00e4rt geschweige denn, dass mir jemand sagen konnte ob das Schicksal \u00fcberhaupt irgendeinen Plan mit mir hat. Von daher erscheint mir das Schicksal sowohl gesichts- und namenlos als letztlich \u00fcberhaupt kopflos.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus sagt:<b><i> Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart <\/i><\/b>&#8211; allein durch Jesus kennen wir Gott als liebevollen Vater, der sich um uns sorgt und auch unsere S\u00fcnde vergibt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3333ff;\">\u00a0&#8211; Weitergeben &#8211;<\/span><\/p>\n<p>Dieses Gebet, um das im Predigttext geht, spricht Jesus kurz vor seinem Tod. Kurz bevor seine J\u00fcnger allein ohne ihn zur\u00fcckbleiben. Und in diesem Gebet Jesu wird auch deutlich welche Aufgabe seine J\u00fcnger haben werden:<br \/>\nDenn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen.\u00a0 Sie sollen die Botschaft weitertragen. Sie haben ab jetzt die Aufgabe, den Namen Gottes bekannt zu machen: Von diesem liebevollen Gott zu erz\u00e4hlen &#8211; das Evangelium zu verk\u00fcnden.<br \/>\nEigentlich ein unm\u00f6glicher, unerf\u00fcllbarer Auftrag, den sie letztlich auch nur durch den Beistand des Heiligen Geistes schaffen k\u00f6nnen. Von ihnen ist in dieser Auftrag auf uns alle Christen \u00fcbergegangen &#8211; nicht nur auf die Pfarrer. Wir sollen das Erhaltene weitergeben an die Generationen nach uns und auch an die Menschen um uns herum..<\/p>\n<p><span style=\"color: #3333ff;\">\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211;\u00a0 Beispiel der Ersten Christen &#8211;<\/span><br \/>\nGanz eindr\u00fccklich finde ich, was die Christen in den ersten Jahrhunderten gemacht haben. Da gab es bei der Taufe von Erwachsenen die so genannte &#8222;Traditio&#8220;. (Sie merken, dann kommt das Wort Tradition drin vor).<br \/>\nWenn sich jemand entschieden hatte, Christ zu werden, dann wurde ihm einige Zeit vor seiner Taufe feierlich das Glaubensbekenntnis vorgesprochen. In der folgenden Zeit, und oft war das ein ganzes Jahr, machte er sich mit dem Glauben und dem Gottesdienst vertraut. Liebe Konfirmanden und Pr\u00e4paraten &#8211; so etwas m\u00fcsste euch eigentlich bekannt vorkommen&#8230;<\/p>\n<p>Nach dieser Zeit kam in der Osternacht dann der gro\u00dfe festliche Gottesdienst: er sprach zusammen mit den anderen T\u00e4uflingen das Glaubensbekenntnis, dass er ein Jahr zuvor geh\u00f6rt hatte. (So etwas \u00c4hnliches kennen manche Konfirmanden noch als Konfirmanden-Pr\u00fcfung). Danach wurde er getauft.<br \/>\nDer Glaube, das Vertrauen auf diesen Gott der einen Namen hat, dass kann man nicht vererben. Das muss man weitergeben, das will erlernt, ausprobiert und einge\u00fcbt werden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3333ff;\">\u00a0&#8211; Die Problematik &#8211;<\/span><\/p>\n<p>Das ist aber gar nicht so einfach. Die Muttersprache erlernt man ziemlich z\u00fcgig\u00a0 und zuverl\u00e4ssig, der Bauernsohn rumpelt schon mit zwei Jahren auf seinem Plastik-Bulldog \u00fcber den Hof &#8211; aber dem Glauben lernen? Im Konfirmanden-Unterricht damit anzufangen w\u00e4re zu sp\u00e4t.<br \/>\nAber gerade im st\u00e4dtischen Bereich merkt man, dass christliche Traditionen abbrechen, das die Kinder aus dem Elternhaus manchmal gar nichts mehr mitbringen. Manchmal selbst dann nicht, wenn die Eltern sich eigentlich ernsthaft als Christen verstehen.<br \/>\nVielleicht liegt es daran, dass der Glaube so sehr als Privatsache gesehen wird, dass er ganz in der Innerlichkeit verschwindet &#8211; dass man von au\u00dfen zu gut wie nichts davon mitbekommt. Wenn der Papa nur alleine im stillen Eckchen betet, damit es keiner mitbekommt, wie soll die Tochter dann das lernen? Da helfen dann auch p\u00e4dagogische Erkl\u00e4rungen \u00fcber den lieben Gott nicht besonders viel.<\/p>\n<p>Sie kennen vielleicht die ultimative Erzieher-Weisheit: &#8222;Erziehung ist sinnlos, Kinder machen sowieso alles nach&#8220;.<br \/>\nIch glaube, und sage mir das auch immer wieder selber: Wenn ich meine Beziehung zu Gott auch mal nach au\u00dfen erkennen lasse, in meinen Worten und in meinem Handeln, dann bin ich auf dem besten Weg den Auftrag der J\u00fcnger Jesu zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3333ff;\">\u00a0&#8211; Der Mehrwert &#8211;<\/span><\/p>\n<p>Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen.\u00a0 Es lohnt sich, das Evangelium weiterzusagen.<br \/>\nNicht unbedingt wegen der Moral im Land &#8211; das w\u00fcrden Philosophen und Ethiker auch irgendwie hinkriegen.<br \/>\nNicht unbedingt weil die Kirche aufrechterhalten werden muss &#8211; wenn die verschwindet, haben Arch\u00e4ologen der kommenden Zeiten wenigstens etwas zu tun.<br \/>\nSondern weil der Glaube ein Schatz ist f\u00fcr denjenigen, der ihn hat. Zuversicht, Kraft und Hoffnung, ziehe ich aus meinem Glauben an diesen Gott,\u00a0 den Christus uns bekanntgemacht hat.<\/p>\n<p>Und wenn ich meinen Kindern, Enkeln oder Bekannten davon weitergebe, mache ich Ihnen eigentlich ein gro\u00dfes Geschenk.<\/p>\n<p>Man hat was davon! Gestern habe ich im Seniorenkreis die Aufzeichnungen von Pfarrer Stahl \u00fcber die Schreckenstage Anfang April 1945 geh\u00f6rt.<br \/>\nUnd an einer Stelle kam mir dieser Predigttext wieder in den Kopf. Die Eintragungen vom 7. April, dem Tag nach den schlimmsten Angriffen enden mit folgenden zwei Zeilen:&#8220; Unsere einzige Zuflucht ist und bleibt unser treuer Gott. Gott sei Dank, dass man das aus dem Mund so vieler unserer Heimgesuchten h\u00f6rt.&#8220;<br \/>\nUnd der Friede Gottes welche h\u00f6her ist das alle Vernunft, bewahre eure\u00a0 Herzen und Sinne in Christus Jesus.<br \/>\nAMEN<\/p>\n<blockquote><p><em>Hinweis:<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/goll_zerk.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1786\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1786\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/goll_zerk.jpg?fit=170%2C116&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"170,116\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"goll_zerk\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/goll_zerk.jpg?fit=170%2C116&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-full wp-image-1786\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/goll_zerk.jpg?resize=170%2C116\" alt=\"goll_zerk\" width=\"170\" height=\"116\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/goll_zerk.jpg?w=170&amp;ssl=1 170w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/goll_zerk.jpg?resize=150%2C102&amp;ssl=1 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><\/a> Am 6. April 1945 wurde das Dorf Gollhofen durch amerikanische Streitkr\u00e4fte beschossen und weitgehend zerst\u00f6rt. Die Predigt nimmt am Ende Bezug auf diese Katastrophe.<\/em><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wir haben Palmsonntag. Die Evangelienlesung hat davon berichtet: Jesus geht nach Jerusalem hinein die Leute bejubelten ihn, aber er selbst hat sich nicht von der Begeisterung mitrei\u00dfen lassen. Denn er wusste: eine Woche noch &#8211; dann kommt das Kreuz. 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