{"id":1783,"date":"2001-04-13T22:15:42","date_gmt":"2001-04-13T20:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1783"},"modified":"2014-06-05T22:18:29","modified_gmt":"2014-06-05T20:18:29","slug":"predigt-die-spoetter-haben-etwas-uebersehen-matthaeus-27-33-57-13-april-2001-karfreitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1783","title":{"rendered":"Predigt: Die Sp\u00f6tter haben etwas  \u00fcbersehen (Matth\u00e4us 27, 33-57) 13. April 2001, Karfreitag"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gemeinde,<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\">wir Menschen sind von Natur aus neugierig. Und: wir sind Augen-Tiere. Wir wollen was sehen, was anschauen, was erleben. Und manchmal ist es uns ziemlich egal, was wir anschauen, Hauptsache, wie haben was anzugucken.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Das wissen wir nicht erst seit der Erfindung der Fernbedienung am Fernseher ; denn da k\u00f6nnen wir beliebige Tasten dr\u00fccken es gibt immer etwas anzuschauen&#8230; und darum auch eigentlich keinen Grund auszuschalten.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Heute schauen wir uns Big Brother an, vor einigen Jahren ist man als Gaffer zu Verkehrsunf\u00e4llen gepilgert, und unsere Vorfahren sind scharenweise zusammengelaufen, wenn eine Hinrichtung anstand. Da musste man hin, da gab&#8217;s was zu erleben, das d\u00fcrfte man einfach nicht verpassen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Wir finden so etwas heute (wo es keiner \u00f6ffentlichen Hinrichtungen, aber f\u00fcnf TV-Leichen pro Abend, gibt) ganz abscheulich, wenn man damals seine Nachbarn und seine Kinder mit auf die Hinrichtungsstelle geschleppt hat.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Der Mensch der da zu Tode gebracht werden soll, wird zum Anschauungsobjekt. Der eigene Tod, er geh\u00f6rt ja zu dem, was mich ganz pers\u00f6nlich -und meine engsten Angeh\u00f6rigen &#8211; betrifft, der wird mir entrissen, enteignet, wenn er \u00f6ffentlich passiert.<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auch Jesu Leiden und Sterben am Kreuz waren damals so ein \u00f6ffentliches Ereignis. Unser Predigttext aus dem Matth\u00e4us Evangelium legte ein besonderes Augenmerk auf diesen Aspekt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Wir h\u00f6ren aus dem 27. Kapitel:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">33 Und als sie an die St\u00e4tte kamen mit Namen Golgatha, das hei\u00dft: Sch\u00e4delst\u00e4tte,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und als er&#8217;s schmeckte, wollte er nicht trinken.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, [a] verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">36 Und sie sa\u00dfen da und bewachten ihn.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">37 Und oben \u00fcber sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden K\u00f6nig.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">38 Und da wurden zwei R\u00e4uber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">39 Die aber vor\u00fcbergingen, l\u00e4sterten ihn und\u00a0 sch\u00fcttelten ihre K\u00f6pfe<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">40 und sprachen:\u00a0 Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">41 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und \u00c4ltesten und sprachen:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">42 Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der K\u00f6nig von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">43 Er hat Gott vertraut; der erl\u00f6se ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">44 Desgleichen schm\u00e4hten ihn auch die R\u00e4uber, die mit ihm gekreuzigt waren.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">45 Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis \u00fcber das ganze Land bis zur neunten Stunde.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">47 Einige aber, die da standen, als sie das h\u00f6rten, sprachen sie: Der ruft nach Elia.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und f\u00fcllte ihn mit\u00a0 Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">49 Die andern aber sprachen: Halt, la\u00df sehen, ob Elia komme und ihm helfe!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerri\u00df in zwei St\u00fccke von oben an bis unten aus.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">52 Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gr\u00e4ber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">53 und gingen aus den Gr\u00e4bern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">54 Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">So weit die Worte der Heiligen Schrift.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #3333ff;\">Die Rache des kleinen Manns<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Da stehen Sie also nun unter dem Kreuz. Genauer gesagt in der N\u00e4he des Kreuzes, in sicherem Abstand, wo man noch alles genau mit ansehen kann. Aber die Leute, die da kommen, geben sich nicht alle mit dem Gaffen zufrieden. Es scheint die Zeit der Heimzahlung zu sein. Die Zeit der Rache des kleinen Mannes an diesem Prediger aus Nazareth.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Da sind die Leute, die mit Jesus auf dem Tempel Vorplatz gestritten haben. Das Missverst\u00e4ndnis von damals bringen sie wieder an: &#8222;der du dem Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tage, hilf dir selber!&#8220;. Vielleicht sind auch einige der Tempelh\u00e4ndler dabei, die Jesus seinerzeit aus dem Tempelbezirk geworfen hatte. Damals konnten sie ihm nichts anhaben, jetzt aber war die Zeit der Genugtuung, jetzt wo Jesus wehrlos, nach Atem ringend am Kreuz hing.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ich sehe auch die Schriftgelehrten. Bei\u00dfenden Spott muss Jesus ertragen: \u201eAnderen hat er geholfen und kann sich nicht selber helfen&#8220;. &#8211; Und auch das andere alte Thema holen sie wieder hervor: Jesus soll ihnen beweisen, dass er von Gott gesandt ist: &#8222;Steige herab, dann wollen wir an dich glauben!&#8220; Neben die H\u00e4me tritt bei Ihnen auch ein Gef\u00fchl des Sieges: jetzt ist er beiseite geschafft, jetzt haben wir es ihm gezeigt, dass man uns nicht auf der Nase herum tanzen kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Und dann waren dann noch diese ganz \u00fcblen Typen: Kurz bevor er ans Kreuz genagelt wurde haben sie ihm mit einem G\u00f6nnerblick einen Krug Wein gegeben ; das taten \u00f6fters gute Freunde f\u00fcr die Verurteilten, damit die im Rausch die Schmerzen nicht so sp\u00fcrten. Aber beim ersten Schluck merkte Jesus schon, das sie es\u00a0 nicht gut mit ihm gemeint hatten: Galle hatten sie hineingegeben &#8230; der Schmerz stillende Trank offenbarte sich als ungenie\u00dfbare bittere Br\u00fche.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Links und rechts neben Jesus h\u00e4ngen auch zwei Verurteilte. Aber auch von ihnen kommt nicht ein Hauch von Solidarit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #3333ff;\">Niedrigkeit als Zentrum<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Jesus am Kreuz &#8211; von Menschen verspottet und&#8230; von Gott verlassen?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Jesus schreit es zumindest heraus &#8222;Eli Eli lama asabtani&#8220; &#8211; mein Gott , mein Gott, warum hast mich verlassen?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Am Kreuz ist auch Jesus am Ende. Und zwar am absoluten. Wenn derjenige, der selbst gesagt hat das man Gott nur um etwas bitten soll und man bekommt es geschenkt jetzt fragt &#8222;Gott, wo bist du&#8220;, dann ist das doch wirklich die absolute Bankrotterkl\u00e4rung eines Predigers.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber Jesus ist nicht nur ein Prediger aus Nazareth &#8211; er ist Gottes Sohn. Und wenn Gottes Sohn sich von Gott verlassen glaubt dann ger\u00e4t die Welt aus den Fugen. Unter das tut sie auch: drei Stunden lang verfinstert sich die Sonne, danach bebt die Erde. Matth\u00e4us schreibt eine f\u00f6rmliche Spuk- Geschichte: die Erde bebt, einige Gr\u00e4ber tun sich auf und Tote werden auf den Stra\u00dfen gesehen. Die Weltordnung ger\u00e4t durcheinander. Da ist etwas passiert, was eigentlich undenkbar ist: Gottessohn h\u00e4ngt am Kreuz und stirbt.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #3333ff;\">Was die Sp\u00f6tter \u00fcbersehen haben<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Unter dem Kreuz stand aber noch ein anderer. Der kannte diesen Jesus nicht, hatte vielleicht noch nie von ihm geh\u00f6rt. Er war von Berufs wegen da: der r\u00f6mische Hauptmann, der die Kreuzigung \u00fcberwachte. F\u00fcr ihn war es eine Kreuzigung von vielen, er hatte &#8211; anders als die anderen &#8211; keine Rechnung mit Jesus offen. Vielleicht war er darum nicht geblendet durch die Rache des kleinen Mannes. Was, was sich um diese Kreuzigung herum ereignet l\u00e4sst ihn zu einem sagenhaften Schluss kommen: &#8222;wahrlich, dieser ist Gottessohn gewesen!&#8220;. Er hat es erkannt, er hat die Zeichen richtig gedeutet.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #3333ff;\">Wozu das Ganze?<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gemeinde,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">ist es nicht dennoch eine Geschichte des Scheiterns? Musste es wirklich so weit kommen? Zu so einem blutigen Ende?\u00a0 H\u00e4tte Gottes Weg mit Jesus nicht auch anders verlaufen k\u00f6nnen &#8211; ohne Kreuz?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ich sage Ihnen ganz offen: ich wei\u00df es nicht. Und Mittwoch Nacht haben im ZDF einige gro\u00dfe Geister eine Gespr\u00e4chsrunde zu diesem Thema gehabt&#8230; und kamen auch zu keinem besseren Ergebnis. &#8211; das macht aber nichts. Sp\u00e4ter im Gottes Reich k\u00f6nnen wir ja mal nachfragen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber dennoch bin ich froh, heil-froh, dass das das f\u00fcr uns geschehen ist.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">\u00a0 Seitdem wei\u00df ich: Selbst wenn es mir schlecht geht, ja wenn es mir so schlecht geht, dass ich mich von Gott verlassen f\u00fchle, dann wei\u00df ich dennoch: da gibt es einen &#8211; Gottes Sohn &#8211; der war auch schon ganz ganz unten, und Gott hat ihn trotzdem nicht fallen lassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u00a0 Und ich wei\u00df: Bei Jesu Sterben ist der Vorhang im Tempel zerrissen. Gott hat den Vorhang zwischen uns S\u00fcndern und ihm weggenommen. Er hat den Weg zu sich frei gemacht. Unsere Schuld vor ihm ist weggenommen, sie liegt nicht mehr zwischen ihm und uns.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das \u201ewarum&#8220; und das \u201ef\u00fcr euch&#8220;\u00a0 bleibt uns letztlich ein Geheimnis. Aber auch ohne es zu verstehen d\u00fcrfen wir annehmen, was Jesus f\u00fcr uns getan hat. Jedesmal, wenn wir Abendmahl feiern, erinnern wir uns daran, was Jesus gesagt hat.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; mein Leib, mein Leben, f\u00fcr euch<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; mein Blut, mein Sterben, f\u00fcr euch, zur Vergebung der S\u00fcnden.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Amen<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wir Menschen sind von Natur aus neugierig. Und: wir sind Augen-Tiere. Wir wollen was sehen, was anschauen, was erleben. Und manchmal ist es uns ziemlich egal, was wir anschauen, Hauptsache, wie haben was anzugucken. Das wissen wir nicht erst seit der Erfindung der Fernbedienung am Fernseher ; denn\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1783\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Die Sp\u00f6tter haben etwas  \u00fcbersehen (Matth\u00e4us 27, 33-57) 13. 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