{"id":1775,"date":"2001-06-17T22:00:56","date_gmt":"2001-06-17T20:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1775"},"modified":"2014-06-05T22:03:52","modified_gmt":"2014-06-05T20:03:52","slug":"predigt-und-szene-von-ausputzern-und-stuermern-17-juni-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1775","title":{"rendered":"Predigt und Szene: Von Ausputzern und St\u00fcrmern, 17. Juni 2001"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"color: #ff0000;\">Anpiel zum Fu\u00dfballvereins-Jubil\u00e4um des FC Gollhofenvon:<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Klaus Wagner und Bernd Koclir<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">Predigt von: <\/span><span style=\"color: #000000;\">Alexander Seidel<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">Datum: <\/span><span style=\"color: #000000;\">17. Juni 2001<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Anspiel<br \/>\n<i>Nacheinander betreten A,B und C die B\u00fchne, sie sind deutlich sichtbar als Fu\u00dfballer gekleidet. D ist Vereinsvorstand im Anzug.<\/i><\/p>\n<p>A: <i>Kommt rein, guckt sich um, setzt sich breitbeinig auf den ersten Stuhl<\/i><br \/>\nB: <i>Kommt nach einer kurzen Pause herein, sieht A, erkennt ihn, setzt sich an dritten Platz hin<\/i><br \/>\nA: Dich kenn ich doch; du bist doch der Dings aus Ding&#8230;<br \/>\nB: zornig: Genau, dich kenn ich auch! Du hast mich vor zwei Jahren mal von hinten umgehauen. Ich bin die gesamte R\u00fcckrunde ausgefallen, weil dir das Wadenbein durchgetreten hast. Drecksack!<br \/>\nA: Na und, du kannst doch noch laufen und spielen kannst auch noch. Au\u00dferdem h\u00e4ttest du damals ein Tor gemacht, wenn ich nicht dazwischen gegangen w\u00e4re. Was willst du \u00fcberhaupt da?<br \/>\nB: Der Vorstand vom diesem Verein sucht einen guten Fussballer als Verst\u00e4rkung. Und dazu hat er einen Vorstellungstermin angesetzt, n\u00e4mlich <i>(blickt auf die Uhr) <\/i>in genau drei Minuten.<br \/>\nIch habe allerdings nicht gewu\u00dft, dass er auch noch einen M\u00fcllsortierer einstellt. <!--more--><br \/>\nA: <i>H\u00f6rt nicht hin<\/i><br \/>\nC: <i>kommt herein, ein wenig unsicher, hat wohl eine Verletzung:<\/i><br \/>\nB: Da kommt schon der N\u00e4chste!<br \/>\nA: Ja, C, wie geht\u00b4s dir. Gell, dein Holzbein will nicht so wie sonst?<br \/>\nC: Nein, ein Holzbein hab ich nicht, nur gestern Training gehabt. Bis Sonntag ist alles wieder in Ordnung. Witzbold, mit einem Holzbein Fussball spielen!<br \/>\nB: Ich kenn welche, die spielen mit einem Holzkopf und treffen alles, was sich bewegt!<br \/>\nA: Was soll das hei\u00dfen?<br \/>\nB: Wer so einsteigt wie du, ohne R\u00fccksicht auf Verluste, der mu\u00df einen an der Schale haben!<br \/>\nA: Das sagt auch nur so ein Weichei wie du, das bei jedem Foul zum Schiri rennt. Schau dir den C an, der humpelt um kommt trotzdem zum Gespr\u00e4ch.<br \/>\nC: Das Gespr\u00e4ch mit Vorstand ist doch jetzt gleich. Der braucht einen guten Fu\u00dfballer wie mich. Ich k\u00e4mpfe immer bis zum letzten und ich kann gute P\u00e4sse spielen.<br \/>\nB: Und dann hast du das Inserat gelesen und gedacht, du k\u00f6nntest hier antanzen und ein bisschen was extra bekommen. Zu A: hier gibt\u00b4s doch was extra, oder?<br \/>\nC: Mit\u00b4m Lesen hab ich\u00b4s nicht so, die Frau hat mich geschickt!<br \/>\nA: Ich denk doch, das was extra gibt. Immerhin war das Inserat in der Zeitung gestanden!<i> (faltet Inserat auf) <\/i>\u201eFussball-Spieler f\u00fcr Verein gesucht. Lohnt sich bestimmt!&#8220;<br \/>\nB: Aber Leute, seht\u00b4s realistisch, am besten, ihr la\u00dft mich gleich vor. Ich hab in der letzten Saison 23 Tore geschossen, da kommt keiner von euch hin!<br \/>\nA: Ich hab mindestens 23 Tore verhindert, und du hast in den letzten Jahren gegen mich kein einziges Tore gemacht!<br \/>\nB: Ich renn jedem davon, blo\u00df bei so einen unfairen wie dich, der einem das Bein schnell noch durchhaut! So was hab ich noch nie gesehen. Beim n\u00e4chsten Mal, das versprech ich dir, mach ich eines mit der linken Arschbacke. Wirst sehen!<br \/>\nA: Du magst schnell sein und deine Tore machen, aber als St\u00fcrmer bist du allein gar nix&#8230;. Merk dir das einmal! Die Tore werden vorne gemacht, die Spiele hinten gewonnen! Wir Verteidiger sind die wichtigsten Leute in einer Mannschaft! Hast ja vor zwei Jahren gesehen! <i>(macht knackendes Ger\u00e4usch und dazugeh\u00f6rende Bewegung)<\/i><br \/>\nC: Nein, Kumpel, du wickelst da schief! Der Mittelfeldmann ist der wichtigstes Spieler, weil ich die B\u00e4lle nach vorn bringe und nach hinten auch gr\u00e4tsche. Au\u00dferdem stehen auch schon 7 Tore auf meinem Konto! Wenn\u00b4s euch nix ausmacht, ich gehe mal kurz rein, weil meine Frau wartet im Auto drau\u00dfen und wir m\u00fcssen noch die Oma besuchen&#8230;<br \/>\nA:B: Uns machst\u00b4s aber was aus!<br \/>\nA: Du wartest wie alle anderen. Au\u00dferdem war ich zuerst da!<br \/>\nD: kommt von der anderen Seite, Im Anzug: So, mir w\u00e4ren jetzt soweit. Wer ist denn jetzt\u00a0 unser Superfussballer?<br \/>\nA,B,C <i>(heben die Hand)<\/i> \u201eIch!&#8220;<br \/>\nPredigt<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wie wird er sich entscheiden, der Vorstand des Vereines, der hier seinen Superfu\u00dfballer sucht.<br \/>\nDie drei Helden des Rasens sind sich einig: \u201eICH&#8220; &#8211; schreit jeder. Jeder der drei glaubt, er w\u00e4re exakt der richtige Mann, der einzige gute Spieler auf dem Gr\u00fcn.\u00a0 Und: die anderen sind eigentlich zu gar nichts wirklich zu gebrauchen. So hauen sie sich da im Vorzimmer des Pr\u00e4sidenten gegenseitig in die Pfanne &#8211; keiner l\u00e4sst am andern ein gutes Haar.<br \/>\nWann man den dreien so zuh\u00f6rt, k\u00f6nnte man glatt vergessen, dass sie alle den gleichen Mannschaftssport aus\u00fcben, bei dem man eben nicht nur st\u00fcrmende Ballartisten braucht. Er braucht ja vorne und hinten f\u00e4hige Leute und ein solides Mittelfeld.<br \/>\nKlar: Der Pr\u00e4sident wird alle drei einstellen m\u00fcssen, wenn er ein Team m\u00f6chte, das auch Chancen auf Erfolg hat.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit ihnen mal \u00fcberlegen, ob es solche Typen wie die drei nicht auch au\u00dferhalb des Platzes gibt, im allt\u00e4glichen Leben &#8230; und in der Kirchengemeinde.<\/p>\n<p>Der Bremser<br \/>\nAls erstes kam einer auf die B\u00fchne, der steht ziemlich oft hinten drin im Spielfeld. Verteidigt das Tor, bremst die gegnerischen Spieler, sichert den Strafraum ab. Je nachdem, wie es sich ergibt, spitzelt er den Ball ins Aus oder geht mal h\u00e4rter rein um ein Gegentor zu verhindern. Ein ziemlich konservativer Typ, denn er verhindert Ver\u00e4nderungen &#8211; vor allem was die Zahl der kassierten Tore angeht. Auch wenn er mal reingr\u00e4tscht, macht er das eigentlich nicht aus b\u00f6sem Willen, sondern aus Vorsicht, es soll hinten ja nichts anbrennen, blo\u00df dass nichts schiefgeht.<\/p>\n<p>In einer Kirchengemeinde gibts auch viele solcher Verteidiger. Sie sind vorsichtig, sie schauen skeptisch, wenn sich im Leben, im Spiel der Gemeinde, etwas schnell ver\u00e4ndert. Da warnen sie: Passt auf! Das k\u00f6nnte schiefgehen, der Schuss kann nach hinten losgehen. Wenn der Pfarrer, oder die Jugend etwas Neues ausprobiert, passt ihnen das nicht immer. So ein Verteidiger hat seine Bedenken, wenn man im Gottesdienst englische Lieder singt, wenn eine Jugendband zu laut Musik macht, oder wenn manches nicht mehr so ist, wie er es schon immer gekannt hat.<br \/>\nWenn die Vorstopper der Gemeinde in Aktion treten, tuts manchem St\u00fcrmer schon mal weh. Da wird m\u00f6glicherweise jemand im vollen Lauf ausgebremst.<br \/>\nDie Ausputzer haben nicht immer den besten Ruf. Auch in der Kirchegemeinde sind nicht alle froh dar\u00fcber wenn jemand da hinten bremst, wenn jemand fragt, ob die Kirche von heute wirklich so modern sein muss; ob sie jeder Moder hinterherrennen soll.<br \/>\nABER: Die Verteidiger wissen: Ein Spiel muss man von hinten heraus langsam aufbauen. Nur vorpreschen n\u00fctzt nichts, zu schnell f\u00e4ngt man sich sonst ein Gegentor ein. Auch wenn es manchen nicht immer passt: Wir brauchen die Bremser, die Verteidiger in der Kirche.<\/p>\n<p>Der St\u00fcrmer<br \/>\nNun zum n\u00e4chsten Kameraden: Der Superst\u00fcrmer mit seinen 23 Toren in der letzten Saison. Respekt, der Kerl will was erreichen, er h\u00e4ngt sich rein, l\u00e4sst sich auch kaum bremsen in seinem Tatendrang. Er f\u00fchlt sich daf\u00fcr zust\u00e4ndig, dass sich was tut auf dem Feld und der Ball im gegnerischen Netz zappelt. Dann kassiert er den Ruhm und den Respekt: Schlie\u00dflich ist er der Torsch\u00fctze, kann den Sieg oder sogar den Aufstieg f\u00fcr sich verbuchen.<br \/>\nDiese St\u00fcrmer kenne ich auch in der Kirchengemeinde. Das sind Leute, die h\u00e4ngen sich wirklich rein. Sie sind immer und \u00fcberall dabei. Die kennt man, weil sie immer pr\u00e4sent sind und was tun. Sie krempeln die \u00c4rmel hinter, wollen etwas f\u00fcr die Gemeinde tun. Mit einem 1 zu 1 sind sie nicht immer zufrieden: Es soll vorw\u00e4rts gehen. Sie \u00fcberlegen sich, wie die Kirche von heute attraktiv bleiben kann, oder attraktiver werden kann. Unter ihnen sind auch christliche Ballartisten. Sie haben kreative Ideen: Sie schlagen vor, wie der Kindergarten noch sch\u00f6ner werden kann, entwickeln Einf\u00e4lle f\u00fcr die Jugend und die Senioren. Und sie sorgen daf\u00fcr, dass der Pfarrer sich nicht allzu gem\u00fctlich auf den Lorbeeren ausruhen kann.<\/p>\n<p>Die St\u00fcrmer &#8211; und ich muss sagen: bei uns sind das sehr oft St\u00fcrmerinnen &#8211; sind wichtig f\u00fcr eine Gemeinde, wie f\u00fcr eine Fu\u00dfballmannschaft: Ohne ihr Engagement w\u00e4ren wir vielleicht schon abgestiegen.<\/p>\n<p>ABER: Das Verh\u00e4ltnis von Bremsern und St\u00fcrmern ist nicht so ganz unproblematisch. Wer vorne die Punkte und Erfolge einheimst, k\u00f6nnte denken, dass er der einzige ist, der etwas f\u00fcr die Gemeinde tut. Das haben wir ja vorhin deutlich gesehen.<\/p>\n<p>Das Mittelfeld<br \/>\nUnd dann war da noch Spieler Numero drei: Im Mittelfeld spielt der. Er ist engagiert bei der Sache, aber Fu\u00dfball ist f\u00fcr ihn nicht die einzige Besch\u00e4ftigung. Sogar zum Bewerbungsgespr\u00e4ch beim Vorstand kommt er eher nebenbei: Die Frau wartet unten im Auto, die Oma will noch besucht werden. Aber ein halbseidener Fu\u00dfballer ist er trotzdem nicht: Er wei\u00df: Ohne mich geht nix.<br \/>\nEr ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die P\u00e4sse nach vorne; wenn er nichts bringt, verhungert der Sturm. Und wenn er nicht ernsthaft in die Zweik\u00e4mpfe geht, steht der Gegner in Nullkommanix vorm eigenen Strafraum.<\/p>\n<p>Ich habe mir \u00fcberlegt, ob wir auch solche Mittelfeldspieler in der Gemeinde haben. Hm, was macht denn so nen Mittelfeldspieler aus?<br \/>\nEin Allroundtalent, das zur Stelle sind, wenn es gebraucht wird.<br \/>\nJemand der will, dass es vorw\u00e4rts geht, aber wei\u00df, dass andere besser als er selber Tore schie\u00dfen kann.<br \/>\nJa, die Mittelfeldspieler gibt es schon, auch in Gollhofen. Sie wissen, dass sie zur Kirchengemeinde geh\u00f6ren, sind da, am Sonntag, wenn Arbeit ansteht, dann langen sie ohne gro\u00dfes Aufsehen mit hin. Sie haben nicht die Zeit oder Energie immer ganz vorne mitzuspielen, aber sie wissen, dass sie mit dazugeh\u00f6ren. Denen ist die Kirche nicht Wurst, auch wenn sie in manchen Spielen nur wenig Ballkontakt haben.<br \/>\nAlle geh\u00f6ren zur gleichen Mannschaft<br \/>\nLiebe Gemeinde,<br \/>\nwir haben vorhin in der Lesung geh\u00f6rt, wie der Apostel Paulus die christliche Gemeinschaft versteht. Er spricht vom K\u00f6rper, der ganz verschiedene Teile hat; jedes mit seiner eigenen Aufgabe. Aber alle geh\u00f6ren zusammen &#8211; ja noch mehr: Erst wenn alle wirklich zusammenwirken, dann funktioniert der K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Und eben genauso kann ich Gemeinde auch als Mannschaft verstehen: Jeder einzelne ist wichtig, hat seine Aufgabe. Jeder soll mal an den Ball kommen.<\/p>\n<p>JA, der Ball! Um den dreht sich ja so ein Spiel. Das Spiel der Kirche dreht sich um den Glaubensball. Der Glaube &#8211; das Vertrauen auf Gott &#8211; das soll hier gelebt werden. Soll bewegt sein, soll weitergegeben werden.<br \/>\nDer Ballkontakt ist wichtig: Dass ich merke, wie mein Leben durch den Glauben ver\u00e4ndert wird, ich einen Mehrwert habe.<br \/>\nHauptsache mitspielen, das ist das Motto in unserer Kirche. Dann ist es zweitrangig auf welcher Position ich spiele.<br \/>\nDenn wir spielen als Mannschaft, zusammen getragen von dem einen Glauben.<br \/>\nAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anpiel zum Fu\u00dfballvereins-Jubil\u00e4um des FC Gollhofenvon: Klaus Wagner und Bernd Koclir Predigt von: Alexander Seidel Datum: 17. Juni 2001 Anspiel Nacheinander betreten A,B und C die B\u00fchne, sie sind deutlich sichtbar als Fu\u00dfballer gekleidet. D ist Vereinsvorstand im Anzug. 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