{"id":1772,"date":"2001-07-15T21:57:18","date_gmt":"2001-07-15T20:57:18","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1772"},"modified":"2021-01-26T21:13:15","modified_gmt":"2021-01-26T20:13:15","slug":"predigt-nachfolge-heisst-prioritaeten-setzen-lukas-14-25-55-15-juli-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1772","title":{"rendered":"Predigt: Nachfolge hei\u00dft: Priorit\u00e4ten setzen! (Lukas 14, 25-33) 15. Juli 2001"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gemeinde, <\/span><span style=\"color: #000000;\">stellen sie sich vor, wir w\u00e4ren damals dabeigewesen, als Jesus durch Galil\u00e4a zog: er hatte von Gott erz\u00e4hlt und das Gleichnis vom gro\u00dfen Festmahl erz\u00e4hlt. Davon, dass Gott ist wie einer, der nicht nur die besonderen &#8211; die geladenen G\u00e4ste &#8211; auf seinem Fest haben m\u00f6chte, sondern der alle haben will. Darum holt er alle m\u00f6glichen Leute von den Stra\u00dfen und von den Z\u00e4unen weg hinein in sein Haus, wo er mit ihnen dann feiern wird.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Jesu Zuh\u00f6rer waren angetan&#8230; von ihm als Person&#8230; von seinen Wundertaten&#8230; von dem, was er \u00fcber Gott sagte. Sie waren neugierig, was als n\u00e4chstes kommen wird. Darum l\u00e4uft ihm eine ganze Menschenmenge hinterher. Heutzutage w\u00fcrde man sie Fans nennen. Gar keine Frage: Jesus war enorm beliebt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Als Jesus so durch die Stra\u00dfen ging und die Leute sich hinterher ihm dr\u00e4ngten, blieb er stehen und drehte sich zu ihnen um.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Was er da dann sagte, steht im Lukasevangelium, im 14. Kapitel:<\/span><!--more--><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #000000;\">Es ging aber eine gro\u00dfe Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Br\u00fcder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein J\u00fcnger sein.<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">Und wer nicht sein Kreuz tr\u00e4gt und mir nachfolgt, der kann nicht mein J\u00fcnger sein.<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und \u00fcberschl\u00e4gt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuf\u00fchren?<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">Damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann&#8217;s nicht ausf\u00fchren, alle, die es sehen, anfangen, \u00fcber ihn zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann&#8217;s nicht ausf\u00fchren.<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">Oder welcher K\u00f6nig will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern K\u00f6nig und setzt sich nicht zuvor hin und h\u00e4lt Rat, ob er mit Zehntausend dem begegnen kann, der \u00fcber ihn kommt mit Zwanzigtausend? Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein J\u00fcnger sein.<br \/>\n<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gollh\u00f6fer!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ich spare uns die Frage, was f\u00fcr ein Gesicht die gemacht haben die um Jesus herumstanden. Sie brauchen nur daran denken, welches Gesicht sie selbst (zumindest innerlich) gezogen haben als sie die ersten Verse geh\u00f6rt haben: fragende Gesichter, zweifelnde Minen, nach oben gezogene Augenbrauen, oder ein gequ\u00e4ltes L\u00e4cheln. \u201eDas kann doch nicht wahr sein, das kann doch nicht Ernst von Jesus sein. Zuerst l\u00e4dt er alle ein, und dann diese Worte:&#8220; Jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein J\u00fcnger sein. \u201eDas ist ja fast schon wieder ein Rausschmiss.&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Einige bei uns in der Kirche w\u00fcrden solche Predigttexte wohl am liebsten in den Giftschrank sperren: so was passt nicht zum Konzept einer &#8222;Kirche f\u00fcr alle&#8220; mit niederschwelligen Angeboten f\u00fcr kirchlich mittel-interessierte Menschen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Jesus legt in diesen Worten die Latte zur Nachfolge hoch, wenn er davon spricht: wer sich nicht los sagt von allem, was er hat, der kann nicht mein J\u00fcnger sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Und was wahrscheinlich noch schwerer wiegt: Jesus redet vom hassen. Da komm ich nicht drum herum; es steht nun mal so da: Ein J\u00fcnger soll seine Familie und sich selber hassen. &#8211; Da frage ich mich: bin ich hier noch in der richtigen Bibel? Ist das der gleiche Jesus, der von der N\u00e4chstenliebe spricht, von Vergebung, von Gemeinschaft?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist nicht zu verstehen &#8211;\u00a0 Bei Jesus kommt es ganz anders als erwartet. Statt die Menge der Menschen um ihn herum weiter f\u00fcr sich zu begeistern verprellt er sie mit einem unglaublich hohen Anspruch und kaum verstehbaren Forderungen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Aber wir sind nicht hier zusammengekommen um \u00fcber solche Worte zu jammern, sondern um sie zu verstehen. Ich denke es ist ganz sinnvoll diese kurze Rede Jesu nicht gleich bei diesen spitzen H\u00f6rnern anzupacken, sondern an einer Stelle, wo uns der Einstieg leichter f\u00e4llt: bei dem Beispiel von jemanden, der sich einen Turm bauen will.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #cc33cc;\">Das Beispiel vom Turmbau<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es geht darum einen, der einen Turm bauen will. Vielleicht einen Wachturm f\u00fcr seinen Weinberg. F\u00fcr so ein anspruchsvolles Projekt muss er schon lange vor dem ersten Spatenstich \u00fcberlegen: Wie soll der Turm aussehen, wie viel Geld brauche ich, was kann ich selber bezahlen und woher bekomme ich einen Kredit? Erst wenn die Finanzierung sicher ist, wenn der Bauherr wei\u00df, worauf er sich einl\u00e4sst, kann er mit seinem Projekt beginnen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Wer vor lauter Begeisterung einfach mit dem Bauen anf\u00e4ngt, dem kann es passieren dass er schon an der Oberkante des Kellers den Bodensatz in seinem Geldbeutel sieht. Dann geht es nicht mehr weiter, zur\u00fcckbleibt eine Bauruine, \u00fcber die jeder spottet, der vorbei l\u00e4uft. So ein bitteres Scheitern kann man vermeiden wenn man eben vorher nachdenkt und die Kosten \u00fcberschl\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dieses Beispiel h\u00e4lt Jesus seinen Anh\u00e4ngern vor die Nase. Er fragt sie:&#8220; seid ihr euch im Klaren dar\u00fcber, auf was ihr euch einlasst, wenn ihr mir nachfolgt? \u00dcberlegt es euch gut&#8230; ich will keine Fans, sondern J\u00fcnger. Ich brauche Leute, die mit mir mitgehen und auch entsprechend in ihrem Leben Priorit\u00e4ten setzen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ja, um die Priorit\u00e4ten geht es! Was ist ganz obenauf der Liste, und was ist zweitrangig und drittrangig in meinem Leben? Dem oberen Ziel muss alles andere untergeordnet werden. Die Schl\u00fcsselfrage lautet da &#8220; vertr\u00e4gt sich dies oder jenes mit meinem Ziel?&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Beispielsweise: Vertr\u00e4gt es sich mit der Finanzierung meines Hauses, wenn ich noch Schulden f\u00fcr ein schickes Auto aufnehme? Wenn es schief geht, wenn es sich nicht vertr\u00e4gt, dann ist dann schnell beides futsch: Haus und Auto.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Also: Jesus fordert von seinen J\u00fcngern: wenn ihr mir nachfolgen wollt, dann soll das das erste Ziel in eurem Leben sein.. Alles andere ist zweitrangig und ihr m\u00fcsst nachzusehen, ob es sich mit diesem Ziel vertr\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #cc33cc;\">Auch heute Priorit\u00e4ten setzen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Predigttext redet nicht nur zu den J\u00fcngern von damals, sondern auch zu uns. Durch ihn fragt Jesus auch bei uns nach, seid ihr euch im Klaren auf was ihr euch einlasst mit dem Glauben? Seid ihr bereit, alles dem Vertrauen auf Gott unterzuordnen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Diese Antwort haben immer wieder Menschen mit einem ja beantwortet.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Manche von ihnen haben das ganz radikal getan.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; Unter den ersten Christen vor zweitausend Jahren waren radikale Wanderprediger. Sie haben versucht ihr Leben auf das Notwendigste zu beschr\u00e4nken, haben von Jesus gepredigt und alles andere als nutzlos abgelehnt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; Der Apostel Paulus geh\u00f6rt zwar nicht zu ihnen, aber auch er hat ganz klar in seinem Leben Priorit\u00e4ten gesetzt: um in ganz Europa von Jesus weiter sagen zu k\u00f6nnen, hat der auf vieles, wie eine Familie oder ein festes Einkommen, verzichtet.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; \u00c4hnlich ist das heute noch bei Diakonissen und Ordensleuten.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; Eine ganz moderne Version davon sind die Jesus-Freaks. Junge Leute, oft aus der Rockmusik-Szene, manchmal mit einer Drogenkarriere hinter sich, die zum Glauben gekommen sind und ganz entschieden ihr Vertrauen auf Gott in ihrem Leben obenanstellen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Bei allen diesen Leuten ist es ganz offensichtlich: sie haben in ihrem Leben einen Schnitt gemacht, und von da an ihr Leben dem gro\u00dfen Ziel &#8211; dem Glauben &#8211; untergeordnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber die Frage &#8222;vertr\u00e4gt sich dies und jenes mit meinem Ziel&#8220; muss nicht immer hei\u00dfen, dass alles andere abgelehnt wird.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; Paulus war wohl eng befreundet mit dem Ehepaar Aquilla und Priscilla. Sie waren verheiratet, m\u00f6glicherweise wohlhabend, und dennoch engagierte Christen. Der Glaube hatte oberste Priorit\u00e4t, sie haben sich wohl selbst \u00fcberlegt, ob das verheiratet sein, ob ihr Reichtum, ob ihr Lebensstil sich mit ihrem Glauben vertragen kann. Und sie gestalteten dann ihr Leben dem Glauben gem\u00e4\u00df.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; Und wir Evangelischen haben mit Martin Luther auch einen ganz profilierten Vertreter dieser Gruppe. Anders als Paulus hat er f\u00fcr sich entdeckt, dass sich das heiraten mit seinem Glauben gut vertr\u00e4gt, genauso wie das Wittenberger Bier und ein Schweinebraten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dass sie mich nicht falsch verstehen: Martin Luther war deshalb kein halbseidener Christ im Vergleich zu Paulus.\u00a0 Beide haben sich die gleiche Frage gestellt: &#8220; Was vertr\u00e4gt sich mit meinem Glauben?&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; F\u00fcr Paulus lautete die Antwort: zu heiraten vertr\u00e4gt sich nicht mit meinem Auftrag als Missionar.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; Luther hat erkannt: die kl\u00f6sterliche Selbstbeschr\u00e4nkung vertr\u00e4gt sich nicht mit einem Leben im Vertrauen darauf, dass Gott ohne meine Leistung mich annimmt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #cc33cc;\">Entscheidungen sind dran!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber Vorsicht: selbst wenn Luther und Paulus so verschieden waren &#8211; die Entscheidung, was sich mit dem Glauben vertr\u00e4gt ist nicht beliebig. Beide sind Jesus Christus nachgefolgt und haben jeweils entschieden: &#8222;das ist f\u00fcr mich wegen meines Glaubens dran &#8211; auch wenn es mir nicht leicht f\u00e4llt&#8220;.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Priorit\u00e4ten setzen &#8211; Entscheidungen f\u00e4llen &#8211; das fordert Jesus von seinen J\u00fcngern in diesem Predigttext.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Jesus spitzt diese Forderung zu und sagt letztlich: Wenn du pr\u00fcfst, was in deinem Leben sich mit dem Glauben vertr\u00e4gt, dann kann das Folgen\u00a0 haben f\u00fcr dein eigenes Leben oder f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zu deiner Familie.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Dieser anst\u00f6\u00dfige Satz mit dem &#8222;Hassen der Eltern&#8220; ist vielleicht verst\u00e4ndlicher, wenn ich ihn in einer neueren \u00dcbersetzung vorlese: dort hei\u00dft es &#8220; wenn einer mit mir gehen will, so muss ich f\u00fcr ihn wichtiger sein als alles andere in seinem Leben. Wichtiger als seine Eltern, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das Leben selbst.&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Eine Forderung die hart klingt. Aber es geschieht wohl eher selten, dass eigene Glaube dazu f\u00fchrt, dass man sich mit der eigenen Familie \u00fcberwirft. Viel \u00f6fter aber erinnert mich dieser Satz daran, in den Kleinigkeiten meines Lebens, bei meinen Eigenheiten und Besonderheiten zu pr\u00fcfen: &#8222;Vertr\u00e4gt sich das noch mit meinem Glauben&#8220; &#8211; und dann auch Abschied zunehmen von Dingen, die dem Glauben, meiner Beziehung zu Gott, widersprechen. Das ist nie leicht, manchmal ein langes Ringen mit R\u00fcckschl\u00e4gen. Gut zu wissen, dass Gott mir gerade auch bei meinen Niederlagen nahe ist und wir immer wieder neue Kraft gibt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Amen<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, stellen sie sich vor, wir w\u00e4ren damals dabeigewesen, als Jesus durch Galil\u00e4a zog: er hatte von Gott erz\u00e4hlt und das Gleichnis vom gro\u00dfen Festmahl erz\u00e4hlt. Davon, dass Gott ist wie einer, der nicht nur die besonderen &#8211; die geladenen G\u00e4ste &#8211; auf seinem Fest haben m\u00f6chte, sondern der\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1772\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Nachfolge hei\u00dft: Priorit\u00e4ten setzen! (Lukas 14, 25-55) 15. 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