{"id":1766,"date":"2001-09-16T21:50:10","date_gmt":"2001-09-16T20:50:10","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1766"},"modified":"2017-10-24T20:00:14","modified_gmt":"2017-10-24T19:00:14","slug":"predigt-wenn-gott-seine-leiter-herablaesst-1-mose-28-10-19-16-september-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1766","title":{"rendered":"Predigt: Wenn Gott seine Leiter herabl\u00e4sst (1. Mose 28, 10-19 ) 16. September 2001"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nJakob und Esau &#8211; Sie kennen die beiden der sicher aus dem Alten Testament. &#8211; Zwillinge waren sie, aber unterschiedlich, wie man sie sich nur vorstellen konnte. Esau, der robuste Naturbursche mit dem r\u00f6tlichen Haaren &#8211; der ganze Stolz seines Vaters; und Jakob, der Stubenhocker und Muttis Liebling.<br \/>\nDie meisten von Ihnen kennen diese Geschichte ja schon aus der Schulzeit: Jakob, der sp\u00e4ter geborene der beiden erweist sich als der gewieftere. Es wurmt ihn, dass\u00a0 wegen der wenigen Minuten, sie sein Bruder eher geboren wurde, der Andere das Erbe des Vaters antreten soll. Er will nicht zu kurz kommen und entwickelt einen Plan, wie er seinem Bruder zuvorkommen kann.<br \/>\nDer gro\u00dfe Bruder Esau tappt auch tats\u00e4chlich in die Falle und verkauft dem Jakob sein wertvolles Erstgeburtsrecht. F\u00fcr nicht mehr als ein Linsengericht. Und dann schleicht sich Jakob geschickt verkleidet zu seinem fast blinden Vater und holt sich den einmaligen Erstgeburtssegen. <!--more--><\/p>\n<p>Unglaublich unverfroren diese Aktion, aber ungeheuer erfolgreich. Damit hatte er seinen Bruder ausgebootet &#8211; Vorsprung durch Technik.<br \/>\nAber hat es ihm wirklich etwas gebracht? Tauchen wir kurz einmal ein, in die Geschichte. Ein paar Tage nach Jakobs Geniestreich&#8230;<\/p>\n<p>Als sich Jakob an jenem Abend schlafen legen wollte, horchte er erst einige Minuten in die Stille der Nacht hinein. Er wollte sichergehen, dass kein Mensch in der N\u00e4he war. Vor allem nicht sein Bruder Esau.<br \/>\nVor ihm war er auf der Flucht. Esau hatte sich mit diesem Betrug seines Bruders nicht abgefunden. Seine Lebenspl\u00e4ne waren dadurch durchkreuzt, er wollte Rache. Seinen eigenen Bruder w\u00fcrde er umbringen, wenn wir ihn erwischen w\u00fcrde. Darum war Jakob auf der Flucht. Seine Mutter hatte ihnen noch rechtzeitig gewarnt, er wollte weg nach Haran, in die Heimat der Vorfahren.<\/p>\n<p>Zum Schlafen legte er sich mit den Kopf dicht an einen Stein, so f\u00fchlte er sich ein wenig sicherer. Bevor er einschlief zogen noch Bilder vor seinen Augen vorbei: Seine Eltern, die er liebte. Vor allem seine Mutter, ihn immer verw\u00f6hnt hatte. Seine Ziegenherde. Auch sein Bruder, den er ja auch mochte &#8230; aber jetzt war alles ganz anders. Die Idylle war zerst\u00f6rt &#8211; durch seine eigene R\u00fccksichtslosigkeit. H\u00e4tte er nur einmal richtig nachgedacht &#8211; an die anderen gedacht uns nicht nur an sich selbst.<br \/>\nAber jetzt war alles zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Ich lese den Predigttext aus dem 28 Kapitel im ersten Buch Mose.<\/p>\n<p>Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran<br \/>\nund kam an eine St\u00e4tte, da blieb er \u00fcber Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der St\u00e4tte und legte ihn zu seinen H\u00e4upten und legte sich an der St\u00e4tte schlafen.<br \/>\nUnd ihm tr\u00e4umte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die r\u00fchrte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.<br \/>\nUnd der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.<br \/>\nUnd dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und\u00a0 du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und S\u00fcden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.<br \/>\nUnd siehe, ich bin mit dir und will dich beh\u00fcten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.<br \/>\nAls nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: F\u00fcrwahr, der HERR ist an dieser St\u00e4tte, und ich wu\u00dfte es nicht!<br \/>\nUnd er f\u00fcrchtete sich und sprach: Wie\u00a0 heilig ist diese St\u00e4tte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.<br \/>\nUnd Jakob stand fr\u00fch am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen H\u00e4upten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und go\u00df \u00d6l oben darauf<br \/>\nund nannte die St\u00e4tte Bethel. &#8211;<\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<\/p>\n<p>Da soll einer Gott verstehen&#8230;<br \/>\nDiese Geschichte hat eine H\u00e4lfte, bei der ich gerade in dieser Woche ganz heftig nicke:<br \/>\nSie zeigt mir einen Gott, der den Menschen nahe ist, die vor den Tr\u00fcmmern ihre Existenz stehen. Die nicht mehr aus noch ein wissen. Die nur noch von heute auf morgen denken k\u00f6nnen, weil sie sich von ihrer Zukunft gar kein Bild mehr machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie gut, wenn dieser himmlische Vater ganz schnell seine himmlische Leiter herunterl\u00e4sst, so wie bei Jakob. Und dann hoffe ich auch, dass er seine Leiter in Manhattan und Washington auf die Erde stellt. Dadurch den Menschen nahe ist, sie tr\u00f6stet, Hoffnung macht und auch Wunder sehen l\u00e4sst.<br \/>\nUnd vielleicht gerade deshalb, weil ich selber so hilflos gegen\u00fcber der Katastrophe in den USA dastehe, hoffe ich es: Dass so mancher doch diese Stimme von oben h\u00f6rt, die sagt: &#8222;Siehe, bin mit dir und will dich beh\u00fcten.&#8220;<\/p>\n<p>Im Falle Jakob runzle ich aber auch ein bisschen die Stirn. Denn schlie\u00dflich hat Jakob sich das alles selber eingebrockt. Nat\u00fcrlich, seine Mutter hat ihn m\u00e4chtig verzogen und ihn vielleicht auch auf diese dumme Idee mit dem Betrug gebracht. Letztlich ist er doch selber verantwortlich f\u00fcr sein Verhalten. Warum bekommt er dann einfach so Gottes Unterst\u00fctzung? Warum spricht Gott zu ihm so gute Worte, so eine gro\u00dfe Verhei\u00dfung, statt ihn zu verfluchen?<\/p>\n<p>Zwei Antworten kann ich Ihnen anbieten:<br \/>\nAntwort Nr. 1: Gott schaut eben zuallererst auf das, was wir ben\u00f6tigen statt auf das, was wir verdient haben. So etwas nennt der Fachmann Gnade.<\/p>\n<p>Antwort Nr. 2: Die zweite Antwort ist der Fortgang der Geschichte vom Jakob:<\/p>\n<p>Als er die Augen aufmachte, war sie weg, die Leiter. &#8220; War das wirklich &#8211; oder war das nur ein Traum gewesen, dass Gott mit ihm gesprochen hatte?&#8220; Angestrengt versucht Jakob sich zu erinnern. Die Leiter bis in den Himmel, war sie wirklich dagewesen? Abdr\u00fccke im Sand sah er jedenfalls keine.<\/p>\n<p>Er setzt sich auf und lehnte sich mit den R\u00fccken an diesem Stein an dem er Schutz gesucht hatte. Ganz langsam geht er seine Erinnerungen durch. Sortiert sie &#8211; und merkt: diese Verhei\u00dfung, die er da geh\u00f6rt hatte unterscheidet sich von seinen jugendlichen Fantasien wegen derer er Esau betrogen hatte.<br \/>\nNachkommen und Zukunft hat Gott ihm in dieser Nacht versprochen. Andere sollen durch ihn gesegnet sein und Gott will ihn nie verlassen. Das hat eine andere Qualit\u00e4t als Jakobs W\u00fcnsche nach Reichtum und Ansehen.<br \/>\nGanz allm\u00e4hlich wird sich Jakob bewu\u00dft: Das war Gottes Stimme, er hat seine Leiter zu ihm herabgelassen um sein Leben neu zu sortieren. Und auch um an seiner Seite zu bleiben.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndie Verhei\u00dfung, die Gott dem Jakob in dieser Nacht gemacht hatte, war nicht einfach eine Best\u00e4tigung: \u201eMein Lieber, alles war bisher in Ordnung, mach weiter so, dann wirst du seine Ziele schon erreichen&#8220;.<br \/>\nAn diesem Stein hat Gott ihm seine Hilfe, seinen Segen zugesagt, aber hat ihm auch deutlich eine Richtung gewiesen:<br \/>\n&#8211; Ja, durch dich werde ich meine Verhei\u00dfung an deinen Vater Jakob verwirklichen. Meine Verhei\u00dfung; aber nicht unbedingt deine eigensinnigen Pl\u00e4ne.<br \/>\n&#8211; Ja, ich werde bei dir sein und dich beh\u00fcten, und weil ich dir helfe, brauchst du auch keine krummen Dinger drehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Jakob war diese Begegnung mit Gott ein Meilenstein in seinem Leben. So wichtig war ihm diese Begegnung, dass er diesen Stein zu einem Steinmal aufrichtet und als Zeichen f\u00fcr seine religi\u00f6se Bedeutung mit Salb\u00f6l begie\u00dft: Hier hat Gott meinem Leben eine neue Richtung gegeben. Hier ist Gott mir begegnet, darum nenne ich diesen Ort Beth-El: Haus Gottes.<\/p>\n<p>Jakobs Leben ver\u00e4ndert sich. Nicht komplett, aber in vielen Kleinigkeiten.<br \/>\nAuch wenn Gott ihm gesagt hat, \u201eich bin mit dir, ich will dich beh\u00fcten&#8220;, ist bei ihm nicht alles glatt gelaufen. Schon bei der n\u00e4chsten Station seines Lebens wird er von seinem Schwiegervater b\u00f6se ausgeschmiert. Wurde selber einmal Opfer eines Betrugs.<br \/>\nSeine Familie wuchs, sein Wohlstand auch.<br \/>\nEs kam der Tag, an dem er seinen Bruder wieder gegen\u00fcber stand; er erfuhr, wie wertvoll es sein kann, Vergebung zu erfahren, sich wieder die Hand zu reichen, zu umarmen.<br \/>\nEr kehrte zur\u00fcck in das Land seines Vaters, das Land, das Gott ihm und seinen Nachkommen geben wollte.<br \/>\nAuch danach kamen Zeiten, in denen alles wieder auf dem Spiel stand. Aber letztlich zeigte Gott, dass er zu seiner Verhei\u00dfung stand.<\/p>\n<p>Segen bedeutete f\u00fcr Jakob nicht, dass ihm alles in den Scho\u00df fiel.<br \/>\nGottes Segen sah man darin,<br \/>\n~ dass Gott ihm auf seinem Weg begleitete.<br \/>\n~ dass Gott ihm aufhalf, wenn er am Boden lag,<br \/>\n~ dass Gott ihm wieder auf den richtigen Weg zur\u00fcckhalf.<br \/>\n&#8211; Pause &#8211;<\/p>\n<p>Viele Jahre sp\u00e4ter, als alter Mann, kam Jakob noch einmal zur\u00fcck nach Bethel. Zu dieser Stelle, an der er im Traum die Himmelsleiter gesehen hatte.<br \/>\nUnd als es dunkel wurde, blickte er sich nicht mehr \u00e4ngstlich um wie damals, als er vor Esau geflohen war. Vielmehr blickte er im Gedanken zur\u00fcck auf sein Leben. Dabei entdeckte er immer mehr Punkte, an denen er Gottes N\u00e4he gesp\u00fcrt hatte. Merkte, wie Gott ihn einen guten Weg gef\u00fchrt hatte &#8211; auch durch so manches dunkle Tal hindurch.<\/p>\n<p>Und als ihm die Augen zufielen, h\u00f6rte er die Stimme Gottes &#8211; wie zur Best\u00e4tigung: Jakob, aus dir wird ein gro\u00dfes Volk hervorgehen, Israel werdet ihr hei\u00dfen. &#8211;<br \/>\nSo wie ich es versprochen habe.\u00a0 Auf mein Wort kannst du vertrauen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Amen<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Jakob und Esau &#8211; Sie kennen die beiden der sicher aus dem Alten Testament. &#8211; Zwillinge waren sie, aber unterschiedlich, wie man sie sich nur vorstellen konnte. 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