{"id":1764,"date":"2001-09-30T21:47:59","date_gmt":"2001-09-30T19:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1764"},"modified":"2015-09-23T22:21:35","modified_gmt":"2015-09-23T21:21:35","slug":"predigt-kleine-reise-zu-den-schaetzen-im-himmel-matthaeus-6-19-21-30-september-2001-erntedankfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1764","title":{"rendered":"Predigt: Kleine Reise zu den Sch\u00e4tzen im Himmel (Matth\u00e4us 6, 19-21 )  30. September 2001, Erntedankfest"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div align=\"right\"><span style=\"color: #3333ff;\">Quellenhinweis: Die Geschichte zum Einstieg<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3333ff;\">habe ich gefunden bei Manfred G\u00fcnther.<\/span><\/div>\n<p>Es war einmal ein junger Mann, der hatte einem Scherenschleifer sieben Jahre lang gedient. Als er sich nun ver\u00e4ndern wollte, hoffte er, vom Meister das n\u00f6tige Startkapital f\u00fcr ein eigenes Gesch\u00e4ft zu erhalten, denn er hatte in der Vergangenheit immer seine Pflicht getan. Der Meister aber, der seinen Gesellen gern hatte, sprach zu ihm: &#8222;Ich will dir kein Geld geben, denn mit Geld wirst du dein Gl\u00fcck nicht machen. Auch ich habe ganz klein angefangen, und was du heute siehst, ist meiner H\u00e4nde Arbeit gewesen. Alles, was ich dir geben will, ist hier dieser Schleifstein. Nimm ihn, er soll dir Gl\u00fcck bringen und Grundstein f\u00fcr deine Zukunft werden.&#8220;<!--more--><\/p>\n<p>Keiner malt sich die Entt\u00e4uschung des Gesellen aus. Als er sein B\u00fcndel schn\u00fcrt, um den Meister zu verlassen, legt er den Schleifstein ganz zuoberst. Wenn er erst au\u00dfer Sichtweite w\u00e4re, dann will er ihn von sich in den Fluss werfen.<br \/>\nDoch er ist kaum hundert Meter gegangen, da trifft er einen Burschen, der unterm Arm eine Gans tr\u00e4gt, die er eben zum Schlachten bringen will. Hans gelingt es, dem Burschen den Schleifstein gegen die Gans aufzuschwatzen. Eine Strecke wegs weiter, begegnet ihm ein Bauer, der ein Schwein vor sich her treibt. Kurz und gut, Hans tauscht vorteilhaft seine Gans gegen das Schwein. Wenig sp\u00e4ter kreuzt ein Metzger mit einer Kuh seinen Weg. Schnell sind die beiden handelseinig: Der Metzger nimmt das Schwein, Hans die Kuh. Und schlie\u00dflich, ein paar Meilen sp\u00e4ter, gesellt sich ein Reiter zu Hans, den Hans bald davon \u00fcberzeugt, wie gut es w\u00e4re, wenn er die Kuh f\u00fcr das Pferd n\u00e4hme. Hoch zu Ross trabt der Hans nun auf sein Heimatdorf zu und dort bezahlt ihm ein H\u00e4ndler sein Pferd mit einem Klumpen von Gold, so gro\u00df wie Hansens Kopf.<br \/>\nUnd davon kauft Hans sein Schleifergesch\u00e4ft. Er stellt Leute ein. Er kommt zu Reichtum und Ansehen. Aber auch mit ihm selbst geht eine Ver\u00e4nderung vor: War er fr\u00fcher sorglos und unbek\u00fcmmert, so reibt ihn nun die Angst auf. Hatte er fr\u00fcher nichts zu verlieren, so steht f\u00fcr ihn jetzt die ganze Existenz auf dem Spiel. War er fr\u00fcher mit dem Wenigen zufrieden, was er verdiente, so will er jetzt mehr und immer mehr, um das was er hat besser abzusichern. Sein Kontostand wird beachtlich, er geh\u00f6rt zu den wohlhabendsten Leuten im Dorf, aber letztlich f\u00fchlt er in sich eine gro\u00dfe Leere.<br \/>\nEr ist nicht mehr gl\u00fccklich wie ehedem bei seinem Meister, er ist vielmehr furchtbar ungl\u00fccklich.<br \/>\nLiebe Gemeinde,<br \/>\nmit dieser Geschichte von Hans im Ungl\u00fcck im Hinterkopf m\u00f6chte ich ihnen den Predigttext vorlesen: Bei Matth\u00e4us, im 6. Kapitel sagt Jesus:<br \/>\n<b><i>19 Ihr sollt euch nicht Sch\u00e4tze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>20 Sammelt euch aber Sch\u00e4tze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.<\/i><\/b><br \/>\nJa, Wohlstand, Reichtum, Sch\u00e4tze &#8230; das hat schon was. Das ist gar nicht zu bestreiten! Mit ihnen kann ich das Leben angenehm gestalten; kann mir Sachen leisten, hinter denen ich sonst ewig vergeblich her w\u00e4re. Vieles wird einfacher, wenn man nicht jeden Pfennig umdrehen muss.<br \/>\nUnd noch etwas: Es ist auch ein gutes Gef\u00fchl, wenn man f\u00fcr seine Arbeit belohnt wird;\u00a0 Wenn man f\u00fcr die M\u00fchen eines Jahres durch eine erfolgreiche Ernte entsch\u00e4digt wird. Denn vergebliche M\u00fchen sind furchtbar frustrierend.<\/p>\n<p>Aber es gibt eben auch die Schattenseite: Die Sch\u00e4tze, die ich habe, bergen immer auch ein Risiko. Und das wird immer gr\u00f6\u00dfer, je gr\u00f6\u00dfer meine Reicht\u00fcmer sind.<br \/>\n&#8211; Da gibt es den Kleinanleger, der seine paar Ersparnisse in Aktien angelegt hat und seitdem t\u00e4glich mit Angst die B\u00f6rsenkurse erwartet. Immer mit der Furcht Geld zu verlieren oder eine gro\u00dfe Chance zu verpassen.<br \/>\n&#8211; Da kenne ich die Unternehmerswitwe, die in Geld schwimmt. Aber sie hat sich in ihrer Villa verbarrikadiert. Meterhohe Mauern sch\u00fctzen das Anwesen, zwei Dutzend Scheinwerfer beleuchten das Anwesen in der Nacht. Es k\u00f6nnte ja jemand einbrechen&#8230;<br \/>\n&#8211; Oder auch der Bauer, der seinen Hof modernisiert hat, viel Geld investiert hat um langfristig auf dem Markt bestehen zu k\u00f6nnen. Und dann sagt ihm der einzige Sohn, dass er sich entschieden hat, Auslandskorrespondent zu werden.<\/p>\n<p>Unsere Sch\u00e4tze, die irdischen G\u00fcter haben eben auch ihre problematische Seite. Sie sind immer gef\u00e4hrdet. Motten Rost und Diebe nennt Jesus.<br \/>\nSicherheit gegen den Verlust gibt es nie.<\/p>\n<p>Darum sein Aufruf: Sammelt euch aber Sch\u00e4tze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.<br \/>\nTja, was wird Jesus da gemeint haben, mit den Sch\u00e4tzen im Himmel?<\/p>\n<p>Es gibt ja die alte Deutung, dass es dabei um die guten Taten im Himmel geht, mit denen wir uns Verdienste bei Gott erwerben. Ich habe damit so meine Schwierigkeiten. Und nicht blo\u00df ich, sondern viele andere, die ihre Bibel etwas genauer ansehen: Wenn es bei Paulus hei\u00dft, dass wir allein durch den Glauben ohne Werke vor Gott gerecht gesprochen sind, dann wei\u00df ich nicht, wie ich die Guten Taten da verrechnen kann.<br \/>\nIch bringe diesen Gott, der aus Erbarmen seinen Sohn zu unserer Rettung schickt nicht zusammen mit einem himmlischen Buchhalter, der Kontost\u00e4nde \u00fcber gute Taten f\u00fchrt.<br \/>\nDa scheint Jesus etwas anderes zu meinen und hat ja auch den hilfreichen Satz hinzugef\u00fcgt: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.<br \/>\nIch muss mich also fragen lassen:<br \/>\n~ Alexander Seidel, ist dein Herz im Himmel oder auf der Erde daheim?<br \/>\n~ Welche Bedeutung hat deine Beziehung zu Gott f\u00fcr dich?<br \/>\n~ Hast du bei Gott schon deinen Anker geworfen?<br \/>\n~ Hast du deinen Schatz im Himmel, so dass dein Draht zu Gott letztlich wichtiger ist als die Bindungen an irdisches?<\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<br \/>\ndas klingt gerade wohl ganz nett, aber doch noch ein bisschen abstrakt. Vielleicht hilft ihnen dabei das Gedankenspiel der Inventur.<br \/>\nDa werden sie jetzt ein bisschen in sich gehen m\u00fcssen, damit in ihnen Bilder entstehen, aber der Versuch ist es hoffentlich wert.<br \/>\nStellen sie sich ihr Leben, vor, so wie es jetzt ist. Und dann r\u00e4umen sie einmal zur Inventur aus. Und zwar komplett alles, was irgendwie irdisch ist. Motten, Rost und Diebe k\u00f6nnen ihnen dabei ein wenig bei raustragen helfen&#8230;<\/p>\n<p>Und da geht alles raus: Der Bulldogg (F\u00fcr Nicht-Franken: Der Traktor), der Stall, die Viecher und \u00c4cker.<br \/>\nDas Sofa, die K\u00fcche, das Auto, der Arbeitsplatz, Telefon, Computer, alles&#8230;. am Schluss das Haus. Vielleicht merken sie, wie es schon allein im Gedanken weh tut sich von dem allen zu trennen.<br \/>\nWenn sie es schaffen [nur im Gedanken]: Lassen sie ihre Familie ausziehen, dass nur noch sie \u00fcbrig bleiben. Und lassen sie auch noch ihre eigenen Knochen einrosten, die Gesundheit ist eben auch ein irdisches Gut.<\/p>\n<p>So. Und jetzt? Was sehen sie vor ihrem inneren Auge? Eine Katastrophe, ein Tr\u00fcmmerfeld. Und suchen Sie mal drin, ob sie noch was finden, woran sie sich festhalten k\u00f6nnen. Gibts da was?<br \/>\n&#8211; Vielleicht Hoffnung auf Gott; dass der ihnen hilft.<br \/>\n&#8211; Ein Sto\u00dfgebet? Ein Psalm.<br \/>\n&#8211; Oder das Gef\u00fchl, dass wenn sie jetzt auch noch gehen m\u00fcssten, dann w\u00e4ren sie bei Gott daheim?<br \/>\nHaben sie was gefunden? &#8211;\u00a0 DAS sind diese himmlischen Sch\u00e4tze, die bleiben, selbst wenn alles geht. Die brauchen sie nicht festhalten. An denen k\u00f6nnen sie sich festhalten. &#8211; Freuen sie sich, dass sie sie haben.<br \/>\nWenn sie gar nichts gefunden haben, sollten sie um ihretwillen danach suchen, bei unserm Gott Halt und Hoffnung zu finden.<\/p>\n<p>So, nun r\u00e4umen sie bitte am Ende dieser gedanklichen Inventur wieder ein. Stellen sie die Dinge des irdischen Lebens wieder an ihren Platz.\u00a0 Alles was sie soeben noch mit Unbehagen losgelassen haben, soll wieder zur\u00fcckkommen. Ein nach dem andern baut sich ihr Leben vor ihrem inneren Auge wieder auf.<br \/>\nSchlie\u00dflich hat Gott ihnen diese G\u00fcter geschenkt, darum brauchen wir sie auch nicht verachten.<br \/>\nFertig? Ja?<\/p>\n<p>Vielleicht haben sie gerade das Gef\u00fchl gewonnen, dass manche Dinge gar nicht mehr so wichtig sind. Dass man auf manches verzichten kann, dass man manches auch mit anderen teilen k\u00f6nnte.<br \/>\nAllein schon diese Erkenntnis ist viel wert: Verzichten und Teilen &#8211; das sind \u00dcbungen, mit denen man sich seine Freiheit von den irdischen Sch\u00e4tzen erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Das ist eigentlich auch mein Wunsch f\u00fcr sie:<br \/>\nFreuen sie sich \u00fcber das, was ihnen an guten Gaben geschenkt wird.<br \/>\nGenie\u00dfen sie sie in aller Freiheit.<br \/>\nLassen sie sich nicht von diesen Sch\u00e4tzen gefangennehmen, sondern halten sie sich woanders &#8211; bei Gott &#8211; fest.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Quellenhinweis: Die Geschichte zum Einstieg habe ich gefunden bei Manfred G\u00fcnther. Es war einmal ein junger Mann, der hatte einem Scherenschleifer sieben Jahre lang gedient. 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