{"id":1762,"date":"2001-10-15T21:45:24","date_gmt":"2001-10-15T20:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1762"},"modified":"2017-10-24T19:58:43","modified_gmt":"2017-10-24T18:58:43","slug":"predigt-die-moeglichkeiten-hinterm-eigenen-horizont-johannes-51-16-14-oktober-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1762","title":{"rendered":"Predigt: Die M\u00f6glichkeiten hinterm eigenen Horizont (Johannes 5,1-16 ) 14. Oktober 2001"},"content":{"rendered":"<p>Unser Predigttext steht im Johannesevangelium im 5. Kapitel<br \/>\n<i>1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.<\/i><br \/>\n<i>2 Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der hei\u00dft auf hebr\u00e4isch Betesda. Dort sind f\u00fcnf Hallen;<\/i><br \/>\n<i>3 in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte.<\/i><br \/>\n<i>5 Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddrei\u00dfig Jahre krank.<\/i><br \/>\n<i>6 Als Jesus den liegen sah und vernahm, da\u00df er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?<\/i><br \/>\n<i>7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein.<\/i><br \/>\n<i>8 Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!<\/i><br \/>\n<i>9 Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber an dem Tag Sabbat.<\/i><br \/>\n<i>10 Da sprachen die Juden zu dem, der gesund geworden war: Es ist heute Sabbat; du darfst dein Bett nicht tragen.<\/i><br \/>\n<i>11 Er antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, sprach zu mir: Nimm dein Bett und geh hin!<\/i><br \/>\n<i>12 Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und geh hin?<\/i><br \/>\n<i>13 Der aber gesund geworden war, wu\u00dfte nicht, wer es war; denn Jesus war entwichen, da so viel Volk an dem Ort war.<\/i><br \/>\n<i>14 Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; s\u00fcndige hinfort nicht mehr, da\u00df dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.<\/i><br \/>\n<i>15 Der Mensch ging hin und berichtete den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe.<\/i><br \/>\n<i>16 Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte.<\/i><!--more--><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nBetesda und der bayerische Kurort Bad F\u00fcssing haben drei Dinge gemeinsam:<br \/>\nbeide haben ein B am Wortanfang,<br \/>\nbei beiden spielt Wasser eine gro\u00dfe Rolle,<br \/>\nUnd an beide Orten kommen die Leute wegen ihrer Gesundheit.<br \/>\nAber ich glaube, das sind wirklich auch die einzigen Gemeinsamkeiten von Bad F\u00fcssing und Betesda.<br \/>\nIn der kleinen Teichanlage Betesda gibt es keine Massagepraxis, kein warmes Buffet, kein Kurkonzert und auch kein Spielcasino.<\/p>\n<p>Das einzige, was es dort nahe dem Schaftor in Jerusalem gibt, sind f\u00fcnf S\u00e4ulenhallen, die in den Fels eingemei\u00dfelt sind, und jede Menge schwer kranker Menschen. Lahme, Blinde, Krebskranke.<br \/>\nUnd der kleine Teich in der Mitte ist auch kein Whirlpool mit gehaltvollem Heilwasser. Wahrscheinlich war es ein T\u00fcmpel, indem nur ganz ganz selten Wasser aus tiefen Erdschichten nach oben sprudelte. Und dann, nur dann konnten die, die ins Wasser stiegen mit einer Heilung ihrer Krankheit rechnen.<\/p>\n<p>Etwa ums Jahr 200 hat einer, der die Bibel abgeschrieben hat eine Erkl\u00e4rung dazu notiert, geschrieben, wie er sich dieses Ph\u00e4nomen erkl\u00e4rte. Von einem Engel schrieb er, der das Wasser bewegte und so f\u00fcr kurze Zeit zu einem heilenden Wasser machte. In manchen Bibeln finden Sie diesen Kommentar, der nicht vom Evangelisten Johannes stammt.<\/p>\n<p>Egal, ob nun unterirdische Quelle oder Engel &#8211; Gott sei Dank, dass es diese Heilungschance in Jerusalem gab. Da ist es ja gut verst\u00e4ndlich, dass jeder, dem der Arzt nicht helfen konnte, oder der einen Arzt nicht bezahlen konnte, auf Heilung am Teich Betesda hoffte&#8230;. und erwartete, dass das Wasser in Bewegung kommt und er der Erste ist, der dann hinein steigt.<\/p>\n<p><i><span style=\"color: #993300;\">&#8212; Unser Kranker<\/span><\/i><\/p>\n<p>So, wie auch der Mann von dem unsere biblische Geschichte erz\u00e4hlt. 38 Jahre lang ist er schon krank gewesen. Die Bibel verschweigt uns, woran er litt. Vermutlich geh\u00f6rte er zu den vielen Lahmen, die nach einer schweren Verletzung, oder einer Krankheit nicht mehr auf die Beine kamen.<br \/>\n38 Jahre! Mehr als ein halbes Menschenleben lang krank sein&#8230; ohne Arbeit, vom Mitleid der andern abh\u00e4ngig, die ihm auf der Stra\u00dfe ein paar Groschen hin warfen.<br \/>\nSein t\u00e4gliches Leben hat ein Zentrum: Der Teich Betesda. Da schleppt er sich hin, und hofft, und wartet.<br \/>\nAber seine Chancen stehen schlecht: Dann, wenn das Wasser in Bewegung ger\u00e4t, dann sind immer die anderen schneller. Denn die haben Freunde, die sie dann ins Wasser tragen. &#8211; er aber nicht:&#8220;Keiner ist da, der mir hilft&#8220;, sagt er.<br \/>\nSo bleibt der Teich Betesda f\u00fcr ihn nur eine theoretische Hoffnung. Das heilende Wasser ist nur ein paar Schritte entfernt, und trotzdem unerreichbar weit weg.<\/p>\n<p>Aber was soll er anderes tun, als hier zu warten? Er sieht nur diese eine Chance in seinem Horizont. Also sucht er auch weiterhin t\u00e4glich den Teich Betesda auf.<\/p>\n<p><i><span style=\"color: #993300;\">&#8212; Hilfe, die unverhofft kommt<\/span><\/i><\/p>\n<p>Da liegt er also, wie immer, an seinem Stammplatz. Und dann kam da einer, den er gar nicht kannte: Er wusste nicht, wer Jesus war und was die Leute \u00fcber ihn sagten.<br \/>\nEr wird sich wohl gewundert haben, dass dieser Fremde ihn ansprach, sich f\u00fcr ihn und sein langes Leiden interessierte. Denn normalerweise dachte hier am Teich jeder an sich selbst.<br \/>\n&#8222;Willst du gesund werden?&#8220;. Diese Frage klingt banal und Angesicht der Situation eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig.<br \/>\n&#8222;Steh auf, nimm dein Bett und geh hin&#8220;. Dieser Satz klingt ebenso beil\u00e4ufig und unspektakul\u00e4r &#8211; sowie die ganze Situation da unten am Teich Betesda. Aber: Diese beiden S\u00e4tze markieren denen bedeutendsten Einschnitt im Leben dieses kranken Mannes.<br \/>\nDas Wunder seiner Heilung passiert so nebenbei: Pl\u00f6tzlich kann er aufstehen, laufen, seine Liegematte unter die Arme klemmen und hingehen, wo er will. Aber sein Leben ist von diesem Moment an ein v\u00f6llig neues, mit anderer Qualit\u00e4t, mit neuen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><i><span style=\"color: #993300;\">&#8212; Nicht knapp an der Chance des Lebens vorbeigeschrammt<\/span><\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nje l\u00e4nger ich \u00fcber diese Geschichte nachdenke umso mehr komme ich ins gr\u00fcbeln und ins Kopfsch\u00fctteln.<br \/>\nWie einfach h\u00e4tte diese Wunderheilung schief gehen k\u00f6nnen! Wie schnell h\u00e4tte es passieren k\u00f6nnen, dass der Kranke an seiner Heilung vorbei geschrammt w\u00e4re.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist ihm dieser Jesus v\u00f6llig unbekannt gewesen. Er wusste nicht, wer ihm gegen\u00fcber stand; hatte keine Ahnung davon, dass der Christus bei ihm vorbeikommt.<br \/>\nWarum sollte man diesem Besucher zutrauen, dass man durch ihn gesund wird?<\/p>\n<p>Und dann dieser Befehl &#8222;Steh auf&#8220;. Das klingt ja, als w\u00fcrde man als Gel\u00e4hmter verspottet. Warum sollte sich in der Gegenwart dieses Jesus mit mir irgend etwas ver\u00e4ndert haben? Schlie\u00dflich konnte ich heute morgen auch noch nicht aufstehen! Der Lahme h\u00e4tte ja sagen k\u00f6nnen: &#8222;Mein lieber Herr, bleibt doch einfach da, bis sich wieder das Wasser bewegt und hilf mir dann ins Wasser zukommen, statt mich hier zum Narren zuhalten&#8220;.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re nur zu verst\u00e4ndlich gewesen, wenn der Kranke so reagiert h\u00e4tte. Aber dann h\u00e4tte es eben nicht funktioniert, dann w\u00e4re er ohne es zu wissen, an der Chance seines Lebens vorbei geschrammt.<\/p>\n<p>Aber es ist eben nicht schief gegangen.<br \/>\nDieser Kranke, der noch nie eine richtige Chance hatte geheilt zu werden, er gibt diesem fremden Jesus einem gewaltigen Vertrauensvorschuss. Er traut ihm das eigentlich Unm\u00f6gliche zu.<br \/>\nBisher gab es an seinem Horizont nur eine einzige Hoffnung: Den Teich. Aber jetzt traut er sich, auf etwas zu hoffen, was jenseits seines Horizonts liegt: ein Wunder, auf das er so nie zu hoffen gewagt h\u00e4tte.<br \/>\nAlso nimmt er sein Herz in die Hand und versucht es: Aufzustehen wie Jesus es ihm gesagt hat &#8211; und das Wunder geschieht.<\/p>\n<p><i><span style=\"color: #993300;\">&#8212; Ein Vorbild<\/span><\/i><\/p>\n<p>Darin ist er mir schon ein Vorbild, unser Geheilter . Er schlie\u00dft es nicht aus, dass Gott ihm auf eine Weise helfen k\u00f6nnte, die er noch gar nicht kennt, die er sich nicht vorstellen kann, die jenseits seines Horizonts liegt.<br \/>\nSich von jemanden Unm\u00f6gliches zu erhoffen, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie das \u00fcberhaupt gehen soll. Menschen gegen\u00fcber ist so etwas eine Frechheit. Aber Gott gegen\u00fcber d\u00fcrfen wir das &#8211; m\u00fcssen es vielleicht sogar.<\/p>\n<p>Ich gebe zu: Das hat auch etwas Blau\u00e4ugiges.<br \/>\nWenn man in einer aussichtslosen Situation erwartet, dass von Gott Hilfe kommt.<br \/>\n&#8211; Dass sich Dinge ver\u00e4ndern, die doch eigentlich unver\u00e4nderlich sind.<br \/>\n&#8211; Dass sich Menschen ver\u00e4ndern, die doch schon immer so waren.<br \/>\n&#8211; Dass sich Beziehungen neu aufbauen lassen, die schon ewig verkorkst sind.<br \/>\n&#8211; Dass sich Kriege zu einem Ende kommen, die unvermeidlich scheinen.<\/p>\n<p>In aussichtslosen Situationen Gottes Hilfe, Rettung erhoffen, &#8211; ohne zu wissen, wie es gehen k\u00f6nnte &#8211; so was ist eigentlich naiv.<\/p>\n<p>So naiv wie es von diesem Lahmen war, einem unbekannten Besucher Glauben zu schenken und versuchen aufzustehen.<br \/>\nAber sie haben ja geh\u00f6rt, was draus werden kann.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft,<br \/>\nbewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.<br \/>\nAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Predigttext steht im Johannesevangelium im 5. 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