{"id":1760,"date":"2001-10-28T21:41:54","date_gmt":"2001-10-28T20:41:54","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1760"},"modified":"2017-10-24T19:57:39","modified_gmt":"2017-10-24T18:57:39","slug":"predigt-zur-kirchweih-gott-passt-in-kein-exil-jesaja-66-1-2-28-10-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1760","title":{"rendered":"Predigt zur Kirchweih: Gott passt in kein Exil (Jesaja 66, 1-2) 28.10.2001"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Olivenh\u00e4ndler Ben Schmuli war zufrieden. Die Gesch\u00e4fte des Mannes aus Tekoa, s\u00fcdlich von Jerusalem gingen gut. Als H\u00e4ndler mit einem kleinen Marktstand hatte er angefangen, dann hatte er einen eigenen Laden. Sp\u00e4ter landete er den gro\u00dfen Wurf: Er erweiterte sein Sortiment: So verkaufte er nicht nur Oliven, sondern Ben Schmuli handelte auch mit Oliven\u00f6l und Olivenbaum-Setzlingen.<br \/>\nDie Idee mit den Setzlingen hatte sich als eine Goldgrube erwiesen. Denn oft hatten die Bauern nicht das Geld, um die wertvollen kleinen Setzlinge zu bezahlen. So kaufen sie bei ihm auf Kredit. Wenn die Bauern dann im Herbst ihre Olivenernte an Ben Schmuli verkaufen wollten, hatte er eine wunderbare Verhandlungsposition: Schie\u00dflich waren die armen Schlucker wegen der Schulden von ihm abh\u00e4ngig. Ben Schmuli nahms gelassen: denn schlie\u00dflich muss in den Zeiten knapper Kassen jeder sehen, wo er bleibt.<!--more--><\/p>\n<p>Ben Schmuli war ein frommer Mann. Die Gebote des Mose nahm er ernst, er gab seinen Zehnten und ging zum Passah und zum Laubh\u00fcttenfest nach Jerusalem hinauf zum Tempel. Denn da, im Tempel, da wohnte Gott. Drinnen im Allerheiligsten, versteckt hinter dem Vorhang, da ruht Gott. Und wenn Ben Schmuli zu einem Brandopfer in den Tempelhof ging, da hatte er den Eindruck, er w\u00e4re bei Gott zu Besuch. Erwies dem Herrn der Welt die Ehre und versprach ihm, treu zu bleiben, und keine anderen G\u00f6tter zu verehren.<\/p>\n<p>Als Ben Schmuli das letzte mal am Tempel war, hatte er so ein komisches Gef\u00fchl: Wie w\u00e4re es wohl, wenn Gott einen Gegenbesuch bei ihm in Tekoa machen w\u00fcrde? &#8230; Hmmmm &#8230;<br \/>\nWas w\u00fcrde er zu manchen Gesch\u00e4ftspraktiken sagen?<br \/>\nMit einem kurzen Kopfbewegung sch\u00fcttelt er diesen Gedanken wieder beiseite. Wie gut, dass Gott hier im Tempel daheim ist &#8211; und auch da bleibt.<\/p>\n<p>Auf dem Weg vom Tempel in seine Herberge l\u00e4uft Ben Schmuli \u00fcber den Marktplatz. Dort steht ein Mann, der eine Predigt h\u00e4lt. Naja, man kann ihn sich ja mal anh\u00f6ren; sowas gibts ja in Tekoa nie.<br \/>\nSo h\u00f6rt er die Worte des Propheten Jesaja, unseren Predigttext aus Jes 66. 1-2:<\/p>\n<p>So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron, und die Erde der Schemel\u00a0 meiner F\u00fc\u00dfe! Was ist denn das f\u00fcr ein Haus, das ihr mir bauen k\u00f6nntet, der welches ist die St\u00e4tte, da ich ruhen sollte? Meine Hand hat alles gemacht, was da ist, spricht der Herr. Ich sehe aber auf den Elenden und den, der zerbrochenen Geistes ist und der erzittert vor meinem Wort.<br \/>\nLiebe Gollh\u00f6fer, Liebe Kirchweihg\u00e4ste!<br \/>\nGott l\u00e4sst sich nicht in einem Tempel in Jerusalem einsperren, auch nicht in eine Gollh\u00f6fer Kirche. Zu gro\u00df ist unser Gott. Der Himmel ist sein Thron und\u00a0 die Erde langt gerade mal als Fu\u00dfschemelchen. Da k\u00f6nnen wir Menschen nicht mithalten. Ein Gott der so umfassend ist, den kann man nicht wegsperren in irgendwelche fromme R\u00e4ume, und wenn dieser Gedanke noch so gut gemeint ist.<\/p>\n<p>Wenn Gott so umfassend ist, dann sind die Sorgen von Ben Schmuli sowieso umsonst: Gott wird nicht irgendwann mal zu ihm nach Tekoa zum Gegenbesuch kommen: Gott ist schon l\u00e4ngst da! Er sitzt neben ihm am Schreibtisch, wenn er seine Bilanzen berechnet und einen ahnungslosen Bauern \u00fcbers Ohr haut.<\/p>\n<p>Das kann Ben Schmuli aus den Worten des Propheten Jesaja lernen: Gott beansprucht ihn ganz, er l\u00e4sst sich nicht aus dem ganz normalen Alltag aussperren. Es gibt kein Exil, in das man Gott schicken kann.<br \/>\nVielleicht w\u00e4rs auch ein netter Gedanke: Wenn es bestimme Nischen, so eine Art Biotop f\u00fcr Gott g\u00e4be. Dann h\u00e4tte der liebe Gott seine Ruhe &#8211; und wir auch<br \/>\nAber er l\u00e4sst sich nicht wegsperren:<br \/>\n&#8211; Nicht in die Kirche, denn Gott ist an allen Orten, und \u201esieht auf den Elenden&#8220;. Er schaut drauf, wie wir mit Schwachen umgehen, wie wir sein Gebot der Liebe achten oder missachten.<br \/>\n&#8211; Und die \u00d6ffnungszeit von Gottes Ohr ist auch nicht auf den Sonntag beschr\u00e4nkt: Er ist die ganze Woche \u00fcber im Dienst.<\/p>\n<p>Fast schon sp\u00f6ttisch sind die Worte, die Gott uns \u00fcber den Propheten ausrichten l\u00e4sst: Was ist denn das f\u00fcr ein Haus, das ihr mir bauen k\u00f6nntet, welches ist die St\u00e4tte, da ich ruhen sollte?<br \/>\nLiebe Gemeinde,<br \/>\nwenn man so etwas am Kirchweihsonntag h\u00f6rt kommt man schon ein bisschen in die Defensive. Fast schon, dass man sich daf\u00fcr entschuldigen m\u00f6chte, dass man eine Kirche hat, und die auch noch liebt und hoch h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Aber dass kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein. Apropos \u201eErfinder&#8220;: Eigentlich war es ja Gott selber, der damit angefangen hat: Er hat am Berg Sinai dem Mose den Auftrag gegeben, die Stiftsh\u00fctte zu bauen. Als Zelt der Begegnung mit Gott.<br \/>\nEinen Ort sollten die Israeliten haben, zu dem Sie gehen konnten, wenn sie Gottes N\u00e4he suchten.<br \/>\nAnscheinend brauchen viele Menschen so eine Struktur in ihrem Leben: Bestimmte Orte f\u00fcr bestimmte T\u00e4tigkeiten. Das Schlafzimmer zum Schlafen, das Bad zum Waschen, den Keller zum Kartoffellagern, die K\u00fcche zum Essen zubereiten, das Wohnzimmer zum zusammensein und feiern.<br \/>\nNat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich auch im Schlafzimmer mein Butterbrot schmieren und auf der Eckbank im Esszimmer schlafen, im Wohnzimmer Kartoffeln lagern und im Keller den Freitagskrimi anschauen. &#8211; Aber so richtig wohl ist einem dabei nicht unbedingt.<\/p>\n<p>Von daher hat die Kirche einen Sinn: Sie ist der besondere Ort, wo ich mit Gott reden kann, mit anderen Menschen zusammen ihn loben kann, von ihm h\u00f6ren kann.<br \/>\nEin Ort, der genau f\u00fcr diesen Zweck gemacht ist, der hat eben auch eine besondere Ausstrahlung, noch dazu, wenn er wie unsere Gollh\u00f6fer St. Johannis-Kirche so kunstvoll gestaltet und liebevoll gepflegt ist.<br \/>\nDiese Predigt habe ich in der Sakristei unserer Kirche geschrieben. Es war zwar k\u00fchl und feucht, aber es war ne andere Situation: Seine Predigt hier zu verfassen, nicht am Schreibtisch, wo auch Gesch\u00e4ftsbriefe und Religionsunterricht entsteht. Sondern dort, wo der Gottesdienst passiert, wo gepredigt wird, wo man miteinander betet und Abendmahl feiert. Irgendwie habe ich das Gef\u00fchl gehabt: Es ist was anderes, dieses Geb\u00e4ude hat eine Ausstrahlung&#8230;<\/p>\n<p>Die Kirche als Geb\u00e4ude ist ein Angebot: Hier kannst du mit Gott reden. Hier kannst du &#8211; au\u00dferhalb der Gottesdienste &#8211; eine Stille von ganz besonderer Qualit\u00e4t erfahren. Den Raum, wo schon seit Jahrhunderten Menschen mit Gott gesprochen haben, das ist eben etwas besonderes. Von daher ist es schon schade, wenn wir Evangelischen unsere Kirchen unter der Woche meist verschlossen halten.<\/p>\n<p>Dennoch bleibts beim Wort des Jesaja: Einsperren l\u00e4sst sich weder Gott noch unser Glaube. Aber diese Kirche kann einen Wert haben f\u00fcr ein Leben, das Gott gerade nicht aussperrt.<\/p>\n<p>Denn es kann ja mal passieren, dass man aus dem Gottesdienst etwas mitnimmt, einen Gedanken der einem w\u00e4hrend der Predigt oder w\u00e4hrend eines Liedes kam. Und den trage ich dann hinein im meine Woche, in mein allt\u00e4gliches Leben. Und schon ist Gott nicht mehr im Kirchen-Exil.<br \/>\nOder wenn ich am Kirchweihtag an die Geschichte dieser Kirche denke:<br \/>\nWas hat St. Johannis alles erlebt und \u00fcberstanden.<br \/>\n~ Mehrere Kriege, in denen sie Schutz und Ort des Trostes war. Wo man zusammenstand und noch kurz vor dem Beschuss durch die Amerikaner fr\u00fchmorgens Konfirmation feierte.<br \/>\n~ Verschiedenste Herrscher; F\u00fcrsten, Reichskanzler, einen F\u00fchrer, viele Bundeskanzler hat diese Kirche gesehen.<br \/>\n~ Ganz unterschiedliche Pfarrer mit verschiedensten Begabungen und auch Schw\u00e4chen.<br \/>\n~ Und auch die Gemeinde hat sich ver\u00e4ndert, wie die ganze Welt sich ver\u00e4ndert hat. Zeitgeiststr\u00f6mungen haben auch die Gollh\u00f6fer in den Jahrhunderten gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Durch alle diese Ver\u00e4nderungen hindurch blieb St. Johannis stehen &#8211; und oft genug auch wunderbar verschont.<br \/>\nWie ein Sinnbild daf\u00fcr, wie Gott durch die Zeiten, durch H\u00f6hen und Tiefen uns Menschen treu ist;<br \/>\njeder Generation seine Hand reicht, damit sie mit ihm als Christen ihr Leben sinnvoll gestalten.<br \/>\nMit einem gro\u00dfen Gott, der mit ihnen ist, mitten in ihrem Leben.<br \/>\nAmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Olivenh\u00e4ndler Ben Schmuli war zufrieden. Die Gesch\u00e4fte des Mannes aus Tekoa, s\u00fcdlich von Jerusalem gingen gut. Als H\u00e4ndler mit einem kleinen Marktstand hatte er angefangen, dann hatte er einen eigenen Laden. Sp\u00e4ter landete er den gro\u00dfen Wurf: Er erweiterte sein Sortiment: So verkaufte er nicht nur Oliven, sondern\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1760\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt zur Kirchweih: Gott passt in kein Exil (Jesaja 66, 1-2) 28.10.2001","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[30],"tags":[410,574,288],"class_list":["post-1760","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten-2001-2003","tag-jes","tag-jesaja-66","tag-kirchweih"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4BNB2-so","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1760"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1760\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1761,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1760\/revisions\/1761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}