{"id":1754,"date":"2001-11-18T21:31:37","date_gmt":"2001-11-18T20:31:37","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1754"},"modified":"2017-10-24T19:52:58","modified_gmt":"2017-10-24T18:52:58","slug":"predigt-die-schlachtroesser-sind-unter-uns-jeremia-8-4-7-18-november-2001-volkstrauertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1754","title":{"rendered":"Predigt: Die Schlachtr\u00f6sser sind unter uns! (Jeremia 8, 4-7) 18. November 2001, Volkstrauertag"},"content":{"rendered":"<h4><\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gemeinde,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">wir schreiben das Jahr 605 vor Christus. Die politische Lage ist verfahren, so w\u00fcrde man das wohl heute bezeichnen. Aus dem Osten drohte Gefahr: Das Weltreich von Babylon forderte hohe Abgaben von dem kleinen K\u00f6nigreich Juda. Bisher konnte der K\u00f6nig von Jerusalem durch diese Tributzahlungen die Babylonier auf Abstand halten.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Aber so konnte es nicht weitergehen! Eigentlich sah es kein Mensch in Juda ein, weshalb man sich von diesen Herrscher im Osten ausnehmen lassen sollte. Nat\u00fcrlich hatte man als kleines Land \u00fcberhaupt keine Chance gegen diese Gro\u00dfmacht. Aber da gab es ja noch die \u00c4gypter. Mit ihnen k\u00f6nnte man doch eine Allianz gegen Nebukadnezar, den K\u00f6nig von Babylon bilden.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">\u00dcberhaupt war \u00c4gypten gar nicht so schlecht angesehen in Juda. \u00c4gypten das war einfach schick. Tolle Mode kam da aus dem Westen, eine andere Kultur&#8230; man sagte: \u201eDie \u00c4gypter sind viel lockerer und toleranter als wir Juden. Auch mit der Religion ist das in \u00c4gypten viel spannender, mit ganz verschiedenen G\u00f6ttern, jeder mit einer anderen Bedeutung und \u00fcberhaupt nicht so streng.&#8220;<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Man lehnte sich an, an das attraktive \u00c4gypten. Politisch versuchte man eine Koalition, und damit verbunden \u00fcbernahm man auch einiges von deren religi\u00f6sen Traditionen. &#8211; Vielen aus Juda kam das auch entgegen, schlie\u00dflich war der Glaube an den einen Gott f\u00fcr so manchen nur noch Formsache. Man ging in den Tempel zu den vorgeschriebenen Opfern und Festen ; aber daheim spielte dieser Gott aus Moses Zeit kaum mehr eine Rolle. Glaube spielte sich bei etlichen, wenn \u00fcberhaupt, nur im Tempel ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In dieser Zeit tauchte ein Prophet auf, der nach der Meinung vieler Zeitgenossen seinen Beruf verfehlt hatte. Der Prophet Jeremia predigte nicht wie seine Kollegen im Auftrag des Priesters und des K\u00f6nigs, sondern auf eigene Rechnung, so zusagen ehrenamtlich &#8211; oder wie er sagte: \u201eim Auftrag Gottes&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im Buch Jeremia sind seine Reden aufbewahrt. Unser Predigttext stammt aus dem 8. Kapitel.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #000000;\">4So spricht der HERR: Wo ist jemand, wenn er f\u00e4llt, der nicht gern wieder aufst\u00fcnde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtk\u00e4me?<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">5 Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen f\u00fcr und f\u00fcr? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, da\u00df sie nicht umkehren wollen.<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">6 Ich sehe und h\u00f6re, da\u00df sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid w\u00e4re und der spr\u00e4che: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinst\u00fcrmt.<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"color: #000000;\">7 Der Storch unter dem Himmel wei\u00df seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gemeinde,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">das sind heftige Worte, die der Prophet hier \u00f6ffentlich kundtut. Aber ernst genommen wurde er kaum. Beim Volk in Jerusalem und darum herum wurde er eher bel\u00e4chelt. Viel lieber h\u00f6rte man auf die anderen Propheten, die viel davon redeten, dass Gott seinem Volk immer treu sein werde und immer f\u00fcr das Volk da ist &#8211; egal was es tut. Wer h\u00f6rt denn schon auf einen Spinner, der den Untergang des eigenen Volkes prophezeit?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der K\u00f6nig Jojakim nahm den Propheten schon eher ernst &#8211; und zwar als Bedrohung. Denn schlie\u00dflich m\u00e4kelte dieser Jeremia \u00f6ffentlich an der Politik des K\u00f6nigs herum. Und das als Prophet, der doch von Politik wirklich keine Ahnung haben konnte.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">So w\u00fcrde Jeremia von den einen ausgelacht, und von den anderen beschimpft, verpr\u00fcgelt und sogar am Ende ins Gef\u00e4ngnis gesteckt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wir w\u00fcrden heutzutage gar nichts mehr von diesem Propheten wissen, wenn er nicht doch letztlich Recht behalten h\u00e4tte. Wie der Prophet angek\u00fcndigt hatte, rannte das Volk Israel mit seiner an \u00c4gypten und nicht an Gott orientieren B\u00fcndnispolitik ins Verderben. Es stellte sich letztlich heraus, dass auf \u00c4gypten kein Verlass war und darum man mit seinem Aufstand gegen Nebukadnezar von Babylonien pl\u00f6tzlich allein dastand &#8211; mit t\u00f6dlichen Folgen, den Untergang des Volkes von Juda.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993366;\">## das Schlachtross ###<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Jeremia hatte es angek\u00fcndigt: Wie ein Schlachtross, das dank seiner Scheuklappen ohne zu z\u00f6gern geradewegs auf den Feind zust\u00fcrmt, sind sie ins offene Messer gelaufen. Da gibt&#8217;s kein halten mehr, kein Denken, kein &#8222;ja aber&#8220;. Augen zu und durch! Das ist das Motto von solchen Schlachtr\u00f6ssern. Nicht aus Versehen, sondern das ist eben Methode: Einen Hengst zu haben, der geradewegs durchmarschiert, egal was kommt. Man ist ja auf dem offenen Schlachtfeld.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Dazu hat man Schlachtr\u00f6sser, die aber dank ihrer brachialen Methode auch schnell zu geschlachteten R\u00f6ssern werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Und die Kritik des Propheten Jeremia ist klar:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ihr seid auf dem falschen Weg, aber ihr wollt euch gar nicht korrigieren lassen!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ihr seid ja nicht einmal bereit, dar\u00fcber nachzudenken, ob ihr vielleicht auf dem ganz falschen Dampfer seid!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ihr seid zu tr\u00e4ge, um \u00fcberhaupt noch einmal nachzudenken!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Das hat die Welt er noch gar nicht gesehen:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Wo gibt es denn sonst jemand, der wenn er f\u00e4llt, nicht gern wieder aufst\u00fcnde?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Wo gibt es denn sonst jemand, der wenn er irre geht, der nicht gern wieder zurechtk\u00e4me?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Aber ihr wollt ja nicht!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">&#8211; So der Prophet &#8211;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993366;\">### Schlachtr\u00f6sser unter\u00a0 uns ###<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gollh\u00f6fer,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Da wei\u00df ich auch nicht so genau, ob Jeremia da wirklich Recht hat, dass die Kinder Israels die Einzigen sind, die wie ein Schlachtross immer nur geradeaus weiter rennen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Heute am Volkstrauertag erinnern wir uns an Zeiten in unserer deutschen Geschichte, wo man auch sagte: Augen zu und durch&#8230; wenn schon Krieg dann richtig, dann total&#8230; bis zum letzten&#8230; und wenn wir unsere Jugendlichen zum Volkssturm heranziehen m\u00fcssen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Eine Zeit war das, wo es auch zur Methode geh\u00f6rte, keine Kritik zuzulassen, keine Korrektur am einmal eingeschlagen Kurs zu erlauben. Lieber erschie\u00dft man den B\u00fcrgermeister, weil er die wei\u00dfe Fahne raus h\u00e4ngt, als dass man der Vernunft nachgibt und kapituliert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Da erscheint es ja richtig harmlos, was sich vor zwei Tagen im Bundestag abgespielt hat. Aber dennoch sah ich da auch einige Schlachtr\u00f6sser, die dank der Scheuklappen mit Namen &#8222;Vertrauensfrage&#8220; nicht wirklich abgestimmt haben, wie es ihnen ihr Gewissen gesagt h\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ich vermute aber auch, dass wir gen\u00fcgend Schlachtr\u00f6sser vor oder auch hinter der eigenen Haust\u00fcr herumlaufen haben. Wo einer einmal jemand eine falsche Entscheidung gef\u00e4llt hat, aber auch nach Jahren keine Lust hat, das zu ver\u00e4ndern. Lieber Augen zu und durch!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Wo sich zwei miteinander verkracht haben, vielleicht war es ja nur eine Kleinigkeit, und seitdem f\u00fchrt man seinen Kleinkrieg. &#8222;Ich habe gar keine Lust mich mit dem andern zu vers\u00f6hnen, soll doch der zuerst kommen &#8220; &#8211; Augen zu und durch&#8230; lieber gar nicht genauer dr\u00fcber nachdenken, sonst k\u00f6nnte man ja entstehen dass man auch selber mit dran Schuld ist. Lieber gar nicht hinschauen, sonst k\u00f6nnte man ja eine zu Vers\u00f6hnung ausgestreckte Hand sehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eWo ist jemand, wenn er irre geht, der nicht gern wieder zurechtk\u00e4me?&#8220; &#8211; mein lieber Prophet Jeremia ich glaube das gibt&#8217;s \u00f6fters &#8211; nicht nur im Jahre 605 vor Christus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993366;\">### Die Schuldfrage ####<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das menschliche Herz ist nun mal ein ziemlich tr\u00e4ger Muskel. Der Volksmund greift ganz offensichtlich Jeremia auf, wenn es hei\u00dft &#8220; ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert &#8222;. Sich ver\u00e4ndern, auch den richtigen Weg zur\u00fcckkehren, erscheint da unheimlich schwierig.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Denn jedesmal, wenn ich mich tats\u00e4chlich umorientiere und einen falschen Weg verlasse, dann gestehe ich mir ja automatisch ein, dass ich einen Fehler gemacht habe, Schuld auf mich geladen habe.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Und damit kommen viele Menschen nicht mehr zurecht! Weil sie vergessen haben, wie man Schuld los werden kann. Anscheinend ist ihnen irgendwann entfallen, dass hier (!) Einer am Kreuz h\u00e4ngt, der f\u00fcr diese Schuld schon gestorben ist. Das ist unser Privileg als Christen: Wir k\u00f6nnen Schuld und Versagen eingestehen, und \u00e4ndern und von vorne anfangen. &#8211; Gott sei Dank.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993366;\">### Der richtige Zeitpunkt ###<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist nicht immer so ganz leicht f\u00fcr mich Menschen, \u00fcberhaupt zu merken, dass ich in die falsche Richtung marschiere. Da beneide ich die Tiere. Denn die haben ihren Instinkt, der Ihnen sagt was sie tun sollen. Der Storch braucht sich \u00fcberhaupt nicht gro\u00df Gedanken \u00fcber Flugrouten und Zeitplanungen machen, sein Instinkt gibt ihm vor, man es los geht und wohin er fliegen muss.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">\u201eDer Storch unter dem Himmel wei\u00df seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der siehe wiederkommen sollen um aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ja selbst, wenn man das Recht des Herrn halten will, hat man ja keinen eingebauten Kompass, der einen sagt ob man auf dem richtigen Weg ist. Wir haben keinen Instinkt wie die Amsel. Aber manchmal merke ich dann doch, wo Gott mir sagt, dass etwas nicht stimmt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Mal ist es das schlechte Gewissen, das sich r\u00fchrt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Mal wird mir beim Lesen eines Textes aus der Bibel oder beim H\u00f6rern einer Predigt gleichzeitig hei\u00df und kalt. Da wei\u00df ich dann: heute bis du gemeint!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Vielleicht sind es auch Tage wie heute, die einen dabei helfen. Wenn wir im Blick auf das tragische Schicksal des Volkes Gottes, und auf das Elend unserer beiden Weltkriege erschrecken &#8211; und dar\u00fcber nachdenken, wo wir selber getroffen werden von diesen Versen des Propheten Jeremia: &#8222;Wo ist der jemand, wenn er irre geht, der nicht gern wieder zurechtk\u00e4me?&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Amen<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wir schreiben das Jahr 605 vor Christus. Die politische Lage ist verfahren, so w\u00fcrde man das wohl heute bezeichnen. Aus dem Osten drohte Gefahr: Das Weltreich von Babylon forderte hohe Abgaben von dem kleinen K\u00f6nigreich Juda. 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