{"id":1726,"date":"2002-02-04T23:38:11","date_gmt":"2002-02-04T21:38:11","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1726"},"modified":"2014-06-04T23:39:57","modified_gmt":"2014-06-04T21:39:57","slug":"predigt-zum-partnerschaftssonntag-das-thema-aids-in-ostafrika-3-februar-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1726","title":{"rendered":"Predigt zum Partnerschaftssonntag: Das Thema AIDS in Ostafrika , 3.Februar 2002"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>manche sehr komplexe Angelegenheiten werden ganz schnell sch\u00f6n handlich und \u00fcbersichtlich, wenn man sie mit Hilfe eines Schlagwortes vereinfacht.<br \/>\nSo hat unsere F\u00fcrstin Gloria von Thurn und Taxis vor einiger Zeit in einer Talkshow es versucht, die Aids-Problematik in Afrika auf einen simplen Nenner zu bringen:<br \/>\n&#8222;der Schwarze schnackselt nun mal gerne&#8220;.<br \/>\nVielleicht erinnern sie sich noch, dass die F\u00fcrstin f\u00fcr diese vereinfachende Aussage in allen m\u00f6glichen Zeitungen Pr\u00fcgel bezogen hat. Sie selbst hat die ganze Aufregung gar nicht so recht verstanden. Denn schlie\u00dflich ist es ja sonnenklar: wo Menschen es mit der Sexualit\u00e4t recht locker handhaben, da hat AIDS die besten Chancen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Ohne Frage: Da steckt viel wahres drin.<br \/>\nAber\u00a0 gerade so eine Partnerschafts-Sonntag mit Tansania kann uns klar machen, dass wir im gleichen Boot sitzen.<br \/>\nDenn bei Leibe nicht alle Schwarzafrikaner sind ausschweifend lebende Zeitgenossen.<br \/>\nUnd eine frisch verheiratete Massai-Ehefrau kann eben nicht alles \u00fcber ihren Mann , sein Vorleben oder auch sonstigen Lebenswandel wissen, und da k\u00f6nnen deutsche Ehefrauen auch keine Garantie geben \u2013 zumindest wenn man die Fremdgeh-Statistiken deutscher Zeitschriften betrachtet.<\/p>\n<p>Und wer von uns wer von uns verlangt schon vom Partner einen Aids-Test &#8230;.?<br \/>\nUnd ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass wir so gut wie nie davon h\u00f6ren, dass jemand aus unserer Gegend an Aids gestorben ist. &#8211; man spricht halt nicht dr\u00fcber, es war eben eine Lungenentz\u00fcndung.<br \/>\nIm Verdr\u00e4ngen dieser t\u00f6dlichen Krankheit sind wir und unsere afrikanischen Geschwister so etwa gleich gut.<\/p>\n<p>Es ist vielleicht doch komplizierter, als die F\u00fcrstin Gloria gerne h\u00e4tte.<br \/>\nVor \u00fcber einem Jahr hat der \u00f6kumenische Rat der Kirchen ein Aktionsb\u00fcndnis gegen AIDS ins Leben gerufen. Die Missionswerke haben sich diesem B\u00fcndnis angeschlossen, weil sie st\u00e4ndig mit der Not konfrontiert werden, die Aids \u00fcber viele arme L\u00e4nder gebracht hat und bringt.<\/p>\n<p>Und dieses Elend kann uns als Christen &#8211; als Partner unserer Geschwister in Tansania &#8211; nicht egal sein. Als Kirche verstehen wir uns als ein Leib, dessen Haupt Jesus Christus ist. Paulus hat gesagt: &#8222;leidet nun ein Teil des K\u00f6rpers, dann leiden alle mit&#8220;. Wenn eines der Glieder am Leib Christi von Aids in Bedr\u00e4ngnis gebracht wird, betrifft uns das&#8230; denn wir alle geh\u00f6ren zu dem einen Leib.<\/p>\n<p>Was unsere Partner in Tansania bewegt und vor schier un\u00fcberwindliche Aufgaben stellt, das sollten wir nicht ignorieren oder als nebens\u00e4chlich abtun. Wenn wir in diesem Gottesdienst dieses heikle Thema aufgreifen, geht es nicht darum schnell eine einfache L\u00f6sung von der Kanzel herunter zu predigen. Die gibt es n\u00e4mlich nicht.<\/p>\n<p>Es soll uns mit hinein nehmen in das Problem unserer Glaubensgeschwister, als Menschen, die deren Problem ernst nehmen und tun, was ihnen m\u00f6glich ist &#8211; durch Gebet und auch durch tatkr\u00e4ftige Hilfe. Sie sollen merken, dass wir um sie wissen, und sie nicht verurteilen<\/p>\n<p>Da muss ich an Jesus denken, der sich auch denen zugewandt hat, die Auss\u00e4tzig waren, wo Menschen sich davor ekelten, auch Angst hatten, sich anzustecken. Und Jesus hat keine Vorhaltungen gemacht. Anders als die Pharis\u00e4er hat er nicht nach der S\u00fcnde gesucht, f\u00fcr die die Krankheit die Strafe sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Zeichen f\u00fcr ein Kirche auf diesem Weg sind Abendmahlgottesdienste, wie Sie einzelne Gemeinden auch in Deutschland speziell f\u00fcr Aidsinfizierte anbieten.<br \/>\nDas sind Schritte auf dem Weg, den Paulus im R\u00f6merbrief (R\u00f6mer 12, 10-17) uns vorzeichnet:<br \/>\n<b><i>&#8220; Die br\u00fcderliche Liebe untereinander sei herzlich. Seid nicht tr\u00e4ge in dem, was wir tun sollt. Nehmt euch der N\u00f6te der Heiligen an, \u00fcbt Gastfreundschaft.<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>Freut euch mit den Fr\u00f6hlichen und weint mit den Weinenden . Seid eines Sinnes untereinander&#8220;<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nsolche geschwisterliche Verbundenheit kann wachsen, wenn wir von den N\u00f6ten unserer Geschwister erfahren. Pfarrer Gerhard Richter aus Tansania war im vergangenen September in unserem Dekanat. Er hat beim Gemeindefest in Martinsheim gepredigt und Filme \u00fcber die Massai gezeigt. In der letzten Woche kam ein Brief von ihm im Dekanat an in dem beschreibt er folgende Begebenheit:<\/p>\n<table border=\"\" width=\"90%\" bgcolor=\"#99FF99\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>&#8222;Als ich im Mai nach Deutschland abgereist bin, habe ich unseren Doktor aus dem diakonischen Zentrum verabschiedet. Er klagte \u00fcber Mattheit und Abgeschlagenheit. Aber es sei wohl nur die viele Arbeit, meinte er. Er war ein sehr zuverl\u00e4ssiger und gewissenhafter Arzt, was hier nicht immer selbstverst\u00e4ndlich ist. Er hat mich selbst mehrfach behandelt und einmal sogar am Kopf eine Platzwunde gen\u00e4ht.<br \/>\nAls ich im September wieder kam, wurde ich an sein Krankenbett gerufen. Er war bis zur Unkenntlichkeit abgemagert, sodass man den Eindruck hatte, das Gr\u00f6\u00dfte an ihm sei sein Kopf.<br \/>\nEines Sonntags w\u00fcrde ich noch vor dem Gottesdienst zu ihm gerufen um ihm das Abendmahl zu reichen. Er wurde dann auch nach Arusha ins Krankenhaus gebracht, was aus meiner Sicht \u00fcberfl\u00fcssig war. Zwei Wochen sp\u00e4ter haben wir ihn beerdigt. Seine Frau bleibt mit drei Kindern zur\u00fcck. Bei der Beerdigung sprach keiner der dr\u00fcber dass der Doktor Aids gehabt hat. Stattdessen wird umschreibend von einer langen anhaltenden Krankheit gesprochen, die schlie\u00dflich zum Tod f\u00fchrte. Notfalls werden andere Krankheiten, die den geschw\u00e4chten K\u00f6rper rasch \u00fcberw\u00e4ltigen als Todesursache pr\u00e4sentiert: Malaria, TBC oder Krebs.<br \/>\nNiemand spricht davon, dass die Frau sehr wahrscheinlich auch infiziert ist. Wer wei\u00df, was aus den Kindern wird? Das Haus, dass sie sich bauen wollten, steht halb fertig unweit seines Grabes.&#8220;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wo mich solche Nachrichten erreichen, ja eigentlich buchst\u00e4blich auch treffen, da bleiben mir dann die einfachen L\u00f6sungen im Halse stecken.<br \/>\nF\u00fcrstin Glorias &#8222;Schnackselspruch&#8220; passt anscheinend doch \u00fcberhaupt nicht.<br \/>\nUnd ich selber sp\u00fcre, wie solche einfachen L\u00f6sungen diesen Menschen Unrecht tun. Menschen, die manchmal nicht einmal wissen, wo sie sich angesteckt haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr Pfarrer Richter ist dieser Fall typisch f\u00fcr seine Erfahrungen:<\/p>\n<table border=\"\" width=\"90%\" bgcolor=\"#99FF99\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im diakonischen Zentrum in MtoWaMbu f\u00fchrt eine Frau Beratungsgespr\u00e4che \u00fcber HIV. Dort werden auch Aids-Tests gemacht. Manche lassen sich testen, weil sie heiraten wollen, oder weil eine Schwangere ihr Kind sch\u00fctzen will.<br \/>\nErschreckend: jeder zweite Test ist positiv. Diese Stadt ist ein gef\u00e4hrliches Pflaster&#8220;<br \/>\nDie christlichen Gemeinden sehen mit Aids eine enorme Herausforderung auf sich zukommen. Das Geld f\u00fcr \u00e4rztliche Hilfe ist knapp. Und manchmal stellt man sich die Frage, ob man die verf\u00fcgbaren Mittel f\u00fcr die Behandlung der Aids-Kranken aufbrauchen soll, oder lieber f\u00fcr die Hinterbliebenen, die Witwen und Waisen.<br \/>\nChristlichen Gemeinden versuchen dort zu helfen, wo Kinder Waisen geworden sind, weil beide Eltern an Aids gestorben sind und keiner in der Verwandtschaft sich um sie sorgen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>in allem, was in diesen Meldungen auch be\u00e4ngstigend ist:<br \/>\nEs ist auch entlastend zu sehen, wie sich Gemeinden angesichts dieser Situation als Gemeinde Jesu Christi zeigen, die in seiner Nachfolge handeln.\u00a0 N\u00e4chstenliebe \u00fcben, vorbehaltlos, wie es Jesus vorgelebt hat, wie der Apostel Paulus es uns ins Stammbuch schreibt:<br \/>\n<b><i>&#8220; Die br\u00fcderliche Liebe untereinander sei herzlich. Seid nicht tr\u00e4ge in dem, was wir tun sollt. Nehmt euch der N\u00f6te der Heiligen an, \u00fcbt Gastfreundschaft.<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>Freut euch mit den Fr\u00f6hlichen und weint mit den Weinenden . Seid eines Sinnes untereinander&#8220;<\/i><\/b><\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, manche sehr komplexe Angelegenheiten werden ganz schnell sch\u00f6n handlich und \u00fcbersichtlich, wenn man sie mit Hilfe eines Schlagwortes vereinfacht. So hat unsere F\u00fcrstin Gloria von Thurn und Taxis vor einiger Zeit in einer Talkshow es versucht, die Aids-Problematik in Afrika auf einen simplen Nenner zu bringen: &#8222;der Schwarze\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1726\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt zum Partnerschaftssonntag: Das Thema AIDS in Ostafrika , 3.Februar 2002","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[30],"tags":[485],"class_list":["post-1726","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten-2001-2003","tag-tansania"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4BNB2-rQ","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1726"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1726\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1727,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1726\/revisions\/1727"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}