{"id":1720,"date":"2002-03-17T23:31:25","date_gmt":"2002-03-17T21:31:25","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1720"},"modified":"2017-10-24T19:49:50","modified_gmt":"2017-10-24T18:49:50","slug":"predigt-draussen-vor-dem-tor-hebraeerbrief-13-11-14-17-maerz-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1720","title":{"rendered":"Predigt: Drau\u00dfen vor dem Tor (Hebr\u00e4erbrief 13, 11-14)  17. M\u00e4rz 2002"},"content":{"rendered":"<p>Unser Predigttext steht im Hebr\u00e4erbrief im 13. Kapitel<\/p>\n<p><i>Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als S\u00fcndopfer in das Heilige getragen wird, werden\u00a0 au\u00dferhalb des Lagers verbrannt.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.<\/i><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nmit diesen Worten aus dem Hebr\u00e4erbrief tauchen wir ziemlich unvorbereitet in eine f\u00fcr uns recht fremde Welt ein. In die fr\u00fchj\u00fcdische Praxis von Tieropfern, Tempelkult und Passah-Fest. Ganz selbstverst\u00e4ndlich wird hier davon geschrieben.<br \/>\nBeim gro\u00dfen Vers\u00f6hnungsfest, dem Jom Kippur, wurde in Israel das ganze Volk wieder mit Gott vers\u00f6hnt. Alle Schuld, die im vergangenen Jahr die Menschen auf sich geladen haben, wird an diesem Tag vergeben. Dazu werden Tiere geschlachtet und ihr Blut wird im Allerheiligsten des Tempels dargebracht. Als Zeichen der Bu\u00dfe des Volks.<br \/>\nDie \u00dcberreste der geschlachteten Tiere wurden weggebracht &#8211; raus aus der Stadt Jerusalem &#8211; und vor den Toren der Stadt verbrannt. Die Reste der Tieropfer sollten verschwinden, so wie ja auch die Schuld vor Gott ausgel\u00f6scht sein sollte.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><i><b>&#8212; Analogie zu Jesus &#8212;<\/b><\/i><\/span><br \/>\nAn diesem Brauch erinnert unser Abschnitt aus dem Hebr\u00e4erbrief. Und er zieht eine Parallele zu Jesus Christus.<br \/>\nJesus hauchte sein Leben auch drau\u00dfen vor dem Tor der Stadt aus.<\/p>\n<p>Als Jesus am Karfreitag gekreuzigt wurde, hatte keiner im Sinn, dass es da eine \u00c4hnlichkeit zu den Opfern im Tempel gab. An diesem Freitag gab es f\u00fcr seine Richter einen ganz anderen Grund: Jesus sollte so wie alle anderen Verbrecher nicht in der Stadt, sondern drau\u00dfen hingerichtet werden. F\u00fcr solche wie ihn ist kein Platz innerhalb der Stadtmauern. \u201eRaus mit ihm und den zwei anderen Sch\u00e4chern.&#8220; Ihr Leben und auch ihr Tod soll das Leben in der Stadt nicht beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Ein paar Tage vorher hat man ihn noch gerne in den verwinkelten Gassen Jerusalems gesehen. Nach seinem triumphalen Einzug am Psalmsonntag hatten viele ihre Hoffnung auf ihn gesetzt: Hosianna, du bist der Nachkomme Davids, du sollst unser Herrscher sein. Dir trauen wir zu, dass du unser Land ver\u00e4nderst, die R\u00f6mer vertreibst. Herzlich willkommen, Jesus.<br \/>\nDie Begeisterung hat sich aber schnell in bittere Feindschaft gewandelt. Denn Jesus machte sich nicht direkt auf den Weg auf die Burg Antonia, um sich dort zum Herrscher ausrufen zu lassen. Stattdessen nahm er sich der Armen und sogar der S\u00fcnder an. Und verk\u00fcndigte &#8222;mein Reich ist nicht von dieser Welt&#8220;.<\/p>\n<p>Ganz schnell hie\u00df es pl\u00f6tzlich in den Reihen der M\u00e4chtigen: &#8220; F\u00fcr einen wie den da ist bei uns kein Platz&#8220;.<br \/>\nEr musste raus &#8211; weg aus der Stadt &#8211; besser noch: Weg aus dem Reich der Lebendigen.<\/p>\n<p>Keiner von seinen Gegnern wohl hatte diese \u00c4hnlichkeit gemerkt, auf die der Hebr\u00e4erbrief verweist: Die Tieropfer, mit denen Gott vers\u00f6hnt wurde, wurden im Beisein des Hohenpriesters ausgew\u00e4hlt und geschlachtet. Und sp\u00e4ter wurden sie aus der Stadt gebracht.<br \/>\nJesus wurde im Haus des Hohenpriesters verh\u00f6rt und verurteilt, und sp\u00e4ter zur Hinrichtung aus der Stadt gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Hebr\u00e4erbrief liegt es auf der Hand: Jesus hat das Opfer gebracht, mit dem Gott sich mit den Menschen vers\u00f6hnt. Bisher waren es alle Jahre wieder die Opferungen der Tiere. Das ist jetzt abgel\u00f6st: Jesu Sterben und sein Auferstehen sind jetzt der Weg der Vers\u00f6hnung mit Gott.<br \/>\n<i><b><span style=\"color: #009900;\"><br \/>\n<\/span><\/b><\/i><i><b><span style=\"color: #009900;\">&#8211; &#8211; Nachfolge drau\u00dfen vor dem Tor &#8211; &#8211;<\/span><\/b><\/i><\/p>\n<p>Unser Predigttext gibt sich aber mit dieser Analyse allein nicht zufrieden. Das, was da mit Jesus Christus passiert ist &#8211; sein Tod und seine Auferstehung &#8211; ist nicht ein Spektakel zum unbeteiligten Zugucken:<br \/>\n&#8222;So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen, denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.&#8220;<\/p>\n<p>Mit hinausgehen sollen wir!<br \/>\nDrinnen geblieben, in der Stadt, sind damals diejenigen, f\u00fcr die die Sache mit Jesus erledigt war. Er war aus dem Weg ger\u00e4umt und man konnte so weitermachen wie bisher. Und: in der Stadt hat man sich untereinander auch gut verstanden. Vielleicht auch gerade deshalb, weil es noch die anderen gab, die drau\u00dfen vor dem Tor waren, die man sich lieber vom Leibe hielt. Und die waren wirklich drau\u00dfen &#8211; ausgesperrt aus dem normalen Leben. Da drau\u00dfen, da hingen nicht nur Jesus und die beiden anderen am Kreuz. Drau\u00dfen vor der Stadtmauer fristeten auch die Auss\u00e4tzigen und die Ausgesto\u00dfenen ihr Dasein. Die, die nicht dazu passten, die die Idylle in der Stadt gef\u00e4hrdeten, die eigentlich gar keine Idylle war.<\/p>\n<p>So ein bisschen f\u00fchle ich mich an die Obdachlosen erinnert, die bei uns in Deutschland aus manchen schick renovierten Bahnh\u00f6fen ausgesperrt sind. Drinnen in den weiten Hallen l\u00e4sst es sich gut einkaufen, flanieren und auf den ICE warten. Drau\u00dfen hocken sie auf dem Boden, mit zwei Aldi-T\u00fcten, und frieren bei Temperaturen um die null Grad.<br \/>\nDa wird mir deutlich, dass es ganz bitter ist, drau\u00dfen vor der T\u00fcr zu sitzen. Ausgesperrt seine Schmach tragen muss.<\/p>\n<p>Es gibt daneben noch eine andere Art, drau\u00dfen zu sitzen. N\u00e4mlich abseits, isoliert von den Anderen &#8211; weil man ein frommer Christ ist. &#8220; Der ist immer so komisch christlich&#8220; diesen Titel kann man sich in manchen Kreisen ganz sch\u00f6n schnell einfangen. Und dann hat man damit einen Stempel aufgedr\u00fcckt gekriegt, der auch bedeuten kann, dass man nicht mehr ernst genommen wird. &#8211; Und schon ist man drau\u00dfen &#8211; ausgesperrt und muss seine Schmach tragen.<\/p>\n<p>Manchmal habe ich so Situationen erlebt, in denen ich sehr deutlich gesp\u00fcrt habe: Jetzt w\u00e4re der Moment gekommen, wo du widersprechen musst, wo du Position beziehen musst, weil du als Christ anderer Meinung bist. Und innerlich ist bei mir so ein Warnschild angegangen: Pass auf! Wenn du jetzt sagst, was du meinst, bist du in Nullkommanix in der frommen Ecke gelandet und kommst da auch nichtmehr raus. Etikettiert als unverbesserliche fromme Seele, die von der Welt keine Ahnung hat, mit der man vorsichtig umgehen muss.<br \/>\nManchmal ist der Weg hinaus aus dem Lager gar nicht so weit.<\/p>\n<p><i><b><span style=\"color: #009900;\">&#8211; &#8211; Wir haben keine bleibende Stadt &#8211; &#8211;<\/span><\/b><\/i><\/p>\n<p>Als h\u00e4tte er meine Bef\u00fcrchtungen geahnt, kommt mir der Predigttext mit einer Hilfestellung entgegen. Der letzte Satz &#8222;wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir&#8220; hilft mir dabei, mein inneres Koordinatensystem zurechtzur\u00fccken. Die Bedingungen jetzt und hier auf der Erde sind nicht das, was letztlich z\u00e4hlt. Da gibt es noch eine kommende Stadt, da wo wir am Ende der Zeit wohnen werden, da sind wir solcher Schwierigkeiten enthoben. Da brauchen wir dann keine Angst zu haben, dass wir drau\u00dfen vor der T\u00fcr stehen m\u00fcssen. Da sind wir dann bei Gott gut aufgehoben.<\/p>\n<p>Diese Perspektive macht mir oft Mut und gibt mir auch eine gewisse Entspanntheit. Wenn ich darauf vertraue, dass da etwas auf uns zukommt, was das Bisherige bei weitem \u00fcbertrifft. Dann f\u00e4llt es mir leichter, manches Risiko auf mich zu nehmen, auch mal vor den Toren zu landen.<\/p>\n<p>Ich kann nicht sagen, dass es mich kalt l\u00e4sst, als Christ abgestempelt zu werden. Wenn Menschen \u00fcber mich ein Urteil f\u00e4llen, von dem ich sage, dass es nicht stimmt. So etwas wurmt mich und ich f\u00fchle mich ungerecht behandelt. Das geht mir lange nach.<br \/>\nVielleicht so, wie der Golfspieler Bernhard Langer, der f\u00fcr ein frommes Buch Werbung macht und dann von den Medien wahlweise f\u00fcr christlich treudoof verkauft wird, oder zum christlichen Taliban umetikettiert wird. Sowas wird man nicht so einfach wieder los.<\/p>\n<p>Aber Gott sei Dank: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern es kommt die Stadt, die Welt, auf uns zu, in der solche menschlichen Urteile nicht mehr z\u00e4hlen.<br \/>\nWo Menschen nicht mehr \u00fcber Menschen urteilen,<br \/>\nwo Menschen nicht mehr andere vor die T\u00fcr schicken,<br \/>\nwo Menschen nicht mehr gegeneinander k\u00e4mpfen,<br \/>\nsondern in Gottes N\u00e4he Gemeinschaft haben.<br \/>\nDarauf hoffe ich. Weil Gott es uns verspricht.<br \/>\nAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Predigttext steht im Hebr\u00e4erbrief im 13. Kapitel Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als S\u00fcndopfer in das Heilige getragen wird, werden\u00a0 au\u00dferhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor. So lasst\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1720\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Drau\u00dfen vor dem Tor (Hebr\u00e4erbrief 13, 11-14)  17. M\u00e4rz 2002","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[30],"tags":[478,281,282,787],"class_list":["post-1720","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten-2001-2003","tag-hebr","tag-hebraeer","tag-hebraeerbrief","tag-judika"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4BNB2-rK","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1720"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1721,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1720\/revisions\/1721"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}