{"id":1714,"date":"2002-03-29T23:23:14","date_gmt":"2002-03-29T21:23:14","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1714"},"modified":"2014-06-04T23:26:24","modified_gmt":"2014-06-04T21:26:24","slug":"predigt-zum-karfreitag-2002-schwaeche-ist-eine-staerke-hoeherer-ordnung-jesaja-52-1-12-29-maerz-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1714","title":{"rendered":"Predigt zum Karfreitag 2002: Schw\u00e4che ist eine St\u00e4rke h\u00f6herer Ordnung (Jesaja 52, 1-12)  29. M\u00e4rz 2002"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Wie wird es wohl den J\u00fcngern Jesu ergangen sein &#8211; nachdem ihr Herr gekreuzigt worden war? Ich stelle mir da zum Beispiel Matth\u00e4us vor. Er war Zolleinnehmer gewesen bis er Jesus begegnet ist. Diese Begegnung hat sein Leben v\u00f6llig ver\u00e4ndert: Er hat seinen sehr lukrativen aber auch anr\u00fcchigen Job aufgegeben und ist mit Jesus durch das Land Israel gezogen.<br \/>\nEr hat erlebt, wie Jesus handelte, wie er Kranke heilte, wie er anders mit den Menschen umging als die Schriftgelehrten, und wie \u00fcberzeugend er seine Botschaft vom kommenden Reich Gottes verk\u00fcndigte. In Matth\u00e4us reifte die Erkenntnis: Jesus muss der Messias sein.<\/p>\n<p>Und er hat mitbekommen, wie sich eine Gegnerschaft gegen Jesus bildete, wie immer deutlicher wurde, dass diese Botschaft manche begeisterte und andere ihr ganz ablehnend gegen\u00fcberstanden.<br \/>\nDann die Woche vor der Kreuzigung. Alles war sehr schnell gegangen&#8230; Jesus scheint es gesp\u00fcrt zu haben, was da auf ihm zukam, denn er redete immer wieder von seinem kommenden Leiden. Dann das letzte Mahl am Donnerstag, gleich darauf die Festnahme und am Morgen danach die Kreuzigung.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Wie die anderen J\u00fcnger auch, war sicher auch Matth\u00e4us bis ins Mark ersch\u00fcttert. Schlie\u00dflich hatten sie alle ihre Hoffnung auf Jesus gesetzt &#8211; und jetzt war er tot. Alle Hoffnungen waren dahin. Matth\u00e4us hatte vom Reich Gottes getr\u00e4umt und sich vorgestellt wie es sein w\u00fcrde an der Seite Jesu.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gegner war die Sache mit der Kreuzigung erledigt. Sie gingen wieder ihrer Wege, und an ihren Augen konnte Matth\u00e4us ablesen was sie dachten: &#8222;Da seht ihr es, was passiert wenn sich jemand einbildet, von Gott geschickt zu sein. Keinen Finger hat Gott f\u00fcr diesen Jesus krumm gemacht. Der ist dort genauso elend gestorben wie die beiden anderen Verbrecher links und rechts neben ihm.&#8220;<br \/>\nSolche Worte bleiben nicht ohne Folgen. Matth\u00e4us kommt ins Gr\u00fcbeln: vielleicht bin ich wirklich in die Irre gegangen und einem Verf\u00fchrer nachgelaufen? Und der Tod am Kreuz&#8230; ist der vielleicht eine Strafe Gottes, weil Jesus sich selbst zum Heiland erkl\u00e4rt hat?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nganz verschiedene Gedanken k\u00f6nnten den J\u00fcngern damals durch den Kopf gegangen sein. Aber eine \u00dcberlegung lag ihnen wahrscheinlich ganz und gar fern: Die Vorstellung dass dieser Tod Jesu am Kreuz irgend etwas Positives bedeuten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Und damit k\u00e4mpfen viele von uns eigentlich auch heute noch. Wir tun uns mit dem Karfreitag schwer, fragen nach dem &#8222;warum&#8220; des Sterbens Jesu. H\u00e4tte es nicht auch irgendwie anders gehen k\u00f6nnen? Will Gott denn wirklich unbedingt Blut sehen?<\/p>\n<p>Unser heutiger Predigttext kann uns eine Hilfe sein, diesen Weg Jesu Christi zu verstehen. Er steht beim Propheten Jesaja, im 53. Kapitel. Darin wird nicht direkt von Jesus gesprochen; von einem Knecht Gottes ist dort die Rede.<\/p>\n<p>Predigttext Teil 1<\/p>\n<p><i><b>Er scho\u00df auf vor ihm\u00a0 wie ein Reis und wie eine Wurzel aus d\u00fcrrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen h\u00e4tte.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>3 Er war der\u00a0 Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, da\u00df man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn f\u00fcr nichts geachtet.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>4 F\u00fcrwahr,\u00a0 er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und\u00a0 um unsrer S\u00fcnde willen zerschlagen.\u00a0 Die Strafe liegt auf ihm, auf da\u00df wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>6 Wir\u00a0 gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber\u00a0 der HERR warf unser aller S\u00fcnde auf ihn.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>7 Als er gemartert ward,\u00a0 litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein\u00a0 Lamm, das zur Schlachtbank gef\u00fchrt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. <\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er f\u00fcr die Missetat meines Volks geplagt war.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei \u00dcbelt\u00e4tern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und\u00a0 kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.<\/b><\/i><\/p>\n<p>So weit der erste Teil des Predigttextes.<\/p>\n<p>Der Prophet spricht aus der Sicht des Volkes \u00fcber diesen Knecht Gottes: &#8222;Er war voller Schmerzen und Krankheit. Wir haben ihn verachtet und gedacht dass Gott ihm geschlagen h\u00e4tte.&#8220;<br \/>\nEin absch\u00e4tziger Blick der Leute geht da hin\u00fcber zu diesem schw\u00e4chlichen H\u00e4uflein Elend. &#8222;Armer Hund &#8211; was muss der aushalten &#8211; wof\u00fcr muss der wohl b\u00fc\u00dfen?&#8220;<br \/>\nDer Prophet Jesaja sagt aber etwas ganz anderes: &#8222;Er ist um unsrer Missetat willen verwundet&#8220;.<\/p>\n<p>So etwas gab es anscheinend schon beim Propheten Jesaja: Menschen erkaufen sich ihre St\u00e4rke durch das Leiden der Schw\u00e4cheren. Da werden Machtpositionen durch Unterdr\u00fcckung gesichert, andere ausgebeutet, belogen, betrogen, kurz gehalten.<br \/>\nUnd gar nicht so selten werden diese Starken bewundert und ihre Opfer verachtet. Das Cabrio des Anlageberaters wird bewundert &#8211; und die Oma, die er um ihre Ersparnisse gebracht hat, wird h\u00f6chstens mitleidig bel\u00e4chelt.<br \/>\nWir trinken gesunden Orangensaft und f\u00fchlen uns dabei als gute Menschen, dabei wird dieser gesunde Saft manchmal unter Bedingungen angebaut, die f\u00fcr die Bauernfamilien in S\u00fcdamerika alles andere als gesundheitsf\u00f6rdernd sind.<\/p>\n<p>Im kleinen und im gro\u00dfen kann man das beobachten: Unsere St\u00e4rke ist oft erkauft durch die Schw\u00e4che der anderen, und da geht es manchmal nicht ohne Schuld ab.<br \/>\nEine Schw\u00e4che will sich aber kaum jemand geben. Wer Schw\u00e4che zeigt, der hat ein Problem, n\u00e4mlich fehlende St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Um es mathematisch auszudr\u00fccken: St\u00e4rke ist etwas wert; Schw\u00e4che bedeutet Abwesenheit von St\u00e4rke und ist damit gar nichts wert.<\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte ich ihnen aber die zweite H\u00e4lfte unseres Predigttextes nicht vorenthalten:<\/p>\n<p><i><b>10 So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er\u00a0 sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat,\u00a0 wird er Nachkommen haben und in die L\u00e4nge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>11 Weil seine Seele sich abgem\u00fcht hat, wird er das Licht schauen und die F\u00fclle haben. Und\u00a0 durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn\u00a0 er tr\u00e4gt ihre S\u00fcnden.<\/b><\/i><i><b><br \/>\n<\/b><\/i><i><b>12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, daf\u00fcr da\u00df er sein Leben in den Tod gegeben hat und\u00a0 den \u00dcbelt\u00e4tern gleichgerechnet ist und er die S\u00fcnde der Vielen getragen hat und\u00a0 f\u00fcr die \u00dcbelt\u00e4ter gebeten.<\/b><\/i><\/p>\n<p>Haben sie gemerkt, was hier passiert ist? Gott spielt unser Spiel von St\u00e4rke und Schw\u00e4che nicht mit. Er kehrt unsere Logik um. Bei ihm ist der Schwache derjenige, der sein Ziel erreicht, w\u00e4hrend die Starken seine Beute sind.<\/p>\n<p>Gott ist auf der Seite der Schwachen. Diesen Satz haben sie sicher schon \u00f6fter geh\u00f6rt. Und Jesus hat das auch vorgemacht:<br \/>\nEr hat die Kranken zu sich kommen lassen, sie geheilt.<br \/>\nMit denen Ausgegrenzten hat er zu Tisch gesessen und sie so in menschliche Gemeinschaft gerufen.<br \/>\nDer rechtlosen Ehebrecherin, auf die die Steinigung wartete, hat er zu einem neuen Anfang verholfen.<\/p>\n<p>Gott ist auf der Seite der Schwachen. Dieser Satz hat aber noch eine weiter gehende Bedeutung: Gott streichelt und tr\u00f6stet nicht nur die Schwachen, sondern er l\u00e4\u00dft uns erfahren, dass die Schw\u00e4che auch eine St\u00e4rke sein kann!!<\/p>\n<p>Jesus hat seine Schw\u00e4che am Kreuz getragen &#8211; und zwar konsequent.<br \/>\nEr hat der Versuchung widerstanden, seinen Vater und die himmlischen Heerscharen zu Hilfe zu rufen. Er hat die Schw\u00e4che, die Machtlosigkeit, ausgehalten.<br \/>\nEr hat zu den Vorw\u00fcrfen seiner Ankl\u00e4ger geschwiegen, er hat sich nicht selbst rechtfertigt.<br \/>\nDazu geh\u00f6rt eine ganz andere Art von St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Durch die St\u00e4rke seiner Schw\u00e4che konnte er auch unsere Schuld tragen.<br \/>\nDieser Weg, den Jesus gegangen ist, ist f\u00fcr uns ein Weg der Befreiung:<\/p>\n<p>Er befreit uns von unserer S\u00fcnde, unserer Schuld, er hat unter ihr gelitten, hat sie getragen und nicht abgesch\u00fcttelt &#8211; bis zum Tod.<br \/>\nUnd wir d\u00fcrfen uns auch von ihm befreien lassen, von dem Zwang, stark sein zu m\u00fcssen und unserer Angst, Schw\u00e4che zu zeigen.<\/p>\n<p>Genau so brauchen wir auch vor Gott keine fromme St\u00e4rke zeigen, sondern d\u00fcrfen auch unsere Schwachheit im Glauben eingestehen.<\/p>\n<p>Was Jesus Christus f\u00fcr uns getan hat, k\u00f6nnen wir nicht nachmachen.<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen an ihm lernen:<br \/>\nSchw\u00e4che und Leiden m\u00fcssen kein Mangel eines Lebens sein, sondern k\u00f6nnen St\u00e4rken der besonderen Art sein.<br \/>\nAmen<!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Wie wird es wohl den J\u00fcngern Jesu ergangen sein &#8211; nachdem ihr Herr gekreuzigt worden war? Ich stelle mir da zum Beispiel Matth\u00e4us vor. Er war Zolleinnehmer gewesen bis er Jesus begegnet ist. Diese Begegnung hat sein Leben v\u00f6llig ver\u00e4ndert: Er hat seinen sehr lukrativen aber auch anr\u00fcchigen\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1714\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt zum Karfreitag 2002: Schw\u00e4che ist eine St\u00e4rke h\u00f6herer Ordnung (Jesaja 52, 1-12)  29. 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