{"id":1699,"date":"2002-06-09T23:03:07","date_gmt":"2002-06-09T22:03:07","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1699"},"modified":"2017-10-24T19:46:22","modified_gmt":"2017-10-24T18:46:22","slug":"predigt-stell-dich-nicht-so-an-1-korinther-8-1-13-9-juni-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1699","title":{"rendered":"Predigt: Stell dich nicht so an! (1. Korinther 8, 1-13) 9. Juni 2002"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><i><b>DIE SITUATION\u00a0<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Achaikus, einer der Gemeindeleiter in Korinth machte sich ernsthafte Sorgen. Wieder einmal gab es einen gro\u00dfen Streit unter den Christen in der jungen aufstrebenden Gemeinde. Er erinnerte sich noch gut an den Beginn der Streitigkeiten.<\/p>\n<p>Ganz aufgeregt war ein Gemeindeglied abends zu ihm gekommen und hatte ihm eine haarstr\u00e4ubende Geschichte erz\u00e4hlt:<br \/>\n&#8220; Stell dir vor, als ich vorhin an einem griechischen Tempel vorbeigegangen bin, kamen gerade zwei unserer christlichen Br\u00fcder aus diesen Geb\u00e4ude heraus. Aus einem heidnischen Tempel! Ich habe nat\u00fcrlich beide sofort zur Rede gestellt. Sie haben mir gesagt, dass sie bei einem Festmahl zu Ehren der G\u00f6tter waren. Da gehen sie immer wieder einmal hin, weil man dort g\u00fcnstig essen kann. Es scheint den beiden v\u00f6llig egal zu sein, dass die Tiere den heidnischen G\u00f6ttern zu Ehren geschlachtet wurden. Sie haben mir gesagt\u00a0 komm, stell dich doch nicht so an! Es gibt doch nur unseren Gott, die G\u00f6tter in diesem Tempel sind doch sowieso nur menschliche Hirngespinste. Achaikus, ich bin ersch\u00fcttert &#8222;.<!--more--><\/p>\n<p>In den Tagen darauf besuchte Achaikus die besagten Gemeindeglieder, um mit ihnen zu reden. Die beiden erkl\u00e4rten ihm, dass sie \u00fcberhaupt keine Probleme damit h\u00e4tten, einen heidnischen Tempel zu besuchen, oder am Markt das Fleisch zu kaufen und zu essen, das in diesem Tempeln den G\u00f6ttern zu Ehren geschlachtet worden war. &#8222;Es sind doch nur G\u00f6tzen, keine echten G\u00f6tter &#8211; denn es gibt doch nur den einen Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum sind diese G\u00f6tter eigentlich gar nichts. Sie haben keine Macht \u00fcber uns. Weshalb sollten wir dann nicht das preisg\u00fcnstige G\u00f6tzenopferfleisch essen? Au\u00dferdem hat auch Jesus selbst gesagt: Das, was durch den Mund in den Menschen hineingeht, und ihn auch wieder verl\u00e4sst, das macht ihn nicht unrein&#8220;.<\/p>\n<p>Irgendwie leuchtete dem Achaikus diese Argumentation schon ein. Aber ein dummes Gef\u00fchl im Bauch blieb schon zur\u00fcck, als er den Heimweg antrat.<\/p>\n<p>In den Tagen darauf wurde dann aber deutlich, dass das alles doch nicht zu einfach war.<br \/>\nImmer \u00f6fter musste er von Mitchristen bittere Klagen h\u00f6ren. Oft h\u00f6rte er folgendes: &#8222;Ich habe mich erst vor wenigen Wochen taufen lassen, zuvor habe ich ganz verschiedene heidnische G\u00f6tter verehrt. Und kaum habe ich mich von diesem Gr\u00e4uel abgewandt, kommen meine neuen Glaubensgeschwister und marschieren in die Tempel, denen ich den R\u00fccken gekehrt habe. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Wozu bin ich denn dann Christ geworden?&#8220;<br \/>\nUnd andere Stimmen kamen von denen, die als Juden Christus angenommen hatten. Solche sagten: &#8222;Von Kindesbeinen an habe ich gelernt, dass wir uns von den G\u00f6ttern fernhalten sollen, damit wir nicht unrein werden. Fleisch, das diesen G\u00f6tzen geopfert worden ist, haben wir nicht einmal gewagt zu ber\u00fchren, denn schlie\u00dflich sind wir Gottes Volk. Ich meine: Auch als Christen m\u00fcssen wir uns von solchem heidnischen Dingen fernhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich war es abzusehen, dass in der Gemeinde zwei Gruppen entstanden waren:<br \/>\n&#8211; Diejenigen, die sagten: Das G\u00f6tzenopferfleisch ist ein Fleisch wie jedes andere auch, weil n\u00e4mlich die G\u00f6tter nichtig sind. Und das sollten wir Christen deutlich machen, indem wir das Fleisch ohne Bedenken essen.<br \/>\n&#8211; Und solche, die gr\u00f6\u00dfte Bedenken hatten und das Verhalten der anderen nicht verstehen konnten, und \u00fcberlegten ob das \u00fcberhaupt noch christlich sei.<\/p>\n<p>Zwei Positionen standen sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich beschlossen die versammelten Gemeindeleiter, den Achaikus mit zwei Begleitern loszuschicken um den Apostel Paulus um Rat zu fragen und von ihm eine schriftliche Antwort in dieser und manch anderen Frage zu erbitten.<\/p>\n<p>So in etwa stelle ich mir die Situation damals in der Gemeinde in Korinth vor. Wie es genau war, wissen wir nicht. Das einzige, was wir \u00fcber diesen Streit in der Hand haben, ist unser Predigttext. Es ist die Antwort des Apostels. Sie steht im ersten Korintherbrief, das achte Kapitel.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><i><b>PREDIGTTEXT<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p><i>Was aber das\u00a0 G\u00f6tzenopfer angeht, so wissen wir, da\u00df wir alle die Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bl\u00e4ht auf; aber die Liebe baut auf.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>2 Wenn\u00a0 jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>3 Wenn aber jemand Gott liebt, der ist\u00a0 von ihm erkannt.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>4 Was nun das Essen von G\u00f6tzenopferfleisch angeht, so wissen wir, da\u00df es keinen G\u00f6tzen gibt in der Welt und\u00a0 keinen Gott als den einen.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>5 Und\u00a0 obwohl es solche gibt, die G\u00f6tter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele G\u00f6tter und viele Herren gibt,<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>6 so haben wir doch nur\u00a0 einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus,\u00a0 durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>7 Aber nicht jeder hat die Erkenntnis. Denn einige, weil sie bisher an die G\u00f6tzen gew\u00f6hnt waren, essen&#8217;s als G\u00f6tzenopfer; dadurch\u00a0 wird ihr Gewissen, weil es schwach ist, befleckt.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>8 Aber Speise wird uns nicht vor Gottes Gericht bringen. Essen wir nicht, so werden wir darum nicht weniger gelten; essen wir, so werden wir darum nicht besser sein. <\/i><i><br \/>\n<\/i><i>9 Seht aber zu, da\u00df diese eure Freiheit f\u00fcr die Schwachen nicht zum Ansto\u00df wird! <\/i><i><br \/>\n<\/i><i>10 Denn wenn jemand dich, der du die Erkenntnis hast, im G\u00f6tzentempel zu Tisch sitzen sieht, wird dann nicht sein Gewissen, da er doch schwach ist, verleitet, das G\u00f6tzenopfer zu essen?<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>11 Und so wird durch deine Erkenntnis der Schwache\u00a0 zugrunde gehen, der Bruder, f\u00fcr den doch Christus gestorben ist.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>12 Wenn ihr aber so s\u00fcndigt an den Br\u00fcdern und verletzt ihr schwaches Gewissen, so s\u00fcndigt ihr an Christus.<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>13 Darum, wenn Speise meinen Bruder zu Fall bringt, will ich nie mehr Fleisch essen, damit ich meinen Bruder nicht zu Fall bringe. <\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><i><b>ANTWORT DES PAULUS<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nin diesen S\u00e4tzen spricht Paulus diejenigen an, die das G\u00f6tzenopferfleisch ohne Bedenken essen. Er sagt ihnen &#8220; ja, aber&#8220;<br \/>\n&#8211; Ja, weil ihr zu Jesus Christus geh\u00f6rt, haben die vielen G\u00f6tzen keine Bedeutung f\u00fcr euch.<br \/>\n&#8211; Ja, weil Christus euch befreit, h\u00e4ngt euer Heil nicht an irgend welchen Speisegeboten. Ihr k\u00f6nnt essen, was ihr wollt.<br \/>\n&#8211; Ja, um das aller Welt zu zeigen, k\u00f6nnt ihr auch G\u00f6tzenopferfleisch essen. Ihr seid offensichtlich die mit einem starken, robusten Gewissen.<\/p>\n<p>-Aber: Habt ihr schon mal \u00fcberlegt, wie es dabei in den Herzen eurer Glaubensgeschwister aussieht &#8211; bei denen, die erst vor kurzem vom Heidentum zu uns gekommen sind?<br \/>\n&#8211; Aber: Seid ihr euch bewusst, wie sich diejenigen f\u00fchlen, die bisher als Zeichen ihres Glaubens bewusst Abstand gehalten haben von allem, was mit G\u00f6tzen zu tun hat?<br \/>\n&#8211; Aber: Nicht jeder hat so ein starkes Gewissen wie ihr ; manche haben ein viel sensibleres Gewissen.<br \/>\n&#8211; Aber: Habt ihr nicht gemerkt, dass ihr damit einen Keil in die Gemeinde treibt?<\/p>\n<p>Paulus sagt zu dieser Gruppe: Eigentlich habt ihr Recht. Aber euer Rechthaben ist noch lange nicht das einzige, was z\u00e4hlt. &#8222;Die Erkenntnis bl\u00e4ht auf; aber die Liebe baut auf.&#8220;<\/p>\n<p>Ihr seid keine theologischen Einzelk\u00e4mpfer, sondern ihr seid als Christen Glieder des Leibes Jesu Christi, der Gemeinde. Und wenn ihr euch so verhaltet, dass es den anderen schmerzt, dass sie irre werden an ihrem Glauben, dann ist euer Verhalten falsch, auch wenn ihr eigentlich Recht habt.<\/p>\n<p><i><b><span style=\"color: #009900;\">DAS GEWISSEN DES ANDEREN ALS LEITLINE <\/span><\/b><\/i><\/p>\n<p>Der Apostel Paulus gibt denen mit dem starken Gewissen eine bisher unbeachtete Leitlinie mit auf den Weg: Meine Entscheidung, was sich tun soll, oder was ich lassen soll, h\u00e4ngt nicht nur davon ab, ob es erlaubt ist oder verboten, sondern auch davon, ob es dem Gewissen der anderen Schaden zuf\u00fcgt oder nicht.<br \/>\nDer Satz &#8222;das ist der nicht mein Problem&#8220; gilt bei Paulus nicht. Wenn der andere Christ mit meinem Verhalten Schwierigkeiten hat, dann geht es mich durchaus etwas an.<\/p>\n<p>F\u00fcr Paulus bedeutet das: Wenn ich tue, was erlaubt ist, kann es dennoch S\u00fcnde sein, wenn ich dadurch jemand anderen in seinem Gewissen, in seinem Glauben Schaden zuf\u00fcge.<\/p>\n<p>Und ganz eindeutig sagt er am Ende unseres Predigttextes, wie er handeln w\u00fcrde: &#8222;Darum, wenn Speise meinen Bruder zu Fall bringt, will ich nie mehr Fleisch essen, damit ich meinen Bruder nicht zu Fall bringe.&#8220; Er verzichtet aus R\u00fccksichtnahme auf die anderen auf gewisse eigene Freiheiten. Das ist seine Auslegung von Jesu Liebesgebot: &#8220; Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst&#8220;.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde in Gollhofen,<br \/>\nmit G\u00f6tzenopfern haben wir heute keine Probleme mehr. Aber das Problem, mit dem Paulus und Gemeinde in Korinth gek\u00e4mpft haben, taucht in verschiedenen Schattierungen auch bei uns immer wieder auf.<\/p>\n<p><i><span style=\"color: #009900;\"><b>BEISPIEL: GOTTESDIENST<\/b><\/span><\/i><\/p>\n<p>Die Form, wie wir unsere Gottesdienste feiern, ist nicht jedermanns Sache. Manchen ist er zu bieder und zu altmodisch. Die Tatsache, dass bestimmte Altersgruppen kaum zu sehen sind, scheinen diese Beobachtung zu best\u00e4tigen. Darum w\u00fcrden mache sich ganz andere Lieder w\u00fcnschen, den Introitus samt Orgel rausschmei\u00dfen, den Pfarrer sch\u00f6n bunt anziehen und ihm eine Elektrogitarre um den Hals h\u00e4ngen. Und zwar an jedem Sonntag.<\/p>\n<p>Stellen sie sich vor, wir w\u00fcrden das ab n\u00e4chster Woche machen.<br \/>\nIch vermute, dass nicht wenige Menschen davon sehr begeistert w\u00e4ren &#8211; &#8222;endlich mal ein richtig moderner Gottesdienst!&#8220; Und die sicher kommende Kritik w\u00fcrden wir dann abweisen mit den Worten &#8222;komm, stell dich nicht so an, wir brauchen eben etwas neues&#8220;.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, was der Apostel Paulus uns sagen w\u00fcrde?<br \/>\n&#8211; Ja, ihr habt Recht, dass die Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes zeitgem\u00e4\u00df passieren soll.<br \/>\n&#8211; Ja, es ist eine gute Idee den Gottesdienst so zu gestalten, dass auch j\u00fcngere Menschen da gerne hingehen.<br \/>\n&#8211; Aber: habt ihr auch an die gedacht, die in diesen Raum, der Musik und der Liturgie schon ihr ganzes Leben lang ihre Heimat gefunden haben?<br \/>\n&#8211; Aber: habt ihr daran gedacht, dass sie durch euer Umkrempeln ihre Heimat in diesen Gottesdienst verlieren w\u00fcrden?- Heimatlos, vielleicht sogar geistlich Obdachlose w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Paulus w\u00fcrde vielleicht sogar sagen: Lieber schlafe ich einmal im Quartal in einem langweiligen Gottesdienst ein, bevor Menschen in ihrem Glauben angefochten werden, weil der Gottesdienst ihnen keine Heimat mehr ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><i><b>WARNLAMPE<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens an dieser Stelle sollte aber auch ein kleines Warnl\u00e4mpchen bei uns aufleuchten.<br \/>\nEs geht an dieser Stelle um das Gewissen, um den Glauben der anderen, die gesch\u00fctzt werden sollen.<br \/>\nUnser Predigttext erinnert uns daran, zu fragen, ob mein Handeln das eigentlich korrekt ist, dem Gewissen oder dem Glauben des Anderen schadet.<\/p>\n<p>Aber wie oft geht es eigentlich nur um Fragen des pers\u00f6nlichen Geschmacks oder der eigenen Eitelkeiten. Und die nimmt Paulus nicht in Schutz. Dann gilt es: Tue entschlossen das, was du als richtig vor Gott erkannt hast. Und lass dich nicht hindern von Menschen, die ihr eigenes S\u00fcppchen kochen wollen. Dann darf man schon mal sagen: &#8222;Stell dich nicht so an, und akzeptiere meine Entscheidung.&#8220;<\/p>\n<p>Manchmal ist es schon schwierig, zu unterscheiden, ob der Weg, den ich einschlage, dem andern Gewissensn\u00f6te beschert, oder einfach nicht in den Kram passt.<\/p>\n<p>Da wird es wichtig sein, dass ich wirklich dem andern genau zuh\u00f6re,<br \/>\nund auf den Geist Gottes hoffe, damit er mir zur rechten Entscheidung verhilft.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, DIE SITUATION\u00a0 Achaikus, einer der Gemeindeleiter in Korinth machte sich ernsthafte Sorgen. Wieder einmal gab es einen gro\u00dfen Streit unter den Christen in der jungen aufstrebenden Gemeinde. Er erinnerte sich noch gut an den Beginn der Streitigkeiten. 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