{"id":1695,"date":"2002-06-30T22:58:20","date_gmt":"2002-06-30T20:58:20","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1695"},"modified":"2014-06-04T23:00:13","modified_gmt":"2014-06-04T21:00:13","slug":"predigt-mit-anspiel-zum-450-jaehrigen-jubilaeum-der-reformation-in-gollhofen-30-juni-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1695","title":{"rendered":"Predigt mit Anspiel zum 450-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Reformation in Gollhofen 30. Juni 2002"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\"><b>Anspiel: Reformation in Gollhofen<\/b><\/span><\/p>\n<p><b>Sprecher<\/b><br \/>\nWir m\u00f6chten Ihnen davon erz\u00e4hlen, wie es vor sich ging, dass Gollhofen evangelisch wurde.<\/p>\n<p>Dazu reisen wir zun\u00e4chst in das Jahr 1528, in das Arbeitszimmer von Erbschenk Karl von Limpurg; dem Herrn von Gollhofen, Sommerhausen, Lindelbach und etlichen anderen L\u00e4ndereien.<br \/>\nLuthers 95 Thesen sind gerade einmal elf Jahre alt. Aber dennoch hatte sich die Lehre der Anh\u00e4nger Luthers schon weit in Deutschland verbreitet. Damals durfte nicht jeder Mensch selbst entscheiden, ob er evangelisch oder katholisch sein wollte. Der jeweilige Landesherr hatte das Sagen. Wenn der F\u00fcrst, Markgraf oder Landesherr beschloss, dass es besser sei evangelisch zu sein, wurde das einfach in die Tat umgesetzt &#8211; und diese Entscheidung galt f\u00fcr sein ganzes Herrschaftsgebiet. Wer regierte, der bestimmte auch die<br \/>\nKonfession seiner Untertanen. Und so wurden nach und nach viele deutsche Landstriche evangelisch.<!--more--><\/p>\n<p>So auch die Markgrafschaft Ansbach &#8211; anno 1528 eben. Als der katholische Erbschenk Karl auf seiner Residenz in Eisersheim davon h\u00f6rte, was in seinem Nachbarland geschah, war er wenig begeistert.<\/p>\n<p><b>Karl:<\/b><br \/>\n(liest einen Brief, sch\u00fcttelt den Kopf)<br \/>\nSo ein Unsinn! Jetzt laufen auch noch die von Ansbach zum Luthertum \u00fcber.\u00a0 Nicht zu fassen!<br \/>\nHaben die denn vergessen, was f\u00fcr \u00c4rger der Luther uns eingebrockt hat. Vor drei Jahren erst hatten wir jede Menge mit diesen aufr\u00fchrerischen Bauern zu tun. So ein Aufstand, wollten mehr Rechte und weniger Pflichten &#8211; und der Luther ist Schuld &#8211; er hat doch diese seltsamen Schriften verfasst: &#8220; von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220;, &#8220; von der weltlichen Obrigkeit, und<br \/>\nwie weit man ihr Gehorsam schuldig sei&#8220;. Das konnte ja nicht gut gehen.<\/p>\n<p>Was habe ich daf\u00fcr Kummer gehabt, mit diesen Aufst\u00e4ndischen! Erst als ich die Anf\u00fchrer beseitigt hatte, ist wieder Ruhe eingekehrt. Dieser neue Glaube bringt doch nur \u00c4rger. Nein&#8230; ohne mich!<\/p>\n<p><b>Erz\u00e4hler:<\/b><br \/>\nWahrscheinlich hat es eine gewisse Zeit gedauert, bis dem Erbschenken Karl von Limpurg deutlich wurde, dass es bei der Reformation Martin Luthers um das rechte Verst\u00e4ndnis des Evangeliums ging &#8211; und nicht um einen politischen Aufstand.<br \/>\nVielleicht hat Luthers Ablehnung der blutigen Bauernaufst\u00e4nde viel dazu geholfen.<\/p>\n<p>In der Nachbarschaft konnte Karl sehen, wie sich der evangelische Glaube entwickelte. Langsam aber sicher war auch er von der Reformation angetan. Aber konnte er als kleiner Landesherr mit nur wenigen L\u00e4ndereien einfach so die Reformation einf\u00fchren? Oder war es ihm vielleicht wichtig, es sich nicht mit den m\u00e4chtigen Bischof in W\u00fcrzburg, oder gar mit Kaiser Karl zu verscherzen? Wir wissen es nicht, wir waren nicht dabei.<br \/>\nAber einige Randnotizen der Geschichte gibt es doch:<\/p>\n<p><b>Karl:<\/b><br \/>\n(liest wieder einen Brief, l\u00e4uft nachdenklich hin und her)<br \/>\nAch, ihr lieben Untertanen, wir macht es mir wirklich nicht leicht. Jetzt wollen die in Sommerhausen nicht mehr ihren Zehnten an den katholischen Pfarrer zahlen. Eigentlich haben sie gar nichts gegen den armen Kerl. In Wirklichkeit wollen sie das Papsttum weg haben.<br \/>\nSie wollen einen evangelischen Pfarrer. Irgendwie kann ich sie ja verstehen.<br \/>\nDenn was die Lehren der Evangelischen angeht, so finde ich sie ganz sinnvoll und der Bibel entsprechend.<\/p>\n<p>Na, da werde ich wohl mal einen Brief an den Rat von Sommerhausen schreiben:<br \/>\n(greift zur Feder)<br \/>\n<i>Geehrte Herren, so es euch ein dringendes Anliegen ist, einen Pfarrer zu haben, der euch das Evangelium unverf\u00e4lscht predigt, so will ich euch bei Gelegenheit einen senden, und euch herzlich bitten, ihm dann auch wieder den vereinbarten Zehnten zu zahlen. Wenn ihr denn nun einen evangelischen fordert, so soll es mir recht sei<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>Mit gn\u00e4digen Gru\u00dfe<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>Erbschenk Karl von Limpurg<\/i><\/p>\n<p><b>Erz\u00e4hler:<\/b><br \/>\nSo wurde ganz langsam Ort f\u00fcr Ort in den Limpurgischen Landen evangelisch.<br \/>\nUnd auch unser Erbschenk Karl wurde zum entschiedenen Verfechter der Reformation. Und als 1551 Kaiser Karl einen Brief nach Einersheim schickte und ihn ermahnte, zum Katholizismus zur\u00fcckzukehren, ignorierte er ihn einfach.<\/p>\n<p>Gollhofen war bis dahin immer noch Sitz des katholischen Priesters Kaspar Spannkuch. Aber so etwas kann sich ja von heute auf morgen \u00e4ndern&#8230;<\/p>\n<p><b>Karl:<\/b><br \/>\n(liest am\u00fcsiert einen Brief, ein Geldsack steht auf dem Tisch)<br \/>\nAch, der Pfarrer von Gollhofen ist \u00fcber alle Berge? Aus seinem Pfarrhaus einfach so ausgezogen? Nein, wo gibt es denn so was?<br \/>\n(Liest weiter)<br \/>\nDas ist ja erschreckend! Kommen da einfach so wilde hessische Reiter-Gesellen und \u00e4rgern dem Pfarrer? So sehr, dass er Gollhofen verl\u00e4\u00dft &#8211; na so eine Mafia&#8230;<\/p>\n<p>Der werden wir wahrscheinlich einen neuen Pfarrer brauchen! Da bietet es sich ja direkt an, dass wir einen evangelischen Pfarrer nehmen. Ich werde mich sofort darum k\u00fcmmern.<\/p>\n<p><b>Erz\u00e4hler:<\/b><br \/>\nVerehrter Erbschenk Karl,<br \/>\ndarf ich euch etwas fragen?<\/p>\n<p><b>Karl:<\/b><br \/>\nJa?<\/p>\n<p><b>Erz\u00e4hler:<\/b><br \/>\nwas ist eigentlich mit diesen Geldsack?<\/p>\n<p><b>Karl:<\/b><br \/>\n(wird etwas verlegen)<br \/>\nAch &#8230; das ist nur ein ausstehendes Gehalt f\u00fcr einige &#8230; freiberufliche Mitarbeiter aus Hessen &#8230;<\/p>\n<p><b>Erz\u00e4hl<\/b><b>er:<\/b><br \/>\nSo setzte am 27. April 1552 Erbschenk Karl den Bischof in W\u00fcrzburg davon in Kenntnis, dass der Gollh\u00f6fer Pfarrer Spannkuch durch einen evangelischen Kollegen aus dem schon lange evangelischen Uffenheim ersetzt werden soll.<br \/>\nDie Wahl f\u00e4llt auf Christoph Zeller. Ein Mann, der wahrscheinlich zehn Jahre zuvor in Wittenberg studiert hat, und dort wohl auch Luther noch selbst getroffen und geh\u00f6rt hat.<\/p>\n<p>Am 12. Mai 1552 wurde Christoph Zeller zum Pfarrer von Gollhofen ernannt. So wurde Gollhofen quasi \u00fcber Nacht evangelisch.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><b>Predigt<\/b><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir haben jetzt gesehen, wie in etwa die Reformation nach Gollhofen kam. Genau genommen haben wir nur mitbekommen, was der Landesherr Erbschenk Karl gedacht und gemacht hat ; die kleinen Leute, die Gollh\u00f6fer B\u00fcrger blieben irgendwie im Hintergrund.<br \/>\nWir k\u00f6nnen nur vermuten, dass die Gollh\u00f6fer schon vor der offiziellen Reformation in ihrem Dorf dem Gedankengut des Martin Luther zugeneigt waren. Schlie\u00dflich ging es um gro\u00dfe Freiheiten, um Ver\u00e4nderungen von kirchlichen Herrschaftsstrukturen, unter denen viele Menschen litten.<\/p>\n<p>Was wird sich denn f\u00fcr Gollhofen ver\u00e4ndert haben, in diesem Sommer 1552? Was passiert da in einem, wenn man von heute auf morgen evangelisch wird?<\/p>\n<p>Ich denke, dass das, worum es Luther bei der Reformation ging, langsam St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in Gollhofen Einzug gehalten hat. Von Sonntag zu Sonntag, von Predigt zu Predigt, von Gespr\u00e4ch zu Gespr\u00e4ch, das Menschen mit dem Pfarrer Christoph Zeller gef\u00fchrt haben, wurde deutlicher, worum es Luther gegangen war.<\/p>\n<p>Ich kann mir vorstellen, dass die Bibel einen neuen Stellenwert in der Gemeinde gewonnen hat. Zuvor war oft der Satz zu h\u00f6ren: &#8222;Dies oder jenes gilt, weil es ein Konzil, oder der Papst, oder\u00a0 ein Bischof so bestimmt hat.&#8220; F\u00fcr Luther konnte es nur hei\u00dfen: &#8222;Das, was in der Bibel steht, was das Wort Gottes uns sagt, das gilt f\u00fcr uns.&#8220; Nicht die Tradition, nicht andere Personen, auch nicht das was gerade &#8222;in&#8220; ist gilt &#8211; die Bibel wurde nun zum\u00a0 alleinigen Ma\u00dfstab f\u00fcr das, was christlich ist.<\/p>\n<p>Und sicher hat Pfarrer Christoph Zeller \u00fcber die wichtigste Entdeckung Luthers oft gepredigt: Die Rechtfertigung des Christen allein aus Gnade. In jenen Tagen wurde den Gollh\u00f6fern wahrscheinlich deutlich, dass das Ansehen des Christen vor Gott nicht von seinen guten Werken abh\u00e4ngt. Und dass sein Stand vor Gott auch nicht davon abh\u00e4ngt, ob er am Kirchweihtag oder an Barbaratag in der Kirche Sankt Johannis den von Papst Alexander bestimmten Anlass erhalten hat.<br \/>\nDer Grund f\u00fcr Gottes Vergebung liegt nicht in meinem Handeln, sondern im Handeln Jesu Christi, der f\u00fcr uns am Kreuz gestorben ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns erscheint das gar nicht neu. Damals, vor 450 Jahren war es f\u00fcr viele sicher nicht leicht, von dem Gedanken Abschied zu nehmen, selbst etwas f\u00fcr sein eigenes Seelenheil tun zu k\u00f6nnen. Zu h\u00f6ren, dass allein das Vertrauen auf Jesus Christus, der Glaube, uns vor Gottes Augen gerecht macht. Und es war sicher nicht einfach, im eigenen Kopf das Gute, das man tat, nicht als Verdienst vor Gott zu sehen, sondern gleichsam als Dankesch\u00f6n an seinen Gott. Spenden, gute Taten, ein ehrliches Leben &#8211; das alles geh\u00f6rte zum Christsein weiterhin dazu; aber eben mit einem anderen Stellenwert.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht war f\u00fcr viele Menschen der Umbruch zur Reformation innerlich auch eine kleine Revolution.<\/p>\n<p>Apropos Revolution: Wie sollen wir als evangelische Gollh\u00f6fer eigentlich dieses Jubil\u00e4um feiern? Als Siegesfeier \u00fcber den katholischen Gegner? Sollen wir, so wie die t\u00fcrkischen Fu\u00dfballfans gestern nach dem kleinen WM-Finale mit protestantischen lila Fahnen durch die Stra\u00dfen ziehen, Autokorsos bilden und &#8222;ein feste Burg ist unser Gott&#8220; singen?<\/p>\n<p>(Der Erbschenk vom Anspiel taucht wieder auf, schwnkt eine lila Fahne und singt auf der Melodie einer Fu\u00dfballhymne: \u201eEy super Luther, ey, super Luther &#8230;.&#8220;)<\/p>\n<p>Nein, das geht ganz bestimmt nicht. Denn die Reformation war kein Sieg &#8211; ein St\u00fcck weit war sie sogar eine Niederlage, weil die Einheit der Christen in Deutschland zerbrochen ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns heute geht es nicht um die Frage des Siegs \u00fcber die anderen, sondern darum, wie wir gemeinsam als katholische und evangelische Christen leben k\u00f6nnen. Und da sieht es heute in Gollhofen wahrscheinlich besser aus denn je.<\/p>\n<p>Denken wir an unsere Kirche. Wie gut, dass es damals vor 450 Jahren keine Bilderst\u00fcrmer gab, die den alten Altar niederrissen und das Sakramentsh\u00e4uschen abbauten. Darum haben wir dieses Sakramentsh\u00e4uschen noch und auch Teile des alten Altars h\u00e4ngen bei uns im Chorraum an den Seitenw\u00e4nden. Jeden Abend k\u00f6nnen wir zwei Glocken l\u00e4uten h\u00f6ren &#8211; die erste zum Engelsgru\u00df an die Maria, die zweite zum Vaterunser. Und unser aktueller Altar wurde \u00fcber hundert Jahre nach der Reformation von einem katholischen K\u00fcnstler, Johann Auwera gestaltet.<\/p>\n<p>Auch in anderer Hinsicht sind katholische und evangelische Christen deutlich zusammenger\u00fcckt. Als ich nach Gollhofen kam, habe ich mich \u00fcber die vielen engagierten Mitarbeiter gefreut, die wir hier haben. Etliche von ihnen sind ja auch katholisch. Ich sage Ihnen: Wenn manche es mir nicht verraten h\u00e4tten, h\u00e4tte ich es nicht gemerkt. Oft auch da nicht, wo wir \u00fcber Glaubensinhalte gesprochen haben. &#8211; Denn auch im Glauben haben Katholische und Evangelische \u00fcber die Jahrhunderte viel voneinander gelernt und sind sich n\u00e4hergekommen.<\/p>\n<p>Dass heutzutage evangelische Pfarrer in katholische Kl\u00f6ster gehen, um von der Atmosph\u00e4re dort und dem geistlichen Miteinander zu profitieren, das h\u00e4tte sich Luther sicher nicht tr\u00e4umen lassen. Wenn wir im Weltgebetstag der Frauen uns trauen, dass Kreuzzeichen \u00fcber uns selbst zu schlagen, und wenn \u00fcber hundert Evangelische Christen sich in der Thomasmesse in Uffenheim segnen und salben lassen, dann sind wir wirklich auf einem sehr guten Weg.<\/p>\n<p>Und ich freue mich besonders dar\u00fcber, dass in der katholischen Kirche die gro\u00dfe Erkenntnis Martin Luthers inzwischen anerkannt und ernst genommen wird: dass wir als Menschen vor Gott durch unsern Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt sind.<\/p>\n<p>450 Jahre Reformation. Vieles Trennende scheint \u00fcberwunden.<br \/>\nWir kommen uns n\u00e4her, \u00fcberspielen die noch existierenden Unterschiede aber auch nicht.<\/p>\n<p>Aber mittlerweile sind wir gemeinsam auf den Weg des Glaubens, als Christinnen und Christen in der Nachfolge Jesu Christi.<br \/>\nAls Menschen, in deren Leben der Glaube eine wichtige Rolle spielt.<br \/>\nSo soll es auch bleiben.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anspiel: Reformation in Gollhofen Sprecher Wir m\u00f6chten Ihnen davon erz\u00e4hlen, wie es vor sich ging, dass Gollhofen evangelisch wurde. Dazu reisen wir zun\u00e4chst in das Jahr 1528, in das Arbeitszimmer von Erbschenk Karl von Limpurg; dem Herrn von Gollhofen, Sommerhausen, Lindelbach und etlichen anderen L\u00e4ndereien. 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