{"id":1693,"date":"2002-07-14T22:56:07","date_gmt":"2002-07-14T21:56:07","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1693"},"modified":"2017-10-24T19:40:58","modified_gmt":"2017-10-24T18:40:58","slug":"predigt-mittendrin-statt-nur-dabei-matthaeus-721-14-juli-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1693","title":{"rendered":"Predigt: Mittendrin statt nur dabei  (Matth\u00e4us 7,21) 14. Juli 2002"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201eMittendrin statt nur dabei&#8220; &#8211; mit diesem Slogan wirbt das \u201eDeutsche Sportfernsehen&#8220; DSF f\u00fcr sein Programm. Ich habe erst ein bisschen gebraucht, bis ich gespannt hatte, worauf sie hinaus wollen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Beispiel: Tour de France<\/b><\/span><br \/>\nEs ist gut, wenn man dabei ist; bei einem sportlichen Ereignis wie der Fu\u00dfball-WM oder jetzt aktuell bei der Tour de France. Man bekommt mit, was passiert, wer f\u00fchrt, wer eine Etappe gewonnen hat, wer ausgefallen ist, und wer sich das Gelbe Trikot \u00fcberstreifen darf. Man ist dabei! Man wei\u00df Bescheid. Man kennt den Stand der Dinge. Und das geht sogar ganz prima vom Fernseher aus.<br \/>\nWir daheim &#8211; meine Frau und ich &#8211; fiebern seit einigen Jahren mit der Tour de France mit. Meine Frau hofft auf das Team Telekom mit Erik Zabel. Ich bin fasziniert von Lance Armstrong, seit ich seine spannende <a href=\"http:\/\/pastors-home.de\/Predigten\/Predigten_2002\/Predigt_60\/predigt_60.htm#buch\"> Autobiographie<\/a> gelesen habe. Wir wissen also Bescheid.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Aber damit bin ich noch lange nicht mittendrin!! Auch nicht, wenn wir direkt an der Rennstrecke\u00a0 stehen. Vor 2 Jahren haben wir das erlebt. Bei der Deutschlandtour waren wir direkt am Zieleinlauf, so 150 Meter vor der Ziellinie. \u00dcber ne Stunde vorher waren wir da .. standen in der ersten Reihe .. haben gewartet und gewartet &#8230; dann war es soweit, und in ein paar Sekunden war der ganze Zauber vorbei. Farbige Trikots sind an uns vorbei gezischt. Mehr war nicht zu sehen. Da waren wir also zwar dabei &#8230; aber nicht mittendrin.<\/p>\n<p>Mittendrin bin ich, wenn ich nicht im\u00a0 Fernsehsessel, nicht auf der Trib\u00fcne sitze, oder an der Absperrung stehe sondern wenn ich mittendrin mitfahre &#8211; mitk\u00e4mpfe. Wenn ich selber am Hinterrad\u00a0 meines Vordermanns h\u00e4nge; wenn ich zusammen mit den schnellsten meines Teams einen Ausreisversuch unternehme. Dann bin ich mittendrin, da geht die Post ab.<br \/>\nDa ist dann auch nichts mehr mit gem\u00fctlich Salzstangen knabbern und Wei\u00dfbiertrinken.\u00a0 Da muss ich mich selber bewegen, schwitzen, arbeiten. Aber das macht nix: Ich geh\u00f6re dann ja dazu!<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Beispiel Fu\u00dfball-WM<\/b><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde<br \/>\nmittendrin ist was anderes als nur dabei.<br \/>\nEigentlich klingt es ja ganz \u00e4hnlich. Aber in Wirklichkeit sind da Welten dazwischen.<\/p>\n<p>Ich fand das so verr\u00fcckt, als es ins Finale der WM ging: \u201eWerden wir Weltmeister?&#8220;, das war die\u00a0 alles bewegende Frage. Ich h\u00e4tte es schon vorher sagen k\u00f6nnen: \u201eWir werden nicht Weltmeister!&#8220;. Wie denn auch? Allerh\u00f6chstens wird eine deutsche Mannschaft von nicht mal 3 Dutzend M\u00e4nnern Fu\u00dfball-Weltmeister. Aber wir &#8211; Du und Ich? Also ich bin weder Weltmeister noch Viezeweltmeister: Ich habe da in Japan nicht mal einen Ball angefasst&#8230;<br \/>\nIch war nur von Ferne dabei. Weltmeister sind diejenigen, die da gespielt und gewonnen haben, die waren mittendrin und die haben es auch verdient.<\/p>\n<p><b><span style=\"color: #009900;\">Wie ist das mit dem Glauben?<\/span><\/b><br \/>\nWie ist es denn mit dem Glauben? Gibts da auch ein \u201emittendrin&#8220; und ein \u201enur dabei&#8220;? Kann man da auch unterscheiden zwischen denen, die mitspielen und denen, die nur zuschauen?<br \/>\nWer ist da n\u00e4her dran, wer ist weiter weg, wer hat die Spielerlizenz und wer eine Dauerkarte?<\/p>\n<p>Wer die Augen aufmacht, der merkt, dass Menschen ganz unterschiedlich zum Glauben und zur Kirche stehe. Ich m\u00f6chte euch einmal einen Versuch vorstellen, der das mittendrin und dabei versucht in Worte zu fassen.<\/p>\n<p>1. Ich fang mal au\u00dfen an: Da gibt es welche, die sind weder mittendrin noch dabei, n\u00e4mlich gar nicht dabei. Die wissen wohl, dass es eine Kirche gibt, aber so jemand wie Gott ist ihnen egal (oder zumindest unheimlich genug), so dass sie damit gar nichts zu tun haben wollen. Aus der Kirche sind sie l\u00e4ngst ausgetreten, oder waren noch nie Mitglied.\u00a0 &#8211; Also Kategorie 1: Nicht mal dabei<\/p>\n<p>2. Die n\u00e4chste Gruppe ist zumindest irgendwie dabei. Ist getauft, Kirchenmitglied, wei\u00df wo die eigene Kirche steht. Ist aber der \u00dcberzeugung, dass es ganz gut so ist, dass die Kirche dort steht und man selber woanders. Dann hingehen muss man ja nicht unbedingt, zumindest nicht allzuoft pro Jahr. Kategorie 2: Kirche finde ich gut; nur den Weg dorthin finde ich nicht.<\/p>\n<p>3. Numero drei: Das sind die Leute, die wir Pfarrer lieben: Menschen, die da sind, dabei sind. So wie Sie: Sie sitzen hier, singen mit, h\u00f6ren zu.\u00a0 Aus ganz verschiedenen Gr\u00fcnden kommen sie in die Kirche.\u00a0 Die einen, weil sie sich etwas f\u00fcr die kommende Woche erhoffen, Mut, Gemeinschaft, Hoffnung. Angeblich sollen auch Leute dabei sein, die nur hingehen, um gesehen zu werden &#8211; aber das halte ich f\u00fcr ein gut gepflegtes Ger\u00fccht. Also Kategorie 3: Die sind wirklich mit dabei.<\/p>\n<p>4. Und wer ist mittendrin? Wer sind die Spieler auf dem Feld, wer dreht in der Gemeinde mit am Rad? Das ist eine relativ kleine Gruppe. In ganz verschiedenen Aufgaben wuseln sie mit. Die einen machen Musik, die anderen machen einen Sketch. Wieder andere denken intensiv nach und bereiten etwas vor, oder wischen nach einem Gottesdienst den Boden feucht raus. Sie alle werden gebraucht. Also Kategorie 4: Die Mannschaft einer Gemeinde; die den Laden irgendwie am Laufen h\u00e4lt. &#8211; Da geh\u00f6rt dann der Pfarrer auch irgendwie dazu.<\/p>\n<p>Das klingt bis jetzt so richtig einfach und \u00fcbersichtlich.\u00a0 Ein Schema von mittendrin, \u00fcber regelm\u00e4\u00dfig dabei, und fast nie dabei bis gar nicht dabei. Und innerlich sp\u00fcre ich da auch eine Wertung: Von sehr gut, \u00fcber mittelm\u00e4\u00dfig bis ganz schlecht; je nachdem, wie sehr einer \u201edabei ist.&#8220;<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Der entscheidende Faktor f\u00fcrs \u201emittendrin&#8220;<\/b><\/span><\/p>\n<p>Aber das ist bisher nur die halbe Miete! Ich habe mit meinem Schema von eben einen ganz wichtigen Faktor \u00fcbersehen. Es gibt eine Bibelstelle, die finde ich da ganz passend:<br \/>\nMt 7, 21: Jesus sagt da:<br \/>\nEs werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern\u00a0 die den Willen tun meines Vaters im Himmel.\u00a0\u00a0 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr,\u00a0 haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen b\u00f6se Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan?\u00a0 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr \u00dcbelt\u00e4ter!<\/p>\n<p>Wem sagt Jesus das? Denen, die nur dabei sind? Nein! Er sagt das denen, die eigentlich doch mittendrin waren!<br \/>\nDa gibt es Leute aus der angeblich Top-Kategorie, aus der Superduper-Mannschaft; die haben mitgearbeitet, rumger\u00f6delt, tolle Sachen auf die Beine gestellt &#8211; und denen muss Jesus sagen: Sorry, kennen wir uns? Haben wir schon mal miteinander gesprochen?<br \/>\nAch, du warst in meiner Mannschaft &#8211; warum wei\u00df ich nicht davon?<\/p>\n<p>Jetzt sind wir an dem spannenden Punkt: Ob ich vor Gottes Augen mittendrin, oder nur dabei bin, h\u00e4ngt nicht davon ab, ob ich bei dem Team der Kirchengemeinde aufgestellt bin, sondern, wie ich innerlich eingestellt bin.<br \/>\nDie entscheidende Frage in meinem Leben ist: Bin ich f\u00fcr Gott mittendrin, oder bin ich nur Rande dabei?\u00a0 Sehe ich den Himmel von innen, oder muss ich von au\u00dfen zugucken?<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Es geht um eine Beziehung<\/b><\/span><br \/>\n\u201eIch habe euch noch nie gekannt&#8220; sagt Jesus. Ich denke der Satz bringt uns auf die richtige Spur: Es geht um eine Beziehung. Kennt mich Jesus Christus? Haben wir beide vielleicht eine Geschichte miteinander.<br \/>\nEs gibt viele Menschen, die haben ihre Geschichte &#8211; ihre Beziehungsgeschichte &#8211; mit ihrem Gott. Die ist nicht immer glatt!<br \/>\nBei manchem Menschen f\u00e4ngt das im Kindergarten an, mit den vielen Jesusgeschichten, wo alles so klar und problemlos war. Dann kommt die Schulzeit &#8230; da wird vieles komplizierter, auch der Glaube steht auf dem Pr\u00fcfstand. Bei einigen fliegt er dann \u00fcber Bord, als Kinderkram. Aber etliche bleiben dran &#8211; mittendrin in dieser Beziehung zu ihrem Gott. Da k\u00f6nnen auch mal die Fetzen fliegen, manchmal verstehe ich meinen Gott nicht. Da bin ich auch mal sauer und entt\u00e4uscht, und versuche nach einiger Zeit wieder mit meinem Herrn ins Reine zu kommen.<\/p>\n<p>! Da gehts rund, da spielt sich was ab. Wer das erlebt, der ist mittendrin, und nicht nur als Zuschauer dabei.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\">Mittendrin &#8211; das kostet was<\/span><br \/>\nMittendrin bleiben, in dem was Glauben hei\u00dft; was man Beziehung zu Jesus Christus nennen kann, das ist nicht immer einfach.<br \/>\nDenn um in der Mannschaft Gottes mitzuspielen, muss man f\u00fcr sich klar kriegen, was Vorrang hat: N\u00e4mlich dass ist dazugeh\u00f6re. Das hat oft Folgen f\u00fcr das eigene Verhalten. Manche Dinge kommen dann nicht mehr in die T\u00fcte, weil sie Gottes Willen widersprechen.<\/p>\n<p>Oder umgekehrt kommt manchmal auch Arbeit dazu: Wenn jemand Feuer f\u00e4ngt f\u00fcr eine Aufgabe und zum Beispiel so einen Gottesdienst mit vorbereitet. Das ist Arbeit, das braucht Energie und Zeit, da bleibt auch mal was anderes liegen.<\/p>\n<p>Aber man sp\u00fcrt: Ich bin mittendrin! Nicht deshalb, weil ich zum erlauchten Kreis der Mitarbeiter, Kirchenvorsteher und Pfarrer geh\u00f6re. Sondern weil Gott die Mitte meines Lebens ist.<br \/>\nUnd das kann ich auch, wenn ich nicht zu denen geh\u00f6re, die jeden Sonntag die Kirche st\u00fcrmen.<br \/>\nIch denke an eine alte Frau, die fast nie in der Kirche ist. Der Weg ist zu weit und die Knie zu wackelig. Aber sie hat ihre pers\u00f6nliche Geschichte mit ihrem Gott, durch Dick und D\u00fcnn. Sie ist mittendrin, obwohl sie in der Gemeinde nicht mehr wirklich dabei ist.<\/p>\n<p>Mittendrin, statt nur dabei &#8211; wo ich stehe, das entscheidet sich in meinem Herzen.<br \/>\nAuch wenn\u2018s von au\u00dfen unsichtbar bleibt, so eine Entscheidung muss jeder irgendwann mal treffen.<br \/>\nAMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, \u201eMittendrin statt nur dabei&#8220; &#8211; mit diesem Slogan wirbt das \u201eDeutsche Sportfernsehen&#8220; DSF f\u00fcr sein Programm. Ich habe erst ein bisschen gebraucht, bis ich gespannt hatte, worauf sie hinaus wollen. 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