{"id":1691,"date":"2002-08-25T22:54:01","date_gmt":"2002-08-25T21:54:01","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1691"},"modified":"2021-10-11T12:01:48","modified_gmt":"2021-10-11T10:01:48","slug":"predigt-tu-das-was-du-kannst-apostelgeschichte-6-1-7-25-august-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1691","title":{"rendered":"Predigt: Tu das, was du kannst (Apostelgeschichte 6, 1-7) 25. August 2002"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>von der Urgemeinde schw\u00e4rmen viele Christen. &#8211; Die Urgemeinde, die ersten Christen, unter der F\u00fchrung der J\u00fcnger Jesu, kurz nach seiner Auferstehung. Begeisterte J\u00fcnger, engagierte Christen, jeder half dem andern wo er gebraucht wurde. Menschen wurden von Krankheiten geheilt; ja, das ist die gute alte Zeit, davon darf man schon einmal schw\u00e4rmen.<br \/>Aber die Urgemeinde damals in Jerusalem war keine Insel der Seligen. Unser heutiger Predigttext zeigt, dass es damals auch ordentlich Schwierigkeiten, richtiggehend Streit gab.<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Predigttext<\/b><\/span><br \/>In diesen Tagen aber, als die Zahl der J\u00fcnger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebr\u00e4ischen, weil ihre Witwen \u00fcbersehen wurden bei der\u00a0 t\u00e4glichen Versorgung.<br \/>2 Da riefen die Zw\u00f6lf die Menge der J\u00fcnger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, da\u00df wir f\u00fcr die Mahlzeiten sorgen und dar\u00fcber das Wort Gottes vernachl\u00e4ssigen.<br \/>3 Darum, ihr lieben Br\u00fcder, seht euch um nach sieben M\u00e4nnern in eurer Mitte, die\u00a0 einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst.<br \/>4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.<br \/>5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie w\u00e4hlten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und\u00a0 Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia.<br \/>6 Diese M\u00e4nner stellten sie vor die Apostel; die\u00a0 beteten und legten die H\u00e4nde auf sie.<br \/>7 Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der J\u00fcnger wurde sehr gro\u00df in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Das Problem der Urgemeinde und seine L\u00f6sung<\/b><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>die Gemeinde in Jerusalem, die man gerne Urgemeinde nennt, erlebte zu dieser Zeit offenbar einen enormen Zuspruch. Viele Juden aus Jerusalem und den umliegenden D\u00f6rfern h\u00f6rten die Botschaft der J\u00fcnger und wurden zu Christen.<br \/>Darunter waren nicht nur die alteingesessenen Bewohner Israels. Auch viele Juden, die aus dem Mittelmeerraum zugereist waren, kamen zur christlichen Gemeinde. Da gab es H\u00e4ndler und Gelehrte, aber durchaus auch alte Menschen, die ihr Leben lang in Kleinasien oder Griechenland als Juden gelebt hatten, aber jetzt in das Land ihrer Vorfahren zur\u00fcckkehren wollten, um in dem Land begraben zu werden, das Gott dem Abraham einst verhei\u00dfen hatte.<br \/>Die unterschieden sich vor allem durch ihre griechische Muttersprache von denen, die in Jerusalem aufgewachsen waren. Und au\u00dferdem waren sie halt irgendwie anders, hatten andere Umgangsformen, waren manchmal anders angezogen und verstanden manches in diesem St\u00e4dtchen Jerusalem einfach nicht &#8211; Sie waren halt doch irgendwie Ausl\u00e4nder.<\/p>\n<p>In der jungen, wachsenden christlichen Gemeinde sah man eigentlich kein Problem in dem Miteinander von griechisch sprechenden und hebr\u00e4isch sprechenden Juden. Als Christen geh\u00f6rten sie alle einfach zusammen. Sie feierten Gottesdienste, manche arbeiteten sogar zusammen, und gemeinsam sorgten sie sich auch um die Armen. So auch um die Witwen in Jerusalem &#8211; die manchmal niemanden hatten der sich um sie k\u00fcmmerte.<\/p>\n<p>Lange Zeit funktionierte das auch ganz wunderbar, bis die Gr\u00f6\u00dfe und Un\u00fcbersichtlichkeit der Gemeinde zu manchen Problemen f\u00fchrte. Und so kam es dazu, das bei der Versorgung der Witwen die griechisch sprechenden alten Frauen manchmal glatt vergessen wurden.<\/p>\n<p>Unser Predigttext beschreibt das mit vorsichtigen Worten. Vielleicht gab es sogar richtig Streit in der Gemeinde, in dem die griechischen Mitglieder deutlich ihren Unmut Luft machten: &#8222;Ist das Zufall, dass gerade unsere Witwen \u00fcbersehen werden? Oder wollt ihr uns Griechen gar nicht mehr in der Gemeinde haben?&#8220;<\/p>\n<p>Man beschloss das Problem in einer gro\u00dfen Gemeindeversammlung anzugehen. Dort signalisierten die J\u00fcnger Jesu, Petrus ganz vorne dran: &#8222;Auch die griechischen Witwen m\u00fcssen versorgt werden, aber wir als Apostel sind damit \u00fcberfordert. Unsere Aufgabe liegt woanders. Darum brauchen wir Menschen, die sich systematisch um die Versorgung der Witwen k\u00fcmmern. W\u00e4hlt unter euch f\u00e4hige Menschen aus, die sich als Christen bew\u00e4hrt haben und ein Talent f\u00fcr so eine Aufgabe haben. Die wollen wir dann damit beauftragen&#8220;.<br \/><b><span style=\"color: #009900;\"><br \/><\/span><\/b><b><span style=\"color: #009900;\">Fokus: Gabenorientierte Delegation<\/span><\/b><\/p>\n<p>So elegant wurde das Problem damals von den Aposteln aus der Welt geschafft. Man k\u00f6nnte sagen: Ein gutes Beispiel f\u00fcr das gelungene Management in der christlichen Gemeinde.<br \/>Was die Unternehmensberatung McKinsey vor einigen Jahren unserer Kirchenleitung in M\u00fcnchen geraten hat, hatten die zw\u00f6lf J\u00fcnger damals schon beherzigt: &#8222;Konzentriere dich auf deine Kernkompetenzen!&#8220; Mit anderen Worten: Tue das, was du kannst mit ganzer Kraft, und mache es gut. Aber verzettle dich nicht in Dutzenden Aufgaben, die andere besser erledigen k\u00f6nnen als du.<\/p>\n<p>Keiner muss alles k\u00f6nnen. Gott hat jedem Menschen Talente gegeben. Und die soll er oder sie auch einsetzen.<br \/>Und weil er den Menschen so viele verschiedene Talente gegeben hat, k\u00f6nnen auch verschiedene Menschen verschiedene Dinge tun. Und davon k\u00f6nnen alle profitieren.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>ich m\u00f6chte nun zwei dieser sieben M\u00e4nner in den Blick nehmen, die damals f\u00fcr die Aufgabe der Witwenversorgung ausgew\u00e4hlt wurden. Den ersten, der genannt wurde, und den letzten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Der Blick auf Stephanus<\/b><\/span><\/p>\n<p>Stephanus wird als erstes in der Liste der 7 M\u00e4nner genannt. Kommt ihnen der Name bekannt vor? Es ist wahrscheinlich der Stephanus, von dem im gleichen Kapitel noch einmal die Rede ist: Der erste M\u00e4rtyrer der Christen.<br \/>Stephanus hat offensichtlich nicht nur irgendwie im Hintergrund die Versorgung der Witwen mit Lebensmitteln organisiert. Zugleich hat er als Christ offen in der Synagoge f\u00fcr den christlichen Glauben geworben. Und das mit so gutem Erfolg, dass man ihn durch eine Intrige vor Gericht gestellt hat und hingerichtet hat &#8211; er wurde gesteinigt.<\/p>\n<p>Stephanus, der erste M\u00e4rtyrer stand f\u00fcr seinen Glauben ein, er h\u00e4tte niemals gesagt &#8222;ich bin nur f\u00fcr die Witwenversorgung zust\u00e4ndig, alles andere was den Glauben angeht, ist Sache der Apostel&#8220;.<br \/>Auch wenn in der Urgemeinde schon die Aufgaben unterschiedlich verteilt wurden;<br \/>auch wenn die einen zum Predigen und die anderen zur Lebensmittelverteilung beauftragt waren: F\u00fcr den Glauben gab&#8217;s keinen speziellen Beauftragten, daf\u00fcr war jeder selbst zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Egal ob es damals Stephanus war, der Lebensmittel organisierte, oder heute eine Erzieherin im Kindergarten arbeitet, oder jemand als Mutter oder Vater daheim: Als Christ bin ich dazu gerufen meine Aufgabe auch als Christ zu tun. Und das hat nat\u00fcrlich Folgen f\u00fcr mein Tun oder Lassen.<\/p>\n<p><b><span style=\"color: #009900;\">Der Blick auf Nikolaus<\/span><\/b><\/p>\n<p>Blicken wir nun zum Schluss auf den Letzten in der Reihe der 7 Mitarbeiter, die sich um die Witwen k\u00fcmmern sollten: Nikolaus. \u00dcber ihn wissen wir nur, was die Liste in unseren Predigttext \u00fcber ihn sagt: Nikolaus, der Judengenosse aus Antiochia.<\/p>\n<p>Wo so wenig \u00fcber eine Person geschrieben ist, erlaube ich mir, mit ein wenig Phantasie Nikolaus ein bisschen mit Leben zu f\u00fcllen:<\/p>\n<p>Nikolaus war erst seit einem Jahr in Jerusalem. Er, der kleine Beamte im r\u00f6mischen Reich war hierher versetzt worden. Strafversetzt von der Metropole Antiochia hierher- gegen seinen eigenen Willen. In Antiochia hatte er sich in den Augen seiner Vorgesetzten falsch verhalten.<br \/>Man sieht es nicht gerne, wenn Bedienstete des r\u00f6mischen Reiches mit fremden Religionen lieb\u00e4ugeln. Zu oft war er in die Synagoge von Antiochia gegangen, hat den Predigten der j\u00fcdischen Gelehrten gelauscht, die von einen Gott sprachen, den er als Syrer gar nicht kannte. Zuerst war es Neugier und Faszination, aber mit der Zeit merkte er, wie ihm dieser Gott immer vertrauter wurde.<br \/>Als sich Nikolaus dann offiziell zu Gemeinde der Juden hielt, sich beschneiden lie\u00df und die Gebote der Tora beachten wollte, musste sein Vorgesetzter reagieren. Die Versetzung nach Jerusalem war beschlossene Sache.<\/p>\n<p>Auch wenn es ein Abstieg in seiner Karriere war: In Jerusalem konnte er den Tempel besuchen und in der Synagoge den Diskussionen zuh\u00f6ren. Selbst mitreden, das traute er sich nicht: Denn ein richtiger Jude war er nicht, sondern nur ein Proselyt, ein Judengenosse, ein \u00fcbergetretener, noch dazu griechisch sprechend und aus dem Ausland.<\/p>\n<p>Vor einigen Monaten ist dann ein Mann namens Andreas in die Synagoge gekommen und hat von Jesus Christus gesprochen. Dem auserw\u00e4hlten Gottes, der die Menschen angenommen hat, mit denen keiner reden wollte, der Gottes Liebe verk\u00fcndigt hat und sogar nach seinem Kreuzestod wieder auferstanden war. Von diesem Tag an z\u00e4hlte sich Nikolaus zu den Christen. Er lie\u00df sich taufen, ging in ihre Gottesdienste, feierte das Abendmahl und engagierte sich mit seinem Besitz, so weit es ging. Er f\u00fchlte sich wohl. Nur noch ganz selten f\u00fchlte er sich als Gl\u00e4ubiger zweiter Klasse.<br \/>&#8212;<br \/>Als Nikolaus h\u00f6rte, dass der Apostel Petrus eine Gemeindeversammlung einberufen hatte, weil einige griechisch sprechende Christen sich wegen ihrer Witwen beklagt hatten, wusste er nicht so recht, ob er da hin sollte. Die Angst kam wieder hoch, man k\u00f6nne ihn nicht ernst nehmen, weil er kein echter Jude war und keiner, der gut hebr\u00e4isch konnte.<br \/>Aber dann ging er doch, h\u00f6rte sich die Diskussionen an, blieb aber still. Auch als Petrus mit seiner Rede fertig war und man in der Gemeinde \u00fcberlegte, wer die Witwenversorgung organisieren sollte, sagte er nichts. Schlie\u00dflich war er ja noch nicht so lange hier, wollte nichts falsch machen, und als Wichtigtuer wollte er schon gar nicht erscheinen.<\/p>\n<p>Das schaute ihm ein Augenpaar direkt ins Gesicht &#8211; Andreas, einer der Apostel stand vor ihm: &#8222;Lieber Nikolaus, kannst du uns helfen? Als Beamter wei\u00dft du doch viel \u00fcber eine gute Organisation!&#8220;<\/p>\n<p>Sofort schoss ihm ein ganzes B\u00fcndel von Ausreden durch den Kopf:<br \/>&#8220; ich habe doch zu wenig Zeit f\u00fcr so eine Aufgabe&#8220;<br \/>&#8220; ich bin doch erst neu hier, und kenne mich nicht genau aus&#8220;<br \/>&#8220; au\u00dferdem kann ich doch nur schlecht hebr\u00e4isch&#8220;<br \/>&#8220; das k\u00f6nnen doch andere bestimmt viel besser&#8220;<br \/>&#8220; ich m\u00f6chte nicht anderen zuvorkommen&#8220;<\/p>\n<p>Die Augen von Andreas waren immer noch da.<br \/>Nikolaus atmete tief durch und sagte &#8220; Ja, ich mache mit&#8220;<\/p>\n<p>Als er am Ende der Versammlung mit sechs anderen M\u00e4nnern vor den Aposteln stand, die ihnen die H\u00e4nde auflegten und sie segneten, nutzte Nikolaus die Stille f\u00fcr sein eigenes Gebet: &#8222;Danke mein Gott, dass der mir den Mut gegeben hast, eine Aufgabe in der Gemeinde zu \u00fcbernehmen. Danke dass du mir dabei helfen wirst und ich mit anderen gemeinsam f\u00fcr dein Reich arbeiten darf.&#8220;<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, von der Urgemeinde schw\u00e4rmen viele Christen. &#8211; Die Urgemeinde, die ersten Christen, unter der F\u00fchrung der J\u00fcnger Jesu, kurz nach seiner Auferstehung. Begeisterte J\u00fcnger, engagierte Christen, jeder half dem andern wo er gebraucht wurde. 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