{"id":1683,"date":"2002-10-05T22:44:52","date_gmt":"2002-10-05T21:44:52","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1683"},"modified":"2017-10-24T19:35:02","modified_gmt":"2017-10-24T18:35:02","slug":"predigt-von-opfern-und-spenden-hebraeer-13-15-16-erntedankfest-am-6-oktober-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1683","title":{"rendered":"Predigt: Von Opfern und Spenden (Hebr\u00e4er 13, 15-16) Erntedankfest am 6. Oktober 2002"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Zum Erntedankfest werden landauf landab die Kirchen richtig sch\u00f6n voll: Nicht nur mit Gottesdienstbesuchern, sondern auch mit vielen vielen verschiedenen Erntegaben. Viel k\u00f6nnen wir da entdecken: Kartoffeln, Zuckerr\u00fcben, Tomaten und \u00c4pfel, Getreide und die gro\u00dfen K\u00fcrbisse. Das alles haben Sie, die Gollh\u00f6fer Gemeindeglieder, hier hergebracht, in die Kirche als ein Dankesch\u00f6n Gott gegen\u00fcber.<br \/>\nUnser Predigttext von heute ist nur ganz kurz, zwei kleine Verse aus dem Ende des Hebr\u00e4erbriefs. Darin ist die Rede von anderen Dingen, die wir eigentlich auch am Erntedankfest zu Gott bringen k\u00f6nnten:<!--more--><\/p>\n<p>15 So la\u00dft uns nun durch ihn (Jesus Christus) Gott allezeit\u00a0 das Lobopfer darbringen, das ist die\u00a0 Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.<br \/>\n16 Gutes zu tun und mit andern zu teilen, verge\u00dft nicht; denn solche Opfer gefallen Gott. (Hebr 13, 15f)<\/p>\n<p>Von einem Lobopfer, guten Taten und dem miteinander Teilen, als Opfern, die Gott gefallen, ist hier die Rede. \u00dcber diese drei Dinge m\u00f6chte ich heute zum Erntedankfest sprechen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Das Opfer<\/b><\/span><\/p>\n<p>Aber ich merke, dass mich die Rede vom Opfer hier ein wenig irritiert.<br \/>\nOpfer &#8211; irgendwie hat dieses Wort einen unangenehmen Klang. Vielleicht kommt es davon, dass ich es tagt\u00e4glich im einen ganz anderen Zusammenhang h\u00f6re: In den Nachrichten ist die Rede von Unfallopfern und Verbrechensopfern. Und im religi\u00f6sen Zusammenhang f\u00e4llt mein Blick auch auf blutige Opferrituale in fernen L\u00e4ndern oder in lange vergangenen Zeiten. Opfer &#8211; das klingt erst einmal gar nicht positiv.<\/p>\n<p>Da ist es dann f\u00fcr manche Menschen auch schwierig, wenn wir Pfarrer in der Kirche am Sonntag davon reden, dass das Dankopfer heute f\u00fcr die Weltmission bestimmt ist und die Konfirmanden und Pr\u00e4paranden herumgehen und das Notopfer einsammeln.<br \/>\nWie viel einfacher w\u00e4re es, wenn wir das Wort &#8222;Opefer&#8220; aus unserem Sprachgebrauch streichen und durch &#8222;Spenden&#8220; ersetzen w\u00fcrden! Am Ausgang stehen die Spendenb\u00fcchsen und unsere Jugendlichen sammeln demn\u00e4chst die Oktober-Spenden.<\/p>\n<p>Aber es gibt einen gewichtigen Grund, der mich zur Vorsicht mahnt: Opfer und Spende sind n\u00e4mlich nicht unbedingt das gleiche:<br \/>\nDie Opfer, die Noah und Abraham f\u00fcr Gott auf steinernen Alt\u00e4ren dargebracht haben waren Opfer &#8211; aber keine Spenden.<br \/>\nIn Opfer gebe ich etwas von dem, was ich von Gott geschenkt bekommen habe, als Dankesch\u00f6n an Gott zur\u00fcck.<br \/>\nIn der Spende gebe ich anderen Menschen etwas, weil die es brauchen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann auch beides zusammenkommen: Wenn ich aus Dankbarkeit Gott gegen\u00fcber anderen Menschen materiell unter die Arme greife; dann ist das f\u00fcr mich ein Opfer vor Gott und zugleich nat\u00fcrlich eine Spende von Mensch zu Mensch.<\/p>\n<p>Vielleicht unterscheidet das uns als Kirche von anderen &#8211; karitativen oder auch politischen &#8211; Unternehmen, die ebenfalls mit Spendengeldern umgehen: Wir versuchen es in uns bewusst zu halten, dass das Geld, welches uns anvertraut wird oft mehr als eine finanzielle Unterst\u00fctzung ist ; n\u00e4mlich oft ein Ausdruck des Dankes Gott gegen\u00fcber &#8211; eben ein Dankopfer.<\/p>\n<p><b><span style=\"color: #009900;\">Das Lobopfer<\/span><\/b><\/p>\n<p>Von diesen Gedanken her kann ich unsern Predigttext schon ein bisschen besser verstehen: Dort ist im ersten Vers die Rede von einem Lobopfer. Dieses Lobopfer ist die Frucht unserer Lippen.<br \/>\nEs gibt also mehr M\u00f6glichkeiten, Gott &#8222;danke&#8220; zu sagen f\u00fcr das, was man erhalten hat. Nicht nur das materielle Opfer; die Fr\u00fcchte des Bodens auf dem Feld oder im Garten, sondern auch das Lob aus unserem Mund kann ein Opfer, ein w\u00fcrdiges Dankesch\u00f6n, f\u00fcr Gott sein.<br \/>\nIn einem sch\u00f6nen sprachlichen Bild steht es da: Das Lobopfer, das sind die Fr\u00fcchte unserer Lippen, die Gott bekennen.<\/p>\n<p>&#8222;Gott bekennen&#8220; &#8211; das hat viel mit einem Glaubensbekenntnis zu tun. Mit einem innerlichen Bekenntnis dazu, dass das, was wir als Menschen haben, aus Gottes Hand kommt.<\/p>\n<p>Manchmal geh\u00f6rt zu diesem Bekenntnis auch Mut.<br \/>\nDer Mut, zu seinem Glauben zu stehen. Auch entgegen der Meinung der anderen. Auch mit dem Risiko, als Frommer abgestempelt zu werden.<br \/>\nAuch der Mut, als &#8222;ziemlich seltsam&#8220; angesehen zu werden, wenn man es offen ausspricht, dass der Erfolg im Beruf, das Wachstum und der Ertrag auf dem Feld und im Stall Gottes Geschenke sind.<\/p>\n<p>Und vielleicht braucht man die allergr\u00f6\u00dfte Portion Mut, wenn man sich selber einzugestehen traut: Das, was ich erreicht habe in diesem Jahr, das Gute in der Arbeit, das Gl\u00fcck in der Familie, meine Gesundheit die ich noch habe: das alles habe ich nicht mir selber zu verdanken; das alles habe ich nicht selber vollbringen k\u00f6nnen, sondern ich habe Gottes Hilfe und seinen Segen gebraucht.<br \/>\nIch kann das nicht selber &#8222;machen&#8220;! &#8211; Das zu sich selbst zu sagen, die eigenen Grenzen einzugestehen, dazu braucht man Mut!<\/p>\n<p>Ich glaube, aus so einer inneren Erkenntnis w\u00e4chst dann auch das Bekenntnis zu unserem Gott und Sch\u00f6pfer &#8211; unser Dankesch\u00f6n, unser Lobopfer. Sei es leise im Herzen gesprochen, laut gebetet, oder in einen Danklied verpackt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Die gute Tat<\/b><\/span><\/p>\n<p>Unser Predigttext spricht noch von zwei anderen Arten des Opfers, des Dankesch\u00f6ns an Gott.<br \/>\nGutes zu tun und mit andern zu teilen, verge\u00dft nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.<br \/>\n&#8220; Vergesst das nicht&#8220; schreibt der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefs. Anscheinend gibt es da ein Defizit. Hat die Gemeinde damals vor 1900 Jahren etwa vor lauter Lobpreis und Halleluja-singen vergessen, denen zu helfen die es n\u00f6tig haben? Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall sollten wir es uns wirklich immer wieder in Erinnerung rufen: Auch indem wir unserem N\u00e4chsten helfen, k\u00f6nnen wir unsere Dankbarkeit Gott gegen\u00fcber ausdr\u00fccken. Dann kommt das Geld oder die Arbeitskraft oder meine Zeit, die Gott mir geschenkt hat, meinem N\u00e4chsten zugute.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt von jeher zu den Grunds\u00e4tzen unseres christlichen Glaubens, dass man seinem N\u00e4chsten liebt, und darum auch hilft. Und der N\u00e4chste ist eben nicht nur der Nachbar, der im n\u00e4chsten Haus wohnt, sondern genau derjenige, der mir gerade unter die Augen kommt und meine Hilfe ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Ich freue mich immer wieder, wenn ich erz\u00e4hlt bekomme, dass die Gollh\u00f6fer eben gut zusammenhalten. Dass einer dem andern hilft wenn er Unterst\u00fctzung auf dem Hof ben\u00f6tigt, wenn es darum geht, beim Dach-Decken zu helfen oder dem andern die Stallarbeit abzunehmen, weil er an einem Wochenende einer Hochzeit will.<br \/>\nIch habe aber auch geh\u00f6rt, dass dieser Zusammenhalt in der Gefahr steht, br\u00fcchiger zu werden. &#8211; Vielleicht ist es doch kein Zufall, dass unser Predigttext sagt: &#8220; vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen&#8220;.<\/p>\n<p><span style=\"color: #009900;\"><b>Mit anderen teilen<\/b><\/span><\/p>\n<p>Ach ja, das Teilen steht ja\u00a0 auch noch in diesem Vers. Das f\u00e4llt manchen von uns gar nicht so leicht. Es ist nicht immer einfach, von seinen sauer verdienten Euros etwas herzugeben. Denn f\u00fcr das Geld k\u00f6nnte man sich selber ja auch was sch\u00f6nes leisten.<br \/>\nVon daher ist es ganz logisch, wenn man das mit dem Teilen des eigenen Besitzes skeptisch sieht.<br \/>\nErst, wenn ich am Erntedank-Tag dar\u00fcber nachdenke, dass letztlich alles, was ich habe ein Geschenk Gottes ist, kann es mir leichter fallen, von dem Geschenkten etwas weiter zu schenken.<\/p>\n<p>Beim Begriff &#8222;teilen&#8220; muss ich an das Sprichwort denken: \u201eGeteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.&#8220;<br \/>\nDas erinnert mich daran, dass es auch Freude machen kann, anderen zu helfen, sie zu unterst\u00fctzen mit meinem Geld, oder auch mit meiner Zeit.<br \/>\nUnd es st\u00f6\u00dft mich auch auf die Idee, dass es manchmal n\u00f6tig ist, dass ich das Leid des anderen auch teile. Das hei\u00dft, dass ich nicht geschickt das Thema wechsele, wenn der andere beginnt vor mir seinen Kummer auszubreiten ; dass ich ein offenes Ohr habe, wenn er mir sein Leid klagt, ihn ernst nehme und seinen Jammer nicht versuchte kleinzureden.<\/p>\n<p>Wer miteinander auch schweres geteilt hat, kann sich auch leichter miteinander \u00fcber das Gute freuen, das ihm widerf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>15 So la\u00dft uns nun durch ihn (Jesus Christus) Gott allezeit\u00a0 das Lobopfer darbringen, das ist die\u00a0 Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.<br \/>\n16 Gutes zu tun und mit andern zu teilen, verge\u00dft nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<p>Hinweis: Eine weitere Predigt zum selben Bibeltext finden sie hier: <a title=\"Predigt: Wenn das Leben ein Bekenntnis wird (Hebr\u00e4er 13, 15-16) Erntedankfest 2014, 5. Oktober 2014\" href=\"http:\/\/pastors-home.de\/?p=2145\">Wenn das Leben ein bekenntnis wird (5. Oktober 2014)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Zum Erntedankfest werden landauf landab die Kirchen richtig sch\u00f6n voll: Nicht nur mit Gottesdienstbesuchern, sondern auch mit vielen vielen verschiedenen Erntegaben. Viel k\u00f6nnen wir da entdecken: Kartoffeln, Zuckerr\u00fcben, Tomaten und \u00c4pfel, Getreide und die gro\u00dfen K\u00fcrbisse. Das alles haben Sie, die Gollh\u00f6fer Gemeindeglieder, hier hergebracht, in die Kirche\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1683\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Von Opfern und Spenden (Hebr\u00e4er 13, 15-16) Erntedankfest am 6. 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