{"id":1675,"date":"2002-11-18T22:34:36","date_gmt":"2002-11-18T20:34:36","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1675"},"modified":"2014-11-18T10:50:37","modified_gmt":"2014-11-18T08:50:37","slug":"predigt-was-bleibt-uebrig-2-petrus-3-8-13-18-november-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1675","title":{"rendered":"Predigt: Was bleibt \u00fcbrig? (2. Petrus 3, 8-13) 18. November 2002"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>in den letzten Sonntagen vor dem Advent kreisen unsere Lesungen und Predigttexte um einen gro\u00dfen Themenkomplex: Es ist die Rede vom kommenden Reich Gottes, von Gericht, vom Sterben.<br \/>\nMit diesen Themen tut sich Menschen oft recht schwer.<br \/>\n&#8211; Die Rede vom Gericht mag mancher nicht gerne h\u00f6ren, weil er sich seinen Gott nicht als einen vorstellen mag, der auch harte Urteile \u00fcber Menschen f\u00e4llt.<br \/>\n&#8211; Worten vom Ende des Lebens m\u00f6gen auch manche gerne lieber aus dem Weg gehen. Das erinnert an liebe Menschen, die man zu Grabe getragen hat &#8211; aber auch daran, dass man selbst einmal sterben muss.<br \/>\n&#8211; Und wenn wir vom Reich Gottes reden, sind sich viele unsicher, was damit gemeint sein k\u00f6nnte: Ist dieses Reich Gottes jetzt schon unter uns, oder meinen wir damit, dass irgendwann in der Zukunft diese Welt ein Ende haben wird?<!--more--><\/p>\n<p>Unser Predigttext von heute greift gleich alle drei problembeladenen Themen auf. Weil er aber sehr kurz und pr\u00e4gnant ist, kann er uns, so glaube ich, eine Hilfe sein, angesichts dieser drei Themen nicht gleich zu kapitulieren.<\/p>\n<p><strong>2. Petrus 3, 8-13<\/strong><br \/>\nEins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, da\u00df ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.<br \/>\n9 Der Herr verz\u00f6gert nicht die Verhei\u00dfung, wie es einige f\u00fcr eine Verz\u00f6gerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, da\u00df jemand verloren werde, sondern da\u00df jedermann zur Bu\u00dfe finde.<br \/>\n10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit gro\u00dfem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.<br \/>\n11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie m\u00fc\u00dft ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen,<br \/>\n12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden.<br \/>\n13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verhei\u00dfung, in denen Gerechtigkeit wohnt.<\/p>\n<p><strong>1000 Jahre sind vor Gott wie ein Tag<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;1000 Jahre sind vor Gott wie ein Tag&#8220; &#8211; dieser Satz ist und bleibt f\u00fcr viele Christen die Rettung, wenn man sie mal wieder h\u00e4misch fragt:<br \/>\n&#8222;Wo bleibt es denn, euer tolles Reich Gottes &#8211; hat Jesus nicht versprochen, dass er wiederkommt? Ich sehe ihn jedenfalls nicht&#8230;&#8220; &#8211; Praktische Antwort: \u201eWarte einfach noch mal 1000 Jahre.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Satz kann auch eine Hilfe f\u00fcr uns selber sein. Wenn wir selbst ins Gr\u00fcbeln kommen und uns fragen, warum Gott diese Welt nicht schon l\u00e4ngst ver\u00e4ndert hat. Wenn wir daran denken, dass wir in jedem Vaterunser sprechen &#8222;dein Reich komme&#8220; &#8211; aber zugleich merken, dass davon heutzutage herzlich wenig zu sehen ist.<\/p>\n<p>Die Dimensionen in denen Gott handelt, sehen anders aus als unsere Praxis der Zeitmessung.<br \/>\nWenn wir den Text genau ansehen, steht da n\u00e4mlich \u201eein Tag ist vor Gott wie 1000 Jahre, und 1000 Jahre wie ein Tag!&#8220; So rum und andersherum steht es also da! Will Petrus damit sagen, dass Gott einen ganz anderen Zeitbegriff hat als wir? Dass f\u00fcr ihn Ungeduld und Warten gar kein Thema ist. Wer umgeben von Ewigkeit existiert, f\u00fcr den spielt Zeit eben eigentlich keine Rolle.<\/p>\n<p>Aber bei uns! Wir sind eben nicht in der Ewigkeit eingebettet, unsere eigene Zeit ist begrenzt. Und die Zeit, in der wir unter den Bedingungen einer unvollkommenen Welt leiden, nehmen wir sehr deutlich war. Darum warten wir Christen eben oft ungeduldig auf das Reich Gottes, in der es kein Leid und keine Tr\u00e4nen mehr geben soll.<\/p>\n<p>Ganz seelsorgerlich \u00f6ffnet uns dieser Predigttext eine oft \u00fcbersehene Perspektive: Gott z\u00f6gert das Kommen seines Reiches nicht hinaus, um uns zu \u00e4rgern. Er wartet ab &#8211; damit noch mehr Menschen die Chance haben, den Glauben zu ergreifen und sp\u00e4ter zu diesem Reich dazuzugeh\u00f6ren.<br \/>\nKennen Sie Nachbarn und Verwandte, die Gott den R\u00fccken zugewandt haben, mit ihrem Sch\u00f6pfer nichts zu tun haben wollen? &#8211; Genau denen will Gott auch noch die Chance geben, sich ihm zuzuwenden, eine neue Perspektive f\u00fcr Leben zu bekommen.<\/p>\n<p><strong>Der Tag des Gerichts<\/strong><\/p>\n<p>Die Schwelle zum Reich Gottes beschreibt Petrus buchst\u00e4blich in flammenden Worten. Er schreibt davon, dass die Himmel vergehen, die Elemente vor Hitze schmelzen werden, die Erde, und was darauf geschieht, sein Urteil finden wird. Alles wird diesem Gericht unterzogen. Entziehen kann sich da nichts und niemand.<\/p>\n<p>Das erinnert mich an einen Hochofen, in dem das verunreinigte Eisenerz ausgeschmolzen wird, so dass sich die Schlacke vom wertvollen Metall trennt.<br \/>\nDas klingt auf der einen Seite bedrohlich. Aber andererseits &#8230;<br \/>\nWie oft merke ich, das ganz grunds\u00e4tzlich im Lauf der Dinge auf unserer Erde etwas nicht stimmt.<br \/>\n~ Da kann ich in mir selber anfangen, oder in der menschlichen Natur.<br \/>\n~ Da l\u00e4sst sich \u00fcber Machtstrukturen auf unserer Welt\u00a0 nachdenken.<br \/>\n~ Oder ganz aktuell daran denken, wie allein der Hass zwischen verschiedenen V\u00f6lkern so grunds\u00e4tzlich in den Menschen verankert sein kann, dass es eigentlich fast aussichtslos erscheint, sich dort Frieden zu erhoffen.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich braucht es tats\u00e4chlich so einen grunds\u00e4tzlichen Reinigungsprozess, um das B\u00f6se, dass Zerst\u00f6rerische in unserer Welt als Schlacke auszuscheiden. &#8211; So kann ich mir Gericht Gottes vorstellen. Anders wird es wohl niemals diese neue Welt geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was bleibt bei mir \u00fcbrig?<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Gericht, von dem hier geschrieben steht, das wird \u00fcber diese Welt gehen, \u00fcber die Lebenden und \u00fcber die Toten. Auch da wird geschieden, zwischen Schlacke und dem Metall, dem Gold. Petrus stellt in unserem Text eine Frage: &#8220; Wie wird dein Stand in Sachen Lebenswandel und Fr\u00f6mmigkeit aussehen?&#8220; &#8211; Vorher dem Gericht und nachher?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndiese Frage ist sehr pers\u00f6nlich und erschreckend direkt. Damit mag sich nicht jeder auseinandersetzen. Aber vielleicht hilft ihnen die Entdeckung, dass es hier nicht um ein Strafgericht geht, sondern um eine Sichtung, um ein auseinander-sortieren von dem was Bestand hat, und dem was eben keinen Bestand hat.<\/p>\n<p>&#8220; Wie wird dein Stand in Sachen Lebenswandel aussehen?&#8220;\u00a0 Wer sich diese Frage gefallen l\u00e4sst, kann mal einen Blick darauf werfen und sich \u00fcberlegen:<br \/>\n&#8211; was bleibt \u00fcbrig, wenn alles wegf\u00e4llt, was ich an G\u00fctern und Geld angesammelt habe?<br \/>\n&#8211; was bleibt \u00fcbrig, wenn mein ganzes raffiniertes Agieren, meine Siege \u00fcber andere Menschen bedeutungslos werden?<br \/>\n&#8211; was bleibt \u00fcbrig, wenn mein ganzes Haschen nach dem Wind davon flattert?<br \/>\nWas \u00fcbrig bleibt, das ist das Gold, die Werte, die das Feuer \u00fcberstehen, wo ich Liebe ge\u00fcbt habe, wo ich anderen verziehen habe, wo gutes Miteinander gelungen ist.<\/p>\n<p>Nicht nur mein Lebenswandel, auch eine Fr\u00f6mmigkeit soll auf dem Pr\u00fcfstand. Auch da muss ich mich fragen lassen, was \u00fcbrig bleibt:<br \/>\n&#8211; nichts bleibt dort \u00fcbrig, wo der liebe Gott nur Staffage f\u00fcr meine b\u00fcrgerliche Existenz war<br \/>\n&#8211; nichts bleibt dort \u00fcbrig, wo ich nur fromme Spr\u00fcche auswendig gelernt habe<br \/>\n&#8211; aber\u00a0 jede einzelne Sekunde von den Momenten bleibt \u00fcbrig, wo ich im Stillen Gott um Vergebung und Hilfe gebeten habe<br \/>\n&#8211; als Gold wird \u00fcbrig bleiben, was ich im Vertrauen auf Gott getan habe, auch wenn es schief ging<br \/>\n&#8211; \u00fcbrig bleiben werden alle die Fasern meines Herzens, mit denen ich an Gott gehangen bin &#8211; auch wenn ich immer wieder hin und her gerissen wurde<\/p>\n<p>Der diesen Fragen entlang geht, merkt: Vor Gott geht es nicht darum, dass wir viel aufzuweisen haben. Wir m\u00fcssen auch nicht die F\u00fclle an guten Taten aufweisen, um unsere Fehler auszugleichen. Allein unser Glaube an Jesus Christus ist schon Goldst\u00fcck genug, mit dem wir das Gericht \u00fcberstehen k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd letztlich sind die Dinge, die ich vorhin an andern Goldst\u00fccken aufgez\u00e4hlt habe, ganz selbstverst\u00e4ndliche Nebenprodukte unseres Glaubens an Jesus Christus.<\/p>\n<p><strong>Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verhei\u00dfung, in denen Gerechtigkeit wohnt.<\/p>\n<p>Halten wir uns also daran fest:<br \/>\nAls Christen haben wir diese Hoffnung auf Gottes neue Welt, ohne Leid und Ungerechtigkeit.<br \/>\nSie wird kommen, wenn die Zeit zu Ende es, in der Gott noch voller Geduld auf die wartet, die nicht auf ihn vertrauen.<br \/>\nDann wird es so weit sein, dass die Lebenden und Verstorbenen diese neue Welt erfahren d\u00fcrfen.<br \/>\nDaran habe ich keinen Zweifel.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, in den letzten Sonntagen vor dem Advent kreisen unsere Lesungen und Predigttexte um einen gro\u00dfen Themenkomplex: Es ist die Rede vom kommenden Reich Gottes, von Gericht, vom Sterben. Mit diesen Themen tut sich Menschen oft recht schwer. &#8211; Die Rede vom Gericht mag mancher nicht gerne h\u00f6ren, weil\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1675\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Was bleibt \u00fcbrig? (2. Petrus 3, 8-13) 18. 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