{"id":1666,"date":"2002-12-25T22:24:20","date_gmt":"2002-12-25T20:24:20","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1666"},"modified":"2015-12-09T17:33:23","modified_gmt":"2015-12-09T16:33:23","slug":"predigt-gottes-wort-kommt-johannes-1-1-5-9-14-25-dezember-2002-weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1666","title":{"rendered":"Predigt: Gottes Wort kommt (Johannes 1, 1-5, 9-14) 25. Dezember 2002, Weihnachten"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Menschen, die Briefe schreiben und solche, die Predigten formulieren haben \u00f6fter das Problem: &#8222;Wie fange ich nur an? Was ist der passende erste Satz?&#8220;.<br \/>\nIch glaube, dass auch unsere vier Evangelisten Matth\u00e4us, Markus, Lukas und Johannes von \u00e4hnlichen Sorgen geplagt waren.<br \/>\nWie war das wohl, als z. B. Johannes, wohl so ums Jahr 100 nach Jesu Geburt begonnen hat, sein Johannesevangelium niederzuschreiben?<!--more--><\/p>\n<p>Ich habe es mir einfach einmal vorgestellt:<br \/>\nDa sitzt ein alter, sehr alter Mann im Erdgeschoss seines Hauses und denkt zur\u00fcck. Wie denn eigentlich alles angefangen? Wo soll ich einsetzen mit der Jesusgeschichte?<br \/>\n~ Mit dem ersten Auftritt Jesu, als er sein erstes Wunder auf einer Hochzeit tat? Denn erst von da an wandte sich die Aufmerksamkeit der Menschen auf ihn.<br \/>\n~ Oder mit seiner Taufe, als er von Johannes dem T\u00e4ufer getauft wurde?<br \/>\n~ Oder soll ich doch bei der Geburt beginnen? Das hat sich bew\u00e4hrt, denn Lukas und Matth\u00e4us haben vor zwanzig Jahren ihre Evangelien auch so begonnen. Das erscheint irgendwie logisch, denn da f\u00e4ngt alles an.<\/p>\n<p>Aber noch bevor er die ersten S\u00e4tze entwerfen kann, kommen dem Evangelisten Bedenken:<br \/>\nHat es denn wirklich erst mit der Geburt begonnen? Oder hat die Geschichte von Jesus Christus noch viel eher seinen Ursprung &#8211; geh\u00f6rt sie nicht logischerweise in den Weg Gottes mit dieser Welt hinein?<\/p>\n<p>Nach einigem Gr\u00fcbeln ist Johannes sich sicher: Er m\u00f6chte ganz grunds\u00e4tzlich anfangen. Und dazu f\u00e4llt ihm ein Lied ein, das er schon oft geh\u00f6rt und auch gesungen hat. Ein Hymnus, ein Loblied &#8211; ja, das will er an den Anfang seines Evangeliums stellen.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren die ersten Verse im ersten Kapitel des Johannesevangeliums:<br \/>\n<i><br \/>\nIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.<br \/>\nDasselbe war im Anfang bei Gott.<br \/>\nAlle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.<br \/>\nIn ihm war das Leben, und das Leben war das\u00a0 Licht der Menschen.<br \/>\nUnd das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat&#8217;s nicht ergriffen.<br \/>\nDas war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.<br \/>\nEr war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.<br \/>\nEr kam\u00a0 in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.<br \/>\nWie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht,\u00a0 Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht\u00a0 aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern\u00a0 von Gott geboren sind.<\/i><br \/>\nUnd\u00a0 das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen\u00a0 seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><b>### die Sch\u00f6pfermacht des Wortes ###<\/b><\/span><\/p>\n<p>Am Anfang war das Wort &#8211; bis zum Beginn unserer Welt geht dieser Hymnus zur\u00fcck.<br \/>\nSchon da wird ganz deutlich, dass das Wort Gottes mehr ist, als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben. Dieses Wort hat n\u00e4mlich Macht, so viel Macht, dass dadurch eine ganze Welt ins Dasein gebracht werden kann:<br \/>\n&#8222;Erst werde Licht!&#8220; Damit schafft Gott Tatsachen. Welt entsteht einfach nur auf sein Wort hin.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte fast nicht daran denken, dass auf mein Wort hin oft nicht einmal eine Schulklasse den Mund h\u00e4lt. Oder wie wenig sich manche Personen an ihr eigenes Wort halten. Aber hier, das Wort Gottes, das hat eine gewaltige Sch\u00f6pfermacht. Das Licht, die Entstehung unserer Sch\u00f6pfung, ja auch wir selbst kommen nur auf Grund des Wortes Gottes ins Dasein.<\/p>\n<p>Dieses Wort ist aber nicht nur Baumeister. Es ruft zum Beispiel auch Menschen in seinem Dienst. Mose wird von Gott berufen, sein Volk aus \u00c4gypten zu f\u00fchren. Diese gro\u00dfe Erfahrung Israels beruht auf dem Wort Gottes, dass er zu Mose gesagt hat.<\/p>\n<p>Dieses Wort st\u00f6\u00dft gro\u00dfe Sachen an, l\u00e4sst Dinge erst werden. Gott und sein Wort geh\u00f6ren zusammen. Oft begegnet uns Gott eben nur durch sein Wort.<\/p>\n<p>Wenn Gott und sein Wort so untrennbar zusammengeh\u00f6ren, dann erscheinen diese ersten Verse nicht mehr ganz so geheimnisvoll:<\/p>\n<p>Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.<br \/>\nDasselbe war im Anfang bei Gott.<br \/>\nAlle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>### das Wort war schon immer da ###<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Eine zweite Eigenschaft dieses Wortes geh\u00f6rt hier dazu: &#8222;Es war im Anfang bei Gott&#8220;. Das ist an sich ganz logisch &#8211; wenn beide so untrennbar zusammengeh\u00f6ren.<br \/>\nAber erinnern wir uns daran, dass der Evangelist Johannes mit diesen Versen seine Jesusgeschichte beginnt! F\u00fcr Johannes scheint es klar zu sein: Jesus geh\u00f6rt von Anfang an zu Gott, schon lange vor der Geburt, schon lange vor der Ank\u00fcndigung durch die Engel.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndieser Abschnitt zeigt sehr deutlich die Besonderheit Jesu Christi. In unseren Geburtsgeschichten, da haben wir es mit einem Kind zu tun. Das kennen wir, wir haben ja zum Teil selber welche. Und da ist die Gefahr gro\u00df, dass wir dieses kleine Jesuskind als Menschen sehen, und nur als Menschen. Und den erwachsenen Jesus, eben als besonderen, besseren, edleren Menschen. Aber eben nur als Mensch&#8230; und dabei \u00fcbersehen, dass sein Ursprung kein irdischer ist.<br \/>\nJohannes versucht es deutlich zu machen: Jesus Christus ist das Wort Gottes, das zu uns kommt, er war schon immer bei Gott.<\/p>\n<p>Er ist eben nicht nur ein bisschen schlauer, ein bisschen lieber und ein bisschen selbstloser als andere Menschen. Er ist von ganz anderer Qualit\u00e4t. Mit ihm, dem Wort Gottes, kommt Gott selbst auf unsere Erde. Unter die Bedingungen menschlicher Existenz, mitsamt Hunger und Durst, Fr\u00f6hlichkeit und Traurigkeit.<\/p>\n<p><i><b><span style=\"color: #33cc00;\">### Das Wort kommt zu Besuch ###<\/span><\/b><\/i><\/p>\n<p>Johannes beschreibt diesen Besuch sehr n\u00fcchtern:<br \/>\nEr war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.<br \/>\nEr kam\u00a0 in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.<\/p>\n<p>Eine Katastrophe in zwei S\u00e4tzen. Kurz und knapp und ohne jede Besch\u00f6nigung. Derjenige, der diese Welt ins Dasein gebracht hat, besucht sie. Aber er wird nicht willkommen gehei\u00dfen, wird nicht mit Lob und Dank \u00fcberh\u00e4uft. Die Welt bekommt gar nicht richtig mit, dass er da ist. Er wird nicht erkannt und darum nicht aufgenommen.<br \/>\nEine bittere Geschichte. So mancher Hollywood-Regisseur k\u00f6nnte daraus eine dramatische Geschichte entwickeln:<br \/>\nDa kommt ein Herrscher in sein Eigentum. Er wird aber nicht erkannt und keiner will etwas von ihm wissen. Er macht sich klein, ist freundlich und wird als Dank nur verachtet. Zwei Drittel des Films k\u00f6nnte man damit f\u00fcllen, und dann k\u00e4me es zur gro\u00dfen Abrechnung: Der Herrscher zeigt sich in seiner Gr\u00f6\u00dfe und Macht und holt zum Gegenschlag \u00fcber seine Widersacher aus. Das w\u00e4ren dann die action-geladenen Szenen mit viel Feuer, Explosionen und Vernichtung. Bis am Schluss der Herrscher \u00fcber verbrannte Erde geht und Genugtuung erfahren hat.<\/p>\n<p><i><b><span style=\"color: #33cc00;\">### das Wort der Vers\u00f6hnung ###<\/span><\/b><\/i><\/p>\n<p>So ging aber unsere Geschichte nicht weiter. Johannes findet n\u00e4mlich einen ganz anderen Schluss im Vorspann seines Evangeliums:<br \/>\nUnd\u00a0 das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen\u00a0 seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.<\/p>\n<p>Das sind ganz andere Worte.<br \/>\nUnd offenbar ist das verschm\u00e4hte und nicht erkannte Wort Gottes kein Wort der Rache und Vergeltung, sondern der Gnade und Wahrheit. Auch das l\u00e4sst etwas von der Gr\u00f6\u00dfe dieses Wortes erkennen. Es hat keine Vergeltung n\u00f6tig um sich wieder ins Recht zu setzen, kleinliche Gekr\u00e4nktheit und Imponiergehabe sind \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Das ist ein Wort der Vers\u00f6hnung. Jesus Christus ist Gottes Vers\u00f6hnungsangebot an uns. Sein Sch\u00f6pferwort, das schon Kontinente geschaffen hat, will uns als Menschen gerecht sprechen. Will uns zu Kindern Gottes machen.<br \/>\nAber nicht gegen unsern Willen!<br \/>\nWie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht,\u00a0 Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.<\/p>\n<p>Das Wort Gottes will geh\u00f6rt werden, Jesus Christus will geh\u00f6rt werden, aufgenommen werden unsere Herzen. Ohne unser Zutun kommen wir mit diesem Wort nicht zusammen.<br \/>\n<span style=\"color: #33cc00;\"><i><b><br \/>\n### Schluss ###<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Die Geburt Jesu war der Moment, in dem Gottes Wort menschliche Gestalt angenommen hat.<br \/>\nWas zuvor unsichtbar, und oft nur f\u00fcr wenige Menschen zu h\u00f6ren war, wurde f\u00fcr einige Jahre sichtbar, h\u00f6rbar. Man konnte mit ihm reden, ihn etwas fragen, sich mit ihm streiten.<br \/>\nManche feierten mit ihm, etliche folgten ihm, und andere verfolgten ihn.<\/p>\n<p>Diese Zeit war nur ein kurzer Abschnitt der Weltgeschichte. Aber ein unglaublich wichtiger. Wie gut, dass damals Menschen dieses Wort Gottes, Jesus Christus aufgenommen haben und uns davon weiter erz\u00e4hlt haben.<br \/>\nDamit auch wir heute, wie sie damals, dieses Wort f\u00fcr uns annehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nDarauf bauen k\u00f6nnen, dass auch wir Gottes Kinder sein k\u00f6nnen, wenn wir auf ihn vertrauen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Menschen, die Briefe schreiben und solche, die Predigten formulieren haben \u00f6fter das Problem: &#8222;Wie fange ich nur an? Was ist der passende erste Satz?&#8220;. Ich glaube, dass auch unsere vier Evangelisten Matth\u00e4us, Markus, Lukas und Johannes von \u00e4hnlichen Sorgen geplagt waren. Wie war das wohl, als z. 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