{"id":1662,"date":"2003-01-05T22:36:41","date_gmt":"2003-01-05T21:36:41","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1662"},"modified":"2017-10-24T19:30:25","modified_gmt":"2017-10-24T18:30:25","slug":"predigt-gottes-sohn-oder-josefs-sohn-lukas-2-41-52-5-januar-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1662","title":{"rendered":"Predigt: Gottes Sohn oder Josefs Sohn? (Lukas 2, 41-52) 5. Januar 2003"},"content":{"rendered":"<p>Predigttext: Lk 2, 41-52<br \/>\n[41] Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest.<br \/>\n[42] Und als er zw\u00f6lf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes.<br \/>\n[43] Und als die Tage vor\u00fcber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem und seine Eltern wussten&#8217;s nicht.<br \/>\n[44] Sie meinten aber, er w\u00e4re unter den Gef\u00e4hrten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten.<br \/>\n[45] Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.<br \/>\n[46] Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuh\u00f6rte und sie fragte.<br \/>\n[47] Und alle, die ihm zuh\u00f6rten, verwunderten sich \u00fcber seinen Verstand und seine Antworten.<br \/>\n[48] Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.<br \/>\n[49] Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?<br \/>\n[50] Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.<br \/>\n[51] Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.<br \/>\n[52] Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.<!--more--><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Jesus im Tempel &#8211; diese Erz\u00e4hlung kennen viele von uns von klein auf.<br \/>\nAus dem Kindergottesdienst, aus den Religionsunterricht in der Schule, aus dem Gottesdienst, oder auch vom Selber-erz\u00e4hlen vor den eigenen Kindern.<\/p>\n<p>Und der jeweiligen Situation entsprechend f\u00fchlt man sich da auch hinein, in diese abenteuerliche Geschichte.<br \/>\nDie Eltern durchleben beim H\u00f6ren dieser Zeilen oft im Zeitraffer die Gef\u00fchle, die wohl auch Maria und Josef umgetrieben haben. Sorge und Angst um das eigene Kind; aber auch Wut dar\u00fcber, dass der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Bengel trotz seines Alters irgendwo in der Stadt Jerusalem verloren geht. Und auch die Erleichterung, wenn sie ihn schlie\u00dflich wohlbehalten im Tempel wiederfinden.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngeren Semester identifizieren sich eher mit dem jungen Jesus selber. Es gef\u00e4llt Ihnen, wenn er die Gelehrten im Tempel durch seine Fragen und Antworten beeindruckt. &#8220; Der zeigt es ihnen, dass die kleinen auch etwas k\u00f6nnen und wissen!&#8220;<\/p>\n<p>Diese Erz\u00e4hlungen ist etwas f\u00fcr die kleinen und f\u00fcr die gro\u00dfen. &#8211; Vielleicht auch deshalb, weil es eine Geschichte zwischen dem kleinen und den gro\u00dfen Jesus ist. Sie steht am \u00dcbergang von der Kindheit Jesu zu seinem Wirken als Erwachsener. Sie erz\u00e4hlt nicht mehr von dem kleinen Kind in der Krippe, und noch nicht von den gro\u00dfen Prediger und Heiland.<\/p>\n<p>Ist es also die Zeit, in der Jesus zu dem wird, was er ist? So, wie ein Mensch sich in seiner Pubert\u00e4t von Kind zum Erwachsenen, zur eigenst\u00e4ndigen Pers\u00f6nlichkeit entwickelt? In dieser Lebensphase, in der er fragt: woher komme ich, und wozu bin ich eigentlich hier?<\/p>\n<p>Vielleicht hat diese Frage den zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus auch in den Tempel getrieben. Hat er dort nach seinen Wurzeln und nach seinem Auftrag gesucht? Sehr viel verr\u00e4t uns unser Text dar\u00fcber nicht. Aber ein klein wenig doch: Als seine Eltern ihn im Tempel fanden, hat er ihnen geantwortet: &#8222;Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?&#8220;<\/p>\n<p>Offenbar hat er eine Antwort gefunden, auf die Frage, wohin er eigentlich geh\u00f6rt. In das Haus seines Vaters, in das Haus des himmlischen Vaters &#8211; in das Haus Gottes.<\/p>\n<p>Aber da gab es noch den anderen Vater, Josef. Und der wollte, dass Jesus zur\u00fcck nach Nazaret &#8211; in sein Haus &#8211; mit geht,. Wir wissen, wie die Geschichte weiter geht: Jesus geht mit seinem Vater und seiner Mutter mit nach Nazaret. Er begehrt nicht auf, sondern folgt ihnen, so wie man es von einem braven Sohn sich w\u00fcnscht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Die Spannungen zwischen Gottes-Sohn und Josefs-Sohn<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Merken sie es? In diesen wenigen Zeilen einer kurzen Erz\u00e4hlung entdecken wir den Sohn Gottes im Tempel und auch dem Sohn der Zimmermanns-Familie aus Nazaret.<br \/>\nIn dieser Geschichte wird es zum ersten Mal richtig deutlich: Jesus Christus ist eben Mensch und Sohn Gottes in einer Person. Und das macht die Sache kompliziert. Da muss er doch hin-und-her-gerissen sein!<br \/>\nDort im Tempel &#8211; das war ein harmloses Vorspiel, die echten Zerrei\u00dfproben sollten erst noch kommen.<\/p>\n<p>Ich denke an eine Szene, als Jesus in einem Haus zu Gast war und dort gepredigt hat. Ein gro\u00dfer Menschenauflauf. Dazu kamen dann auch seine Mutter und seine Br\u00fcder und wollten mit ihm reden. Jesus aber hat sie abgewiesen: Er zeigte auf die anwesenden Zuh\u00f6rer und meinte &#8222;Das sind meine Br\u00fcder und meine Mutter. Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mein\u00a0 Bruder, Schwester und Mutter.&#8220;<br \/>\nEin Moment, der der Maria sicher tief ins Herz geschnitten hat. Sie musste erkennen: Dieser Jesus ist nicht nur einfach mein Sohn, er ist eben auch der Sohn Gottes. Das hat dieser Moment ganz deutlich gezeigt.<\/p>\n<p>Da war aber auch der Abend in Gethsemane. Kurz vor seiner Verhaftung hat Jesus dort gebetet, darum gefleht, dass der schwere Kelch an ihm vor\u00fcbergehen m\u00f6ge. Blut und Wasser hat er geschwitzt, Angst gehabt, Verzweiflung gesp\u00fcrt. In diesen Tagen, in denen er seinen Auftrag als Gottes Sohn in besonderer Weise erf\u00fcllen sollte, gab es diesem Moment, wo er so menschlich wurde &#8211; wo man den Josefs-Sohn so deutlich merken konnte.<\/p>\n<p>Jesus Christus war beides &#8211; und beide Seiten haben sich auch\u00a0 immer wieder aneinander gerieben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Dogmatische Konsequenzen<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Ist er denn jetzt Gottessohn, oder ein Mensch &#8211; dieser Jesus?<br \/>\nWir tun uns damit schwer. Heute genauso wie vor hunderten von Jahren. Das alte christliche Glaubensbekenntnis von Niz\u00e4a, das heute noch in den \u00f6stlichen Kirchen gesprochen wird, bekennt deutlich &#8222;er ist wahrer Gott vom wahren Gott&#8220;. Und in der Geburtsurkunde der evangelischen Kirche, dem Augsburger Bekenntnis, k\u00f6nnen wir nachlesen: &#8222;dass Gott der Sohn, Mensch, geworden ist, und dass die zwei Naturen, die g\u00f6ttliche und die menschliche, in einer Person untrennbar vereinigt sind , ein Christus sind, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist&#8220;.<\/p>\n<p>Anders als so k\u00f6nnen wir Menschen es nicht aussagen. Wir haben kein Wort f\u00fcr diese Besonderheit, die sich da ereignet hat. Da kommt etwas zusammen, was man nicht zusammen denken kann. Gott und Mensch in einem?<br \/>\nGott wird wirklich Mensch &#8211; kann so etwas gut gehen?<\/p>\n<p>Man kann den Tod Jesu am Kreuz als Zeichen daf\u00fcr sehen, dass es nicht gut gehen kann, dass Gott und Menschen zu weit voneinander entfernt sind. Dass ein Gott in Menschengestalt nicht verstanden wird, und darum missverstanden wird und am Kreuz enden muss.<\/p>\n<p>Aber die Auferstehung ist zugleich f\u00fcr mich das Zeichen, dass Gott sich mit dieser Trennung nicht zufrieden gibt, und er uns dennoch nicht verwirft.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Jesus als Bruder und Herr<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwenn ich ein bisschen Abstand von diesen theoretischen und theologischen Fragen nehme entdecke ich, dass diese zwei Seiten der Person Jesu Christi sich auch in meinem Verh\u00e4ltnis zu ihm widerspiegeln.<br \/>\nNicht so sehr in den Begriffen von &#8222;Gottessohn und Mensch&#8220;. F\u00fcr mich sind es die Begriffe &#8222;Herr und Bruder&#8220;.<\/p>\n<p>Den Bruder, den Mitmenschen in Jesus Christus entdecke ich an vielen Stellen seines irdischen Lebens. Er war, wie ich eben auch, allen Bedingungen des Menschseins unterworfen. Hat viel erlebt, erlitten, hat sich gefreut und war traurig. Da merke ich eine gewisse Solidarit\u00e4t. Er kennt das alles, ihm ist sozusagen nichts menschliches fremd.<br \/>\nDarum habe ich keine Scheu ihm mein Leid zu klagen, meine Sorgen und \u00c4ngste &#8211; und auch die kleinen und gro\u00dfen Freuden ihm entgegenzubringen. Er kennt das, er war ja selber Mensch. Deshalb wage ich es sogar, ihm die Abgr\u00fcnde in meinem Herzen zu zeigen.<\/p>\n<p>Als Bruder ist der mir auch ein Vorbild, Ich kann entdecken, wie er sein Leben gef\u00fchrt hat, wie er mit Menschen umgegangen ist. Seine Geduld, sein Erbarmen, seine Liebe. Als Mensch hat er einen Weg beschritten, den ich als Mensch versuchen kann nachzugehen, seinen Schritten zu folgen. Das wird nicht immer gelingen, aber eine Perspektive ist es allemal.<\/p>\n<p>Jesus Christus ist aber nicht nur Bruder, sondern auch Herr. Mit seinem Tod und vor allem seiner Auferstehung ist er Wege gegangen, die g\u00f6ttliche Qualit\u00e4t haben. Die kann ich nicht nachmachen, sondern die hat er f\u00fcr mich zur\u00fcckgelegt.<br \/>\nAls Herr zeigt er mir Wege auf, die ich gehen soll, zeigt Grenzen und setzt Ma\u00dfst\u00e4be &#8211; er steht f\u00fcr Gottes Willen. Ihn kann ich nicht einfach so auf meine Seite ziehen, in die Tasche stecken, wie man es mit einem gutm\u00fctigen Br\u00fcderchen machen kann. Ich kann nicht davon ausgehen, dass er \u00fcber jede krumme Tour mit einem Augenzwinkern hinweg sieht.<br \/>\nEr will n\u00e4mlich Herr \u00fcber mein Leben sein.<\/p>\n<p>Derjenige, der als Bruder neben mir steht, sitzt zugleich als Herr \u00fcber mir. &#8220; Er sitzt rechten Gottes, des allm\u00e4chtigen Vaters&#8220;. Er hat Macht \u00fcber uns Menschen, \u00fcber diese Welt.<\/p>\n<p>Diese beiden Seiten kann man schlecht zusammen denken. Aber ich bin froh dass es diese beiden Seiten gibt:<br \/>\nDas Kind in der Krippe, dem zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jungen, den engagierten Prediger.- Den Bruder<br \/>\nUnd zugleich:<br \/>\nDer Verk\u00fcndiger des Willens Gottes, der Gekreuzigte und Auferstandene, den Sohn an der Seite Gottes &#8211; unsern Herrn.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigttext: Lk 2, 41-52 [41] Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. [42] Und als er zw\u00f6lf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. 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