{"id":1656,"date":"2003-02-03T22:27:44","date_gmt":"2003-02-03T20:27:44","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1656"},"modified":"2014-06-03T22:30:35","modified_gmt":"2014-06-03T20:30:35","slug":"predigt-alles-zum-besten-roemer-828-3-februar-2003-taufe-von-lukas-a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1656","title":{"rendered":"Predigt: Alles zum Besten? (R\u00f6mer 8,28) 3. Februar 2003, Taufe von Lukas A."},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"color: #ff0000;\">R\u00f6m 8,28<br \/>\nWir wissen aber, da\u00df denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschlu\u00df berufen sind.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Taufgemeinde, Liebe Familie A., Liebe Paten, liebe Angeh\u00f6rige,<\/p>\n<p>in der letzten Woche haben unsere Gemeinden im westlichen Dekanat gemeinsam eine Bibelwoche veranstaltet. In jeder Gemeinde gab es drei Abende zu verschiedenen Texten aus dem R\u00f6merbrief. Heute, an diesem Sonntag zum Abschluss der Bibelwoche taufen wir den kleinen Lukas und geben ihm einen Taufspruch aus dem R\u00f6merbrief mit, den sich die Eltern selbst ausgew\u00e4hlt haben:<br \/>\nWir finden ihn im 8. Kapitel, dem 28. Vers:<br \/>\nWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschlu\u00df berufen sind.<!--more--><\/p>\n<p>Dieser Satz klingt zun\u00e4chst unheimlich bequem. Ich stelle mir das so vor: Da setzt sich jemand wohl gen\u00e4hrt und zufrieden mit der Welt in seinen Schaukelstuhl, z\u00fcndet sich eine Zigarre an und sagt zu sich: &#8222;Wie gut, dass uns, die wir Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen! &#8211; Da brauch ich mich wenigstens um nichts sorgen&#8220;.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>### Eigentlich nur Hoffnung ###<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Aber so hat es Paulus ganz sicher nicht gemeint. Denn wie immer, sollten wir biblische Worte nicht einfach aus den Zusammenhang herausgel\u00f6st anschauen, sondern einmal das ganze Kapitel, oder den ganzen R\u00f6merbrief betrachten. In den Abenden in der Bibelwoche haben wir ja auch stets einen ganzen Abschnitt gelesen und betrachtet.<br \/>\nDarum m\u00f6chte ich ihnen verraten, was in den Zeilen vor diesem Satz steht: Paulus klagt und gr\u00fcbelt n\u00e4mlich. Er schaut seine Welt an, ihre Probleme, ihre Verg\u00e4nglichkeit ihre Unvollkommenheit. Das macht ihn immer wieder zu schaffen. Und zugleich hofft er auf die Erl\u00f6sung dieser Welt; dass diese Unvollkommenheit und Ungerechtigkeit ein Ende nehmen wird.<br \/>\nAber: Davon ist noch nichts zu sehen! Nichts!<br \/>\nWir hoffen auf etwas, was wir noch nicht sehen; und das ist ja so unglaublich schwer. Wenn es sich doch schon klar und deutlich abzeichnen w\u00fcrde &#8230; aber nein wir haben allein die Hoffnung.<\/p>\n<p>Man kann sich damit abfinden, oder sich ohne Ende dar\u00fcber die Haare raufen.<br \/>\nSo ist das eben mit der Hoffnung, die man nicht sehen kann.<\/p>\n<p>Mit der Geburt ihres Sohnes Lukas verbinden Sie wahrscheinlich auch verschiedene Hoffnungen. Sie w\u00fcnschen Ihm ein gutes, gl\u00fcckliches Leben, Gesundheit, dass er einmal im Leben einen lieben Menschen und einen guten Beruf findet. Das alles sind gute Hoffnungen. Einen Beweis daf\u00fcr, dass sie sich erf\u00fcllen werden, haben sie nicht.<\/p>\n<p>Sie wissen, dass sie das ihre daf\u00fcr tun k\u00f6nnen, ihren Sohn in vielen unterst\u00fctzen k\u00f6nnen seinen Lebensweg gut zu finden und zu f\u00fchren. Aber alles haben wir Menschen eben nicht in der Hand. Und diese Unsicherheit ist immer wieder eine stete Quelle f\u00fcr die Sorgen der Eltern.<br \/>\n&#8211; F\u00fcr manche ist dieses unsichere Hoffen auch ein Grund daf\u00fcr, gar keine Kinder bekommen zu wollen.<\/p>\n<p>Zusammen mit Paulus k\u00f6nnen wir sagen: &#8222;Hoffentlich geht das gut aus&#8220;.<br \/>\nSo weit unser Blick in die Gef\u00fchlslage des Paulus und in unser eigenes Herz.<\/p>\n<p>Und genau angesichts dieser Situation sagt Paulus einfach diesem Satz:<br \/>\nWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschlu\u00df berufen sind.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal scheint dieser Satz nicht mit dem, was wir bis jetzt geh\u00f6rt haben, zusammen zu passen. Er steht einfach so da, wie ein Postulat, wie eine Behauptung ohne Beweis.<br \/>\nGerade hat Paulus noch dar\u00fcber geklagt, dass wir eigentlich nur hoffen k\u00f6nnen. Und &#8222;Patsch&#8220; kommt dieser Satz, der scheinbar \u00fcber jeden Zweifel erhaben ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>### Es geht um die Berufenen ###<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Vielleicht liegt es daran, das Paulus in diesem Satz seinen Blick auf etwas andres richtet als nur auf die unsichere Hoffnung. Er schaut nicht nach vorne in den Nebel der ungewissen Zukunft, sondern sieht sich in der Gegenwart und Vergangenheit um:<br \/>\nScheun wir mal an das Ende des Taufspriches: Da steht etwas von &#8220; denen, die nach seinem Ratschlu\u00df berufen sind&#8220;. Zun\u00e4chst klingt das ein bisschen sehr elit\u00e4r. Die Berufenen!<br \/>\nWas bedeutet das? Das sind ganz einfach die, die Gott gerufen hat, und die diesem Ruf gefolgt sind. F\u00fcr Paulus sind das alle, die an Jesus Christus glauben und getauft sind.<\/p>\n<p>Ihr Sohn Lukas geh\u00f6rt auch zu denen, die Gott gerufen hat. Er ist noch zu klein, um diesen Ruf selber zu beantworten. Sie als Eltern und Paten haben es stellvertretend f\u00fcr ihn getan, indem sie ihn zur Taufe gebracht haben. Wenn er gr\u00f6\u00dfer ist, wird er selber diesen Ruf beantworten m\u00fcssen; ja zu Gott sagen, und auch nein. Vor der Taufe haben sie versprochen, das ihre dazu zu tun, das er diesem Ruf Gottes folgt; als Christ lebt, seinem Gott vertraut.<\/p>\n<p>Halten wir also fest: Gott ruft Menschen in seine Nachfolge. Aber das wird er doch nicht tun, um sie dann letztlich h\u00e4ngen zulassen und auszulachen: &#8222;\u00c4tsch b\u00e4tsch, ausgetrixt! Du hast auf mich vertraut, aber ich hab dich nur ver\u00e4ppelt!&#8220; &#8211; das w\u00e4re der blanke Unsinn.<br \/>\nGott ruft Menschen, weil er es gut mit ihnen meint. Das haben wir immer wieder erfahren d\u00fcrfen. Viele biblische Geschichten erz\u00e4hlen davon, dass Menschen den Ruf Gottes gefolgt sind, oft auch durch Schwierigkeiten und Entt\u00e4uschungen hindurch; und letztlich der Weg ein gutes Ende gefunden hat. Unterm Strich kam heraus: Gott hat es gut mit uns gemeint, seine Geschichte mit uns war und ist eine Heils-Geschichte.<\/p>\n<p>Aus diesem Erfahrungsschatz heraus kann Paulus gar nicht anders als zu sagen:<br \/>\nWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschlu\u00df berufen sind.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>### &#8230; und meine negativen Erfahrungen? ###<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Liebe Taufgemeinde,<\/p>\n<p>damit h\u00e4tten wir jetzt bei Paulus zwei Paar Schuhe dastehen:<br \/>\nZum einen diesen vollmundigen Taufspruch, der uns verhei\u00dft, dass alles zum Besten dient.<br \/>\nZum zweiten unseren negativen Erfahrungen in dieser Welt und unsere Hoffnung auf etwas, was er noch nicht sehen.<\/p>\n<p>Beides zusammen zu bekommen ist nicht ganz einfach. Auch f\u00fcr Paulus ist das sicher nicht leicht gewesen. Oft hat er als Christ negative Erfahrungen gemacht. Ganz konkret wurde er oft angefeindet, war mit sich selbst unzufrieden, hat erlebt, dass Gebete nicht erh\u00f6rt worden sind, dass Hoffnungen zerplatzt sind wie eine Seifeblase.<br \/>\nAber trotzdem h\u00e4lt er daran fest: Letztlich meint Gott es gut mit uns. Er hat uns gerufen und wird uns auf unseren Weg begleiten. Auf dem Weg in seine neue Welt, in das Reich Gottes, in dem auch diese negativen Erfahrungen uns nicht mehr ber\u00fchren werden.<\/p>\n<p>Bis dahin werde ich als Christ immer wieder mit Erfahrungen leben m\u00fcssen, die weh tun. Bei denen ich mich frage: Wie soll denn das zum meinen Besten dienen? Wozu soll das gut sein?<\/p>\n<p>Ich glaube, wir werden es in unserem Leben nicht immer verstehen. Aber wir k\u00f6nnen hoffen, dass es uns auf unseren Weg nicht hindert. Unser Horizont ist eben immer begrenzt.<\/p>\n<p>Eine chinesische Parabel macht das wundersch\u00f6n deutlich:<\/p>\n<p>Es war ein alter armer Bauer, der einen kleinen Acker mit einem alten m\u00fcden Pferd bestellte und mehr schlecht als recht mit seinem Sohn davon lebte.<br \/>\nEines Tages lief ihm sein Pferd davon. Alle Nachbarn kamen und bedauerten ihn wegen seines Ungl\u00fcckes. Der Bauer blieb ruhig und sagte: &#8222;Woher wi\u00dft ihr, da\u00df es Ungl\u00fcck ist?&#8220;<br \/>\nIn der n\u00e4chsten Woche kam das Pferd zur\u00fcck und hinter ihm trabten zehn junge Wildpferde mit. Die Nachbarn kamen und gratulierten ihm zu seinem gro\u00dfen Gl\u00fcck. Der Bauer antwortete bed\u00e4chtig: &#8222;Woher wi\u00dft ihr, da\u00df es Gl\u00fcck ist?&#8220;<br \/>\nDer Sohn fing die Pferde ein, nahm sich das wildeste und ritt darauf los. Aber das wilde Pferd warf ihn ab, und der Sohn brach sich ein Bein. Alle Nachbarn kamen und jammerten \u00fcber das Ungl\u00fcck. Der Bauer blieb wieder ruhig und sagte: &#8222;Woher wi\u00dft ihr, da\u00df es Ungl\u00fcck ist?&#8220;<br \/>\nBald darauf brach ein Krieg aus, die Gesandten des Kainers kamen und nahmen alle\u00a0 jungen M\u00e4nner mit zur Armee. Nur der Sohn des Buern mit seinem gebrochenen Bein durfte zu Hause bleiben.<\/p>\n<p>Liebe Gemeide,<\/p>\n<p>Unser Erkennen von dem, was uns zum Besten dient ist immer nur vorl\u00e4ufig. Da bin ich froh \u00fcber den Taufspuch des Lukas, der mich vergewissert:<br \/>\nWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschlu\u00df berufen sind.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00f6m 8,28 Wir wissen aber, da\u00df denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschlu\u00df berufen sind. 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