{"id":1646,"date":"2003-05-03T22:11:20","date_gmt":"2003-05-03T21:11:20","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1646"},"modified":"2017-10-24T19:27:23","modified_gmt":"2017-10-24T18:27:23","slug":"predigt-der-gute-hirte-johannes-10-1-16-27-30-4-mai-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1646","title":{"rendered":"Predigt: Der gute Hirte (Johannes 10, 1-16; 27-30) 4. Mai 2003"},"content":{"rendered":"<p><i><b>Joh 10, 11-16.(27-30)\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Der Gute Hirte<br \/>\n<\/b>11 Ich bin\u00a0 der gute Hirte. Der gute Hirte\u00a0 l\u00e4\u00dft sein Leben f\u00fcr die Schafe.<br \/>\n12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht geh\u00f6ren, sieht den Wolf kommen und verl\u00e4\u00dft die Schafe und flieht<br \/>\n&#8211; und der Wolf st\u00fcrzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -,<br \/>\n13 denn er ist ein Mietling und k\u00fcmmert sich nicht um die Schafe.<br \/>\n14 Ich bin der gute Hirte und\u00a0 kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,<br \/>\n15 wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben f\u00fcr die Schafe.<br \/>\n16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie mu\u00df ich herf\u00fchren, und sie werden meine Stimme h\u00f6ren, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. <\/i><!--more--><i>27\u00a0 Meine Schafe h\u00f6ren meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir;<br \/>\n28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand rei\u00dfen.<br \/>\n29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist gr\u00f6\u00dfer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand rei\u00dfen.<\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&#8220; ich bin der Gute Hirte&#8220; sagt Jesus Christus.<br \/>\nDer Hirte &#8211; ein uraltes Bild. Richtiggehend antquiert; ein Hirte, auch wenn wir heute immer noch Schafhirten und unweit von Gollhofen auch eine Schafhirtin haben &#8230; irgendwie ist es f\u00fcr uns ein Beruf aus einer vergangenen Zeit.<\/p>\n<p>Unsere Welt hat sich ver\u00e4ndert. Diejenigen, die heute als Hirten arbeiten, merken das auch: Von der Schafhirten-Romantik ist nicht mehr viel geblieben, bei all den Vorschriften und beh\u00f6rdlichen Auflagen, dem Kostendruck und der harten Arbeit.<br \/>\nVielleicht hat es sie ja auch nie gegeben, die Schafhirten-Romantik.<br \/>\nWahrscheinlich war es schon immer ein harter Job, und die romantischen Gef\u00fchle haben nur diejenigen gehabt, die keine Hirten waren, und aus den Fenstern ihrer warmen H\u00e4user diese scheinbare Idylle auf den Wiesen betrachtet haben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>ARCHETYPISCHES<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Aber ganz unabh\u00e4ngig von diesen Fakten entfaltet sich in uns bei dem Bild vom Hirten und seinen Schafen ein ganz bestimmtes &#8211; meist sehr angenehmes &#8211; Gef\u00fchl. Der Hirte und seine Schafe, das ist ein bischen heile Welt, das ist etwas ganz anderes als wenn ich sage: Der Milchbauer und seine K\u00fche, oder die Kassiererin und ihr Wechselgeld.<\/p>\n<p>Das Bild vom Hirten und seinen Schafen ist eben etwas ganz besonderes. Es dr\u00fcckt viel mehr aus als nur das Verh\u00e4ltnis zwischen einem Landarbeiter und seinen Tieren. Das l\u00e4sst sich schwer in Worte fassen, wohl auch auch, weil\u00a0 dabei viele Gef\u00fchle mit angesprochen sind. Nicht erst heute, sondern schon seit Jahrhunderten.<\/p>\n<p>In der Bibel taucht der Hirte mit seinen Schafen immer wieder auf. Wohl am bekanntesten ist uns der 23. Psalm:\u00a0 &#8222;Der Herr ist mein Hirte&#8220;. Oft genug ist auch die Rede davon, dass das Volk Israel die Schafherde Gottes ist.<br \/>\nIch m\u00f6chte mit ihnen ein bisschen bei diesem Bild vom Schafhirten bleiben. Auch wenn es f\u00fcr manchen veraltet erscheint. Ein aussagekr\u00e4ftigeres Bild werden wir so schnell n\u00e4mlich nicht finden.<br \/>\nUnd manchmal tut es auch gut, sich in so ein Bild hinein zu denken, darin zu entdecken, was auf einem selber zutrifft, wo man sich angesprochen f\u00fchlt in seinem eigenen Verh\u00e4ltnis zu seinem Hirten, zu Jesus Christus.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>DAS BILD<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Ich bin der Gute Hirte&#8230; sagt Jesus Christus.<\/p>\n<p>Als erstes f\u00e4llt mir die F\u00fcrsorge des Hirten f\u00fcr seine Schafe ein. Er k\u00fcmmert sich um sie, sie sind f\u00fcr ihn mehr als nur Fleisch-und Woll-Produzenten.<br \/>\nEr sorgt f\u00fcr ihr Auskommen: Er h\u00e4lt Ausschau nach einer saftigen Weide und nach einem Bach mit frischem Wasser. Seine Schafe k\u00f6nnen sich darauf verlassen, dass der alles tun wird, dass sie bekommen was sie zum Leben brauchen. Er liest ihnen nicht jeden Wunsch von den Augen ab, sondern er sorgt sich um das, was wirklich notwendig ist.<\/p>\n<p>Wenn eines der Tiere verletzt oder krank ist, wird es behandelt, wird die Verletzung verbunden. Der Hirte wird sich so manches einfallen lassen, damit sein Schaf bald wieder auf die Beine kommt.<br \/>\nIch glaube, in der Herde Gottes gibt es immer wieder viele Schafe, die an K\u00f6rper oder Seele l\u00e4diert sind. Auch die brauchen oft eine Versorgung von diesen Hirten, weil die anderen Schafe auch nicht recht wissen, wie man helfen kann.<\/p>\n<p>Diesem Hirten gehen die Schafe eigentlich \u00fcber alles: Er setzt alles daran, um sie zu sch\u00fctzen. Selbst wenn ein Gegner so stark ist, das sogar der Hirte mit seinem Leben in Gefahr ist, er denkt gar nicht daran zu fliehen und seine Herde aufzugeben. Der Gute Hirte l\u00e4sst seine Schafe nicht allein, auch dann wenn es hart auf hart geht. Und gerade dann brauchen in ihm die Schafe ja ganz besonders.<br \/>\nEr verteidigt sie, er sch\u00fctzt sie unter Einsatz seines eigenen Lebens.<\/p>\n<p>Als Jesus dieses Bild auf sich bezieht, ist ihm wohl schon deutlich geworden, dass ihm ein harter Kampf bevorstehen wird. Ein Kampf in dem er seine Schafherde vor der Macht des Todes bis auf das \u00c4u\u00dferste verteidigen muss. &#8211; Er ging soweit, dass er sogar seinen Tod am Kreuz in Kauf nahm.<\/p>\n<p>Die andere wichtige Aufgabe des Hirten ist es, die Schafe zu leiten. Er zieht mit ihnen von Weide zu Weide. Er steckt das Feld ab, in dem sie sich frei bewegen k\u00f6nnen. Dort k\u00f6nnen Sie in Ruhe grasen, herum rennen oder am Boden liegen bleiben.<br \/>\nSie haben viel Freiheit &#8211; aber nicht unbegrenzt. Wenn sich eines zu weit von der Herde entfernt und sich damit in Gefahr begibt, wird es wieder zur\u00fcckgeholt.<\/p>\n<p>Auch dem Weg zur n\u00e4chsten Weide geht der Hirte voran, er hat einen Plan mit seinen Schafen, wei\u00df, was ihnen gut tut. Er wei\u00df, dass die Schafe den Weg nicht selber finden w\u00fcrden. Denn manchmal m\u00fcssen sie auf dem Weg zur neuen Weide ein ganzes St\u00fcck lang durch eine unwirtliche Gegend, wo es nichts zu fressen gibt und die F\u00fc\u00dfe weh tun. W\u00fcrde man die Schafe fragen, w\u00fcrden sie wohl umkehren wollen, zur\u00fcck zu den alten abgegrasten Wiesen. Nur der Hirte wei\u00df, dass es nicht mehr lange dauert bis man nach der schwierigen Strecke wieder auf eine neue gute Wiese trifft.<\/p>\n<p>Die letzte Eigenschaft des Hirten, die mich fasziniert, besteht darin, dass er einfach da ist. Die meiste Zeit steht der Hirte einfach bei seinen Schafen. Er wirft ein wachsames Auge auf sie, und er ist einfach da. Tag und Nacht.<\/p>\n<p>Das brauchen scheinbar die Schafe: Dass einer da ist, der \u00fcber sie wacht.<br \/>\nSie m\u00fcssen keine Angst haben, alleingelassen zu sein in der Weite dieser Welt. Der Hirte ist ja da, manchmal bemerkt man in fast nicht, weil es so leise dasteht. Er macht kein gro\u00dfes Aufheben um sich &#8211; und doch ist es wichtig, dass er f\u00fcr sie da ist; dann wenn Sie in brauchen.<br \/>\nAllein schon seine Anwesenheit nimmt den \u00e4ngstlichen L\u00e4mmern die Furcht.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt auch da der Grund, dass manche Menschen ganz gerne ein Gem\u00e4lde mit dem Guten Hirten \u00fcber ihrem Bett an der Wand h\u00e4ngen haben. Ein Bild, das ihnen zeigt: Da ist einer, der dich beh\u00fctet, ganz unauff\u00e4llig, aber du darfst wissen, dass er da ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>DIE BEZIEHUNG<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nsie haben es gemerkt: die Beziehung zwischen Hirte und Schaf hat ganz unterschiedliche Facetten .<br \/>\nAber auf jeden Fall gibt es eine Gemeinsamkeit: Es ist immer eine Beziehung: Schaf und Hirte geh\u00f6ren zusammen. Jesus hat gesagt &#8222;meine Schafe h\u00f6ren meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.&#8220;<br \/>\nDas ist ein wichtiger, aber f\u00fcr Manchen auch ein heikler Punkt: Es ist eben eine zweiseitige Beziehung: Der Hirte tut seinen Teil, aber die Schafe haben auch eine Aufgabe: Dem Hirten zu folgen und auf seine Stimme zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Damit haben manche Menschen aber ein gro\u00dfes Problem: Schafe haben kein besonders gutes Image. Will ich da so einfach Schaf sein?<\/p>\n<p>Wenn jemand sagt: Du k\u00e4mpfst in dieser Sache wie ein Stier, dann f\u00fchle ich mich geschmeichelt.<br \/>\nUnd wenn jemand behauptet, ich w\u00e4re geschickt und feinf\u00fchlig wie eine Katze, h\u00f6re ich mir das gern an.<br \/>\nAber wenn einer meint: &#8222;Du bist schon ein rechtes Schaf&#8220; &#8211; dann w\u00fcrde ich zu diesem Kompliment nicht gleich danke sagen.\u00a0 Schafe h\u00e4lt man oft f\u00fcr dumm, sehr gem\u00e4chlich und unselbstst\u00e4ndig &#8211; schlie\u00dflich brauchen sie darum ja immer einen Hirten.<\/p>\n<p>Sind Christen dann auch solche Schaf-Typen? Ein bisschen dumm und einf\u00e4ltig, ziemlich tr\u00e4ge und folgen kritiklos jedem, der sich Hirte nennt?<\/p>\n<p>Nein &#8211; ich glaube auch wir Christen sollen aktiv, selbstbewusst und auch selbstst\u00e4ndig sein. Sonst h\u00e4tte unser Herrgott uns unser Gehirn ganz umsonst geschenkt.<br \/>\nDie Weide, auf die er uns in unserem Leben gestellt hat, ist zumeist weit genug, damit wir unsere F\u00e4higkeiten und Begabungen aus\u00fcben k\u00f6nnen, dass wir uns Bereiche suchen k\u00f6nnen, wo es uns gef\u00e4llt, wo wir gerne leben und unser Leben selbstst\u00e4ndig gestalten.<br \/>\nIhm ist wichtig: Wir sollen zur Herde dazugeh\u00f6ren, auf seine Stimme h\u00f6ren, und uns nicht auf Wege verlaufen , die nicht gut f\u00fcr uns sind.<\/p>\n<p>Ein kleines St\u00fcckchen an Autonomit\u00e4t kann dabei nat\u00fcrlich schon verloren gehen. Sicherlich m\u00fcssen wir auf eine allzu vollmundige Selbstherrlichkeit verzichten. Manchmal halten Menschen sich ja selbst f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dften, die ma\u00dfgeblichen und alleinigen Herren \u00fcber ihr Leben; manchmal sogar \u00fcber das Leben der Mitmenschen. &#8211; Das funktioniert nicht, wenn ich wei\u00df, dass es letztlich der Hirte ist, der uns den rechten Weg weist und sagt, wo es lang geht.<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt: Den Verzicht aus diese menschliche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung empfinde ich nicht wirklich als Verlust.<\/p>\n<p>Ich glaube: Der Preis, den wir als Christen zahlen m\u00fcssen, um zur Herde Jesu zu geh\u00f6ren ist nicht hoch, der Gewinn f\u00fcr unser Leben aber schon.<br \/>\nZur Herde, zum Hirten, dazuzugeh\u00f6ren das zahlt sich im Leben und im Sterben aus:<br \/>\nMeine Schafe h\u00f6ren meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir;<br \/>\nund ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand rei\u00dfen.<br \/>\nMein Vater, der mir sie gegeben hat, ist gr\u00f6\u00dfer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand rei\u00dfen.<\/p>\n<p>Amen<!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joh 10, 11-16.(27-30)\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Der Gute Hirte 11 Ich bin\u00a0 der gute Hirte. 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