{"id":1640,"date":"2003-06-29T21:59:05","date_gmt":"2003-06-29T19:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1640"},"modified":"2022-05-13T22:13:09","modified_gmt":"2022-05-13T20:13:09","slug":"predigt-den-glauben-giessen-und-duengen-lukas-22-23-29-juni-2003-goldene-konfirmation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1640","title":{"rendered":"Predigt: Den Glauben gie\u00dfen und d\u00fcngen (Lukas 22, 23) 29. Juni 2003, Goldene Konfirmation"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Goldene Konfirmanden, liebe Gemeinde,<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>LEBEN IN PHASEN<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Vieles in unserer Welt vollzieht sich in Phasen.<br \/>\nDie Corega-Tabs f\u00fcr die dritten Z\u00e4hne, haben zwei Phasen: eine Reinigungsphase und eine zur Desinfektion der Z\u00e4hne.<br \/>\nEin Bausparvertrag hat eine Ansparphase, dann kommt die Aussch\u00fcttung, da baut man sein Haus, und dann kommt die Tilgungsphase, in der man seinen Kredit versucht zur\u00fcckzuzahlen.<br \/>\nUnser Geschirrsp\u00fclmittel f\u00fcr die Sp\u00fclmaschine arbeitet sogar mit drei Phasen: eine zur Reinigung, eine zum Klarsp\u00fclen und die letzte &#8211; ganz neue gibt es die &#8211; damit die Gl\u00e4ser auf Dauer nicht matt werden.<!--more--><\/p>\n<p>Auch ein ganz normales Menschenleben vollzieht sich in verschiedenen Phasen.<br \/>\nDa gibt es die Kindheit, wo oft vieles noch unbeschwert und spielerisch ist.<br \/>\nMit der Konfirmation vor 50 Jahren begann f\u00fcr sie die Phase des Erwachsenenwerdens, der Ausbildung. Eine Zeit, in der man manches ausprobiert, manchmal \u00fcber die Str\u00e4nge schl\u00e4gt und das Leben langsam kennen lernt.<br \/>\nDie meisten von ihnen sind etliche Jahre sp\u00e4ter mit der Eheschlie\u00dfung in die Familienphase eingetreten. Haben ihre Kinder gro\u00dfgezogen, sich meistens mehr um ihren Nachwuchs als um sich selber k\u00fcmmern k\u00f6nnen.<br \/>\nEs kam die Zeit, in der die Kinder fl\u00fcgge wurden, das Haus verlie\u00dfen. Und damit begann f\u00fcr viele eine neue Phase: Die Phase der erneuten Zweisamkeit.<br \/>\nEine weitere Phase, die etliche von ihnen schon genie\u00dfen: Der so genannte Ruhestand, der meistens recht wenig mit Ruhe zu tun hat, sondern damit, dass man nicht mehr f\u00fcr seine Arbeit bezahlt wird.<\/p>\n<p>Man merkt: das Leben gleitet nicht einfach so gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber 50 beziehungsweise \u00fcber 60 Jahre hinweg. Sondern immer wieder kommen Ver\u00e4nderungen auf einen zu, die mehr als nur Belanglosigkeiten sind, sondern das ganze Leben betreffen. Jede dieser Phasen hat seine Besonderheiten, seine Chancen und Gefahren.<br \/>\n<span style=\"color: #33cc00;\"><i><b><br \/>\nGLAUBE IM WANDEL<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Ich habe mir \u00fcberlegt: kann es sein, dass nicht nur unsere Lebensumst\u00e4nde sich immer wieder wandeln, sondern dass auch unser Glaube mit diesen Lebensumst\u00e4nden sich immer wieder ver\u00e4ndert?<br \/>\nJetzt, mit etwa 65 Jahren, wird ihr Glaube anders aussehen, als zu der Zeit, als sie Konfirmanden und Konfirmandinnen waren.<\/p>\n<p>Vorhin, in der Lesung des Evangeliums hat Jesus zu Petrus gesagt: &#8222;Ich habe f\u00fcr dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re.&#8220; \u00dcber diesen Spruch hat im Jahr 1953 Pfarrer Himmler zur Konfirmation gepredigt.<br \/>\nIch habe das Gef\u00fchl, dieser Vers war f\u00fcr ihn nicht einfach ein Bibelspruch, sondern wahrscheinlich ein Herzens-Wunsch.<br \/>\n&#8222;Liebe Konfirmanden, euer Glaube wird sich sicher ver\u00e4ndern, aber wichtig ist , dass er nicht aufh\u00f6rt.&#8220;<\/p>\n<p>Gestern Abend waren sie im Gasthaus Schmidt zusammengesessen, haben sich ausgetauscht, voreinander geh\u00f6rt, und sicherlich auch erfahren, wie unterschiedlich das Leben von Menschen verlaufen kann. So unterschiedlich werden auch die Ver\u00e4nderungen gewesen sein, die ihren Glauben betreffen.<\/p>\n<p>Da gibt es Zeiten, in denen erscheint eine Glaube wichtig, als Grundlage des eigenen Lebens. Und vielleicht haben sie auch Phasen erlebt, in denen der Glaube eher unwichtig erschien, in denen sie das Gef\u00fchl hatten, andere Dinge sind grundlegend f\u00fcr mein Leben.<br \/>\nManchmal hatten sie vielleicht das Gef\u00fchl, mit Gott im Reinen zu sein. Da konnten sie gut sagen: Ich f\u00fchle mich wohl und geborgen&nbsp; in Gottes Hand. Man kann aber auch Zeiten erleben, in denen man in Glaubenssachen nur noch Fragezeichen sieht, in denen man seinem Gott nicht versteht. Das fragt man: Warum hast du das zugelassen? Oder: Wo ist deine Macht, ich sp\u00fcre sie nicht, wo ist sie denn?<br \/>\nPhasen gibt es, in denen ist mit der Glaube eine innere Kraftquelle, da hilft es mir zu beten und zu glauben. Uns gibt Zeiten, in denen passiert Glaube eher \u00e4u\u00dferlich; da sind wenig Gef\u00fchle dabei, auch wenn man weiterhin regelm\u00e4\u00dfig in die Kirche geht.<\/p>\n<p>Der Glaube wandelt sich, so wie das Leben &#8211; darf er das \u00fcberhaupt ???<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>BLICK AUF PETRUS<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Ein Blick auf den J\u00fcnger Petrus kann da vielleicht helfen. Mit dem Wort &#8222;Ich habe f\u00fcr dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re&#8220; r\u00fcckt Jesus ihn in unser Blickfeld. Und wenn wir ein paar Monate in Leben des Petrus weiter schauen, entdeckten wir, das anscheinend auch sein Glaube durchaus Wandlungen und Ver\u00e4nderungen erfahren hat.<br \/>\nPetrus war es, der Jesus dreimal verleugnet hat. \u00c4ngstlich hatte sich zur\u00fcckgezogen, als man ihn gefragt hat, ob er zu Jesus geh\u00f6rt.&nbsp; Glaubensm\u00e4\u00dfig war das ein absoluter Tiefschlag. Und trotz dieses Versagens hat Jesus ihn weiter zu seinen J\u00fcngern gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>\u00dcber Petrus k\u00f6nnen wir lesen, dass er nach Pfingsten als Anf\u00fchrer der J\u00fcnger beeindruckend gepredigt hat, ja sogar Wunder tun konnte, Menschen geheilt hat. Da hatte sein Glaube buchst\u00e4blich Oberwasser, da ging etwas vorw\u00e4rts, die Arbeit als Missionar fast wie von selbst.<\/p>\n<p>Dieser Petrus war es aber auch, der in seinem Glauben einmal radikal umdenken musste. Sein Leben lang hatte er den Kontakt mit nichtj\u00fcdischen Menschen peinlich genau vermieden &#8211; sie waren f\u00fcr ihn unrein. F\u00fcr ihn geh\u00f6rte das zu einem Leben, das Gott gef\u00e4llt. Gott selber war es, der durch ein kleines Wunder diesen Mann zur Einsicht bringen musste, andere Menschen nicht als &#8222;unreine&#8220; zu meiden und auszugrenzen. Und siehe da: Auch in dieser Hinsicht hat sich der Glaube des Petrus gewandelt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b><br \/>\nDABEIBLEIBEN DURCH DEN WANDEL HINDURCH<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>DassJesuswort &#8222;Ich habe f\u00fcr dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re&#8220; hat sich bei Petrus erf\u00fcllt: sein Glaube hat sich zwar ver\u00e4ndert, hat intensive Zeiten und Schw\u00e4chephasen erlebt, hat sich erweitert und auch korrigieren lassen &#8211; aber er hat niemals aufgeh\u00f6rt.<br \/>\nSein Glaube blieb am Leben durch unterschiedliche Lebenssituationen hindurch.<br \/>\nUnd wir wissen, dass Petrus als M\u00e4rtyrer gestorben ist, der Herzschlag eher aufh\u00f6rte als sein Glaube.<\/p>\n<p>Der Glaube, das Vertrauen und das Festhalten an Gott ist keine Pflicht\u00fcbung, die man deshalb erledigt, weil man es vor 50 oder 52 Jahren halt so versprochen hat. Vielmehr ist es eine Chance f\u00fcrs Leben, wenn ich einen Gott an meiner Seite habe, der es gut mit mir&nbsp; meint; der mich begleitet und versorgt, auch wenn die Verbindung zu diesem Gott, n\u00e4mlich mein Glaube, immer wieder Ver\u00e4nderungen unterworfen ist.<br \/>\nErst wenn diese Verbindung abrei\u00dft, verlieren wir damit auch ein gro\u00dfes St\u00fcck Halt unserem Leben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>DIE PFLANZE DES GLAUBENS<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Vielleicht kann man diesen Glauben auch mit einer Pflanze vergleichen.<\/p>\n<p>Bei unserm Garten ernten wir momentan die Johannisbeeren. Da wird mir deutlich, wie sich diese Pflanze, der Johannisbeerstrauch \u00fcbers Jahr ver\u00e4ndert. Aktuell h\u00e4ngt er voll mit leckeren Beeren, steht im Saft und Kraft, wirklich pr\u00e4chtig. Bald wird er einfach nur noch gr\u00fcn sein, sp\u00e4ter wird er seine Bl\u00e4tter verlieren und furchtbar kahl aussehen. Wenn im Winter mal wieder ein Eisregen kommt, und dann seine storzeligen \u00c4ste sich von der Last des Eises durchbiegen und brechen, dann bin ich in der Versuchung zu sagen: Im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr kommt das Ding weg, das hat doch keinen Sinn mehr. Wenn aber der Fr\u00fchling wiederkommt, sprie\u00dft das Gr\u00fcne, wachsen neue \u00c4ste, entsteht irgendwie ein neuer Strauch auch, auch wenn er eigentlich der gleiche ist.<\/p>\n<p>Es gibt Zeiten, da ist er mir wertvoll, der Johannisbeerstrauch, und manchmal scheint er mir eher Last als Nutzen zu sein. Der gr\u00f6\u00dfte Fehler, den ich machen k\u00f6nnte, w\u00e4re es, ihn auszurei\u00dfen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><b><i>GIESSEN UND D\u00dcNGEN <\/i><\/b><\/span><\/p>\n<p>Um meinen Johannisbeerenstrauch am Leben zu erhalten ist es gut, wenn ich ihn gie\u00dfe und d\u00fcnge.<\/p>\n<p>Kann man den Glauben auch gie\u00dfen und d\u00fcngen? &#8211; Nat\u00fcrlich, ich glaube, das ist sogar notwendig!<\/p>\n<p>Mit dem Gie\u00dfen bewahre ich meinen Glauben vor dem Vertrocknen. Ich sorge daf\u00fcr, dass er am Leben bleibt. (Eine Gie\u00dfkanne wird hervorgeholt)<br \/>\nIch pflege Gemeinschaft mit Christen, im Gottesdienst, oder in kleineren Kreisen. Ich halte Kontakt mit meinem Gott durch meine Gebete. Viel mehr ist nicht n\u00f6tig, um den Glauben vor dem Verdursten zu bewahren.<br \/>\nManchmal passiert es, dass man in l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen den Glauben nicht mehr gegossen hat. Weil man scheinbar Wichtigeres zu tun hatte, oder die Pflanze des Glaubens einfach aus dem Horizont verschwunden ist.<\/p>\n<p>Sie ist robust, diese Pflanze. Sie kann auch l\u00e4ngere Trockenperioden \u00fcberstehen. Aber sie ist kein Kaktus, der einmal zur Konfirmation gegossen, ein Leben lang durchh\u00e4lt.<br \/>\nIch finde es beeindruckend, mitzuerleben wenn Menschen anfangen, eine reichlich vertrocknete Glaubenspflanze wieder zu gie\u00dfen. Wenn sie nach langer Zeit wieder Gottesdienste besuchen, nach Gott fragen. Das Gr\u00fcn, das an diesen Pflanzen sprie\u00dft, hat in meinen Augen eine besonders fr\u00f6hliche Farbe.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n ist es, wenn die Pflanze unseres Glaubens lebt. Aber noch besser ist es, wenn sie auch Fr\u00fcchte bringt.<br \/>\nWenn sie f\u00fcr mein Leben etwas austr\u00e4gt, mir weiterhilft in meiner aktuellen Lebensphase.<br \/>\nDaf\u00fcr muss ich meine Pflanze d\u00fcngen. (Eine Flasche mit Fl\u00fcssigd\u00fcnger wird hervorgeholt)<br \/>\nDieser D\u00fcnger ist leider nicht im Lagerhaus der Raiffeisenbank erh\u00e4ltlich. Er entsteht dort, wo ich mit meinem Glauben Wagnisse eingehe.<br \/>\nZum Beispiel dann, wenn ich mir von Gott etwas erbitte. Wenn ich meine Hoffnung im Gebet zu ihm trage.<br \/>\nSie fragen vielleicht: &#8220; Wo ist da das Wagnis?&#8220; &#8211; Es besteht darin, dass ich es nicht in der Hand habe, ob Gott mir gibt, warum ich ihn bitte.<br \/>\nEs kann in Erf\u00fcllung gehen &#8211; dann tut es mir gut und st\u00e4rkt mein Vertrauen zu Gott.<br \/>\nEs kann aber auch ein unerf\u00fcllter Wunsch bleiben. Damit umzugehen muss ich als Christ auch lernen. Eine Herausforderung, an der mein Glaube wachsen kann.<br \/>\nIn beiden F\u00e4llen kann das D\u00fcnger f\u00fcr meine Pflanze sein.<\/p>\n<p>Am Pfingstmontag haben wir in Lipprichhausen einem besonderen Gottesdienst im Freien gefeiert. Und die Gemeindeglieder haben am Ende auf kleinen Zetteln ihre F\u00fcrbitten formuliert &#8211; haben aufgeschrieben, was sie sich von Gott erbitten. Einige dieser Zettel k\u00f6nnen Sie auf den kleinen St\u00e4nderw\u00e4nden neben dem Ausgang betrachten.<br \/>\nF\u00fcr mich ist das sch\u00f6n anzusehen: Zettel, die mir zeigen, dass Menschen sich von Gott wirklich etwas erwarten; dass der Glaube nicht ein vertrocknetes Etwas ist, sondern eine lebendige Pflanze, die Fr\u00fcchte des Vertrauens tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>SCHLUSS<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>&#8222;Ich habe f\u00fcr dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re.&#8220; &#8211; Dieser Wunsch unseres Herrn Jesus, den m\u00f6chte ich auch \u00fcber ihnen aussprechen, auch noch nach 50 Jahren.<br \/>\nDamit sie etwas haben von ihrem Glauben &#8211; Fr\u00fcchte des Vertrauens, Fr\u00fcchte der Gewissheit, dass Gott sie durch ihre Lebensphasen begleitet. Bis heute, und auch in Zukunft.<br \/>\nAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch habe f\u00fcr dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re.\u201c Dieses Wort von Jesus ist die Grundlage f\u00fcr den Blick darauf, wie D\u00fcngen und Gie\u00dfen unseren Glauben am Leben erh\u00e4lt. <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1640\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5198,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Den Glauben gie\u00dfen und d\u00fcngen (Lukas 22, 23) 29. 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