{"id":1637,"date":"2003-07-13T22:41:08","date_gmt":"2003-07-13T21:41:08","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1637"},"modified":"2021-10-11T12:01:48","modified_gmt":"2021-10-11T10:01:48","slug":"predigt-wenn-jemand-mass-anlegt-lukas-6-36-42-symbol-zollstock-13-juli-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1637","title":{"rendered":"Predigt: Wenn jemand Ma\u00df anlegt&#8230; (Lukas 6, 36-42 &#8211; Symbol Zollstock) 13. Juli 2003"},"content":{"rendered":"<p><i>Hinweis: Im letzten Teil der Predigt erscheint unerwartet ein Kollege (Pfr Stradtner) aus einem Nachbardorf, der sich in die Predigt einmischt.<\/i><\/p>\n<p>Predigttext Lk 6, 36-42:<br \/><i>36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.<br \/>37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.<br \/>38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedr\u00fccktes, ger\u00fctteltes und \u00fcberflie\u00dfendes Ma\u00df wird man in euren Scho\u00df geben; denn\u00a0 eben mit dem Ma\u00df, mit dem ihr me\u00dft, wird man euch wieder messen.<br \/>39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?<br \/>40 Der J\u00fcnger steht nicht \u00fcber dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.<br \/>41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?<br \/>42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, da\u00df du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!<\/i><!--more--><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>um Ma\u00dfst\u00e4be geht es in unserem Predigttext, den sie eben geh\u00f6rt haben. <i>(Zollstock in der Hand des Pfarrers)<\/i><\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><b>SPLITTER UND BALKEN<\/b><\/span><\/p>\n<p>Wir Menschen messen gerne&#8230; besonders gerne legen wir die Ma\u00dfst\u00e4be bei anderen an.<br \/>Offensichtlich war das vor 2000 Jahren ganz genauso. Jesus wirft es seinen Zuh\u00f6rern vor:<br \/>Den Splitter im Auge eures Bruders erkennt ihr sofort. Aber ihr \u00fcberseht ganz schnell, dass in eurem eigenen Auge ein ganzer Balken steckt.<\/p>\n<p>Den Splitter im Auge des andern zu sehen ist eigentlich keine Schande. So ein Splitter ist keine Lapalie! Der tut ja wirklich weh und st\u00f6rt. Wenn mir beim Auto oder Fahrrad fahren irgend etwas ins Auge fliegt, dann komme ich ganz schnell in Schwierigkeiten und verliere die Orientierung, denn blitzartig zieht sich mein Auge schmerzhaft zu und manchmal andere gleich mit.<br \/>Wie gut, wenn mir jemand hilft, diesen Splitter aus dem Auge herauszubekommen. Da bin ich dankbar daf\u00fcr, gar keine Frage.<\/p>\n<p>Auch im \u00fcbertragenen Sinn bin ich froh, wenn mir jemand liebevoll zu verstehen gibt: Du, ich m\u00f6chte dir mal etwas sagen. Dies oder jenes in deinem Handeln irritiert mich, dass finde ich nicht gut. Kann es sein, dass dir das selber noch da nicht aufgefallen ist?<br \/>So eine Kritik h\u00f6re ich nat\u00fcrlich nicht zur gerne wie ein Lob, aber eigentlich bin ich froh, wenn mich jemand auf etwas aufmerksam macht, was sich in meinem Leben vielleicht \u00fcberdenken sollte.<\/p>\n<p>Ganz anders sieht die Sache aus, wenn mir jemand von oben herab bescheinigt, was in meinem Leben nicht richtig zu sein scheint. Wenn ich das Gef\u00fchl habe, einen Oberlehrer in Lebensf\u00fchrung vor mir zu haben, der jetzt Noten verteilt und ungefragt Splitter aus meinen Augen ziehen will.<br \/>Da werde ich skeptisch, und frage mich, ob dieser Besserwisser vielleicht selber einen Riesenbalken im Auge hat.<br \/>Ehrlich gesagt: Selbst wenn diese Oberlehrer in diesem Fall Recht haben sollte: So einem Menschen w\u00fcrde ich dann auch nicht zugeben einen Fehler zu haben; soll der erst einmal seinen eigenen Balken finden.<\/p>\n<p>Viel wohler f\u00fchle ich mich da, wenn mich jemand geschwisterlich korrigiert. Einer der selber wei\u00df: In seinem Leben ist auch nicht alles perfekt. Aber einfach aus der Solidarit\u00e4t der fehlbaren Menschen heraus gibt er mir einen Hinweis, und hofft darauf, dass ihm auch jemand mal einen Tipp gibt, wie sein Leben besser gestalten kann.<\/p>\n<p>Eigentlich komisch: Beide Menschen, haben in meinem Leben Ma\u00df genommen und gemerkt, wo etwas nicht ganz stimmt. Aber bei dem einen bin ich froh dass er mir sagt, was nicht passt. Und am andern bin ich ver\u00e4rgert und verletzt.<br \/>Anscheinend ist nicht das Messen als solches das Problem, sondern die Frage, wie wir mit den Ma\u00dfstab umgehen!<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><b>DER MASSSTAB<\/b><\/span><\/p>\n<p>Schauen wir ihn doch einmal an &#8211; unseren Ma\u00dfstab. Mit einer Einteilung in Millimeter und Zentimeter kann ich su ziemlich alles nach L\u00e4nge, Breite und H\u00f6he messen.<br \/>Messen ist wichtig. Auch unser Leben k\u00f6nnen wir richtig gut messen. Ich kann mich erinnern, wie ich mich als kleiner Junge immer wieder am T\u00fcrstock gemessen habe: 1,42 Meter, 1,60, 1,70. &#8211; Ja, Wachstum kann man messen &#8230; und zwar nur, wenn man auch ein Ma\u00dfstab hat.<\/p>\n<p>Ohne Ma\u00dfstab kann ich das Messen vergessen. Ohne Ma\u00dfstab k\u00f6nnte man nicht genau nachvollziehen, ob der kleine Junge richtig w\u00e4chst &#8211; n\u00e4mlich in die L\u00e4nge und nicht zu sehr in die Breite. Der Ma\u00dfstab kann mir dabei helfen.<\/p>\n<p>In der Bibel kann ich Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr mein Leben entdecken.<br \/>a) Ganz konkrete Gebote, Leitlinien des Lebens. An ihnen kann ich messen, ob ich nach Gottes Willen handle oder dagegen versto\u00dfe. Mit ihnen kann ich nicht nur im nachhinein nachmessen, etwas gut oder schlecht war. Ich kann und sollte auch vorher Ma\u00df nehmen, pr\u00fcfen ob das, was sich vor habe, das Rechte ist.<br \/>b) Auch eine Form von Ma\u00dfstab ist es, wenn ich davon ausgehe, dass mein Leben ein Ziel hat. Dass es auf Gott zul\u00e4uft, dass ich nach dem Tod bei ihm ankommen werde. Bei Beerdigungen h\u00f6ren wir oft einen Vers aus dem 39. Psalm: &#8222;Herr, lehre doch mich, da\u00df es ein Ende mit mir haben mu\u00df, und mein Leben ein Ziel hat und ich davon mu\u00df.&#8220; Das Vertrauen auf diesen Gott kann so f\u00fcr mich zu einem wichtigen Ma\u00dfstab werden, in dem was sich tue.<\/p>\n<p><b><span style=\"color: #33cc00;\">SICHTBARES UND UNSICHTBARES<\/span><\/b><\/p>\n<p>Dieser h\u00f6lzerne Zollstock hilft mir, allerlei zu messen &#8211; aber viele Dinge kann er nicht messen.<br \/>Vieles im Leben ist unsichtbar und f\u00fcr uns Menschen nicht messbar. Wir messen allenthalben \u00c4u\u00dferlichkeiten. Und die sind das einzige, woran wir andere messen und beurteilen k\u00f6nnen. Und da m\u00fcssen wir aufpassen. Die Jahreslosung f\u00fcr 2003 erinnert uns immer wieder daran: &#8220; Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an&#8220;.<\/p>\n<p>Manchmal wissen wir nicht, was dahinter steckt, wenn einer anders handelt, als wir es uns w\u00fcnschen w\u00fcrden.<br \/>Wo wir nicht alles sehen, was in einem Menschen vorgeht, was ihn bewegt.<br \/>Vielleicht warnt Jesus aus diesem Grund:<br \/>&#8222;Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.\u00a0 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist sein Auftrag an uns:<br \/>&#8211; Wir sind nicht berufen, \u00fcber andere Menschen zur richten.<br \/>&#8211; Es ist nicht unsere Aufgabe, den anderen zu verdammen, ihn f\u00fcr unm\u00f6glich zu erkl\u00e4ren.<br \/>&#8211; Sondern wir sollen vergeben und barmherzig sein.<\/p>\n<p>Und zu dieser Barmherzigkeit kann es auch geh\u00f6ren, den anderen auf das aufmerksam zumachen, was mir auff\u00e4llt, damit er die M\u00f6glichkeit hat den Weg zu korrigieren.<br \/>Das ist keine einfache Aufgabe. Die Fettn\u00e4pfchen stehen schon bereit, in die man dabei treten kann &#8230; selbst wenn man es als Freund gut meint.<br \/>Wie sage ich meiner Nachbarin, dass sie im Umgang mit ihrer Schwiegertochter &#8211; meiner Ansicht nach &#8211; zu liebelos und verst\u00e4ndnislos umgeht?<br \/>Wie mache ich meinem Bruder deutlich, dass er mit seiner Sauferei dabei ist, sich selbst zu Grunde zur richten?<br \/>Wie mach ich meinem Freund klar, dass er so, wie er daheim in der Familie als Herrscher regiert,\u00a0 seiner Frau und den Kindern die Luft zum Atmen nimmt<\/p>\n<p>Daf\u00fcr braucht man viel Mut, viel Fingerspitzengef\u00fchl und auch Gottes Segen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><b>GOTT MISST NACH!<\/b><\/span><\/p>\n<p>Komisch, manchmal schere ich mich mehr um die Meinung der Leute, als um das Urteil Gottes \u00fcber mein Leben.<br \/>Eigentlich m\u00fcsste es doch genau umgekehrt sein. Denn er schaut noch viel genauer hin, er ist derjenige, der eben auch das Unsichtbare in meinem Leben sieht.<\/p>\n<p>Und er, der Herr, er misst nach! Er ist derjenige, der das kann, was uns nicht erlaubt ist:<br \/>Zu messen und zu urteilen; zu richten und zu verdammen.<br \/>Wo Gott uns Ma\u00dfst\u00e4be gibt, da kann nat\u00fcrlich auch daran gemessen werden, beurteilt und gerichtet.<\/p>\n<p>Wie in der Geschichte bei\u00a0 Daniel: W\u00e4hrend eines monstr\u00f6sen Festmahles in Haus des K\u00f6nigs Belsazzar erscheint pl\u00f6tzlich eine Schrift an der Wand: Das Menetekel &#8211; Und es bedeutete: &#8222;Ich habe dich gewogen und f\u00fcr zu leicht befunden&#8220;. Ein Verdammungsurteil \u00fcber das Leben dieses K\u00f6nigs.<br \/>Es gibt Handlungen, zu denen sagt Gott kategorisch: Nein.<\/p>\n<p>Ganz gerne blenden wir evangelische Pfarrer dieses Thema aus. Eine frohe Botschaft m\u00f6chten wir gerne verk\u00fcndigen; aber die Warnungen Gottes vor seinem Gericht \u00fcber unser Handeln &#8230; der sind wir von Natur aus eher etwas vorsichtig.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><b>DIALEKTIK: LIEBE UND GERECHTIGKEIT<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #cc6600;\">Pfr. Stradtner:<br \/>Moment mal! Wenn&#8217;s \u00fcber uns Kollegen geht, muss ich als Gn\u00f6tzheimer Pfarrer schon mal etwas dazu sagen!<br \/>Lieber Alexander, wir haben halt nun einmal ein &#8222;Evangelium&#8220; &#8211; Eine frohe Botschaft. Und darin ist die Rede von Gottes Barmherzigkeit; auch gegen\u00fcber uns S\u00fcndern! Genau das hast du doch vorhin am Anfang des Gottesdienstes so gesagt?\u00a0 &#8222;Gottes Auge blickt nicht allein auf unsere Werke, sondern auf unseren Glauben! &#8211; So ungef\u00e4hr war es doch?.<\/span><\/p>\n<p>Seidel<br \/>Ja, da hast du nat\u00fcrlich Recht.<br \/>Aber ich \u00fcberlege mir: Kann es \u00fcberhaupt eine Barmherzigkeit geben, wenn es nicht auch schon vorher Ma\u00dfst\u00e4be gibt &#8211; Ein Richtig und ein Falsch?<br \/>Wenn quasi alles beliebig ist, wenn Gott einfach alles irgendwie in Ordnung finden w\u00fcrde, dann w\u00e4re das doch nicht Barmherzigkeit. Das w\u00e4re vielleicht Beliebigkeit oder Interesselosigkeit.<br \/>Ein Gott, wir uns Gebote gibt, und dem dann letztlich doch alles wurst ist? Den kann ich in meiner Bibel so nicht finden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #cc6600;\">Pfr Stradtner:<br \/>Aber den strengen Richter, der streng nach seinen Geboten die Menschen aburteilt und verwirft, die finde ich aber auch nicht so einfach in meiner Bibel. Schau dir doch seine Beziehung zum Volk Israel an: Immer wieder werden sie ihm untreu, versto\u00dfen gegen seine Gebote. Und seine Reaktion ist aber kein Todesurteil, manchmal aber immerhin eine kernige Strafe. Letztlich aber rettet er sie immer wieder vor dem Untergang.<br \/>Gott verfolgt also nicht einfach gnadenlos irgendeine Gerechtigkeit, sondern zeigt seine Liebe in seinem Handeln.<\/span><\/p>\n<p>Seidel<br \/>Gerechtigkeit und Liebe in einem &#8230; ich finde es ist schwer, beides zusammenzudenken.<br \/>Obwohl: Eltern versuchen das ja eigentlich auch. Sie lieben ihre Kinder von ganzen Herzen und wollen ihnen alles erdenkenklich Gute tun. Zugleich aber wissen Sie auch, dass sie ihren Kindern klare Leitlinien f\u00fcr Leben mitgeben m\u00fcssen. Wenn sie alles erlauben und zu allem Ja und Amen sagen, werden\u00a0 die Eltern und auch die Kinder letztlich nicht gl\u00fccklich.<br \/>Trotz aller Liebe , oder besser gesagt wegen ihrer Liebe m\u00fcssen sie darum ringen, dass die Kinder Recht und Unrecht unterscheiden k\u00f6nnen &#8211; und selbst f\u00fcr die Gerechtigkeit einstehen.<\/p>\n<p>Ich glaube das ist enorm schwer. F\u00fcr uns V\u00e4ter ist es manchmal ein echtes Kreuz.<\/p>\n<p><span style=\"color: #cc6600;\">Pfr. Stradtner:<br \/>Genau! Das Kreuz ist der Schl\u00fcssel dazu. (Der Zollstock wird zu einem Kreuz zusammengeklappt)<br \/>Im Kreuz kommt beides zusammen:<br \/>Die Liebe Gottes zu uns, und sein Anspruch auf Gerechtigkeit.<br \/>Durch den Glauben an Jesus Christus spricht Gott uns als S\u00fcnder gerecht.<br \/>Das hei\u00dft: Er vergibt uns, auch wenn wir Fehler machen! <\/span><\/p>\n<p>Seidel:<br \/>&#8230; und zugleich h\u00e4lt er seinen Anspruch aufrecht: Er will auch weiterhin, dass wir dem rechten Weg gehen, seine Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr unser Leben beherzigen.<\/p>\n<p>Amen<!--more--><\/p>\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Im letzten Teil der Predigt erscheint unerwartet ein Kollege (Pfr Stradtner) aus einem Nachbardorf, der sich in die Predigt einmischt. Predigttext Lk 6, 36-42:36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. 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