{"id":1635,"date":"2003-07-27T22:36:54","date_gmt":"2003-07-27T21:36:54","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1635"},"modified":"2017-10-24T19:25:27","modified_gmt":"2017-10-24T18:25:27","slug":"predigt-abschiedsworte-im-paket-matthaeus-28-16-20-27-juli-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1635","title":{"rendered":"Predigt: Abschiedsworte im Paket (Matth\u00e4us 28, 16-20) 27. Juli 2003"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wenn es auf einen Abschied zu geht, dann werden wir Menschen manchmal besonders feierlich. Wir merken: Jetzt musst du die richtigen Worte treffen; was du jetzt nicht mehr los wirst, das bleibt ungesagt.<\/p>\n<p>Die Situation aus unserem heutigen Evangelium ist auch eine Abschieds-Szene. Jesus hat seine J\u00fcnger kurz nach seiner Auferstehung nach Galil\u00e4a geschickt. Sie tun das auch und gehen auf den Berg, von dem er gesprochen hatte. Und dort oben treffen sie ihm tats\u00e4chlich: Sie, die elf J\u00fcnger, ohne den Judas.<\/p>\n<p>Da stehen sie sich gegen\u00fcber: Jesus, der Auferstandene auf der einen Seite, die J\u00fcnger auf der anderen. Matth\u00e4us schreibt: Als sie in sahen, fielen sie vor nieder, einige aber zweifelten. Es hat sich also nicht sehr viel ver\u00e4ndert. Die Mannschaft der J\u00fcnger ist auch weiterhin keinen homogenes Team der christlichen Elite &#8211;\u00a0 viel eher ein gemischter Haufen mit unterschiedlich starken Glauben.<!--more--><\/p>\n<p>Ihnen allen gibt Jesus seine Worte mit auf den Weg. Allen &#8211; denen die zweifelten und denen, die unersch\u00fctterlich Jesus bekannten. Jedes einzelne Wort scheint sorgf\u00e4ltig \u00fcberlegt zu sein. Kurz und pr\u00e4gnant, ohne \u00fcberfl\u00fcssige Schn\u00f6rkel sagt Jesus, was jetzt f\u00fcr die J\u00fcnger dran ist:<\/p>\n<p><i><b>[16] Aber die elf J\u00fcnger gingen nach Galil\u00e4a auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. [17] Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. [18] Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. [19] Darum gehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes [20] und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.<\/b><\/i> (Mt 28, 16-20)<\/p>\n<p>Diese Abschiedworte im Matth\u00e4usevangelium haben es in sich. Mit den Inhalten k\u00f6nnte man locker zwei Monate lang die Predigten best\u00fccken. Aber ich m\u00f6chte es doch versuchen, jede Zeile dieser Abschiedsworte einmal in die Hand zu nehmen und ihnen einige Gedanken mitzugeben.<\/p>\n<p><b>&#8222;Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Auf dem ersten Blick scheint Jesus hier klar zu machen, wer der Chef ist: &#8222;Ich habe hier die Macht&#8220;.\u00a0 Das leuchtet mir auch ein: Er ist der Sohn Gottes, er sitzt zur Rechten des himmlischen Vaters. Er k\u00f6nnte eigentlich machen, was er will. &#8220; Alle Gewalt im Himmel und auf Erden&#8220;<br \/>\nEine Machtf\u00fclle, die einem schon Angst machen k\u00f6nnte.<br \/>\nUnd zugleich macht mich so eine Aussage auch stutzig: Wenn Jesus der absolute Herrscher und Machthaber ist, weshalb braucht er dann \u00fcberhaupt diese mittelm\u00e4\u00dfige Truppe von elf J\u00fcngern um seine Auftr\u00e4ge zu erledigen? Er selbst k\u00f6nnte das doch viel besser und zuverl\u00e4ssiger.<\/p>\n<p>Es liegt wohl daran, dass er seine Macht anders aus\u00fcbt, als wir das von Herrschern kennen. Sichtbar wird das an seinem gr\u00f6\u00dften Sieg &#8230; den Sieg \u00fcber den Tod. Seine Macht hat er nicht genutzt um Heerscharen von Engeln herbeizurufen, um ihn vom Kreuz zu holen. Vielmehr hat er seine Kraft verwendet, um den Tod tats\u00e4chlich gegen\u00fcberzutreten, zu sterben und wieder aufzuerstehen.<\/p>\n<p>Das war kein Akt der Machtaus\u00fcbung, sondern ein Akt der Liebe gegen\u00fcber uns Menschen.<\/p>\n<p>Jesus Christus herrscht nicht mit Gewalt und Unterdr\u00fcckung; er f\u00fchrt ein Regiment der Liebe.<br \/>\nUnd dieses Regiment der Liebe wird sich \u00fcber Himmel und Erde erstrecken, \u00fcber Stadt und Land.<br \/>\nSeine Kraft der Liebe kann uns \u00fcberall erreichen, uns begleiten und st\u00e4rken.<\/p>\n<p>&#8222;Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden&#8220;, dieser Satz ist die Ausgangsbasis f\u00fcr das, was nun kommen soll.<\/p>\n<p><b>&#8222;Geht hin und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Mit diesen Worten, dem Missionsbefehl, schickt er seine J\u00fcnger als Missionare hinaus. Sie gehen nach Jerusalem, nach Galil\u00e4a und Samaria, hinauf in den Norden, nach Damaskus, einige kommen auf ihrer Reise bis nach Rom.<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Missionsbefehl&#8220; klingt ein bisschen milit\u00e4risch wie &#8222;Marschbefehl&#8220;.<br \/>\nAber eigentlich ist es nur logisch, dass die J\u00fcnger ausschw\u00e4rmen und vom Glauben an Jesus Christus weitererz\u00e4hlen. Das, was die erlebt haben, was ihr Leben lebenswert und wertvoll gemacht hat, davon sollen auch andere Menschen etwas haben. Der Sieg \u00fcber den Tod muss auch den anderen zuteil werden. So etwas Wunderbares darf man einfach nicht f\u00fcr sich behalten.<br \/>\nWer so etwas Gro\u00dfes geschenkt bekommt, hat auch die Pflicht, davon weiter zu geben.<br \/>\nSie erz\u00e4hlen es weiter an ihre Familien, ihre Freunde, Nachbarn &#8230; durch das ganze Land ziehen sie mit ihrer Botschaft.<\/p>\n<p>Bei ihrer Mission \u00fcberschreiten sie immer auch Grenzen: Zum Beispiel die Grenze des Judentums hin zum Heidentum. Dank dieser Grenz\u00fcberschreitung sind wir in Mitteleuropa \u00fcberhaupt erst zum Christentum gekommen. H\u00e4tten sich damals die J\u00fcnger nicht zu den Heiden getraut, w\u00e4re ihr Glaube eine Sonderform des Judentus in Israel geblieben.<br \/>\nMission geh\u00f6rt einfach dazu.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kennen wir auch die Schattenseiten. F\u00fcr viele Menschen ist der Begriff Mission zu einem Schimpfwort geworden. Sie denken dabei an die gewaltsame Christianisierung von V\u00f6lkern, bei der es oft nicht vorrangig um Verbreitung des Glaubens ging, sondern um einen kulturellen Sieg, und politische, wirtschaftliche und manchmal auch kirchliche Interessen.<\/p>\n<p>Aber darf der Missbrauch einer guten und wichtigen Sache wie der Mission dazu f\u00fchren, dass sie pl\u00f6tzlich nicht mehr salonf\u00e4hig ist? &#8211; Das kann es ja nun wirklich nicht sein.<\/p>\n<p>Mission ist Auftrag von uns Christen. Und da m\u00f6chte ich nicht nur an ferne L\u00e4nder denken. Glaube will auch daheim weitergegeben werden:<\/p>\n<p>&#8211; Wenn wir als Eltern nichts von unserem Glauben weitergeben, unseren Kindern nicht durch unser allt\u00e4gliches Leben zeigen, dass der Glaube einen Wert f\u00fcrs Leben hat, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn sie uns in sp\u00e4teren Jahren sagen: &#8222;Mit Jesus und Gott kann ich einfach nichts anfangen&#8220;.<br \/>\n&#8211; Und wo ich im Freundeskreis oder bei den Arbeitskollegen ein Geheimnis daraus mache, das ich \u00f6fter einmal in die Kirche gehe, da bin ich alles m\u00f6gliche, aber kein Missionar.<br \/>\n= Wir Christen sind der Brief Gottes an die Welt. Und wir werden gelesen, auch ohne dass wir dabei den Mund aufmachen. Unser Leben kann viel verraten, oder eben auch verschweigen.<\/p>\n<p><b><br \/>\n&#8220; Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Die Taufe geh\u00f6rt zum Christsein dazu. Zur Zeit der ersten Christen machte man durch die Taufe deutlich: Ich will zu dieser christlichen Gemeinde und zu diesem Gott dazugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Mit der Taufe begann ein neues Leben. Von da an geh\u00f6rte man dazu, zur Gemeinde der Christen, die f\u00fcr sich wusste: Durch Jesus Christus gewinnt unser Leben eine neue Perspektive, f\u00fcr die Gegenwart und f\u00fcrs Leben nach den Tod.<\/p>\n<p>Wie taufen nun schon seit Jahrhunderten die Kinder. Damit nehmen wir sie sozusagen bei der Hand mit hinein in die Gemeinde der Christen. &#8211; Ohne dass sie erst einmal ja oder nein dazu sagen k\u00f6nnen.<br \/>\nDas ist nicht unproblematisch. Und es gibt Stimmen, die mit guten Argumenten daf\u00fcr pl\u00e4dieren, dass wir nicht die Kinder, sondern erst die Erwachsenen taufen, die sich frei entscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heute morgen werden wir dieses Problem nicht l\u00f6sen. Aber wenn ich diesen Missionsbefehl auch als Auftrag f\u00fcr Eltern ansehe, geht mir ein neues Licht auf:<\/p>\n<p>Da wird mir n\u00e4mlich aufgetragen: Tut das eure dazu, das eure Kinder zu J\u00fcngern werden, tauft sie und lehrt sie halten alles was Christus euch befohlen hat. Da kann die Taufe der kleinen Kindern durchaus einen Platz haben.<\/p>\n<p><b>&#8222;Und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Jesu Gebote halten. Dieser Auftrag hat innerhalb unserer evangelischen Kirche wohl unterschiedlichste Formen angenommen.<br \/>\n&#8211; Da gibt es die einen, die sehr genau wissen, was f\u00fcr Christen erlaubt und verboten ist. Manche m\u00f6chten mir sogar vorschreiben, welche Art von Musik ich als Christ h\u00f6ren darf, und ob ich lange oder kurze Haare tragen muss. Das eine ist christlich, und das andere ist verwerflich und weltlich.<br \/>\n&#8211; Und gibt es auch die anderen, die sagen mir: &#8222;Ich bin doch evangelisch, da ist doch alles erlaubt, oder?\u00a0 Sonst k\u00f6nnten wir gleich katholisch werden.&#8220;<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher: Beide Meinungen liegen deutlich neben dem, was Jesus eigentlich in der Bibel lehrt. Allein in der Bergpredigt hat er uns ausreichend viele Regeln f\u00fcr unser Leben mitgegeben. Wenn wir sie beherzigen, haben wir sicher gen\u00fcgend zu tun und m\u00fcssen uns nicht \u00fcber Haarl\u00e4ngen oder Musikstile streiten.<br \/>\nWenn wir aber glauben, alles sei erlaubt, weil Martin Luther irgendwie alle Gebote abgeschafft h\u00e4tte, dann haben wir weder Luther noch Jesus Christus wirklich verstanden. Sicherlich haben wir evangelische einen etwas andern Zugang zu Gottes Geboten als unsere katholischen Glaubensgenossen.<br \/>\nAber dass die Gebote f\u00fcr uns gelten, steht in beiden Konfessionen absolut au\u00dfer Frage.<\/p>\n<p>Nur habe ich die Bef\u00fcrchtung:\u00a0 Wir evangelische sind h\u00e4ufig sehr sehr kompromissbereit. Auch im Gegen\u00fcber zu\u00a0 kompromisslosen Verfechtern einer Lebenshaltung, die sagt: &#8222;Ich darf eigentlich alles machen, solange ich Lust dazu habe&#8220;.\u00a0 Und mit solchen Kompromissen &#8211; oft im Zeichen der Liebe &#8211; man\u00f6vrieren wir uns Zug um Zug dahin, dass wir unser eigenes christliches Profil aufgeben.<\/p>\n<p>Und da macht uns Jesus einen deutlichen Strich durch die Rechnung: &#8222;Und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe!&#8220;<\/p>\n<p><b>&#8220; Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Dieser letzte Satz bindet alles noch einmal zusammen. Er erscheint mir wie eine Schnur um dieses B\u00fcndel von Aussagen in Jesu Abschiedsworten, die die J\u00fcnger auf diesem Berg geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>&#8211; Ich habe alle Macht hat er gesagt &#8230;\u00a0 und die J\u00fcnger sind zusammengezuckt<br \/>\n&#8211; Macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker &#8230; und elf M\u00e4nnern die sich noch nie weiter als 80 Kilometer von Jerusalem entfernt hatten, wurde schwindlig<br \/>\n&#8211; Tauft sie auf den Namen des dreieinigen Gottes &#8230;\u00a0 und mancher bekam Bauchschmerzen, bei der \u00dcberlegung wie man so eine wachsende Gemeinde \u00fcberschauen k\u00f6nnte<br \/>\n&#8211; Lehrt sie halten alles,\u00a0 was ich euch befohlen habe &#8230; da wurden sie auf einmal\u00a0 stumm und erkannten ihre eigenen Schw\u00e4chen<\/p>\n<p>&#8211; Siehe, ich bin gleich alle Tage, bis ans Ende der Welt &#8230;\u00a0 da atmeten sie auf, weil sie wussten: Wir sind nicht allein mit unserem Auftrag. Jesus selbst wird uns begleiten, st\u00e4rken und korrigieren. Bis wir am Ziel unseres Lebens angelangt sind, in Gottes neuer Welt.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wenn es auf einen Abschied zu geht, dann werden wir Menschen manchmal besonders feierlich. Wir merken: Jetzt musst du die richtigen Worte treffen; was du jetzt nicht mehr los wirst, das bleibt ungesagt. Die Situation aus unserem heutigen Evangelium ist auch eine Abschieds-Szene. Jesus hat seine J\u00fcnger kurz\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1635\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Abschiedsworte im Paket (Matth\u00e4us 28, 16-20) 27. 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