{"id":1625,"date":"2003-11-16T22:16:11","date_gmt":"2003-11-16T21:16:11","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1625"},"modified":"2017-10-24T19:20:25","modified_gmt":"2017-10-24T18:20:25","slug":"predigt-mit-sechs-handgriffen-in-den-himmel-matthaeus-25-31-46-16-november-2003-gollhofen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1625","title":{"rendered":"Predigt: Mit sechs Handgriffen in den Himmel? (Matth\u00e4us 25, 31-46) 16. November 2003 &#8211; Gollhofen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn aber\u00a0 der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann\u00a0 wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,<br \/>\n32 und\u00a0 alle V\u00f6lker werden vor ihm versammelt werden. Und\u00a0 er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den B\u00f6cken scheidet,<br \/>\n33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die B\u00f6cke zur Linken.<br \/>\n34 Da wird dann der K\u00f6nig sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!<br \/>\n35\u00a0 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.<br \/>\n36 Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gef\u00e4ngnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.<br \/>\n37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?<br \/>\n38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?<br \/>\n39 Wann haben wir dich krank oder im Gef\u00e4ngnis gesehen und sind zu dir gekommen?<!--more--><\/p>\n<p>40 Und der K\u00f6nig wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch:\u00a0 Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan.<br \/>\n41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das\u00a0 ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!<br \/>\n42 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.<br \/>\n43 Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gef\u00e4ngnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.<br \/>\n44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gef\u00e4ngnis und haben dir nicht gedient?<br \/>\n45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.<br \/>\n46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben. (Mt 25, 31-46)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p><i><b>&#8211; Mt 25 als Patentrezept? &#8211; <\/b><\/i><\/p>\n<p>In meinem Briefkasten liegen immer wieder allerlei seltsame Werbeprospekte:<br \/>\nDer eine m\u00f6chte mir ein Buch verkaufen, in dem 1000 ganz legale Steuertricks stehen.<br \/>\nDer andere verspricht mir 50 Tips f\u00fcr mehr Erfolg bei den Frauen.<br \/>\nUnd noch einer machts ganz kurz: In zehn Schritten zum Million\u00e4r!<br \/>\nUnser Predigttext schaffts noch k\u00fcrzer: Mit sechs Handgriffen in den Himmel.<\/p>\n<p>Am Montag wird ein Hungriger gespeist.<br \/>\nAm Dienstag bekommt ein Durstiger etwas zu trinken.<br \/>\nAm Mittwoch lasse ich einen Fremden auf meinem Sofa \u00fcbernachten.<br \/>\nAm Donnerstag bekommt die Altkleidersammlung einen Pullover f\u00fcr das nackte Negerkind.<br \/>\nAm Freitag schau ich kurz im Krankenhaus vorbei und besuche meinen Nachbarn<br \/>\nUnd am Samstag zappe ich zur SAT1-Serie &#8222;hinter Gittern&#8220;, und absolvierte damit meinen Besuch im Gef\u00e4ngnis.<br \/>\nGuten Mutes kann ich dann am Sonntag meinem Gott sagen: Ich habe alles getan, was im Predigttext bei Matth\u00e4us verlangt ist.<br \/>\nHiermit beantrage ich den Stammplatz im Himmel.<\/p>\n<p>So einfach w\u00e4re es doch wunderbar. Mit sechs sozialen Kleinigkeiten w\u00e4re die Frage mit Himmel und H\u00f6lle, w\u00e4re die ganze Unsicherheit, ob mein Leben vor Gott Bestand hat, elegant gel\u00f6st.<br \/>\nIch merke: So eine Theorie hat sehr viel sch\u00f6nes und beruhigendes an sich.<br \/>\nDummerweise hat sie einen Makel: Sie stimmt und vorne nicht.<\/p>\n<p><i><b>&#8211; Der ent-scheidende Punkt &#8211;\u00a0<\/b><\/i><\/p>\n<p>Werfen wir einen Blick auf diese Szene, die Jesus hier erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p>Da kommen die V\u00f6lker zum Gericht. Alle wissen: Jetzt ist die Stunde der Wahrheit. Und so mancher wird sich \u00fcberlegt haben, was er vor dem Richterstuhl vortragen k\u00f6nnte. Vielleicht hat der Eine oder Andere auch schon ein kurzes anwaltliches Pl\u00e4doyer in der Hosentasche.<br \/>\nAber dann kommt es anders: In dieser Erz\u00e4hlung Jesu gibt es keine Anh\u00f6rung in der ausf\u00fchrlich das F\u00fcr und Wider, die guten und schlechten Taten, die Spenden, die Opfer oder der Gottesdienstbesuch gez\u00e4hlt wird.<br \/>\nVielmehr wird einfach zwischen zwei Gruppen geschieden: Die einen zur Rechten, die anderen zur Linken. Und der Weltenrichter, der Menschensohn, blickt in fragende Gesichter: Warum sind gerade wir auf dieser Seite gelandet und nicht auf der anderen? Wir h\u00e4tten doch gerne auch ein W\u00f6rtchen mitgeredet!<\/p>\n<p>Die Antwort des Weltenrichters ist eine scheinbar banale: \u201eIch bin euch einmal begegnet &#8211; In Form der Hungrigen, der Durstigen, Fremden, Nackten, Kranken und Gefangenen. So habe ich euch besucht. Und entsprechend eures Verhaltens habe ich euch jetzt auseinander sortiert.&#8220;<br \/>\nSo einfach geht&#8217;s!<\/p>\n<p>Geht es wirklich so einfach? Ist unser Evangelium von heute wirklich die Anleitung: \u201eMit sechs Handgriffen in den Himmel?&#8220;<\/p>\n<p>Ich glaube nicht: Der springende Punkt liegt in dem kleinen S\u00e4tzchen derer, die gerettet werden: &#8222;Wann haben wir dich denn hungrig gesehen und dir zu essen gegeben?&#8230;&#8220; Ja: Sie haben es da nicht gemerkt! Die Geretteten hatten keine Liste mit den sechs Handgriffen um den den Himmel zu kommen. Sie haben einfach ihr Leben so gef\u00fchrt, wie sie es als Christen als richtig und sinnvoll erachtet haben. Und darum unter anderem eben auch Hungernde gespeist, Kranke besucht und Fremde aufgenommen.<br \/>\nDie Schl\u00fcsselfrage in diesem Gericht hatte keiner vorher auch nur erahnt!<\/p>\n<p><i><b>-Worauf kommts an: Mein Tun oder mein Glaube ? &#8211; <\/b><\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwonach hat der Richter entschieden? Ich m\u00f6chte behaupten: Es ist nicht das allgemeine soziale Handeln gewesen. Sondern es war das Verh\u00e4ltnis zu Jesus Christus. Denn er sagt in seinem Urteilspruch: \u201eMIR habt ihr gegeben, MICH habt ihr besucht. Nicht Hinz und Kunz, sondern MICH selbst habt ihr durch euer Verhalten versorgt . Und das ist dadurch geschehen, dass ihr den Hilfsbed\u00fcrftigen zur Seite gesprungen seid.&#8220;<br \/>\nOffensichtlich kann ich die Liebe zu Jesus Christus und die Liebe zu den andern Menschen nicht trennen. Ich kann nicht zu Jesus sagen: &#8222;Komm Herr Jesus, sei du unser Gast&#8220; und zugleich einen Hungernden eine Mahlzeit verwehren. Denn damit h\u00e4tte ich diesen Herrn Jesus eben wieder ausgeladen.<br \/>\nMein Verh\u00e4ltnis zu Jesus und mein Verhalten gegen\u00fcber den Menschen geh\u00f6ren zusammen. Das wird hier ganz deutlich.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte es auch so formulieren: Mein Handeln ist immer Ausdruck meiner inneren Einstellung. Darum ist mein christliches, den den N\u00e4chsten liebendes Handeln auch Ausdruck meines christlichen Glaubens. Plakativ gesagt: Wo Glaube drin steckt, kommt N\u00e4chstenliebe heraus.<\/p>\n<p>Und darum muss ich als lutherischer Theologe auch vor dieser Geschichte keine Angst haben: Denn oft gr\u00fcbeln wir nach, ob in dieser Geschichte vielleicht doch nur das soziale Handeln der Menschen beurteilt wird, und der Glaube pl\u00f6tzlich gar nicht gefragt ist. Nein &#8211; der Glaube spielt eine zentrale Rolle in dem Handeln der Menschen vor dem Richter:<br \/>\nWo der Glaube an Jesus Christus die Menschen dazu angetrieben hat, sich um die andern zu k\u00fcmmern, da war auch klar, wohin ihr Weg in diesem Gericht sie f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Unseren wichtigen &#8211; lutherischen &#8211; Glaubenssatz d\u00fcrfen wir auch 14 Tage nach dem Reformationstag festhalten: Vor Gott werden wir zu allererst nicht wegen unsere guten Werke, sondern aus unserem Glauben an Jesus Christus heraus gerecht gesprochen.<\/p>\n<p><b><i>\u00a0&#8211; Aber aber aber ! &#8211;\u00a0 <\/i><\/b><\/p>\n<p>Aber: Ich m\u00f6chte dieser biblischen Geschichte nicht den gewissen Pfiff nehmen, den sie ohne Zweifel hat: Mehr als viele andere stupst sie mich mit meiner Nase auf mein Verhalten.\u00a0 Sie regt mich an, \u00fcber mein Leben und meinen Umgang mit anderen Menschen nachzudenken, gerade vor dem Hintergrund des Glaubens, der doch mein Leben pr\u00e4gen soll.<br \/>\nSo k\u00f6nnen diese sechs Handlungen durchaus ein Spiegel sein, in dem ich nachsehen kann, ob\u00a0 mein Glaube sich denn auch noch angemessen nach au\u00dfen sichtbar macht und sp\u00fcrbar wird.<\/p>\n<p>Wie ist das mit den Hungrigen und Durstigen?<br \/>\nNehme ich sie noch wahr? Oder bin ich schon abgestumpft gegen\u00fcber der Not und dem Leid in vielen L\u00e4ndern unserer Welt. Lassen mich die Berichte \u00fcber das Elend mancher Menschen schon richtig kalt? Ist es vielleicht doch allzu abgebr\u00fcht, wenn ich manche Spendenbriefe gar nicht erst aufmache, weil ich wei\u00df, das mich darin Bilder von hungernden Kindern ansehen werden?<\/p>\n<p>Wie ist das mit dem Fremden?<br \/>\nBin ich noch bereit, auf Menschen zuzugehen, die mir fremd sind? Weil sie aus anderen L\u00e4ndern kommen, eine andere Sprache haben oder eine andere Lebenseinstellung besitzen als ich. Sind sie dennoch willkommen, oder lasse ich sie links liegen, weil ich mir selbst genug bin und meine die anderen nicht zu brauchen?<\/p>\n<p>Wie ist das mit den Nackten?<br \/>\nWenn da einer im Gespr\u00e4ch auf der Stra\u00dfe f\u00f6rmlich ausgezogen wird, weil man \u00fcber ihn herzieht. Weil er gar nicht dabei steht und nicht wei\u00df, was da \u00fcber ihn verbreitet wird, ist er ja v\u00f6llig nackt und wehrlos in dieser Situation. Wie oft bin ich bereit, in so einem Gespr\u00e4ch den Mantel der Barmherzigkeit zu ergreifen indem ich den L\u00e4sterern Paroli biete.<\/p>\n<p>Wie ist das mit den Gefangenen?<br \/>\nBringe ich die Energie auf, auf Menschen zuzugehen, die in ihren Problemen gefangen sind, die nicht von selbst auf mich zugehen k\u00f6nnen, sondern wo ich mich m\u00fchsam zu ihnen hindurcharbeiten muss. Bin ich geduldig, bis ich vorgelassen werde &#8211; oder sage ich vorschnell: Dann eben nicht &#8230; dann musst du halt selber schauen wie du zurechtkommst.<br \/>\nWie ist das mit den Kranken?<br \/>\nHabe ich noch das Gesp\u00fcr, zu entdecken, wo Menschen die sonst so stark und selbstst\u00e4ndig sind, doch pl\u00f6tzlich meine Hilfe oder ein Gespr\u00e4ch mit mir brauchen? Stehe ich da zur Verf\u00fcgung? Bringe ich den Mut auf, da ganz viel Energie f\u00fcr einen anderen Menschen zu verwenden. Energie und Zeit, ich auch gut f\u00fcr mich selbst gebrauchen k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>Manchmal ist mein Handeln eben auch ein Spiegel meines Innersten. Darauf sto\u00dfen mich diese Fragen ganz deutlich.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie es genau aussehen wird, wenn der Christus als Weltenrichter sein Urteil f\u00e4llen wird. Vielleicht wird er auch Fragen stellen, auf die wir gar nicht gefasst sind.<br \/>\nAber aus meiner Bibel ziehe ich die Gewissheit: Wenn ich als Christ mein Leben im Glauben f\u00fchre, im Vertrauen auf Jesus Christus, dann brauche ich vor dem Gericht eigentlich keine Angst haben: Wo ich aus dem Glauben heraus handle, da ist es eigentlich Jesus selbst, der mein Handeln bestimmt. Da kann es doch eigentlich keine b\u00f6sen \u00dcberraschungen geben.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn aber\u00a0 der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann\u00a0 wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, 32 und\u00a0 alle V\u00f6lker werden vor ihm versammelt werden. 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