{"id":1623,"date":"2003-11-30T22:11:00","date_gmt":"2003-11-30T21:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1623"},"modified":"2021-12-06T10:09:37","modified_gmt":"2021-12-06T09:09:37","slug":"predigt-oh-heiland-reiss-die-himmel-auf-liedpredigt-zu-eg-7-30-november-2003-1-advent-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1623","title":{"rendered":"Predigt: Oh Heiland rei\u00df die Himmel auf (Liedpredigt zu EG 7) 30. November 2003, 1. Advent 2003"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile has-very-light-gray-to-cyan-bluish-gray-gradient-background has-background\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"880\" height=\"587\" data-attachment-id=\"4907\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=4907\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?fit=2560%2C1707&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1707\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;3.2&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;DMC-TZ101&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1551794440&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;11.3&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;125&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.001&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"P1070399\" data-image-description=\"&lt;p&gt;(c) Doris Seidel&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?fit=880%2C587&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399.jpg?resize=880%2C587&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-4907 size-full\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?resize=1536%2C1024&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?resize=2048%2C1365&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?resize=400%2C267&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?resize=150%2C100&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/P1070399-scaled.jpg?w=1760&amp;ssl=1 1760w\" sizes=\"auto, (max-width: 880px) 100vw, 880px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-large-font-size\">Lied EG 7<\/p>\n\n\n\n<p>Liedpredigt zu &#8222;Oh Heiland rei\u00df die Himmel auf&#8220; von Friedrich Spee. Der Text verbindet sich mit <strong>Jes 63, 15 &#8211; 64, 3<\/strong>. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n<p>Liebe Gemeinde<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise verbinden wir Lieder mit Personen. Bei \u201e\u00fcber den Wolken&#8220; f\u00e4llt mir Reinhard Mey ein, bei \u201eaber bitte mit Sahne&#8220; wei\u00df ich, dass es Udo J\u00fcrgens gesungen hat; und wenn mir jemand \u201ewind of Change&#8220; vorspielt, wei\u00df ich, dass es von den Scorpions ist und kann auch damit verbinden, dass das Lied angesichts der Umw\u00e4lzungen in der Sowjetunion hin zu Demokratie und Offenheit verfasst wurde.<br \/>Beeindruckende Lieder haben oft ein Ereignis im Hintergrund, oder sie spiegeln ihre damalige Zeit wieder.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit ihnen heute ein Adventslied aus dem Gesangbuch n\u00e4her ansehen: \u201eO Heiland rei\u00df die Himmel auf.&#8220; Friedrich Spee hat es verfasst. Wer war dieser Friedrich Spee?<br \/>Er lebte vor \u00fcber 400 Jahren. War Sohn eines adligen Amtmannes in Kaiserswerth bei D\u00fcsseldorf. Im Alter von 19 Jahres entschied er sich f\u00fcr das Leben als katholischer M\u00f6nch, trat 1610 als Novize beim Jesuitenorden in Trier ein. Er studierte, lebte dabei eine kurze Zeit auch in unserer N\u00e4he &#8211; in W\u00fcrzburg. Er wurde zum Priester geweiht, und war sp\u00e4ter als Seelsorger und Theologieprofessor in Paderborn, K\u00f6ln und Trier t\u00e4tig. <!--more--><\/p>\n<p>An sich klingt dieses Leben wenig spektakul\u00e4r. Wenn da nicht ein Wahn durch Deutschland gezogen w\u00e4re, der tausende von Frauen das Leben gekostet hat: Die Hexenverfolgung. Ein dunkles Kapitel deutscher Kirchengeschichte. Und in dieser Zeit war Friedrich Spee als Sonderseelsorger f\u00fcr genau diese Frauen eingesetzt. Er sollte die zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilten Frauen auf ihrem letzten Weg begleiten, sie auf ihr grausames Sterben vorbereiten.<br \/>Er bekommt Einsichten in die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten dieses Irrsinns und ver\u00f6ffentlicht schlie\u00dflich anonym ein Buch, in dem er die Methoden und den Sinn der Hexenverfolgungen kritisiert. Sein Hauptpunkt: Das, was \u00fcber den Frauen dort gef\u00e4llt wird, sind keine \u201eGottesurteile&#8220; sondern menschlicher Irrtum. Denn ihre Gest\u00e4ndnisse sind zu allermeist unter grausamer Folter erzwungen. Er erkennt, hier nutzen M\u00e4nnner ihre Macht \u00fcber Leben und Tod skrupellos aus &#8211; und tun dies auch noch angeblich im Auftrag Gottes.<\/p>\n<p>Friedrich Spee hat in grausige Abgr\u00fcnde gesehen, und das schl\u00e4gt sich auch in seinen Liedern nieder.<br \/>\u201eOh Heiland rei\u00df die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf&#8220; , gerade vor solchen Erlebnissen erscheint mir der Ruf in einem neuen Licht. Herr komm, und halte selber die Menschen auf, die wie Wahnsinnige sich selbst das Leben zur H\u00f6lle machen.<\/p>\n<p>Singen wir die ersten drei Verse.<br \/><b><i><br \/>1. O Heiland, rei\u00df die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf,<br \/>rei\u00df ab vom Himmel Tor und T\u00fcr, rei\u00df ab, wo Schlo\u00df und Riegel f\u00fcr.<br \/>2. O Gott, ein&#8216; Tau vom Himmel gie\u00df, im Tau herab, o Heiland, flie\u00df.<br \/>Ihr Wolken, brecht und regnet aus den K\u00f6nig \u00fcber Jakobs Haus.<br \/>3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, da\u00df Berg und Tal gr\u00fcn alles werd.<br \/>O Erd, herf\u00fcr dies Bl\u00fcmlein bring, o Heiland, aus der Erden spring.<\/i><\/b><\/p>\n<p>O Heiland, rei\u00df die Himmel auf, &#8211; Es ist urspr\u00fcnglich ein Schrei, der uns aus dem Alten Testament her\u00fcberschallt. Der Prophet Jesaja klagt angesichts des Elends seines Volks und angesichts der Tatsache, dass viele nicht nach Gott fragen: Ach da\u00df du den Himmel zerrissest und f\u00fchrest herab, da\u00df die Berge vor dir zerfl\u00f6ssen, wie Feuer Reisig entz\u00fcndet und wie Feuer Wasser sieden macht, da\u00df dein Name kundw\u00fcrde unter deinen Feinden und die V\u00f6lker vor dir zittern m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>Diesen einen Wunsch haben Jesaja vor 2500 Jahren, Friedrich Spee vor 400 Jahren und viele Christen heute gemein:<br \/>\u201eGott, komm einmal herunter! Mach deine Himmelst\u00fcre auf und schau dir unsere Welt ganz genau an. Aber komm bitte nicht wieder versteckt in Menschengestalt, so dass dich keiner erkennt. Komme als der, der du bist: Komm als Gott in unsere Welt, dass die Menschen dich sehen und erkennen, wie gro\u00df und m\u00e4chtig du bist. Der Mund soll den Sp\u00f6ttern offen stehen bleiben, dem M\u00f6rder soll das Messer aus der Hand fallen, und der Regen soll das Feuer des Scheiterhaufens ausl\u00f6schen. Wenn du kommst wird sich die Welt ver\u00e4ndern. Komm, und schaffe Recht auf unserem Planeten.&#8220;<\/p>\n<p>So w\u00fcrde ich es heute formulieren.<br \/>Es gibt vieles, da stehe ich machtlos daneben, kann dem Unrecht, dem Egoismus und der Gottlosigkeit nicht Einhalt gebieten. Da habe ich das Gef\u00fchl: Gott, da kannst nur noch du helfen. Durch deine gewaltige Macht. Dadurch, dass du Menschen ins Gewissen redest, oder indem du still und leise ein Wunder geschehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Diesen Wunsch, diese Hoffnung, habe ich immer wieder mal &#8211; und spreche das auch vor meinem Gott aus. Manchmal mit verzagten Herzen eher als Klage mit nur geringer Hoffnung erh\u00f6rt zu werden. Immer wieder aber auch mit so einer inneren Gewissheit: Ich habe doch einen gro\u00dfen Gott, der schon vieles ver\u00e4ndert hat. Und auch diesmal hoffe ich, dass Gott hilft &#8230; dass die T\u00fcren, die ihn aufhalten m\u00f6chten samt Schloss aus den Angeln gerissen werden &#8211; wenn er kommt.<\/p>\n<p>Singen wir die Verse 4+5<br \/><i><b>4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt?<br \/>O komm, ach komm vom h\u00f6chsten Saal, komm, tr\u00f6st uns hier im Jammertal.<br \/>5. O klare Sonn, du sch\u00f6ner Stern, dich wollten wir anschauen gern;<br \/>o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.<\/b><\/i><\/p>\n<p>\u201eRei\u00df ab vom Himmel Tor und T\u00fcr, rei\u00df ab, wo Schlo\u00df und Riegel f\u00fcr&#8220; und wer gerne entsprechende Kinofilme anschaut, kann sich das richtig plastisch vorstellen: Krachend fliegt die Himmelst\u00fcr aus den Angeln, ein unbeschreiblich helles Licht strahlt uns entgegen und mit festem, entschlossenem Schritt tritt Gott heraus. Als eine Gestalt, gegen die der Kinoheld Terminator wie eine lumpige Playmobil-Figur wirkt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>unsere Welt ist aber nicht Hollywood. Unsere Probleme werden nicht von Gott nach unseren Drehbuch-W\u00fcnschen gel\u00f6st. Wir haben eine Welt, in der das Elend und das Unrecht offen sichtbar und bedr\u00e4ngend im Raum stehen. \u201eJammertal&#8220; nennt Friedrich Spee unsere Welt: Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom h\u00f6chsten Saal, komm, tr\u00f6st uns hier im Jammertal.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich: Die Welt ist nicht nur Jammertal. Ich finde immer wieder Sch\u00f6nes und Gutes in diesem Leben; und ich genie\u00dfe es oft genug, auf dieser Welt zu sein.\u00a0 Ich m\u00f6chte nicht in ein Klagelied einstimmen, das unsere Welt schlechtredet und als ein einziges Tal des Leidens beschreibt.<br \/>Aber doch merke ich schmerzlich: Vieles ist nicht so, wie es sein sollte oder sein k\u00f6nnte. Denn ich wei\u00df ja auch, dass ich hier in Deutschland zu denen geh\u00f6re, denen es im Vergleich zu Millionen anderen Menschen auf der Welt unglaublich gut geht.<\/p>\n<p>Aber wahrscheinlich ist die Diagnose \u201eJammertal&#8220; aus unserem Lied auch heute noch eine passende Beschreibung mancher Zust\u00e4nde auf unserer Erde. Oft genug sieht man das Elend der Welt ganz ungeschminkt. Und selbst wenn uns manches heute sehr sch\u00f6n, elegant und auf Hochglanz poliert vorkommt: Hinter edler Fassade gibt es oft viel Bejammernswertes.<\/p>\n<p>In den beiden Versen, die wir gerade gesungen haben ist Friedrich Spee bescheidener geworden als in den ersten Zeilen. Nicht mehr vom Tore-sprengenden Gott ist die Rede. Vielmehr schreibt er: \u201eLass deine Sonne \u00fcber uns aufgehen, sonst sitzen wir in der Finsternis&#8220;.<br \/>Ist das die kleine L\u00f6sung angesichts gro\u00dfer und scheinbar un\u00fcberwindbarer Probleme?<br \/>Dass wir wenigstens einen Lichtstrahl am Horizont sehen? Kann es sein, dass es uns in eigentlich ganz schlimmen Situationen oft schon deutlich weiterhilft, wenn wir die Perspektive haben, dass sich etwas ver\u00e4ndern kann und eines Tages auch ver\u00e4ndern wird. Auch, wenn sich faktisch noch nichts ver\u00e4ndert hat, kann ich wie durch ein Wunder wieder aufatmen und neuen Mut fassen.<\/p>\n<p>Singen wie die letzten beiden Verse: V 6 und 7.<\/p>\n<p><i><b>6. Hier leiden wir die gr\u00f6\u00dfte Not, vor Augen steht der ewig Tod.<br \/>Ach komm, f\u00fchr uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.<br \/>7. Da wollen wir all danken dir, unserm Erl\u00f6ser, f\u00fcr und f\u00fcr;<br \/>da wollen wir all loben dich zu aller Zeit und ewiglich.<\/b><\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>manchmal kann man sich nur wundern: Wenn ich mir die beiden letzten Verse anschaue, habe ich den Eindruck, sie widersprechen sich v\u00f6llig. Im sechsten Vers die Klage \u00fcber das Elend und der Hilferuf. Im siebten Vers ein Jubelgesang. &#8211; Wie gibt\u00b4s den so etwas?<br \/>Manchmal ist die L\u00f6sung ganz einfach: Der siebte Vers stammt gar nicht von Friedrich Spee! Er wurde erst sp\u00e4ter von einem anderen Liederdichter hinzugef\u00fcgt. Offenbar hat es ihm nicht gefallen, dass das Lied mit dem sechsten Vers so ganz ohne \u201eHappy End&#8220; aufh\u00f6rte.<br \/>Aber w\u00e4re das nicht ehrlicher gewesen? Friedrich Spee hat es ja so erlebt: Das Happy End, die Rettung aus dem Jammertal steht noch aus. Der Ruf nach dem Gott, der in diese Welt hereinkommt, der Ordnung und Gerechtigkeit herstellt ist ja bis jetzt ohne die erhoffte Antwort geblieben.<br \/>Lediglich ein Lichtsaum ist am Horizont zu sehen &#8211; die Gewissheit, dass Gottes Liebe zu den Menschen eines Tages f\u00fcr alle sichtbar werden wird. Dass eines Tages tats\u00e4chlich die T\u00fcr zum Himmel auffliegt und die ganze Erde von diesem strahlenden Licht erhellt und erw\u00e4rmt wird. Das ist auch unsere Hoffnung im Advent: Wir hoffen nicht auf das kleine Christkind, sondern auf den gro\u00dfen Christus, der zusammen mit Gott dem Vater diese Welt erneuern wird.<\/p>\n<p>Amen<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liedpredigt zu &#8222;Oh Heiland rei\u00df die Himmel auf&#8220; von Friedrich Spee. 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