{"id":1618,"date":"2003-12-31T22:00:31","date_gmt":"2003-12-31T20:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1618"},"modified":"2014-06-02T22:02:34","modified_gmt":"2014-06-02T20:02:34","slug":"predigt-gut-geplant-ist-nur-halb-gewonnen-jakobus-4-13-15-silvester-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1618","title":{"rendered":"Predigt: Gut geplant ist nur halb gewonnen ( Jakobus 4, 13-15) Silvester  2003"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>mit dem 1. Januar beginnt das neue Kalenderjahr. Vermutlich hei\u00dft es deshalb Kalenderjahr, weil zu diesem Zeitpunkt alle Menschen ihre Kalender hervorziehen, die sie von ihren Freunden, ihrer Bank, oder von ihrer Kirchengemeinde geschenkt bekommen haben.<br \/>\nUnd in viele Kalender werden dann die Termine des kommenden Jahres eingetragen.<br \/>\nDie Geburtstage von Freunden und Verwandten, der ersehnte Urlaub, wichtige Feste, und alles das, was man sonst so plant.<\/p>\n<p>Am Kalender wird es sichtbar: Im Gegensatz zu den Tieren planen wir unser Tun sehr h\u00e4ufig langfristig, \u00fcber Wochen, Monate, oft \u00fcber Jahre hinaus. Auf dem Papier wird deutlich: Wir haben unser Leben in der Hand, wir haben gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten unseren Jahresverlauf und unseren Lebenslauf zu planen, zu gestalten, zu ver\u00e4ndern.<br \/>\nDer Kalender ist mehr als nur ein Werkzeug f\u00fcr unser Zeitmanagement, er ist Ausdruck unseres Selbstbewusstseins als denkende und planende Menschen. Vielleicht ist es tats\u00e4chlich so: Je gr\u00f6\u00dfer der Kalender, umso gr\u00f6\u00dfer das damit auszudr\u00fcckende Selbstwertgef\u00fchl des Besitzers.<!--more--><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte statt des Kalenders jetzt aber auch die Bibel in die Hand nehmen und ihnen vorlesen, was Jakobus im Brief an seine planenden Mitchristen schreibt:<\/p>\n<p><i><b>Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen -,\u00a0 und\u00a0 wi\u00dft nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.<\/b><\/i><br \/>\n(Jak 4, 13-14)<\/p>\n<p>Statt des Kalenders kommt mir angesichts dieser Zeilen ein anderes Bild zu Silvester und Neujahr in den Sinn: Der Rauch, den das Feuerwerk hinterl\u00e4sst.<br \/>\nIn der Silvesternacht kann man das ganz gut beobachten: Wenn eine wei\u00dfe Leuchtkugel den Himmel erhellt, erkennt man die dicken Rauchschwaden, die die anderen Raketen nach ihrem Abbrennen hinterlassen haben. Von dem sch\u00f6n leuchtenden gro\u00dfartigen Feuerwerk bleiben nur noch ein paar dicke Rauchspuren in der Luft stehen, die sich langsam aufl\u00f6sen, bis sie letztlich verschwunden sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr Jakobus ist das das Bild f\u00fcr unser Leben: &#8222;Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet&#8220;. Selbst die gr\u00f6\u00dfte und grandioseste Rakete, die furios in den Himmel zischt und als Superstar den Himmel erhellt, ist am n\u00e4chsten Morgen nicht mal mehr als Rauch wahrnehmbar. So geht es dahin &#8211; unser Leben.<br \/>\nAn Silvester wird das manchmal in besonderer Weise sichtbar. N\u00e4mlich dann, wenn ich mir \u00fcberlege, was ich im letzten Jahr so alles geplant habe und merke, was davon wahr geworden ist, und was als Plan Makulatur geblieben ist. &#8211; Es ist offensichtlich etwas dran, an der Wahrheit, die im 90. Psalm steht: &#8222;wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschw\u00e4tz&#8220;.<br \/>\nDie Jahre rauschen dahin &#8230;\u00a0 so schnell, dass ich oft nicht wei\u00df wie mir geschieht &#8230;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nnun habe ich an der Schwelle zum neuen Jahr zwei so widerspr\u00fcchliche B\u00fccher in der Hand:<br \/>\nAuf der einen Seite den Kalender als Inbegriff des planenden Menschseins, unseres selbstbewussten Gestalten des eigenen Lebens.<br \/>\nUnd auf der andern Seite diesen Jakobusbrief, der mir sagt: Alles blo\u00df Schall und Rauch.<\/p>\n<p>Wie bekomme ich das zusammen? Soll ich meinen Kalender einfach wegschmei\u00dfen, und mich schon mal freiwillig in Rauch aufl\u00f6sen?<br \/>\nMoment! Unser Predigttext ist l\u00e4nger, als die beiden Verse, die ich eben vorgelesen habe ; er geht noch weiter:<\/p>\n<p><i><b>Dagegen solltet ihr sagen:\u00a0 Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.<br \/>\nNun aber r\u00fchmt ihr euch in eurem \u00dcbermut. All solches R\u00fchmen ist b\u00f6se.<br \/>\nWer nun wei\u00df, Gutes zu tun, und tut&#8217;s nicht, dem ist&#8217;s S\u00fcnde<\/b><\/i>.<br \/>\n(Jak 4, 15-17)<\/p>\n<p>Jakobus, macht uns einen ganz konkreten Vorschlag. Wenn wir planen, sollen wir uns sagen: &#8222;Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun&#8220;. Das ist also kein Verbot des Planens, sondern ein Gebot beim Planen: Mache dir bewusst, dass deine ganze Lebensplaung nur etwas Vorl\u00e4ufiges ist, weil letztlich Gott dein Leben in der Hand hat.<br \/>\nWenn du zum Kalender greifst, dann denke daran, dass du eben nicht der alleinige Herr \u00fcber dein Leben bist. Du kannst noch so hervorragend planen, du kannst noch so sehr versuchen, dich gegen alle Eventualit\u00e4ten abzusichern: Letztlich entscheidet Gott dar\u00fcber, ob deine Pl\u00e4ne Wirklichkeit werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDu wei\u00dft nicht, wie lange dein Leben w\u00e4hrt. Keiner von uns wei\u00df, ob er zum n\u00e4chsten Jahreswechsel \u00fcber unseren Kirchhof hierher laufen kann, oder zu denen geh\u00f6ren wird, die genau dort unter der Erde liegen. Ob ich jung oder alt bin, ist bei dieser Frage kein wirklich ausschlaggebender Faktor. &#8211; Auch wenn ich \u00fcber jedes Jahr froh bin\u00a0 in dem wir in unserer Gemeinde von keinem jungen Menschen Abschied nehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun&#8220;. Dieser Satz will uns keine Angst machen. Aber es kann gut sein, dass er uns zurechtstutzt &#8211; da, wo wir zu selbstbewusst und zu selbstverst\u00e4ndlich planen, und vergessen, dass wir unser Leben letztlich nicht in der Hand haben.<\/p>\n<p>Als Christen k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir planen &#8230; das kommende Jahr, und auch oft langfristig \u00fcber Jahre hinaus. Wer \u00fcberlegt, ob und was er in seinem Bauernhof investiert, der muss \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume planen, das ist ganz klar. Planen ist erlaubt und geboten.<br \/>\nAber zugleich ist es f\u00fcr uns Menschen geboten, im Bewusstsein unserer Grenzen zu planen.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahrhunderten haben das protestantische Kaufleute in Holland h\u00e4ufig mit einem Zusatz ihren Handelsvertr\u00e4gen deutlich gemacht: Sie haben ihre Gesch\u00e4fte jeweils mit einen kleinen K\u00fcrzel unterzeichnet: &#8222;SCJ&#8220;, eine lateinische Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;sub conditione iacobea&#8220; &#8211; also &#8222;unter der Bedingung des Jakobus&#8220;.<br \/>\nDamit war f\u00fcr die Beteiligten klar: Unser gutes Gesch\u00e4ft k\u00f6nnen wir nur unter einer Bedingung zu Ende f\u00fchren: &#8222;So der Herr will und wir leben&#8220;.<br \/>\nEin gelernter Jurist w\u00fcrde sagen: Das ist doch eine Binsenweisheit! &#8211; Aber diese Binsenweisheit dr\u00fcckt sehr viel \u00fcber das Selbstverst\u00e4ndnis des Menschen aus, der diesen Vertrag abschlie\u00dft. Bei allem Gewinnstreben ist er sich im Klaren dar\u00fcber, dass sein Leben in der Hand eines M\u00e4chtigeren liegt.<\/p>\n<p>Einen Punkt m\u00f6chte ich noch loswerden. Unser Bibeltext enth\u00e4lt vor diesem Horizont auch noch eine wichtige Mahnung. Und die hat hier an der Jahreswende auch einen sinnvollen Platz &#8211; schlie\u00dflich ist man meist flei\u00dfig dabei, gute Vors\u00e4tze f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr zu schmieden.<br \/>\nJakobus sagt &#8222;Wer nun wei\u00df, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es S\u00fcnde&#8220;.<br \/>\nEine deutsche Redensart formuliert es ein wenig anders: &#8220; Es gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn uns der liebe Jakobus in unserer Bibel heute schon so deutlich zeigt, wo unsere Grenzen sind, ergreift er auch gleich die Chance, uns deutlich nahe zu legen, wozu wir unsere begrenzte Lebenszeit nutzen sollen: N\u00e4mlich zum Guten.<\/p>\n<p>Vielleicht sch\u00fctteln sie gerade innerlich den Kopf \u00fcber diese ausgesprochen simple Aussage. Und bitte geben sie nachher nicht heim und erz\u00e4hlen sie ihrer Familie &#8222;Der Pfarrer hat gesagt, wir sollen Gutes tun&#8220;. Dann werden Ihnen die Saheimgebliebenen n\u00e4mlich antworten: \u201eNaja, das h\u00e4tten wir dir auch so sagen k\u00f6nnen&#8230;. so schlau sind wir schon l\u00e4nger!&#8220;<\/p>\n<p>Das Spannende liegt ja darin, dass ich oft wei\u00df, was gerade gut zu tun w\u00e4re. Aber mir fallen mindestens drei andere Dinge ein, die mir gerade mehr Spa\u00df machen w\u00fcrden, nicht so viel Geld kosten w\u00fcrden oder nicht so anstrengend w\u00e4ren. Und dann ist pl\u00f6tzlich die Entscheidung f\u00fcr das Gute nicht mehr so eindeutig. Und dann kommt das Gef\u00fchl, dass das, was ich als gut, richtig und notwendig erkannt habe, doch lieber auf die lange Bank schieben k\u00f6nnte, und lieber das mache, was mir sonst so in den Sinn kommt.<br \/>\nEs ist ja schlie\u00dflich noch gen\u00fcgend Zeit, um mich sp\u00e4ter um dies oder jenes \u201eGute&#8220; zu k\u00fcmmern.<br \/>\nIch frage mich nur: Wann werde ich im Leben einmal die Zeit haben, um das alles zu tun, was inzwischen auf dieser langen Bank gelandet ist? Ich wei\u00df ja eben nicht einmal, ob ich \u00fcberhaupt noch Zeit in meinem Leben haben werde.<\/p>\n<p><b><i>Was bin ich froh, dass Gott uns Christen auch die S\u00fcnde der verlumperten Zeit vergeben kann. Und ich merke, dass dieser Predigttext eigentlich einen guten Vorsatz f\u00fcrs neue Jahr abgibt:<br \/>\nDarum lese ich ihn zum Abschluss noch einmal ganz vor:<br \/>\nUnd nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen -,\u00a0 und\u00a0 wi\u00dft nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.<br \/>\nDagegen solltet ihr sagen:\u00a0 Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.\u00a0 Nun aber r\u00fchmt ihr euch in eurem \u00dcbermut. All solches R\u00fchmen ist b\u00f6se.\u00a0 Wer nun wei\u00df, Gutes zu tun, und tut&#8217;s nicht, dem ist&#8217;s S\u00fcnde. <\/i><\/b><\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, mit dem 1. Januar beginnt das neue Kalenderjahr. Vermutlich hei\u00dft es deshalb Kalenderjahr, weil zu diesem Zeitpunkt alle Menschen ihre Kalender hervorziehen, die sie von ihren Freunden, ihrer Bank, oder von ihrer Kirchengemeinde geschenkt bekommen haben. 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