{"id":1616,"date":"2004-02-01T21:43:22","date_gmt":"2004-02-01T19:43:22","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1616"},"modified":"2014-06-02T21:45:38","modified_gmt":"2014-06-02T19:45:38","slug":"predigt-zum-apostolischen-glaubensbekenntnis-1-februar-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1616","title":{"rendered":"Predigt zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, 1. Februar 2004"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Haben sie etwas vermisst? Zum Beispiel unser Glaubensbekenntnis, das wir normalerweise kurz vor der Predigt gemeinsam sprechen?<br \/>\nManchmal vergessen Pfarrer so etwas ja.<br \/>\nNein, wir haben es nicht vergessen, sondern nur aufgehoben, f\u00fcr sp\u00e4ter. In dieser Predigt soll es heute n\u00e4mlich um genau dieses Glaubensbekenntnis gehen.<\/p>\n<p>Mit unserem Apostolischen Glaubensbekenntnis halten wir in unseren Gottesdiensten einen uralten Text lebendig. Auch wenn er deren Name an die Apostel erinnert: Verfasst hat ihn wahrscheinlich keiner der 12 Apostel. Genaugenommen wissen wir \u00fcberhaupt nicht, wer ihn geschrieben hat. Kirchengeschichtler da haben lange geforscht und sind der \u00dcberzeugung, dass dieses Bekenntnis schon \u00fcber 1700 Jahre alt ist. Immer wieder taucht es in alten Texten auf, immer wieder leicht ver\u00e4ndert, bis es schlie\u00dflich vor \u00fcber 1400 Jahren in Rom sprachlich in der Form festgelegt wurde, wie wir das Bekenntnis heute kennen.<!--more--><\/p>\n<p>Zumindest auf Latein! Die Deutsche \u00dcbersetzung blieb \u00fcber die Jahrhunderte nicht unver\u00e4ndert. Wo Martin Luther noch \u00fcbersetzte dass wir an die \u201eAuferstehung des Fleisches&#8220; glauben, sprechen wir heute von der \u201eAuferstehung der Toten&#8220;. Denn die evangelische und die katholische Kirche haben 1971 darauf geeinigt, den deutschen Text in einer einer Revision dem aktuellen Sprachgebrauch anzupassen.<br \/>\nZumindest bis auf eine Kleinigkeit: Wo man in der katholischen Kirche ohne Probleme davon spricht, dass man an die &#8222;eine heilige katholische Kirche&#8220; glaubt, da haben wir Evangelischen uns doch f\u00fcr die etwas lockerere \u00dcbersetzung mit der &#8222;heiligen christlichen Kirche&#8220; entschieden.<\/p>\n<p>Wir merken: das mit dem Glaubensbekenntnis ist da nicht so ganz einfach. Noch dazu, wenn wir feststellen, dass unsere Mitchristen in Osteuropa unser Bekenntnis fast nicht kennen: Sie haben n\u00e4mlich ein anderes! Sogar eines, von dem sie genau wissen, woher es kommt, und wer verfasst hat: Das so genannte &#8222;Nicaenische Glaubensbekenntnis&#8220; haben im Jahr 381 mehrere hundert Bisch\u00f6fe gemeinsam intensiv beraten und als gemeinsame Kurzformulierung ihres Glaubens beschlossen.<br \/>\nWenn Sie also einmal in ihrem Urlaub nach Griechenland fahren und dort eine Kirche besuchen, dann tun sie gut daran ihr bayerisches evangelisches Gesangbuch mitzunehmen. Denn dort ist unter der Nummer 904 genau dieses Bekenntnis abgedruckt, dann k\u00f6nnen Sie das problemlos mitsprechen &#8230; halt auf deutsch statt griechisch.<\/p>\n<p>Ja, es ist nicht so ganz einfach, mit unserem Glaubensbekenntnis.<br \/>\nGestern war Konfirmandentag. Von morgens bis zum Nachmittag haben wir uns mit dem Glaubensbekenntnis besch\u00e4ftigt.<br \/>\nNicht mit seiner komplizierten Geschichte. Denn schon allein der Inhalt ist ja kompliziert genug. Ich vermute, Sie als Erwachsener haben sich damals genau so schwer getan, wie die Konfirmanden heute. Unser Glaubensbekenntnis ist kein Comicheft, das man im schnellen Dr\u00fcberlesen in Nullkommanix kapiert hat.<\/p>\n<p>Eigentlich sind es ja nur drei S\u00e4tze. Aber die haben es in sich.\u00a0 Sie sind vollgestopft von ganz schwierigen Begriffen und schwer verst\u00e4ndlichen Aussagen. Schlie\u00dflich haben Jahrzehnte lang gro\u00dfe Geister daran gefeilt.<\/p>\n<p>Nicht umsonst hat sich Martin Luther damals daran gemacht, diese Artikel auszulegen. Diese Auslegung haben viele von uns dann auch auswendig gelernt. Ob jeder von uns damals das alles kapiert hat? Der gro\u00dfe Theologe Martin Luther hat halt damals auch m\u00e4chtig viel da hinein gepackt. &#8211; Eigentlich br\u00e4uchten wir eine Auslegung der Auslegung.<\/p>\n<p>Auslegen &#8211; das ist die gro\u00dfe Herausforderung bei unserem Glaubensbekenntnis &#8230; \u00fcberhaupt bei unserem Glauben.<br \/>\nUnser Glaube muss ausgelegt werden, er mu\u00df \u00fcbersetzt werden in die Sprache, die wir verstehen k\u00f6nnen, in unsere heute verst\u00e4ndlichen Worte und Bilder.<\/p>\n<p>Das haben unsere Konfirmanden gestern versucht: Das Bekenntnis zu \u00fcbersetzen. Sie haben von mir den Auftrag bekommen, unser Glaubensbekenntnis neu zu formulieren. So, dass es auch ein 7-j\u00e4hriges Kind verstehen kann.<br \/>\nGlauben Sie ja nicht, dass es einfach ist! Sie k\u00f6nnen es daheim ja selbst eimal probieren. Und Sie werden merken, wie schwierig es ist, die wuchtigen Begriffe unseres Bekenntnisses in die Sprache des Alltags&#8230; in die Sprache unseres Lebens zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten Ihnen einige von diesen \u00dcbersetzungen vorstellen. Sie sind weder sprachlich ausgefeilt, noch auf grammatikalische Richtigkeit gepr\u00fcft. Aber sie geben ein Spiegelbild unseres Glaubens ab<\/p>\n<p>### Bekenntnis der Konfirmanden ###<\/p>\n<table border=\"1\" width=\"60%\" cellspacing=\"2\" cellpadding=\"2\" bgcolor=\"#ccccff\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><b>Bekenntnis f\u00fcr ein 6-j\u00e4hriges Kind<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Gott ist unser Vater,<br \/>\nder Allesk\u00f6nner.<br \/>\nEr hat die Erde erschaffen und den Himmel.<br \/>\nIch glaube an Jesus Christus;<br \/>\nder Heilige Geist hat ihn eingeladen,<br \/>\nseine Mutter ist Maria.<br \/>\nEin b\u00f6ser Mann namens Pilatus hat ihn ge\u00e4rgert und er hat ihn umgebracht.<br \/>\nEr war so heilig, dass er dadurch nicht tot war.<br \/>\njetzt sitzt er neben Gott an der rechten Seite,<br \/>\nweil Gott der allesk\u00f6nner ist.<br \/>\nEr bestimmt, wer stirbt oder lebt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Unsere Konfirmanden sind nicht die ersten auch nicht die einzigen, die unser Glaubensbekenntnis einmal neu formuliert haben. Das Lied, das wir eben gesungen haben, ist der auch der Versuch des Bekenntnis neue Worte zu fassen.<\/p>\n<p>Warum ersetzen wir das alte St\u00fcck einfach mit einem neuen? Das w\u00e4re doch ganz sch\u00f6n! Das w\u00fcrde unserer Kirche doch gleich einen neuen modernen, modischen Anstrich geben.<\/p>\n<p>Das wird hoffentlich nicht passieren &#8211; weil es eben nur ein neuer Anstrich w\u00e4re. Und der w\u00fcrde vermutlich viel schneller altmodisch werden, als dieses uralte bew\u00e4hrte Bekenntnis. Sie merken es bei ihren Tapeten daheim: je moderner das Design, umso schneller ist es wieder aus der Mode, umso schneller merkt man, dass es von gestern oder von vorgestern ist.<\/p>\n<p>Wie werden wohl beim alten bekannten Apostolischen Glaubensbekenntnis bleiben k\u00f6nnen.<br \/>\nAuch wenn es uns mit seiner Sprache und seinem Inhalt immer wieder vor Herausforderungen stellt. Oft genug h\u00f6re ich die Klage, dass man die Jungfrauengeburt doch eigentlich streichen k\u00f6nnte, und das mit dem Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde bringt sp\u00e4testens mit dem Erdkundeunterricht manchen ins Schleudern.<\/p>\n<p>Ganz provozierend m\u00f6chte ich behaupten: Sie m\u00fcssen ja nicht an das Bekenntnis glauben.<br \/>\nDas Bekenntnis ist n\u00e4mlich nicht anderes als der Ausdruck des christlichen Glaubens. Seine ganz knappe Kurzfassung. Als die Bekenntnisse entstanden, nannte man sie &#8222;Symbol des Glaubens&#8220;. Sie symbolisieren den Glauben, sie fassen ihn zusammen. Aber sie sind nicht der Inhalt des Glaubens.<br \/>\n\u00dcber Jahrhunderte hinweg hatten viele Christen ihr &#8222;Privatbekenntnis&#8220;. In ihnen haben Sie pers\u00f6nlich zusammengefasst, wie sie ihren Glauben an Gott, Jesus Christus, an den Heiligen Geist verstehen.<br \/>\nDie einen hatten die Jungfrauengeburt dabei erw\u00e4hnt, andere nicht. Genauso war es mit den Zeilen vom Heiligen Geist und der Kirche.<br \/>\nEin Bekenntnis ist eben ein kurzes Inhaltsverzeichnis, aber noch lange nicht das ganze Buch.<\/p>\n<p>Wenn wir uns Christen nennen, dann kreist unser Leben um mehr als nur diese wenigen Zeilen des Bekenntnisses.<br \/>\nEin Symbol verweist auf Gr\u00f6\u00dferes. Auf das weite Feld unseres Glaubens, unsere Hoffnungen und unsere Erfahrungen mit Gott. Wir k\u00f6nnen unseren Glauben, unsere Beziehung zu Gott und Jesus Christus immer nur schwer in Worte fassen. Weil es etwas sehr pers\u00f6nliches und oft kaum beschreibbares ist.<br \/>\nAls Mensch habe ich meine ganz unverwechselbare Lebensgeschichte und auch Glaubensgeschichte. Und aus meinen Erfahrungen mit Gott und aus dem, was mir aus der Bibel an Erfahrungen entgegenkommt n\u00e4hrt sich mein Glaube.<br \/>\nDarum m\u00fcsste man eigentlich sagen: Ich glaube an den Gott, wie die Bibel ihn mir beschreibt, und wie ich ihn pers\u00f6nlich erfahren habe.<\/p>\n<p>Das Apostolische Glaubensbekenntnis kann dann ein Text sein, mit dem ich diesen Glauben ausdr\u00fccken kann und mit dem ich zugleich auch den Schulterschluss mit den anderen Christen \u00fcbe. Trotz manchmal unterschiedlicher Erfahrungen, vertrauen wir auf den gleichen Gott.<\/p>\n<p>Das empfinde ich gerade heute enorm wichtig: so ein Bekenntnis ist auch Ausdruck eines gemeinsamen Glaubens.<br \/>\nNicht umsonst sah man damals das Bekenntnis als &#8222;Richtschnur&#8220; des Glaubens. Als Ma\u00dfband, mit dessen Hilfe man vermeiden wollte, dass jede beliebige abwegige Spinnerei pl\u00f6tzlich als Glaubensinhalt verkauft wird.<br \/>\nDas k\u00f6nnen wir heute immer noch brauchen: Ein Bekenntnis als Navigationssystem in einer immer undurchschaubaren Welt der Religionen und Weltanschauungen.<\/p>\n<p>Vor den n\u00e4chsten Liedversen h\u00f6heren wir noch eine\/einige Bekenntnis-\u00dcbersetzungen unserer Konfirmanden.<\/p>\n<p>### Bekenntnis der Konfirmanden ###<\/p>\n<table border=\"1\" width=\"60%\" cellspacing=\"2\" cellpadding=\"2\" bgcolor=\"#ccccff\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><b>Bekenntnis f\u00fcr ein 6-j\u00e4hriges Kind<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Ich glaube an Gott,<br \/>\nden Vater und Allesk\u00f6nner,<br \/>\nden Macher der Erde und des Himmels.<br \/>\nUnd an seinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn.<br \/>\nDer Heilige Geist hat ihn gebracht,<br \/>\nseine Mutter ist die Jungfrau Maria,<br \/>\nein b\u00f6ser Mann hat ihm weg getan,<br \/>\nund dann hat der b\u00f6se Mann ihn gekreuzigt.<br \/>\nUnd dann ist er gestorben und begraben worden,<br \/>\ndann ist er zu den Toten gekommen und nach drei Tagen wieder aufgestanden.<br \/>\nEr sitzt neben Gott, dem Allesk\u00f6nner.<br \/>\nEr wird kommen um die Lebenden zu richten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>unsere Konfirmanden haben mich mit ihren \u00dcbersetzungen wirklich \u00fcberrascht.<br \/>\nManches es klang witzig.<br \/>\n\u00dcber einiges musste der Theologe in mir gro\u00dfz\u00fcgig hinwegsehen.<br \/>\nManche es erschien mir in der Formulierungen ein bisschen anst\u00f6\u00dfig, weil es so noch nie gesagt worden ist.<br \/>\nUnd dann einigen Stellen bin ich stutzig geworden, weil mir die \u00dcbersetzung unserer Konfirmanden eine neue Sichtweise oft altbekannte Formulierungen er\u00f6ffnet hat.<br \/>\nZwei von ihnen m\u00f6chte ich mit ihnen teilen:<\/p>\n<p>Bei einem Konfirmanden wurde der allm\u00e4chtige Gott zum &#8222;Alles-Macher&#8220;.<br \/>\nDabei ist mir eingefallen, wie im Mittelalter die Gelehrten dar\u00fcber gestritten hatten, was denn Gottes Allmacht bedeutet. Zum Beispiel \u00fcberlegten sie, ob Gott einen Stein erschaffen k\u00f6nnte, der so gro\u00df ist, dass er selber nicht heben kann. Zu solchen unsinnigen Fragestellungen kommt man, wenn man sich mit so abstrakten Begriffen wie &#8222;Allmacht&#8220; besch\u00e4ftigt.<br \/>\nViel einfacher klingt es, wenn Gott als &#8222;Alles-Macher&#8220; derjenige, der alles geschaffen hat. Der alles machen kann, worum ich ihn bitte. Der alles macht, und niemals sagt: f\u00fcr dich bin ich nicht zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>&#8222;Jesus Christus, der eingeborene Sohn, unser Herr&#8220; wurde zum Boss.<br \/>\nKlar, das klingt ein bisschen flapsig. Ich sp\u00fcre aber auch, dass mir der Boss viel n\u00e4her liegt als ein weit weg schwebender &#8222;Herr&#8220;.<br \/>\nUnd ich entdecke darinnen einen neuen Ausdruck von N\u00e4he und zugleich Herrschaft.<br \/>\nGestern Nachmittag habe ich das in einem Gespr\u00e4ch gleich zu sp\u00fcren bekommen: ich habe jemandem gesagt: da muss sich erst noch R\u00fccksprache mit meinem Chef halten &#8211; gemeint habe ich meinen Dekan in Uffenheim. Und habe ich dann auch sofort korrigiert: ich werde R\u00fccksprache mit meinem Dienstvorgesetzten halten.<br \/>\nSchlie\u00dflich habe ich gestern Vormittag gelernt: Mein eigentlicher Chef sitzt nicht in Uffenheim, sondern an der rechten Seite Gottes.<\/p>\n<p>Wir sehen: In unserem Bekenntnis steckt mehr als nur alte Formeln, es hat das Potential, mich auch heute an wichtige Punkte meines Glaubens hinzuweisen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist das alle Gewalt, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.<br \/>\nAmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Haben sie etwas vermisst? Zum Beispiel unser Glaubensbekenntnis, das wir normalerweise kurz vor der Predigt gemeinsam sprechen? Manchmal vergessen Pfarrer so etwas ja. Nein, wir haben es nicht vergessen, sondern nur aufgehoben, f\u00fcr sp\u00e4ter. In dieser Predigt soll es heute n\u00e4mlich um genau dieses Glaubensbekenntnis gehen. 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