{"id":1598,"date":"2004-10-31T21:15:35","date_gmt":"2004-10-31T20:15:35","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1598"},"modified":"2018-10-16T22:08:24","modified_gmt":"2018-10-16T20:08:24","slug":"predigt-zum-reformationstag-gott-sagt-passt-scho-roemer-3-21-28-31-oktober-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1598","title":{"rendered":"Predigt zum Reformationstag: Gott sagt: \u201ePasst scho\u00b4&#8220; (R\u00f6mer 3, 21-28), 31. Oktober 2004"},"content":{"rendered":"<p>R\u00f6mer 3, 21-28 (\u00dcbersetzung: Hoffnung f\u00fcr alle)<br \/>\n<i>Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: 22\u00a0\u00a0 Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus f\u00fcr alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, 23\u00a0\u00a0 denn alle haben ges\u00fcndigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes 24\u00a0\u00a0 und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erl\u00f6sung, die in Christus Jesus ist. 25\u00a0 Ihn hat Gott dargestellt zu einem S\u00fchneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen S\u00fcnden unter der Nachsicht Gottes; 26\u00a0\u00a0 zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, da\u00df er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist.<br \/>\n27\u00a0\u00a0 Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch was f\u00fcr ein Gesetz? Der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28\u00a0\u00a0 Denn wir urteilen, da\u00df ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke. <\/i><!--more--><br \/>\nLiebe Gemeinde,<\/p>\n<p>eine allt\u00e4gliche Szene &#8211; sie k\u00f6nnte sich glatt im Pfarrhaus abspielen:<br \/>\nEs ist abends, der Ehemann sitzt auf dem Sofa, in ein paar Minuten kommen die Nachrichten im Fernsehen. Da schleicht sich die Ehegattin mit den Worten: \u201eDu ich hab\u00b4was bei Quelle bestellt &#8230; das ist jetzt gekommen&#8220; aus dem Wohnzimmer.<br \/>\nZwei Minuten sp\u00e4ter kommt sie wieder: Frisch eingekleidet mit dem Gewand aus dem Versandhaus. Wie ein Model l\u00e4uft sie vor dem Fernseher auf und ab; dreht sich einmal im Kreis und fragt: \u201eNa, wie gef\u00e4llt dir?&#8220;<br \/>\nDer Herr im Haus blickt seine Frau an &#8211; z\u00f6gert mit der Antwort (grunds\u00e4tzlich gar kein gutes Zeichen)\u00a0 &#8211; und antwortet ordentlich fr\u00e4nkisch mit einem \u201epasst scho!&#8220;<\/p>\n<p>\u201ePasst scho&#8220; &#8211; ein Wort, das gerecht spricht<\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<\/p>\n<p>ist das ein Kompliment? Ich vermute, diese Ehefrau wird sich noch \u00fcberlegen, ob sie das neue Kleid wieder zur\u00fcckschickt.\u00a0 Denn \u201ePasst scho&#8220; ist nicht gerade der Ausdruck h\u00f6chster Begeisterung. Die Ehefrau h\u00e4tte sich \u00fcber einen jubelnden Ehemann sicher mehr gefreut.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite denke ich mir: Der Ausdruck hat seine echten St\u00e4rken:<br \/>\n\u201ePasst scho&#8220; sage ich dann, wenn ich einer Sache zustimme, obwohl ich erkenne, dass es nicht 110-prozentig ideal ist. \u201ePasst scho&#8220; ist von daher eine sehr ehrliche und auch sehr gn\u00e4dige Formulierung.<\/p>\n<p>\u201ePasst scho&#8220; &#8211; sagt der Vater zu seinem Sohn, wenn er zum ersten Mal mit einer 5 in Latein heimkommt, weil er einmal vergessen hat, die Vokabeln zu lernen. \u201eDas n\u00e4chste Mal klappts wieder besser&#8220;<\/p>\n<p>\u201ePasst scho&#8220; &#8211; sagt die Schwiegertochter zur gebrechlichen Oma am Fr\u00fchst\u00fcckstisch, nachdem sie aus Versehen die viertelvolle Kaffetasse umgekippt hat. \u201eIch wei\u00df doch, dass du es nicht absichtlich gemacht hast!&#8220;.<\/p>\n<p>\u201ePasst scho&#8220; &#8211; das bedeutet: Du bist nicht perfekt, du machst Fehler; aber du bist mir trotzdem recht; ich nehme dich so, wie du bist, das geht f\u00fcr mich in Ordnung!<br \/>\n&#8230;. weil ich dich mag<br \/>\n&#8230;. weil wir zusammengeh\u00f6ren<br \/>\n&#8230;.. oder aus sonst einem Grund.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen \u201efr\u00e4nkischen&#8220; Vorgang gibt es einen juristisch-biblischen Fachbegriff: Rechtfertigung. Da wird etwas f\u00fcr gerecht, f\u00fcr \u201ein Ordnung&#8220; erkl\u00e4rt, obwohl es Schw\u00e4chen hat, und eigentlich nicht in Ordnung ist.<br \/>\nIm Predigtext aus dem R\u00f6merbrief, den wir vorhin in der Lesung geh\u00f6rt haben, geht es genau darum: Gott rechtfertigt uns; er spricht uns Menschen gerecht &#8211; obwohl wir S\u00fcnder sind.<\/p>\n<p><b><i>Autorit\u00e4t des Gerechtsprechens<\/i><\/b><\/p>\n<p>Eigentlich ist das ja absurd: Das geht doch gar nicht! Ich kann doch nicht etwas f\u00fcr \u201ein Ordnung&#8220; erkl\u00e4ren, obwohl es nicht in Ordnung ist. &#8211; Das ist doch irgendwie gemogelt!<\/p>\n<p>Ich sage ihnen: Das geht schon &#8211; jedenfalls daheim!<br \/>\nSelbst wenn bei dem Kleid aus dem Quellekatalog die eine Falte nicht ideal elegant f\u00e4llt, und es bei Versace was viel h\u00fcbscheres zum Anziehen gibt: Dann sagen wir \u201edes passt scho&#8220; zu uns, sind damit hochzufrieden und der \u00dcberzeugung: Das Kleid hier ist das beste, was uns gerade passieren konnte. &#8211; Es ist sch\u00f6n! Ohne wenn und aber!\u00a0 Wir d\u00fcrfen das f\u00fcr uns so entscheiden!<\/p>\n<p>Und die Familie mit der gebrechlichen Gro\u00dfmutter darf das auch f\u00fcr sich entscheiden: Das geht in Ordnung, dass die Oma dreimal die Woche die Tasse umwirft! Das ist halt so bei uns. Und das ist gut so! Die Oma ist schon in Ordnung.<\/p>\n<p>Und wie ist das bei mir selber? Ich mit meinen Fehlern, meinen Schw\u00e4chen? Den gro\u00dfen und kleinen Verfehlungen? Wer sagt da zu mir \u201epasst scho&#8220;?<br \/>\nIch merke: Das kann ich mir nicht selber sagen!!<br \/>\nIch brauche jemanden, der mich anschaut, der \u00fcber meine Fehler nicht einfach hinwegguckt. Einer, der genau merkt, was da in meinem Leben nicht so passt, und dann dennoch urteilt: \u201ePasst scho&#8220;.<br \/>\nUnd das kann nur Gott, der Sch\u00f6pfer, der mir mein Leben gegeben hat.<\/p>\n<p><i><b>Der Grund der Rechtfertigung<\/b><\/i><\/p>\n<p>Warum sollte Gott sich auf so etwas einlassen? Weshalb sollte er jemanden gerecht sprechen, obwohl er ganz und gar nicht gerecht ist? Das entspr\u00e4che ja einem Freispruch f\u00fcr einen \u00fcberf\u00fchrten T\u00e4ter.<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus spricht es im R\u00f6merbrief aus:<br \/>\nDenn es ist kein Unterschied,\u00a0 denn alle haben ges\u00fcndigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erl\u00f6sung, die in Christus Jesus ist.<\/p>\n<p>Dieser Satz sagt es ganz n\u00fcchtern: Wir Menschen haben eigentlich gar keine Chance als Gerechte vor Gott zu stehen. Wir sind S\u00fcnder &#8211; die einen mehr, die andern weniger &#8211; aber alle miteinander haben wir das gleiche Problem: Wir sind nicht perfekt; wir k\u00f6nnen Gott nicht sagen: Guten morgen, hier stehen die Gerechten vor dir und beantragen, in dein Himmelreich zu kommen.<\/p>\n<p>Und weil das nicht gelingt, gibt Gott uns Menschen die andere Chance: \u201eUmsonst gerechtfertigt werden; aus Gnade&#8220;: Das ist das gn\u00e4dige Urteil Gottes \u00fcber unserem Leben. Er sagt: \u201epasst scho&#8220;, komm herein zu mir, in mein ewiges Reich.<br \/>\nDu bist mir willkommen; ich habe dich gerecht gesprochen. Es passt schon, weil ich es dir sage.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>das ist ein unglaubliches Geschenk. Und ich muss nichts daf\u00fcr tun. Ein Geschenk, ohne irgend eine gute Tat. Die ist da gar nicht notwendig. Ich muss micht nicht durch irgendwelche Leistungen besser machen, als ich bin.<br \/>\nPaulus sagt das ganz energisch: Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch was f\u00fcr ein Gesetz? Der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.<br \/>\nDas sind Worte, die uns nicht so eing\u00e4ngig sind. Heute w\u00fcrde er es vielleicht so formulieren:<br \/>\nWas willst du dich vor Gott r\u00fchmen, zeigen was du geleistet hast? Diesen Versuch kannst du vergessen. Was meinst du: Nach welcher Logik geht Gott mit uns um? Nach der Logik unserer guten Taten? Nein! Sondern nach der Logik des Glaubens.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch einmal zu dem Beispiel mit dem gekauften Kleid zur\u00fcck.<br \/>\nWarum sage ich zu meiner Frau: \u201edas mit dem Kleid passt scho, mach dich da mal nicht verr\u00fcckt&#8220;? Weil mir nicht die Klamotten wichtig sind, sondern die Beziehung, die wir zueinander haben! Und das ist der Schl\u00fcssel zur Rechtfertigung von dem, wass eigentlich nicht so super ist: Weil die Beziehung zueinander das Tragende ist.<\/p>\n<p>Und bei Gott gehts um den gleichen Schl\u00fcssel: Die Beziehung zu Gott; also der Glaube an Jesus Christus. Nach dieser Logik geht Gott vor &#8211; sagt Paulus.<br \/>\nMein Glaube ist die Basis, die Gott dazu bringt, \u201epasst scho&#8220; zu sagen.<\/p>\n<p>Du Mensch, in deinem Leben ist nicht alles so gut gelaufen; du hast da einige \u00fcble Fehler gemacht. Manchmal hast du auch nicht auf mich geh\u00f6rt und bist auf die Nase gefallen. Aber ich sehe, dass du mir vertraust &#8211; und das ist mir wichtig. Darum passt das schon.<\/p>\n<p><i><b>Luthers Entdeckung<\/b><\/i><\/p>\n<p>Wir haben heute Reformationstag.<br \/>\nDa denke ich an Martin Luther, der als strenger M\u00f6nch vor Gott gut dastehen wollte.<br \/>\nMit gro\u00dfem Ernst hat er versucht, Gottes Willen ganz genau zu erf\u00fcllen. Ohne R\u00fccksicht auf sich selber hat er sich abgem\u00fcht; immer wieder. Hat ja quasi das Leben eines Heiligen gef\u00fchrt. &#8211; Und doch hat er gemerkt: Das passt nicht &#8211; und f\u00fcr Gott kann\u00a0 es auch nicht passen.<br \/>\nDas hat ihn \u00fcber Jahre hinweg immer wieder besch\u00e4ftigt und in Verzweiflung gest\u00fcrzt. Erst als er lange genug mit diesen und anderen Versen aus dem R\u00f6merbrief buchst\u00e4blich gerungen hatte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Wir werden ohne eigene Leistung von Gott gerecht gesprochen &#8211; allein durch unseren Glauben.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter schrieb er \u00fcber diese Entdeckung: \u201eDa hatte ich das Empfinden, ich sei geradezu von neuem geboren und durch ge\u00f6ffnete Tore in das Paradies selbst eingetreten.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis hat ihn ver\u00e4ndert &#8211; hat ihm den Mut verliehen, das weiterzusagen, was er erkannt hat &#8230; und hat dazu gef\u00fchrt, dass die Kirche sich ver\u00e4ndert hat.<br \/>\nSeitdem haben wir zwei Konfessionen &#8211; leider -. Aber Gottseidank ist es heute so, dass eigentlich beide Seiten diese Rechtfertigung aus dem Glauben als einzigen Weg zu Gottes \u201epasst scho&#8220; ansehen.<\/p>\n<p>Diese Verse aus der Bibel haben unsere Kirche gepr\u00e4gt. Sie geh\u00f6ren zu den Schl\u00fcssels\u00e4tzen f\u00fcr unser Selbstverst\u00e4ndnis als evangelische Kirche. Ohne sie s\u00e4he unsere Kirche wohl ganz anders aus. &#8211; Darum passen Reformationstag und Kirchweih eigentlich ganz wunderbar zusammen.<\/p>\n<p>Amen<!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00f6mer 3, 21-28 (\u00dcbersetzung: Hoffnung f\u00fcr alle) Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: 22\u00a0\u00a0 Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus f\u00fcr alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, 23\u00a0\u00a0 denn alle haben ges\u00fcndigt und erlangen nicht die\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1598\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt zum Reformationstag: Gott sagt: \u201ePasst scho\u00b4\" (R\u00f6mer 3, 21-28), 31. 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