{"id":1596,"date":"2004-11-02T21:12:45","date_gmt":"2004-11-02T19:12:45","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1596"},"modified":"2014-06-02T21:15:07","modified_gmt":"2014-06-02T19:15:07","slug":"historien-predigt-heiraten-anno-1914-1-november-2004-kirchweihmontag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1596","title":{"rendered":"Historien-Predigt: Heiraten anno 1914, 1. November 2004, Kirchweihmontag"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wie am Kirchweihmontag \u00fcblich, werfen wir einen historischen Blick auf des Leben unserer Gemeinde. Diesmal m\u00f6chte ich nicht in die Chronik der ablaufenden jahre blicken, sondern ihnen aus der Pfarrbeschreibung von 1914 vorlesen.<\/p>\n<p>Eine Pfarrbeschreibung ist eine Art \u201eMomentaufnahme&#8220; der Kirchengemeinde. Der Pfarrer verfasst sie, um darzustellen, wie die Gemeinde gerade aussieht:<br \/>\nWie gro\u00df ist sie, welcher Besch\u00e4ftigung gehen die Menschen im Dorf nach, wie steht es um die kirchlichen Geb\u00e4ude, wie steht es um den Gottesdienstbesuch und vieles mehr.<br \/>\nDazu geh\u00f6rte damals f\u00fcr Pfarrer Wilhelm Sebastian Schmerl auch eine Darstellung der Amtshandlungen, wie liefen Trauungen, Taufen und Beerdigungen ab?<!--more--><\/p>\n<p>Ich lese ihnen nun vor, was im Jahr 1914 \u00fcber die kirchliche Trauung verzeichnet ist. Dabei habe ich so gut es geht den Wortlaut von damals \u00fcbernomen. Nur an einigen Stellen habe ich der besseren Verst\u00e4ndlichkeit wegen leichte Ver\u00e4nderungen vorgenommen:<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><b>Pfarrbeschreibung von Pfarrer Schmerl von 1914<\/b><\/span><\/p>\n<p><b><i>Die Trauung- Ort und Zeit<\/i><\/b><\/p>\n<p>Die Anmeldung der Trauung erfolgt durch den Br\u00e4utigam etwa acht bis zehn Tage vorher, so dass am Sonntag vor der Trauung in Hauptgottesdienst noch die Proklamation &#8211; die Ank\u00fcndigung &#8211; erfolgen kann.<br \/>\nBesondere Ehrenpr\u00e4dikate, wie zum Beispiel \u201eJungfrau&#8220;, werden dabei nicht genannt. Nach einem Kirchenvorstandsbeschluss wird den Brautleuten das Pr\u00e4dikat ledig erteilt, werden nicht der eine oder der andere Partner, oder beide zusammen schon ein Kind haben. Entsprechendes gilt auch in dem Fall, dass ein Kind bereits unterwegs ist.<\/p>\n<p>Als Trauungstag wird meist Dienstag oder Freitag gew\u00e4hlt. Nur Brautpaare, die jegliches Aufsehen vermeiden wollen, lassen sich am Sonntag, etwa nach der Christenlehre am Nachmittag trauen.<br \/>\nDie Trauungen finden meist zwischen drei und vier Uhr statt. Allerdings gilt:<br \/>\nWenn die Braut oder der Br\u00e4utigam von ausw\u00e4rts abgeholt werden m\u00fcssen ist es kaum m\u00f6glich eine genaue Zeit vorher anzugeben.<\/p>\n<p><b><i>Der Traugottesdienst<\/i><\/b><\/p>\n<p>Von einer wirklichen gottesdienstlichen Beteiligung der Gemeinde kann nicht die Rede sein. Zwar sind die Emporen meist gef\u00fcllt mit Neugierigen, mit Kindern, M\u00e4dchen und Frauen. Sie kommen aber in ihrer gew\u00f6hnlichen Alltagskleidung um lediglich ihrer Neugierde zu befriedigen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Hochzeitszuges zu bis zur Kirche l\u00e4uten alle Glocken.<br \/>\nDer liturgischen Ablauf sieht so aus:<br \/>\nZuerst Eingangslied: Jesu geh voran<br \/>\nDann Votum, mit einer Altarrede, so weit sie gew\u00fcnscht wird<br \/>\nBibelworte und Einsegnung<br \/>\nEin Ringtausch ist hier nicht Brauch, ebenso wenig ein besonderer Schmuck der Kirche.<br \/>\nBei unbescholtenen Paaren brennen die Altarkerzen: Auf Wunsch auch der Kronleuchter, f\u00fcr den jedoch einen Geb\u00fchr von 3 Mark an die Lichterkasse zu entrichten ist.<br \/>\nDie Braut tr\u00e4gt Kr\u00e4nzchen, der Br\u00e4utigam einen Myrtenzweig. Beides bleibt bei \u00e4lteren Paaren und Witwen weg.<\/p>\n<p>Die Traubibel wird normalerweise nach dem Segen vom Altar aus \u00fcberreicht. Zur Finanzierung dieser Bibeln wird alle Jahre eine Kollekte erhoben. Wenn am Ende des Jahres \u00dcbersch\u00fcsse verbleiben, werden sie an den Landesbibelverein \u00fcberwiesen.<\/p>\n<p><i><b>Die Gefallenen Paare<\/b><\/i><\/p>\n<p>Gefallene Paare haben keinen Anspruch auf Kirchenbeleuchtung. Sie werden auch nie vom Pfarrer am Hause abgeholt. Die Braut tr\u00e4gt auch kein Kr\u00e4nzchen, doch hat sich damit der Pfarrer nicht zu befassen. Die \u00f6ffentliche Meinung ist zur Zeit noch so bestimmend, dass es eine gefallene Braut niemals wagen w\u00fcrde, im Kranz zur Trauung zu erscheinen. Sogar M\u00e4dchen die schon sichtbar Mutterfreuden entgegen gehen, wagen es nicht mit dem Myrtenkranz zu einer Hochzeit zu erscheinen.<br \/>\nH\u00f6chstens setzt sich ein besonders dreistes M\u00e4dchen etwa nach der kirchlcihen Trauung ein Kr\u00e4nzchen aus anderen Blumen auf, was aber von den Menschen teils verurteilt, teils besp\u00f6ttelt wird.<br \/>\n<i><b><br \/>\nDie Abholung am Hause<\/b><\/i><\/p>\n<p>Bei wohlhabenderen Brautleuten, die unbescholtenen sind, wird der Pfarrer vor der Hochzeit, meist bei der Anmeldung derselben, vom Br\u00e4utigam gebeten, das Paar an der Hochzeit im Hause abzuholen. Dieser Brauch ist eine Kuriosit\u00e4t, die sich in dieser Form nicht allenthalben findet, auch hier wohl mit der Zeit zu verschwinden droht. Darum sei sie hier geschildert und sie der Vergessenheit, die sie nicht verdient, zu entrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Am Hochzeitstag kommt nach Vollzug der Ziviltrauung der Br\u00e4utigam\u00a0 kurz vor Beginn der kirchlichen Handlungen zum Pfarrer. Seit neuestem, wenn er besonders nobel sein will, im Zylinder. Der Pfarrer schreitet\u00a0 dann zur Rechten des Br\u00e4utigams im vollen Ornat zum Hochzeitshause.<br \/>\nDort ist bereits alles versammelt. Beim Betreten des Hauses kommt dem Pfarrer erst die Braut entgegen zum Willkommenesgru\u00df. Ihr zur Seite eine Jungfrau mit einem Teller, auf dem zwei Gl\u00e4ser Wein stehen. Diese kredenzt das eine Glas dem Pfarrer, das andere der Braut. Der Br\u00e4utigam bekommt nichts.<br \/>\nJetzt trinkt der Pfarrer einen Schluck Wein auf das Wohl der Braut mit der er anst\u00f6\u00dft. Die anderen Anwesenden stehen herum und schweigen. Nun wird der Braut ein zweiter Teller gereicht, auf dem ein wei\u00dfes, viereckiges, zusammengefaltetes Seidentuchtuch und eine Zitrone liegen. Diesen Teller h\u00e4lt die Braut dem Pfarrer hin meist mit den stereotypen Worten:<br \/>\n\u201eHerr Pfarrer wenn ich Ihnen ein Pr\u00e4sent machen darf?&#8220;<br \/>\nDer Pfarrer nimmt mit Dank die zwei Gegenst\u00e4nde in die Hand und tr\u00e4gt sie mit der Agende sichtbar bei sich.<\/p>\n<p>Unterdessen sind die im Zimmer bereits anwesenden G\u00e4ste bereit zum Aufbruch. Der Pfarrer tritt unter die Schwelle der Haust\u00fcr. W\u00e4hrend die Kirchenglocken l\u00e4uten kommt der Gemeindediener &#8211; zur Feier des Tages in dunkelblauer Uniform und mit breitem S\u00e4bel an der Seite und dem altbayerischen Helm auf dem Haupt.<br \/>\nEr ruft: &#8222;noch ein stilles Vaterunser&#8220;.<br \/>\nNach einer stillen Gebetspause spricht der Pfarrer\u00a0 &#8222;in Gottes Namen&#8220;, \u00fcberschreitet die Schwelle, und der Zug setzt sich in Bewegung.<br \/>\nDer Gemeindediener geht voran, ihm folgen 2,4 oder sechs kleine M\u00e4dchen aus der Schule in wei\u00dfen Kleidern mit Vergissmeinnichtkr\u00e4nzchen im Haar. Dann folgt der Pfarrer nach alten Brauch mit dem Br\u00e4utigam, dahinter die Braut mit ihren Freundinnen.<br \/>\nBei einzelnen Brautpaaren, die etwas st\u00e4dtischer sein wollen, l\u00e4uft der Pfarrer allein, und hinter ihm das Brautpaar Arm in Arm.<br \/>\nDen Beschluss machen die M\u00e4nner und Frauen. Aber nie sind die M\u00fctter des Brautpaares dabei! Auch auf dem Heimweg bewegt sich der Zug in der beschriebenen Weise. Am Hause angekommen begl\u00fcckw\u00fcnscht der Pfarrer das Paar gew\u00f6hnlich mit den Worten \u201eGott segne euren Eingang&#8220;.<br \/>\nAlsdann reichen die Verwandten den Brautleuten die Hand mit den immer gleichen, meist gemurmelten &#8222;W\u00fcnsch Gotts Segen zum Ehestand&#8220;<\/p>\n<p><b><i>Das Festmahl<\/i><\/b><\/p>\n<p>Der Pfarrer geht alsdann nach Hause um nach Ablegung des Amtskleides &#8211; entsprechend der nochmals beim Weggehen erfolgten Einladung &#8211; mit Frau zum Festessen zu erscheinen. Bei seinem Eintritt ins Zimmer erhebt sich alles in Ehrerbietung von den Sitzen. Man erwartet, dass der Pfarrer ein Tischgebet spricht, meistens am Anfang und am Schluss, auch pflegt er w\u00e4hrend der Mahlzeit einen Trinkspruch auf das Brautpaar auszubringen. Unter dem Mal findet dann und wann eine kleine Erheiterung zum Beispiel durch ein anwesendes redefertiges M\u00e4dchen statt. Gegen Ende der Mahlzeit erscheint eines der bedienenden M\u00e4dchen mit einem Teller um den alten, aber immer gern geh\u00f6rten und belachten Witz zu machen: \u201eDie K\u00f6chin hat sich am Wasserst\u00e4nder die Sch\u00fcrze verbrannt und ich bitte um Gaben, dass sie sich eine neue Sch\u00fcrze machen kann.&#8220;<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Essens, das an eine einfache M\u00e4gen starke Anspr\u00fcche stellt, verlassen die meisten G\u00e4ste des Zimmer, um etwa die H\u00e4lfte die Brautgeschenke und die anderen das Dorf zu besichtigen, in dem sie dann in langen Reihen spazierengehen.<br \/>\nDas Brautpaar ist bei den Pfarrersleuten sitzen geblieben, die sich nunmehr entfernen. Nach dem Weggang des Pfarrers wird es dann auch lustig: Bier, Kaffee und Kuchen, Brantw\u00fcrste und Kraut, Zigarren und Tanz folgen dann in bunter Reihe bis in den Morgen. Doch ist der Pfarrer von Exzessen der Hochzeit bisher nichts zu Ohren gekommen.<\/p>\n<p><b><i>Abendlicher Auftritt am Pfarrhaus<\/i><\/b><\/p>\n<p>Am Abend mit Eintritt der Dunkelheit erscheint dann das Brautpaar mit vollem Schmuck im Pfarrhaus. Wenn dem Pfarrer nicht schon &#8211; was bei einheimischen Brautpaaren oft der Fall ist\u00a0 &#8211; vor der Hochzeit Kuchen geschickt wurde, bringt ihn die Braut mit. Aber jedesmal erscheint der Br\u00e4utigam mit einer Weinspende, die in der Regel noch in altfr\u00e4nkischen Zinnkannen geboten wird. Leider machen sich allm\u00e4hlich auch statt der Zinnkannen protzige Glaskr\u00fcge breit, die man f\u00fcr nobler h\u00e4lt und das herrliche alte Zinn f\u00e4llt\u00a0 j\u00fcdischen und anderen H\u00e4ndlern zur Beute, die dann massenhaft die H\u00e4user abklopfen.<br \/>\nDie Braut bekommt an diesem Abend auch noch ihren Kirchenstuhl angewiesen und das Brautpaar, bei dem der Pfarrer eingeladen war, wird mit dem Starkenbuch, einen beliebten Gebetbuch beschenkt.<\/p>\n<p>Soweit die Pfarrberschreibung aus dem Jahre 1914<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><b>Ansprache<\/b><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>es g\u00e4be viele Dinge, die es zu den Beschreibungen von Pfarrer Schmerl aus dem Jahr 1914 zu sagen und zu fragen g\u00e4be. Man k\u00f6nnte den ganzen Vormittag damit verbringen. Aber dann h\u00e4tten wir hier eher Geschichtsunterricht als Gottesdienst. Darum m\u00f6chte ich mich auf eine Wahrnehmung konzentrieren, die sich durch die ganze Beschreibung hindurchzieht.<\/p>\n<p><b><i>Hochzeit wie auf Schienen: Ritual pur<\/i><\/b><\/p>\n<p>Ich habe beim Lesen das Gef\u00fchl: Diese Hochzeiten liefen wie auf Eisenbahnschienen.<br \/>\nAlles geht seinen exakten Gang, ohne Abweichungen. Jeder wei\u00df, was zu tun ist, welchen Satz er wann wem zu sagen hat, welches Tablett wer wem geben muss. Wenn der Pfarrer kommt, geht ein Ruck durch die Menge; wenn er geht, darfs lustig werden &#8230; und &#8230; und&#8230; und.<\/p>\n<p>Alles scheint vorgegeben zu sein. Sogar das Lied am Anfang ist immer das gleiche. Besonders viel Spielraum f\u00fcr die eigenen individuellen Ideen gab es hier offensichtlich nicht. Immerhin konnte der Br\u00e4utigam entscheiden, ob er einen Zylinder trug, oder es sein lie\u00df.<\/p>\n<p>Vergleicht man das mit heute, dann merkt man, was sich alles ver\u00e4ndert hat:<br \/>\nAls Dorfpfarrer setze ich mich mit einem Brautpaar oft schon Monate vorher hin und wir reden miteinander \u00fcber ihre Vorstellungen und Erwartungen von Ehe und von dem Traugottesdienst. W\u00e4hlen Lieder und Bibeltexte aus, investieren gemeinsam mehrere Stunden, um das Passende zu finden.<br \/>\nWoanders wird der Pfarrer sogar gebeten, mit in einem Fesselballon zu steigen, um dort die Tauung durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Sie merken: Da gibt es einen weiten Bogen zwischen einem starren Ritual damals und einem mitunter sehr individuell gestylten Event heute.<br \/>\nGibts da ein \u201ebesser&#8220; und ein \u201eschlechter&#8220;? &#8211; Ich glaube das ist kaum zu beurteilen; zu unterschiedlich sind die Zeiten.<br \/>\n&#8211; Was gleich geblieben ist, ist das Bed\u00fcrfnis der Menschen: Sie suchen nach einem Ritual, das sie auf den Weg in die Ehe begleitet und ihnen den Segen Gottes zuspricht.<\/p>\n<p><b><i>Der Wert des Rituals<\/i><\/b><\/p>\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt: Damals wie heute ist die Trauung zweier Menschen ein Ritual. Eine Feier, bei der bestimmte Dinge einfach dazugeh\u00f6ren: Der feierliche Einzug, das Eheversprechen, das Zusammensprechen der beiden und Gebete.<br \/>\nSelbst ganz moderne Paare w\u00fcnschen sich diese alten rituellen Elemente. Das geh\u00f6rt f\u00fcr sie einfach dazu.<\/p>\n<p>Vor 20 Jahren war &#8211; teilweise auch unter Pfarrern &#8211; dieser Begriff verp\u00f6nt: \u201eRitual&#8220; klang nach dem \u00fcberkommenen Muff von tausend Jahren. Mit sowas wollten viele nichts mehr zu tun haben. Weg mit so starren Konventionen!<\/p>\n<p>Inzwischen ist es zu einer Neubesinnung gekommen. Man hat entdeckt, wie wichtig Rituale sind. Nicht nur die Gro\u00dfen, sondern auch die kleinen.<\/p>\n<p>&#8211; Das Tischgebet.<br \/>\n&#8211; Der Gute-Nacht-Kuss f\u00fcr die Kinder.<br \/>\n&#8211; Die Art und Weise, wie man als Mutter seine Kinder am Morgen in die Schule verabschiedet.<br \/>\n&#8211; Der Fr\u00fchjahrsputz<br \/>\n&#8211; Der Segen am Ende des Gottesdienstes.<br \/>\n&#8211; Die Form, in der man in der Familie den Heiligen Abend begeht.<br \/>\n&#8211; Nat\u00fcrlich auch Taufe, Trauung und Beerdigung<\/p>\n<p>Rituale sind Handlungen, die man immer wieder in gleicher oder \u00e4hnlicher Weise vollzieht. Und gerade in ihrer Verl\u00e4sslichkeit geben sie Halt, Heimat und Sicherheit.<br \/>\nRituale &#8211; wenn sie lebendig gehalten werden und nicht zu blo\u00dfen Form erstarrt sind &#8211; tun einem Menschen gut.<br \/>\nUnd vielleicht brauchen wir in einer immer verworrener und undurchschaubarer werdenden Welt mehr denn je solche Oasen der Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<p><i><b>Die Besonderheit bei uns Christen<\/b><\/i><\/p>\n<p>Es gibt inzwischen jede Menge von B\u00fcchern zu diesem Thema.<br \/>\nDa werden Rituale f\u00fcr Kinder oder f\u00fcr die ganze Familie vorgeschlagen, Rituale f\u00fcrs lernen in der Schule oder f\u00fcr die gute Kooperation in der Arbeit.<\/p>\n<p>Wir merken: Als Kirche haben wir kein Monopel auf Ritual. Im Internet habe ich auch schon von Freidenkern Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Rituale zur Hochzeit und Beerdigung gefunden. Ganz zu schweigen von der legend\u00e4ren Jugendweihe der DDR, die man anstelle der Konfirmation aus dem Boden gestampft hat.<\/p>\n<p>Und da wurde mir so langsam deutlich, wo das Besondere an unserem Handeln als christliche Gemeinde ist: &#8211; Nehmen wir die Trauung als Beispiel &#8211;<\/p>\n<p>Wie irgendwelche Hochzeitsredner auch machen wir deutlich: Hier beginnt einer neuer Lebensabschnitt.<br \/>\nWie Andere auch versuchen wir dem Paar Anregungen und Perspektiven f\u00fcr die Zukunft mitzugeben.<br \/>\nWie Nichtchristen auch haben wir Symbole, die deutlich machen, was hier passiert: Das \u201eJa&#8220; der Eheleute oder der Tausch der Ringe.<\/p>\n<p>Bei einer Frage wird es aber richtig spannend: Wenn ich frage: \u201eUnd wer wird euch dabei in Zukunft begleiten?&#8220;<br \/>\nDa bleiben die Atheisten n\u00e4mlich stumm,\u00a0 oder faseln was von \u201eguten W\u00fcnschen&#8220;.<br \/>\nAls Christen kennen wir da andere Worte: \u201eDer lebendige Gott segne und beh\u00fcte euch&#8220; &#8211; und das sind mehr als nur Worte. Da wird eine Wirklichkeit sp\u00fcrbar, die nur der erfahren kann, der Glauben hat. Und das ist ungeheuer viel Wert: Das ist man als Brautpaar nicht alleingelassen, mit seinen Hoffnungen und Bef\u00fcrchtungen, sondern man darf sich seinem Gott anvertrauen und auf ihn Hoffen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>und da merke ich, wie nah wir uns stehen &#8211; die Gemeinde damals und heute:<br \/>\nDas Leben in unserem Dorf vor 100 Jahren und das heute hat sich enorm ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>An der Feier der Hochzeit haben wir es heute gesehen.<\/p>\n<p>Was aber gleich geblieben ist, ist der zentrale Punkt unseres kirchlichen Lebens:<br \/>\nWir rechnen damit, dass Gott uns begleitet. Mit seiner Liebe, mit seinen Wegweisungen und seinem Segen.<\/p>\n<p>Amen<!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wie am Kirchweihmontag \u00fcblich, werfen wir einen historischen Blick auf des Leben unserer Gemeinde. 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