{"id":1582,"date":"2005-01-30T23:45:29","date_gmt":"2005-01-30T21:45:29","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1582"},"modified":"2014-06-01T23:47:40","modified_gmt":"2014-06-01T21:47:40","slug":"predigt-alles-von-alleine-markus-4-30-34-30-januar-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1582","title":{"rendered":"Predigt: Alles von alleine? (Markus 4, 30-34) 30. Januar 2005"},"content":{"rendered":"<p>Unser Predigttext f\u00fcr heute steht im Markus-Evangelium, im 4. Kapitel, Verse 30-34.<\/p>\n<p><i>Und Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft und schl\u00e4ft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprie\u00dft hervor und w\u00e4chst,er wei\u00df selbst nicht, wie.<br \/>\nDenn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die \u00c4hre, danach den vollen Weizen in der \u00c4hre.<br \/>\nWenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er sogleich die Sichel hin, denn die Ernte ist da.<\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde.<br \/>\n\u201eMit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft und schl\u00e4ft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprie\u00dft hervor und w\u00e4chst,er wei\u00df selbst nicht, wie&#8220; &#8211; steht in meiner Bibel.<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Geht alles von alleine?<\/b><\/i><\/span><br \/>\nDas hei\u00dft doch: Die Bauern und die Pfarrer haben einen irgendwie vergleichbaren Beruf.\u00a0 Denn Bauern und Pfarrer haben\u00b4s leicht: die haben n\u00e4mlich nicht viel zu tun. W\u00e4hrend sie schlafen, passiert die Arbeit von alleine.<\/p>\n<p>Der Bauer s\u00e4t im Fr\u00fchjahr, hat dem Sommer \u00fcber jede Menge Zeit, schaut zu, wie alles von allein sch\u00f6n w\u00e4chst und erntet dann im Herbst. Die Pfarrer habens noch einfacher: Die arbeiten n\u00e4mlich blo\u00df eine Stunde pro Woche: Am Sonntag in der Kirche.<\/p>\n<p>DAS ist nat\u00fcrlich ein Klischee, das vorne und hinten nicht stimmt. Das wissen die Bauern unter Ihnen. Und wer einen Pfarrer in der Verwandtschaft hat oder Kirchenvorsteher ist, wei\u00df, dass der Pfarrer auch sonst gut besch\u00e4ftigt ist.<\/p>\n<p><i><b><span style=\"color: #33cc00;\">Oder haben wir alles im Griff?<\/span><\/b><\/i><\/p>\n<p>Viel eher hat man heute das Gef\u00fchl: Es ist genau umgekehrt! Die Bauern und Pfarrer werden immer mehr Betriebsmanager, die alles im Auge und im Griff haben.<br \/>\nDas hei\u00dft: Wenn sie ausrechnen, was ein Pfarrer so alles anstellt, sagt ihnen der Taschenrechner. Dass der Gottesdienst am Sonntag vormittag grade mal 2 % seiner Arbeitszeit ausmacht. Und daneben bist es 98% Arbeit zwischen Schule, Kindergartenmanagement und Pfarrb\u00fcro.<\/p>\n<p>Und bei den Bauern? Da sehe ich viel Know-How und moderne Technik.<br \/>\nHeutzutage gibts Maschinen, die sind teuer und kompliziert, und damit wird alles leichter und erfolgreicher. Und das Saatgut wird auch immer moderner, hat immer abenteuerlichere Namen. Da gibts die Rizomania-tolerante Anastasia und noch viel mehr.\u00a0 Und wenn ich die Sch\u00e4dlingswarnungen vom Amt f\u00fcr Landwirtschaft lese, frage ich mich: Darf ich mich ohne Doktortitel \u00fcberhaupt noch auf einen Traktor setzen?<br \/>\nOffensichtlich ist heute in der Landwirtschaft alles machbar. Der Bauer von heute hat alles im Griff, ist st\u00e4ndig am optimieren, regulieren und investieren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Erfahrungen des Nicht-Machbaren<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>ABER das stimmt nur zum Teil. Nach wie vor gibt es unz\u00e4hlige Faktoren, an denen man beim besten Willen nicht dran drehen kann: Vom Wetter bis zu den Weltmarktpreisen. Da gibt es eine Grenze, wo ich eben nichts mehr beeinflussen kann. Da muss ich eben zusehen, wie und ob es gelingt.<br \/>\nWachsen muss das Getreide, muss selbst die modernste Zuckerr\u00fcbe, einfach selber.<br \/>\nUnd in der Gemeinde ist das ganz \u00e4hnlich. Da gibt es Kollegen, die sind \u00fcber 60 Stunden in der Woche f\u00fcr ihre Gemeinde unterwegs, aber Ergebnisse dieser Arbeit sehen sie keine.<\/p>\n<p>Zur Zeit Jesu wie auch heute\u00a0 bleibt es dabei: Wachstum ist nicht machbar. Wachstum ist ein Wunder Gottes, das er uns mit der Sch\u00f6pfung gegeben hat.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Das Reich Gottes &#8211; so sieht man es?<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Das greift Jesus in dem Gleichnis auf: Das Reich Gottes, sein Wachstum, ist ein Geschenk unseres Herrn. Gott selber l\u00e4\u00dft sein Reich wachsen. Er sorgt daf\u00fcr, da\u00df es immer gr\u00f6\u00dfer wird. Und schlie\u00dflich vollendet wird.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n. Aber vielleicht sollten wir uns noch dr\u00fcber im klaren werden, was mit &#8222;Reich Gottes&#8220; gemeint ist. Wenn wir in die Bibel reinschauen, hei\u00dft Reich Gottes eigentlich:<br \/>\nGott ist K\u00f6nig, Gott regiert. Und davon wird dann immer in den h\u00f6chsten T\u00f6nen geschrieben: Friede, Gerechtigkeit, Freude und Wahrheit werden herrschen und keine Grenzen kennen. Alle Tr\u00e4nen werden abgewischt werden. Es wird das Ende allen Unheils und der Beginn einer Heilszeit sein, wie wir sie uns heute noch gar nicht vorstellen k\u00f6nnen. Also: Himmlische Zust\u00e4nde. Genau:\u00a0 \u201eReich Gottes\u201e und \u201eHimmelreich&#8220; sind die gleiche Sache.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: seit Jesus sind bei uns himmliche Zust\u00e4nde in Anbrechen. Jetzt fragen wir uns hier in Gollhofen aber: Wenn das Reich Gottes, mitten unter uns am Wachsen ist, warum bekommen wir sowenig davon mit?<br \/>\nWo wird uns das mal so deutlich, dass wir rufen k\u00f6nnten: \u201eja ich habe es erlebt, Gott herrscht in dieser Welt&#8220;?<br \/>\nWir sind bestens informiert: Wir lesen Zeitung, schauen im Fernsehen die Nachrichten an und wissen Bescheid, was beim Nachbarn los ist. Aber Gottes Herrschaft kommt darin so gut wie nie vor. Wir haben nun mal nirgends himmlische Zust\u00e4nde.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Zeit des Wachstums, Zeit der Ernte<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Blaiebn wir doch mal in der Vorstellung des Gleichnisses:<br \/>\nSolange das Getreide w\u00e4chst, haben wir n\u00e4mlich auch keine Frucht. Die ist erst am Ende da: \u201eZuerst den Halm, danach die \u00c4hre, danach den vollen Weizen in der \u00c4hre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da&#8220;.<br \/>\nWenn wir jetzt, heute in unserer Welt nach den Fr\u00fcchten der Gottesherrschaft Ausschau halten, k\u00f6nnen wir lange suchen. Die sind n\u00e4mlich noch nicht da. Fr\u00fcchte, das wissen wir alle, die kommen erst am Ende des Wachstums. Und wann das im Reich Gottes soweit ist, wissen wir nicht. Es liegt &#8211; ich sage leider- in der Natur des Reiches Gottes, da\u00df es f\u00fcr uns normalerweise nicht erfahrbar ist.<br \/>\nSeine Fr\u00fcchte, Friede, Gerechtigkeit, Freude und Wahrheit werden wir erst am Ende der Zeiten im reifen Zustand zu Gesicht bekommen. Bis dahin sehen wir sie wohl h\u00f6chstens mal inmitten der Probleme unserer Erde aufblitzen. Dann sehen wir: &#8222;ah da hat Gott gehandelt&#8220;.<br \/>\nUnd wenn er das tut, ist das oft eine Befreiung: Er befreit uns aus Problemen, dr\u00e4ngenden Sorgen oder \u00c4ngsten. Da merken wir frohen Herzens: Gott ist da, und hilft uns.<br \/>\nManchmal muss man da auch zweimal hinschauen um das Handeln Gottes zu erkennen:<br \/>\nEin junger Mann aus meinem Bekanntenkreis hat das einmal eindr\u00fccklich erlebt: Er war damals knapp 30 Jahre alt und arbeitete in Weimar beim Miteldeutschen Rundfunk. Andreas &#8211; so hei\u00dft er &#8211; ist ein Kerl der immer arbeiten mu\u00df. Nicht weil\u00b4s ihm sein Chef sagt, sondern weil er will. Wenn er nichts zum arbeiten hat, dann ist er nicht gl\u00fccklich. Obwohl ihm sein Glauben wichtig war, wurde sein Christsein immer mehr von der Arbeit zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. \u201eArbeiten Tag und Nacht&#8220;, das war seine Devise- ohne R\u00fccksicht auf seine Gesundheit. Unddann hats einen Schlag getan: Er war mal wieder den ganzen Tag unterwegs gewesen, hatte ein Bier getrunken und ist beim Autofahren eingeschlafen. Da krachte er mit seinem Auto an einen Baum. Andreas kam mit leichten Verletzungen davon, obwohl sein Auto v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde. F\u00fcr Andreas war dieser Unfall ein Fingerzeig Gottes. Er sagt: Durch diesen Unfall habe ich gemerkt, da\u00df ich mein Leben anders ordnen muss:<br \/>\nNicht die Arbeit ist das Wichtigste im Leben, sondern mein Glaube. Erst dann kommt die Arbeit, auch wenn sie ein wichtiger Teil meines Lebens ist. Andreas hat f\u00fcr sich erkannt: Gott hat durch diesen Unfall an mir gehandelt. Erstens hat er mich vor schweren Verletzungen bewahrt und zweitens hat er mir signalisiert: &#8222;Halt, so kanns mit dir nicht weitergehen&#8220;. Auch wenn ein Autounfall ein Ungl\u00fcck ist: Gott hat mein Leben dadurch positiv ver\u00e4ndert. Gott hat gehandelt, und der Andreas hat es mal erkennen d\u00fcrfen. Gott handelt, Gott regiert.<br \/>\nWir sehen: Gott l\u00e4sst uns hie und da mal ein bisschen hinter die Kulissen dieser Welt schauen. Denn hinter diesen Kulissen lenkt Gott diese Welt, aber wir erkennen\u00b4s halt oft nicht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Die Ernte <\/b><\/i><\/span><br \/>\nUnser Gleichnis von der selbstwachsenden Saat, k\u00fcndigt freudig die Ernte an: Wenn der Weizen, wenn das Reich Gottes reif ist, kommt die Ernte. Die Felder werden abgem\u00e4ht, so erz\u00e4hlt es unser Gleichnis.<br \/>\nDas hei\u00dft buchst\u00e4blich, da\u00df es ein Einschnitt ist, wenn Gottes Reich zur Vollendung kommt, wenn es sichtbar wird. So wie ein Feld nach der Ernte anders aussieht als vorher, wird auch unsere Welt einen Umbruch erleben.<\/p>\n<p>Wir wissen, da\u00df Gott ein Gericht halten wird. Gericht hei\u00dft: Die M\u00e4chte, die Gott entgegenstanden, Unfriede, Ha\u00df, Leid und L\u00fcge, werden endg\u00fcltig entmachtet und verurteilt. Dann steht dem Reich Gottes, dieser endg\u00fcltigen Heilszeit, nichts mehr im Wege. Dann k\u00f6nnen wir erkennen, da\u00df Gott regiert. Und wir werden die Fr\u00fcchte des Gottesreiches sehen und erleben. Nicht als gl\u00fcckliche Ausnahme vom Allt\u00e4glichen, sondern als heilvollen Normalzustand.<br \/>\nKleine Episode am Rande: vor etwa 100 Jahren haben lutherische Theologen gemeint: Vollendung des Reiches Gottes besteht darin, da\u00df alle Menschen dank ihrer christlichen Erziehung zu gut zueinander sind, da\u00df dadurch die himmlischen Zust\u00e4nde erreicht werden. Reich Gottes als allgemeine Verbesserung der Menschen und der Gesellschaft. &#8211; Diese\u00a0 Theorie wurde dann brachial durch die Tatsache des ersten Weltkrieges widerlegt.<\/p>\n<p>Diese Theorie begegnet einem heute immer noch. Aber sie widerspricht dem Verst\u00e4ndnis vom Reich Gottes, das wir in dem Gleichnis kennen gelernt haben. Das Reich Gottes, von dem Jesus erz\u00e4hlt, ist was anderes als ein irdischer Optimalzustand, in den wir einfach hin\u00fcbergleiten: Es gibt Jesu Wiederkunft und das Gericht, in dem Gott sich durchsetzt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i><b>Das Reich w\u00e4chst von alleine<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Heute, Sonntag vormittag, ist es aber noch nicht soweit. Wir leben noch immer im Zeitalter des wachsenden, unsichtbaren Reiches Gottes.<br \/>\n\u201eMit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft, und schl\u00e4ft und aufsteht, es wird Nacht und Tag; und der Same geht auf und w\u00e4chst &#8211; er wei\u00df nicht, wie&#8220;.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde: Das Reich Gottes w\u00e4chst von alleine &#8211; bis zu seiner Vollendung. Der Aufbau des Reiches Gottes ist nicht unsere Aufgabe. Gott allein baut dieses Reich auf und wird es zur rechten Zeit vollenden. Nicht wir m\u00fcssen uns abstrampeln, um das Gottesreich aufzurichten. Nicht wir sind mit unserem Versagen dran Schuld, dass der J\u00fcngste Tag noch nicht gekommen ist.<\/p>\n<p>Wir sind wie der Bauer, der nat\u00fcrlich alle H\u00e4nde voll zu tun hat. Aber das Wachsen kann er nicht machen.<br \/>\nAls Kirchengemeinde, als Christen haben wir viele Aufgaben in dieser Welt. Wir sollen Glauben weitergeben, Liebe \u00fcben, unser eigenes Leben nach Gottes Willen gestalten. Damit sind wir mit Arbeit gut eingedeckt.<br \/>\nUnd da k\u00f6nnen wir froh sein, da\u00df wir nicht auch noch f\u00fcr das Wachsen des Gottesreiches zust\u00e4ndig sind<\/p>\n<p>Martin Luther war sicher keiner, der alle f\u00fcnf gerade sein lie\u00df, wenn es um Gottes Reich ging. Aber mit einem Satz &#8211; deftig wie er war &#8211; zeigte er uns, was es hei\u00dft, Vertrauen darauf zu haben da\u00df Gott selber sein Reich aufbaut: Er sagte \u201eW\u00e4hrend ich hier mein gut Wittenbergisch Bier trinke, geht das Evangelium wie ein Platzregen \u00fcber die Erde&#8220;.<\/p>\n<p>Das war seine Linie:<br \/>\nAls Christ zu tun, was man als Mensch schaffen kann.<br \/>\nUnd Gott das zu \u00fcberlassen, wo wir sowieso nur Zuschauer sind.<\/p>\n<p>Amen<!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Predigttext f\u00fcr heute steht im Markus-Evangelium, im 4. Kapitel, Verse 30-34. 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