{"id":1570,"date":"2005-07-17T23:25:14","date_gmt":"2005-07-17T22:25:14","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1570"},"modified":"2019-08-10T19:26:14","modified_gmt":"2019-08-10T17:26:14","slug":"schwerter-zu-pflugscharen-auch-im-globalen-sandkasten-jesaja-2-1-5-17-juli-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1570","title":{"rendered":"Schwerter zu Pflugscharen &#8230; auch im globalen Sandkasten (Jesaja 2, 1-5) 17. Juli 2005"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-pullquote\" style=\"border-color:#0693e3\"><blockquote class=\"has-text-color has-vivid-red-color\"><p><a href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=3894\">Hinweis: Eine aktuellere Predigt zu Jesaja 2,1-5 aus dem Jahr 2019 gibt es hier:<\/a>  <\/p><cite><a href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=3894\">https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=3894<\/a><\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n<p>Liebe Gemeinde unser Predigttext zum heutiges Sonntag steht beim Propheten Jesaja im 2. Kapitel:<br \/><em>Dies ist&#8217;s, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat \u00fcber Juda und Jerusalem:<\/em><br \/><em> 2\u00a0 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, h\u00f6her als alle Berge und \u00fcber alle H\u00fcgel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,<\/em><br \/><em> 3 und viele V\u00f6lker werden hingehen und sagen: Kommt, la\u00dft uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, da\u00df er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn\u00a0 von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.<\/em><br \/><em> 4 Und\u00a0 er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele V\u00f6lker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spie\u00dfe zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu f\u00fchren.<\/em><br \/><em> 5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, la\u00dft uns wandeln im Licht des HERRN<\/em>!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>bei diesen Worten tut sich, allein von den Stichworten her, die ich h\u00f6re, ein ganzer Kosmos auf.<\/p>\n<p>Zuallererst: \u201cSchwerter zu Pflugscharen\u201d &#8211; dieses Wort des Propheten hat die Friedensbewegung gepr\u00e4gt. Es l\u00e4sst mich an die Zeit der Osterm\u00e4rsche und des Wettr\u00fcstens zwischen West und Ost denken. An ein Lebensgef\u00fchl, das so etwas apokalyptisches hatte. Als Sch\u00fcler haben wir damals bei verschiedenen milit\u00e4rischen Konflikten, beim Falkland-Krieg oder bei der Bombardierung von Tripolis in Lybien, immer gedacht: \u201cJetzt kommt der dritte Weltkrieg!\u201d<\/p>\n<p>Der fremde Text<\/p>\n<p>Ein zweites: Der Prophet schreibt von der \u201cletzten Zeit\u201d, in der das alles passieren wird. Und er beschreibt ein Szenario, das fast schon nach einem Fahrplan abzulaufen scheint: Da str\u00f6men die heidnischen V\u00f6lker zum Berg Zion, der unver\u00e4ndert fest da steht. Und von dort aus wird eine Botschaft, eine Weisung ausgehen, die das Verhalten der V\u00f6lker ver\u00e4ndern wird.<br \/>Da merke ich: Das ist f\u00fcr mich weit weit weg; r\u00e4umlich, um die 4000 Kilometer und zeitlich sowieso, weil ja das \u201cEnde der Zeit\u201d ein ganz schlecht fassbarer Begriff ist.<\/p>\n<p>Was ich da lese klingt attraktiv&#8230; das mit den umgeschmiedeten Schwertern<br \/>und zugleich aber auch so unwirklich und fern.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlege mir: Als der Prophet Jesaja etwa 700 Jahre vor Christus das zu den Israeliten gesagt hat, war ihnen das auch ziemlich fremd, und sie haben sich gefragt, was dieser Gottesmann von ihnen will. Jesaja, der immer f\u00fcr schlechte\u00a0 Laune gesorgt hat, weil er die Gro\u00dfen im Volk auf ihre Verantwortung vor Gott und f\u00fcr das Volk hingewiesen hat.<\/p>\n<p>Sandkasten<\/p>\n<p>Vielleicht ist es hilfreich, wenn man dieses gro\u00dfe Geschehen nicht im Ganzen betrachtet, sondern aus einer ganz kleinen und begrenzten Perspektive:<br \/>Wie w\u00e4re es zum Beispiel mit den 2 Quadratmetern eines Sandkastens, in dem einige Kinder spielen.<\/p>\n<p>Wer da genau hinschaut, merkt, dass dort die gleichen Spiele gespielt werden, wie rund um unseren Globus in den K\u00f6nigsh\u00e4usern vor 2700 Jahren oder den Regierungsgeb\u00e4uden und Konzernleitungen heute.<\/p>\n<p>Auf der Erde wie auch im Sandkasten haben wir ein begrenztes Spielfeld und begrenzte Ressourcen: Da gibt nicht endlos viel Sand, Platz , Bagger und Schaufeln.<br \/>Und je nach Situation wird mehr oder weniger konfliktfrei im Sandkasten gespielt.<\/p>\n<p>Aber irgendwann ist Schluss mit lustig: Zum Beispiel hat die Johanna der Verena ein Kuchenf\u00f6rmchen weggenommen. Vielleicht hat die das gar nicht gebraucht, aber jetzt, wo die andere es genommen hat, regt sich die Unzufriedenheit und der Konflikt entz\u00fcndet sich. Wie das dann weiterl\u00e4uft ist nicht immer vorhersehbar; aber oftmals kommt es dann zum bewaffneten Konflikt: Man wirft sich Sand in die Augen, schl\u00e4gt mit der Plastikschaufel dem Andern auf die Finger oder rei\u00dft das begehrte St\u00fcck mit Gewalt an sich.<\/p>\n<p>Ja, der Sandkasten ist manchmal das Abbild des Verhaltens der Gro\u00dfen, nur die Wahl der Waffen und die Art der Folgen unterscheiden sich.<\/p>\n<p>\u201cSchwerter zu Pflugscharen\u201d &#8211; das w\u00e4re ja auch ein Ansatz f\u00fcr unseren kleinen Sandkasten. Alles, womit sich die Kleinen wehtun k\u00f6nnten, wird aus dem Sandkasten verbannt. Schaufel, Stecken und sonstige m\u00f6gliche Waffen werden weggesperrt. Eltern, die so etwas versucht haben, wissen, wie wenig erfolgversprechend diese Methode ist: Bein n\u00e4chsten Streit schmei\u00dfen sie sich dann eben mit blo\u00dfen H\u00e4nden den Sand gegenseitig in die Augen und gehen zum Schlagen, Zwicken und Bei\u00dfen \u00fcber.<\/p>\n<p>Und wieder ist der globale Sandkasten nicht viel anders: Die Gro\u00dfm\u00e4chte haben zwar ihre Atomwaffenarsenale abgebaut, aber weiterhin ist man dabei mit konventionellen Waffen flei\u00dfig Kriege zu f\u00fchren. Und selbst wenn diese Waffen zu Pflugscharen und Sensen umgeschmiedet w\u00fcrden, ist zu bef\u00fcrchten, dass man dann eben wie im Bauernkrieg 1525 einst mit der Sichel und dem Dreschflegel aufeinander los geht.<\/p>\n<p>\u201cSchwerter zu Pflugscharen\u201d ist anscheinend nicht die L\u00f6sung des Problems.<\/p>\n<p>Ich glaube, der Prophet Jesaja sieht das auch so. Er beschreibt es ja:<br \/>viele V\u00f6lker werden hingehen und sagen: Kommt, la\u00dft uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, da\u00df er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn\u00a0 von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.<br \/>4 Und\u00a0 er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele V\u00f6lker<br \/>Und dann, liebe Gemeinde, erst dann werden sie anfangen, ihre Waffen zu sinnvolleren und friedlicheren Ger\u00e4tschaften umzubauen.<\/p>\n<p>Da sind also zwei Schritte erkennbar, die nacheinander kommen: Zuerst einen Weg zu haben, der der richtige ist, um miteinander friedvoll leben zu k\u00f6nnen, und dann erst kann man die Waffen verschrotten.<br \/>Interessant in dieser Perspektive: Die Waffen werden entsorgt, nicht weil sie so gef\u00e4hrlich w\u00e4ren, sondern, weil man sie schlicht und einfach nicht mehr ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Das ist bedenkenswert:<br \/>Der Friede entsteht nicht aufgrund von Verbot oder Bedrohung, sondern deshalb, weil die Menschen den Frieden als guten und lohnenden Weg erkennen und ihn auch gehen.<\/p>\n<p>Dialektik der real existierenden Menschen<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu meinem Sandkasten:<br \/>Ich glaube, wir als Eltern &#8211; so wie sie sicher auch &#8211; bem\u00fchen uns aufs Beste unseren Kindern (oder Enkeln) deutlich zu machen, wie gut es ist, seine Probleme friedvoll und gewaltfrei zu l\u00f6sen, und zugleich das selber auch vorzuleben. (Denn wir wissen ja auch, dass Kinder in solchen F\u00e4llen weniger auf unsere guten Worte h\u00f6ren als vielmehr nachmachen, was wir ihnen in unserem eigenen Leben vormachen.)<\/p>\n<p>Also eigentlich beste Bedingungen im Sinne von Jesaja: Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu f\u00fchren.<br \/>Tja, und dann kracht es trotzdem und die lieben Kinder dreschen im Sandkasten wieder aufeinander ein.<br \/>&#8211; so sieht unsere reale Erfahrung h\u00e4ufig aus.<br \/>Wir haben eben leider keine ideale Welt. Da l\u00e4uft nicht alles nach Plan, nach Wunsch oder nach dem, was richtig und vern\u00fcnftig w\u00e4re. Zwangsl\u00e4ufig bleiben unsere Bestrebungen nach einem friedvollen Miteinander St\u00fcckwerk. Das wird nie ganz klappen; dazu stehen wir Menschen uns selber viel zu oft im Weg.<\/p>\n<p>Vor dem UNO-Hauptquartier in News York steht eine Skulptur, die einen Menschen darstellt, der ein Schwert zur Pflugschar umschmiedet.<br \/>Dieses Bild ist eine Vision, die die Vereinten Nationen stets vor Augen haben. Aber in ihren Bem\u00fchen um Frieden sto\u00dfen sie immer wieder an Grenzen, sind sich bewusst, dass dieses Ziel nicht erreichbar ist.<\/p>\n<p>Beim Propheten Jesaja wird deutlich, dass er auch gar nicht damit rechnet, dass wir Menschen das verwirklichen. Es spricht davon, dass das ein Ziel am Ende der Zeit sein wird; ein Zustand, den Gott allein herstellen kann und auch wird.<\/p>\n<p>Darauf macht Jesaja seinen Zuh\u00f6rern und uns als Lesern seiner Worte Hoffnung &#8230; und zugleich bremst er unsere Erwartungen, dass wir die Welt grundlegend ver\u00e4ndern k\u00f6nnten oder m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Unser Anteil?<br \/>Bleibt uns nur noch abwarten und auf bessere Zeit hoffen?<br \/>H\u00e4nde in den Scho\u00df legen, weil es sowieso nur Gott regeln kann?<br \/>Beileibe nicht. Am Ende unseres Abschnitts von heute tr\u00e4gt uns der Prophet<br \/>unsere Hausaufgabe auf:<br \/>Kommt nun, (ihr vom Hause Jakob), la\u00dft uns wandeln im Licht des HERRN.<\/p>\n<p>Schon jetzt kann ich f\u00fcr mich beschlie\u00dfen, statt der Schwerter lieber Pfl\u00fcge anzuschaffen, und Sicheln statt Speere. Meinen Teil dazu beizutragen, dass ich selber auch nicht mehr Lust habe Krieg zu spielen &#8230;<br \/>weder im Sandkasten,<br \/>noch in meiner Familie, oder meinem Dorf.<br \/>Denn soweit wir einem Teil zum Frieden beizutragen haben, wird es wohl genau da sein.<\/p>\n<p>Amen<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde unser Predigttext zum heutiges Sonntag steht beim Propheten Jesaja im 2. Kapitel:Dies ist&#8217;s, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat \u00fcber Juda und Jerusalem: 2\u00a0 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, h\u00f6her als alle Berge und \u00fcber alle H\u00fcgel\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1570\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Schwerter zu Pflugscharen ... auch im globalen Sandkasten (Jesaja 2, 1-5) 17. Juli 2005","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[29],"tags":[735,410,6],"class_list":["post-1570","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten-2004-2006","tag-8-sonntag-nach-trinitatis","tag-jes","tag-jesaja"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4BNB2-pk","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1570","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1570"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1570\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3903,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1570\/revisions\/3903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}