{"id":1568,"date":"2005-08-14T23:22:47","date_gmt":"2005-08-14T22:22:47","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1568"},"modified":"2022-05-14T00:43:48","modified_gmt":"2022-05-13T22:43:48","slug":"predigt-ich-bin-gekommen-ein-feuer-anzuzuenden-auf-erden-lukas-1249-symbolpredigt-14-august-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1568","title":{"rendered":"Symbolpredigt: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuz\u00fcnden auf Erden\u201d (Lukas 12,49, Symbol Streichholz), 14. August 2005"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ich habe ihnen w\u00e4hrend des Liedes Streichh\u00f6lzer ausgeteilt. Jeder von ihnen hat jetzt so ein ganz einfaches Streichholz. Ein Gegenstand, den manche von Ihnen tagt\u00e4glich benutzen &#8211; andere hingegen sind nehmen stattdessen ein Feuerzeug zu Hand.<br \/>\nIn der n\u00e4chsten Viertelstunde m\u00f6chte ich mit Ihnen dieses Streichholz genau betrachten und schauen, ob uns so ein Gegenstand etwas \u00fcber den Glauben erz\u00e4hlen kann.<!--more--><br \/>\n<span style=\"color: #33cc00;\"><i>ZERBRECHLICHKEIT<\/i><\/span><\/p>\n<p>Schauen wir uns unsere Streichh\u00f6lzer doch etwas genauer an. Denn auch wenn sie zu Millionen hergestellt werden: Jedes Streichholz ist ein bisschen anders als die anderen:<br \/>\nDie Oberfl\u00e4che ist unterschiedlich rau, bei machen finden sich kleine Rillen oder Riefen im Holz. Der Z\u00fcndkopf ist manchmal eher tropfenf\u00f6rmig rund; bei anderen H\u00f6lzern l\u00e4nger und schlanker. Manches ist ganz gerade, andere sind ein wenig gebogen.<br \/>\nAllen gemein ist ihre Zerbrechlichkeit: Nicht einmal zwei Millimeter dick sind diese H\u00f6lzchen. Und wer unvorsichtig mit ihnen umgeht, bricht sie beim Anz\u00fcnden auch schnell ab. Unsere f\u00fcnfj\u00e4hrige Tochter, die im letzten Winter mit Begeisterung unseren Kaminofen angesch\u00fcrt hat, ist regelm\u00e4\u00dfig an den d\u00fcnnen H\u00f6lzchen gescheitert. Entweder sie war zu vorsichtig, so dass sich das Streichholz nicht entz\u00fcndet hat, oder sie hat zu kr\u00e4ftig hingelangt und das Holz ist abgebrochen.<br \/>\nIrgendwann eines dieser neueren Feuerzeuge ausprobiert, die f\u00fcr Kinderh\u00e4nde ideal sind: Man braucht nur ein Hebelchen dr\u00fccken, und schon brennt vorne eine stabile Flamme.<br \/>\nSeitdem fragt unsere Tochter nicht mehr nach den kleinen, zerbrechlichen und unpraktischen H\u00f6lzern. Sie ist aufs moderne Feuerzeug umgestiegen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde &#8211; ich denke, da haben unsere Streichh\u00f6lzer schon etwas mit dem Glauben gemein: \u201cGlaube? &#8230;. Brauchen wir nicht &#8230; altmodisches Zeug. Das kriegen wir heute alles viel einfacher, unkomplizierter und praktischer hin.\u201d Das muss man sich ja als Christ manchmal anh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und manchmal habe ich da nicht viel zum Dagegenhalten; genauso, wie das Streichholz gegen das Feuerzeug ganz schlechte Karten hat.<\/p>\n<p>Denn mein Glaube ist auch oft d\u00fcnn und zerbrechlich. Wenn manche qu\u00e4lende Frage kommt nach dem gerechten Gott, oder wenn einer sagt: Das ist doch sowieso alles erfunden, was in der Bibel steht. Da sp\u00fcre ich diese Zerbrechlichkeit; denn ich habe da keine fertigen Antworten und perfekte Beweise mit den ich Fragenden oder Kritikern mit unersch\u00fctterlicher St\u00e4rke entgegentreten kann. Viel eher habe ich ja auch selbst offene Fragen. Meinen Glauben kann ich da nicht wie einen Baseballschl\u00e4ger herum schwingen und damit umhauen, was und wen mir nicht passt.<\/p>\n<p>Und ich sehe auch die neuen \u201cFeuerzeuge\u201d, die mir Lebensgl\u00fcck und Antwort auf meine Fragen versprechen. Einfache Antworten, solche bei denen es kein \u201cvielleicht\u201d gibt. Die sagen: Was machst du dir es denn so schwer mit diesem Ballast? Deine 10 Gebote sind doch alte Kamellen, die vor 3000 Jahren vielleicht ganz sinnvoll waren. Aber heute m\u00fcssen wir nach Kosten und Nutzen schauen. Das ist doch Unsinn, da so unverr\u00fcckbar zu sagen: Du sollst nur einen Gott haben, nicht t\u00f6ten und nicht ehebrechen. Wir m\u00fcssen handlungsf\u00e4hig bleiben und uns anpassen. Wie sollen wir denn in Sachen Stammzellenforschung vorw\u00e4rtskommen, wenn Ihr \u00fcber jeden Embryo Eure sch\u00fctzende Hand legen wollt? Wei\u00dft du, wir machen da ja auch Regeln, aber so, dass man sie auch praktisch handhaben kann. &#8211; Aber mit diesen biblischen Regeln kannst du uns gestohlen bleiben.<\/p>\n<p>Manchmal kommt mir mein Glaube vor wie ein Streichholz, das ich beh\u00fcten und sch\u00fctzen muss.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i>GEDULD<\/i><\/span><\/p>\n<p>Jetzt haben sie ihr Streichholz schon ein paar Minuten in der Hand &#8230; und brennt es schon? Nat\u00fcrlich nicht. Unsere Sicherheitsstreichh\u00f6lzer, sie es schon \u00fcber 150 Jahre gibt, entz\u00fcnden sich nicht einfach so aus Versehen, wenn man sie in der Hand h\u00e4lt, oder an einer Kirchenbank entlang streicht.<br \/>\nVielmehr warten sie geduldig Monate, vielleicht auch Jahre, bis man sie an der Reibefl\u00e4che einer Streichholzschachtel entfacht.<br \/>\nEs ist schon enorm: Dem Streichholz scheint es nichts auszumachen, wenn es \u00fcber lange Zeit nicht zum Einsatz kommt. Mir kommt es so vor als wenn es in aller Gelassenheit in seiner Schachtel ruht und zu sich sagt: \u201cIch habe Geduld, ich bin jederzeit zum Einsatz bereit. Bis dahin werde ich in meiner Pappkiste warten und sehen, was so auf mich zukommt. Und ich bin neugierig, wof\u00fcr ich zum Einsatz komme. Was ich anz\u00fcnden darf und was daraus entsteht\u201d<\/p>\n<p>Ich habe manchmal das Gef\u00fchl, dass der Glaube in manchen Menschen auch so in Wartestellung liegt. Da haben sie sich nach der Konfirmation z\u00fcgig aus der Gemeinde verabschiedet, haben zur Trauung unverbindlich vorbeigeschaut und f\u00fchren abseits unserer kirchlichen Angebote zufrieden ihr Leben. Das finde ich oft schade, aber ich merke: Das ist auch nicht so einfach zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aber das Bild vom geduldigen Streichholz macht mir da ein bisschen Hoffnung. Immer wieder mal tauchen diese Menschen ja doch mal auf, haben Kontakt mit Kirche, mit Christen, mit Glauben. Reiben sich bildhaft gesprochen an der Schachtel, aus der ihr schlafendes Glaubensstreichholz kommt. Und vielleicht passiert es dann doch einmal, dass es Feuer f\u00e4ngt, dass ihr Glaube zu etwas Lebendigem wird. Das sie als Christen entz\u00fcndet und ihr Leben hell und warm macht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #33cc00;\"><i>POTENZIAL <\/i><\/span><\/p>\n<p>Und damit sind wir nach der Zerbrechlichkeit und der Geduld bei der dritten herausragenden Eigenschaft des Streichholzes: Seinem ungeheuren Potenzial.<br \/>\nVorhin haben wir gesungen \u201cEin Funke kaum zu sehn, entfacht doch helle Flammen\u201d.<br \/>\nEs ist faszinierend und be\u00e4ngstigend zugleich: Ein winziger Funke am Z\u00fcndkopf des Streichholzes setzt das kleine H\u00f6lzchen in Brand, damit entz\u00fcnde ich das Papier im Ofen und nach einer Viertelstunde bullert der Ofen im Wohnzimmer gem\u00fctlich und h\u00e4lt das ganze Haus wohlig warm.<br \/>\nOder ein Johannisfeuer ist mit seinen Flammen \u00fcber Kilometer weit zu sehen.<br \/>\nOder &#8211; das gibt es ja auch &#8211; ein Haus oder eine Scheune wird zum Raub der Flammen, weil spielende Kinder das Potenzial der kleinen Flamme am Streichholz untersch\u00e4tzt haben.<\/p>\n<p>Unser christlicher Glaube hat Potenzial! Jesus war es, der damals angefangen hat zu z\u00fcndeln. \u201c<i>Ich bin gekommen, ein Feuer anzuz\u00fcnden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!<\/i>\u201d (Lukas 12, 49) so erkl\u00e4rt Jesus es seinen J\u00fcngern im Evangelium des Lukas.<br \/>\nDa h\u00f6re ich das Ratschen eines Streichholzes. Jesus als der Funke, der tats\u00e4chlich diese Welt glaubensm\u00e4\u00dfig angesteckt hat. Die J\u00fcnger waren die ersten. Erinnern Sie sich an die Pfingsterz\u00e4hlung: Die J\u00fcnger waren buchst\u00e4blich Feuer und Flamme; denn wieder ist es der Evangelist Lukas, der das Geschehen bildlich mit Flammen beschreibt, die sich auf den J\u00fcngern niederlassen.<\/p>\n<p>Seitdem wird das Feuer von Generation zu Generation weitergegeben. Das Feuer des Glaubens in dem was wir von unseren Eltern und Gro\u00dfeltern vorgelebt bekommen haben und f\u00fcr uns angenommen haben. Ein Feuer, das brennt, und w\u00e4rmt und antreibt. Auch dazu dr\u00e4ngt, davon weiterzusagen.<\/p>\n<p>Zugleich aber auch werden Streichh\u00f6lzer des Glaubens auch weitergereicht. Da, wo Glaube gerade nicht brennt, sondern erst entfacht werden will.<br \/>\nDas, was Menschen weitererz\u00e4hlen, was in der Bibel zu lesen ist,<br \/>\nwas an Traditionen durch die Zeiten weitergereicht wird, das hat weiterhin den Charakter eines kleinen, geduldigen und zerbrechlichen Streichholzes &#8230; es kommt nur darauf an, dass wir Menschen uns getrauen, das Feuer des Glaubens in uns selbst entfachen zu lasen.<\/p>\n<p>So wie Jesus es begonnen hatte: <i>Ich bin gekommen, ein Feuer anzuz\u00fcnden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte<\/i>!<br \/>\nAmen<br \/>\n<!--more--><!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, ich habe ihnen w\u00e4hrend des Liedes Streichh\u00f6lzer ausgeteilt. Jeder von ihnen hat jetzt so ein ganz einfaches Streichholz. Ein Gegenstand, den manche von Ihnen tagt\u00e4glich benutzen &#8211; andere hingegen sind nehmen stattdessen ein Feuerzeug zu Hand. In der n\u00e4chsten Viertelstunde m\u00f6chte ich mit Ihnen dieses Streichholz genau betrachten\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1568\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuz\u00fcnden auf Erden\u201d (Lukas 12,49, Symbolpredigt), 14. August 2005","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[29,363],"tags":[779,536,307],"class_list":["post-1568","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten-2004-2006","category-symbolpredigt","tag-okuli","tag-streichholz","tag-symbole"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4BNB2-pi","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1568"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1568\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5255,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1568\/revisions\/5255"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}