{"id":1557,"date":"2005-10-31T23:13:46","date_gmt":"2005-10-31T21:13:46","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1557"},"modified":"2014-06-01T23:15:30","modified_gmt":"2014-06-01T21:15:30","slug":"predigt-reformation-in-gollhofen-die-jahre-1517-bis-1552-kirchweihmontag-31-oktober-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1557","title":{"rendered":"Predigt: Reformation in Gollhofen &#8211; Die Jahre 1517 bis 1552, Kirchweihmontag, 31. Oktober 2005"},"content":{"rendered":"<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Ein Blick in die Geschichte unserer Kirchengemeinde<\/span><\/b><\/p>\n<p>Was geschah zwischen dem Thesenanschlag Luthers 1517 und dem Wechsel unserer gemeinde Gollhofen zum evangelischen Glauben im Jahr 1552? Dazu werfen wir einen Blick in die Chronik von Gollhofen:<\/p>\n<p>1517<\/p>\n<p>Im Reformationsjahr wird in der Kirche von Gollhofen das Sakramentshaus im Altarraum errichtet. Der Hase an einer Seite verweist m\u00f6glicherweise auf einen damaligen B\u00fcrgermeister mit Namen Has. Von dem, was sich in Wittenberg um den Theologieprofessor Martin Luther abspielte, nahm man keine Notiz.<!--more--><\/p>\n<p>1524<\/p>\n<p>Der Limpurgische Schenk Gottfried tritt mit anderen F\u00fcrsten, Grafen und Herren zusammen, um gemeinsam \u00fcber die aktuelle Situation zu sprechen. Offenbar gibt es einige Verwirrungen angesichts des neuen von Luther aufgebrachten Glaubens.<\/p>\n<p>Ein Reichstag in N\u00fcrnberg hatte zuvor als Kompromissformel formuliert: Jeder soll bis zur weiteren Kl\u00e4rung der Lage auf einem Reichstag in Speyer das Evangelium nach seinen besten Verstande predigen. Und in den strittigen Fragen soll sich ein jeder Pfarrer mit den ihm \u00fcbergeordneten geistlichen und weltlichen Herren beraten und einigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1528<\/p>\n<p>gibt es eine scharfe Auseinandersetzung um Seenheim, das ja zu Gollhofen geh\u00f6rt. Der Gollh\u00f6fer Pfarrer verlangt, dass die Seenheimer an den hohen Festtagen nach Gollhofen zur Kirche kommen. Der Gollh\u00f6fer Pfarrer sieht wiederum seine Aufgaben in Seenheim lediglich im Taufen und im Vollzug der letzten \u00d6lung. Er erh\u00e4lt daf\u00fcr den gesamten Zehnten der Seenheimer und verwendet nur einen kleinen Teil davon, um einen ihm untergebenen Priester f\u00fcr Seenheim zu bezahlen. Dar\u00fcber sind die Seenheimer unzufrieden und f\u00fchlen sich ausgenutzt. Mehrere Schreiben gehen hin und her, die Markgrafen von Ansbach werden eingeschaltet, was aber letztlich auch nichts ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1530<\/p>\n<p>Am Tag vor Palmsonntag stirbt Schenk Gottfried von Limpurg, sein Sohn Karl wird 32-j\u00e4hrig Nachfolger. Karl ist ein \u00fcberzeugter Anh\u00e4nger der lutherischen Lehre, jedoch ist ihm die Unruhe, die die Reformation in den deutschen Landen mit sich bringt, suspekt. Au\u00dferdem ist er grunds\u00e4tzlich sehr konservativ. Da er gegen\u00fcber dem Bischof von W\u00fcrzburg in einem Lehensverh\u00e4ltnis steht, ist die Einf\u00fchrung der Reformation in seinem Gebiet zun\u00e4chst nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1539<\/p>\n<p>Auch beim Pfarrerwechsel im Jahr 1539 ist Erbschenk Karl damit einverstanden, dass der W\u00fcrzburger Bischof mit Caspar Spannkuch einen katholischen Priester entsendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1544<\/p>\n<p>In diesem Jahr ist erkennbar, dass der Gollh\u00f6fer Patron mit dem Wechsel zum evangelischen Bekenntnis ernst machen will: Auf dem fr\u00e4nkischen Grafentag schlie\u00dft sich Karl den F\u00fcrsten an, die sich zum Bekenntnis der Lutherischen halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1552<\/p>\n<p>Um Ostern herum fallen hessische Reiter in Gollhofen ein und pl\u00fcndern das Pfarrhaus, in dem immer noch Pfarrer Spannkuch lebt. Er selbst wird misshandelt und verl\u00e4sst Gollhofen.<\/p>\n<p>So setzte am 27. April 1552 Erbschenk Karl den Bischof in W<span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00fc<\/span>rzburg davon in Kenntnis, dass der Gollh<span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00f6<\/span>fer Pfarrer Spannkuch durch einen evangelischen Kollegen aus dem schon seit 1528 evangelischen Uffenheim ersetzt werden wird.<\/p>\n<p>Pfarrer Zeller ist in Uffenheim schon auf dem Sprung. Offenbar lag er mit dem dortigen Spitalpfarrer im Streit.<\/p>\n<p>Christoph Zeller hat\u00a0 wahrscheinlich zehn Jahre zuvor in Wittenberg studiert. So ist es m<span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00f6<\/span>glich, dass er dort auch Luther noch selbst getroffen und geh<span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00f6<\/span>rt hat.<br \/>\nAm 12. Mai 1552 wurde Christoph Zeller zum Pfarrer von Gollhofen ernannt. So<br \/>\nwurde Gollhofen quasi <span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00fc<\/span>ber Nacht evangelisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1558<\/p>\n<p>In trockene T<span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00fc<\/span>cher kommt das Luthertum in den limpurgischen Landen, als Schenk Karl sich 1558 kurz vor seinem Tod offiziell dem Frankfurter Rezess anschlie<span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00df<\/span>t. In diesem Dokument erkennen die protestantischen F<span style=\"font-family: Times New Roman CE,serif;\">\u00fc<\/span>rsten die Auslegung des lutherischen Glaubens durch Phillip Melanchthon als ihren eigenen Standpunkt an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Ansprache<\/span><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir haben jetzt gesehen, wie in etwa die Reformation nach Gollhofen kam. Genau genommen haben wir vor allem erfahren, was auf der Ebene der damaligen Landesherren passiert ist. Wer mit wem gesprochen, geplant und sich geschrieben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vieles, was mich wirklich interessieren w\u00fcrde, bleibt aber im Dunkeln: Was ist in den Menschen vorgegangen, die hier beteiligt waren? Wie sehr waren die Limpurger Herren tats\u00e4chlich von dem, was Luther gesagt und geschrieben hat, ber\u00fchrt? &#8211; Oder war es doch nur machtpolitisches Kalk\u00fcl?<\/p>\n<p>Bei der Episode von der gewaltsamen R\u00e4umung des Pfarrhauses ist man ja versucht, ein wenig zu schmunzeln. Schlie\u00dflich ist es nie herausgekommen, ob Erbschenk Karl nicht doch diese hessischen Reiter als Rollkommando geschickt hat, um Gollhofen endlich lutherisch werden zu lassen. Denn andere Gemeinden in seinem Bereich &#8211; wie zum Beispiel Sommerhausen &#8211; waren ja schon l\u00e4nger evangelisch. Aber so lange der \u201calte\u201d Pfarrer noch da war, hat sich Erbschenk Karl nichts ver\u00e4ndert\u00a0 &#8211; anscheinend mit R\u00fccksicht auf den Bischof in W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist der Blick auf\u00a0 \u201cdie Gro\u00dfen\u201d. Die kleinen Leute, die Gollh\u00f6fer B\u00fcrger und auch der Pfarrer blieben irgendwie im Hintergrund. Sie waren in konfessioneller Hinsicht sowieso machtlos. Damals durfte nicht jeder Mensch selbst entscheiden, ob er evangelisch oder katholisch sein wollte. Der jeweilige Landesherr hatte das Sagen. Wenn der F\u00fcrst, Markgraf oder Herr beschloss, dass es besser sei evangelisch zu sein, wurde das in die Tat umgesetzt &#8211; und diese Entscheidung galt f\u00fcr sein ganzes Herrschaftsgebiet. Wer regierte, der bestimmte auch die Konfession seiner Untertanen. Ausnahmen wurden nicht gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn von heute auf morgen Gollhofen durch Beschluss des Erbschenken Karl und durch die Einsetzung eines evangelischen Pfarrers lutherisch wird, ist noch die Frage, wie die Menschen damit umgegangen sind.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen vermuten, dass die Gollh\u00f6fer schon vor der offiziellen Reformation in ihrem Dorf mit dem Gedankengut des Martin Luther vertraut waren. Durch den Buchdruck waren seine Schriften \u00fcberall im Land bekannt. Und vieles von dem, was Luther ver\u00f6ffentlichte, stie\u00df bei den Menschen auf offene Ohren. Schlie\u00dflich ging es um Freiheit, um Ver\u00e4nderungen von kirchlichen Herrschaftsstrukturen, unter denen viele Menschen litten. Aber ob sie mit allem einverstanden waren, was sie \u00fcber Luther geh\u00f6rt hatten, wissen wir nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke, dass das, worum es Luther bei der Reformation ging, langsam St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in Gollhofen Einzug gehalten hat. Von Sonntag zu Sonntag, von Predigt zu Predigt, von Gespr\u00e4ch zu Gespr\u00e4ch, das Menschen mit dem neuen Pfarrer Christoph Zeller gef\u00fchrt haben, wurde deutlicher, worum es Luther gegangen war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann mir vorstellen, dass die Bibel einen neuen Stellenwert in der Gemeinde gewonnen hat. Zuvor war oft der Satz zu h\u00f6ren: &#8222;Dies oder jenes gilt, weil es ein Konzil, oder der Papst, und ein Bischof so bestimmt hat.&#8220; F\u00fcr Luther konnte es nur hei\u00dfen: &#8222;Das, was in der Bibel steht, was das Wort Gottes uns sagt, das gilt f\u00fcr uns.&#8220; Nicht die Tradition, nicht andere Personen, auch nicht das was gerade &#8222;in&#8220; ist gilt &#8211; die Bibel wurde nun zum\u00a0 alleinigen Ma\u00dfstab f\u00fcr das, was christlich ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und sicher hat Pfarrer Christoph Zeller \u00fcber die wichtigste Entdeckung Luthers oft gepredigt: Die Rechtfertigung des Christen allein aus Gnade. In jenen Tagen wurde den Gollh\u00f6fern wahrscheinlich deutlich, dass das Ansehen des Christen vor Gott nicht von seinen guten Werken abh\u00e4ngt. Und dass sein Stand vor Gott auch nicht davon abh\u00e4ngt, ob er am Kirchweihtag oder am Barbaratag in der Kirche Sankt Johannis den von Papst Alexander bestimmten Anlass erhalten hat.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr Gottes Vergebung liegt nicht in meinem Handeln, sondern im Handeln Jesu Christi, der f\u00fcr uns am Kreuz gestorben ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns erscheint das gar nicht neu. Damals, vor 453 Jahren war es f\u00fcr viele sicher nicht leicht, von dem Gedanken Abschied zu nehmen, selbst etwas f\u00fcr sein eigenes Seelenheil tun zu k\u00f6nnen. Zu h\u00f6ren, dass allein das Vertrauen auf Jesus Christus, der Glaube, uns vor Gottes Augen gerecht macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ich denke, es ist bis heute nicht einfach, im eigenen Kopf und Herz das Gute, das man tut, nicht als Verdienst vor Gott zu sehen, sondern lediglich als Dankesch\u00f6n an seinem Gott.<\/p>\n<p>Ich merke es bei mir selber. Wenn ich meinen eigenen Anspr\u00fcchen an mein geistliches Leben\u00a0 gerecht werde, dann f\u00fchle ich mich gut, und irgendwie in Gottes Augen wertvoller, als wenn ich mal wieder eine Phase habe, in der ich an mir selber zweifle und mit meinen eigenen Unf\u00e4higkeiten hadere.<\/p>\n<p>Da muss ich mir dann selber wieder sagen. Liebes Menschenkind, du musst nicht der Held sein, damit Gott dich akzeptiert. Allein das Vertrauen auf Jesu Tod und Auferstehung reicht. &#8211; Alles andere bekomme ich geschenkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie haben hier die frisch restaurierten Abendmahlsger\u00e4te stehen.\u00a0 Sie stehen ja auch f\u00fcr ein Geschenk. Das Ehepaar Fries hat 1661 diese Teile gestiftet. Nach einem Kirchenraub waren n\u00e4mlich die Abendmahlsger\u00e4te zumindest teilweise verloren. Und diese Wirtsleute Fries haben wohl eine erhebliche Summe aufgewendet um der Gemeinde zu erm\u00f6glichen wieder mit w\u00fcrdigen Gef\u00e4\u00dfen Abendmahl zu feiern.<\/p>\n<p>Das beeindruckt mich, wenn Menschen gro\u00dfz\u00fcgig mit ihrem Geld, ihrer Zeit oder ihrer Liebe umgehen &#8211; f\u00fcr die Sache Gottes. Und das ist ganz vielf\u00e4ltig. Wir haben auch in der Gegenwart Menschen, die Geld f\u00fcr unsere Kirche spenden. Oder Leute, die viel ihrer Freizeit opfern im Posaunenchor, im Kindergottesdienst, im Kirchenvorstand oder sonstigen Gruppen und Kreisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Gemeinde sind wir auf solches Engagement angewiesen. Aber wir k\u00f6nnen nichts im Gegenzug anbieten. Ich kann nicht sagen: Danke, daf\u00fcr werden sie bei Gott einen Stein im Brett haben &#8230; oder in Zukunft vor Schicksalsschl\u00e4gen bewahrt &#8230; oder in besonderer Weise gesegnet.<\/p>\n<p>Ich kann als Pfarrer einem gro\u00dfartigen Geld- oder Zeit-Spender nichts anderes versprechen, als das, was ihm als glaubenden Christen sowieso schon zugesprochen ist: Die Verhei\u00dfung des ewigen Lebens, die Vergebung der S\u00fcnden und Gottes Gegenwart, sein Segen.<\/p>\n<p>Was wirklich wichtig ist, bekomme ich geschenkt, das wurde mit der Reformation deutlich. Auf dieser Basis kann man in und mit der Kirche keine Gesch\u00e4fte machen. &#8211; Aber das ist wohl auch nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kirche als ein Ort, an dem beschenkt wird und an dem man weiterschenkt, was man hat.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6ner Ort &#8211; ein Gotteshaus &#8211; kein seelischer Einkaufstempel.<\/p>\n<p>Gott sei Dank, dass wir ihn haben &#8211; an dieser Stelle schon seit 512 Jahren<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blick in die Geschichte unserer Kirchengemeinde Was geschah zwischen dem Thesenanschlag Luthers 1517 und dem Wechsel unserer gemeinde Gollhofen zum evangelischen Glauben im Jahr 1552? 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