{"id":1553,"date":"2005-12-18T23:08:10","date_gmt":"2005-12-18T22:08:10","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1553"},"modified":"2016-11-30T15:00:12","modified_gmt":"2016-11-30T14:00:12","slug":"predigt-weihnachtsfreude-wunschlos-gluecklich-szene-und-erzaehlung-18-dezember-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1553","title":{"rendered":"Predigt: Weihnachtsfreude: Wunschlos gl\u00fccklich? (Szene und Erz\u00e4hlung) 18. Dezember 2005"},"content":{"rendered":"<p><em>Gemeinsamer Gottesdienst von Pfarern aus 7 Pfarreien im Dekanat Uffenheim<br \/>\nAn diesem Gottesdienstentwurf haben mitgeschrieben:<br \/>\nPfr. J\u00fcrgen Blum, Lipprichhausen<br \/>\nPfr. Helmut Spaeth, Wallmersbach<br \/>\nPfr. Alexander Seidel, Gollhofen<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><b>Anspiel (zweiteilig)<\/b><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Szene 1: Ehekrach<\/span><\/p>\n<p>Engel (E): \u201eFreuet euch, denn der Herr ist nahe\u2026\u201c<\/p>\n<p>Geht auf ein Ehepaar zu, das gerade dabei ist, Weihnachtsvorbereitungen zu organisieren.\u00a0 Sie steht auf der Empore und r\u00e4umt auf. Er betritt den Kirchenraum und geht pfeifend zu seiner Frau.<!--more--><\/p>\n<p>F: <i>ruft von der Empore<\/i> Ja du kommst mir gerade recht. Hast du eigentlich nichts im Hirn? Was hast du denn da wieder angestellt. Also ich sag dir: So feiern wir nicht Weihnachten! So nicht!<\/p>\n<p>M: Was ist denn jetzt schon wieder los?<\/p>\n<p>F: Da fragst du noch? Deine bl\u00f6de Unordnung. \u00dcberall hinterl\u00e4sst du Spuren. Im Wohnzimmer liegen Unterlagen. Im Schlafzimmer deine W\u00e4sche. Und im Klo\u2026 Und das heute, wo doch deine Eltern und Tante Anna schon kommen! Und wir brauchen dein Arbeitszimmer. Kannst du nicht aufr\u00e4umen?<\/p>\n<p>M: Wieso soll ich? Ich habe dir gesagt, dass Tante Anna heuer nicht im Arbeitszimmer schlafen wird. Sie nicht. Das letzte Mal habe ich ein halbes Jahr gebraucht, um alle meine Sachen wieder zu finden. Tante Anna hat eigene Vorstellungen von Ordnung. <i>Zum Publikum: <\/i>Au\u00dferdem brauche ich die Familie sowieso wie einen Kropf.<\/p>\n<p>F: Was hast du gesagt?<\/p>\n<p>M: Nichts. Au\u00dfer, dass Tante Anna nicht im Arbeitszimmer schl\u00e4ft!<\/p>\n<p>F: ja wieso denn nicht? Die letzten Jahre hat das doch immer toll funktioniert. Und da soll sie heuer nicht hier schlafen, oder was?<\/p>\n<p>M: Sag ich gar nicht. Sie kann ja im Zimmer \u00fcber der Garage schlafen, oder in deinem N\u00e4hzimmer. Heftig: Aber bei mir im Arbeitszimmer nicht. Und ich sage es gerne noch einmal: Tante\u00a0 Anna\u00a0 hat da nichts zu suchen! W\u00e4re ja noch besser. Ich lass mir doch nicht alles gefallen. Letztes Jahr hat sie mich zitiert: \u201eHeinz, bei deiner Steuererkl\u00e4rung hast du Fahrten mit deinem Privatauto zum Dienst angegeben. Steht dein Dienstwagen nicht immer vor der T\u00fcr\u2026\u201c Bl\u00f6de Kuh. Kramt in meinen Unterlagen und verr\u00e4t mich dann noch im Finanzamt.<\/p>\n<p>F: Ach, sie meint es doch nur gut!<\/p>\n<p>M: Quatsch. Sie spioniert uns aus, hat keinen Respekt vor unserer Privatsph\u00e4re, und sperrt dann auch noch ab, wenn ich einmal zum Arbeiten in mein Zimmer m\u00f6chte. Tante Anna kommt nicht ins Arbeitszimmer. Ende!<\/p>\n<p>F: Was? Jetzt habe ich den ganzen Tag aufger\u00e4umt, damit sie kommen kann, und du l\u00e4sst sie nicht rein! Das find ich gemein. \u00dcberlege es dir noch einmal.\u00a0 Arbeit weiter: Ich \u00fcberziehe schon mal das Sofa im Arbeitszimmer.<\/p>\n<p>M: NEIN! Hast du mir eigentlich nicht zugeh\u00f6rt? Oder h\u00f6rst du absichtlich weg? Anna kommt nicht in mein Arbeitszimmer!!<\/p>\n<p>F: Ach sei nicht so.<\/p>\n<p>M: Doch!<\/p>\n<p>F: Was hast du eigentlich gegen Tante Anna? Sie ist doch meine Erbtante.\u00a0 <i>Etwas sanfter, um den Mann zu \u00fcberzeugen: <\/i>Denk doch mal dran. Wie hat sie sich bei uns wohl gef\u00fchlt. Letztes Jahr. Und dann der Scheck. Den hast du doch ganz schnell eingel\u00f6st, oder?<\/p>\n<p>M: War ja auch ein Weihnachtsgeschenk.\u00a0 <i>Zum Publikum: <\/i>Und sauer verdient: \u201eJunge bringst du mir mal meine Hausschuhe\u2026 Ach mir schmerzt mein Nacken\u2026So ein Bier aus dem Keller w\u00e4re Recht\u2026\u201c\u00a0 Waren echt sauer verdient die 1000.- Euro. <i>Zur Frau: <\/i>der Preis ist zu hoch! Die olle Anna schl\u00e4ft nicht im Arbeitszimmer!<\/p>\n<p>F: jetzt wird sie sauer: Du bist ein Egoist! Nicht aufr\u00e4umen, die ganze Arbeit mir \u00fcberlassen, keine Weihnachtsgeschenke einkaufen, und dann noch Tante Anna aussperren! Dann gibt es eben keine Weihnachten!<\/p>\n<p>E: Freuet euch, der Herr ist nahe. Bald kommt der Menschen Heiland\u2026\u201c<\/p>\n<p>F: Nix Freude!! Wirft ein Kissen durch die Kirche. Mit so einem Mann ist alles vorbei. Alles, was ich so sch\u00f6n geplant habe, meine Hoffnungen. Ach, ach, ich bin so verzweifelt. Dreht sich um und weint.<\/p>\n<p><i>Der Engel geht weiter. Sch\u00fcttelt den Kopf. Dann entdeckt er zwei M\u00e4nner:<\/i><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Szene 2:\u00a0 Arbeiter erfahren von ihrer Entlassung (Hintergund: Aktuelle Entschidung bei AEG in N\u00fcrnberg)<\/span><\/p>\n<p>E: Freuet euch, denn der Herr ist nahe. Bald kommt der Menschen Heiland.<\/p>\n<p>A: Ach kuck, wieder so ein Schaufenster-Engel. Also mir ist die Weihnachtsfreude gr\u00fcndlich vergangen. Von wem der wohl wieder ist. Auf letzt von der Firmenleitung aus Schweden. Das w\u00e4re der Hohn. Erst werfen sie uns raus, dann schicken sie einen billigen Engel hinterher um uns zu verarschen.<\/p>\n<p>B: Dabei ist mir das Lachen gerade vergangen. So kurz vor Weihnachten. Und dann: Was soll ich blo\u00df machen, wenn ich n\u00e4chstes Jahr meinen Job verliere? Ich hab\u0301doch gerade erst gebaut!<\/p>\n<p>A: Und bei mir: Gerade jetzt, wo meine beiden Kinder studieren. Wir haben uns abgespart, damit sie ne gute Ausbildung bekommen, und jetzt arbeitet Michaela extra noch, damit das Geld langt.<\/p>\n<p>B: Ja. Sie werfen uns einfach raus.<\/p>\n<p>A: Ohne auf uns zu achten.<\/p>\n<p>B: Ja. Und alles demonstrieren nutzt nichts. Haben wir uns denn nicht genug bem\u00fcht?<\/p>\n<p>A: Ja. Aber nicht nur die Demos. Auch schon vorher: Lohnverzicht. L\u00e4nger arbeiten. Keinen Urlaub habe ich heuer genommen, als wir Sonderschichten fuhren. Und ausgelastet waren wir ja.<\/p>\n<p>B: Aber genutzt hat es nichts. Dabei w\u00e4ren Auftr\u00e4ge genug da. Aber sie sagen: wir sind zu teuer\u2026 Immer noch. Obwohl wir alles versucht haben.<\/p>\n<p>A: Und dabei waren es die da oben, die keine Modernisierung mehr durchgef\u00fchrt haben. Und jetzt werfen sie uns unsere mangelnde Modernisierung vor.<\/p>\n<p>B: 60.- Euro zahlen sie drauf pro St\u00fcck. Dass ich nicht lache. Andere Firmen arbeiten viel besser.<\/p>\n<p>A: Ja. Und produzieren erfolgreich in Deutschland. Aber wir sind halt nicht mehr modern.<\/p>\n<p>B: JA. Und bestimmt wussten die das schon lange. Sonst h\u00e4tten sie in Polen das Werk nicht so rie\u00dfig ausgebaut. Hast du die Fotos im Internet gesehen? Mann, so modern und gro\u00df. Da w\u00e4ren wir auch billiger.<\/p>\n<p>A: Die von der Gewerkschaft sagen, wir sollen k\u00e4mpfen. Aber finde mal den Mut. Wenn alles nichts nutzt.<\/p>\n<p>B: Und wenn die in Polen k\u00e4mpfen, dann gehen die Manager halt nach Rum\u00e4nien: Dort bringen die Arbeiter scheinbar noch Geld mit, damit sie arbeiten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>A: Das w\u00e4r\u0301s. In Deutschland hat das mal ein Arbeiter versucht: Hat in einer Anzeige geschrieben, dass er umsonst arbeiten wird. Das war ein Rummel: man hat es ihm doch glatt verboten!<\/p>\n<p>B: Naja. Aber manchmal hat man den Eindruck, dass selbst wenn wir umsonst arbeiten w\u00fcrden, es w\u00fcrde nichts \u00e4ndern! Wir sind halt out. Wertlos. Ein Kostenfaktor. Sonst nichts.<\/p>\n<p>A: Und was soll ich jetzt machen? Mit Kindern, die mein Gehalt brauchen?<\/p>\n<p>B: Und Schulden, die bezahlt werden m\u00fcssen?<\/p>\n<p>A: Mir ist Weihnachten gr\u00fcndlich vergangen.<\/p>\n<p>B: Man m\u00fcsste es wie Karl machen.<\/p>\n<p>A: Was hat der gemacht?<\/p>\n<p>B: Abgesprungen. Neuen Job. In der Firma seines Schwagers. Macht jetzt auf Service.<\/p>\n<p>A: Aber ich habe keinen Schwager, der eine Firma leitet. Legt den Kopf in die H\u00e4nde Und ich brauch den Job auch n\u00e4chstes und \u00fcbern\u00e4chstes Jahr noch. Dann w\u00e4r\u0301s mir egal. Dann w\u00e4re ich in Rente.<\/p>\n<p>B: Naja. Dann droht dir wenigstens Hartz vier nicht. Mir schon. Keine guten Aussichten!<\/p>\n<p>A: JA. Und kein Fest. \u00dcbrigens, die Weihnachtsfeier haben sie abgesagt. Der Abteilungsleiter hat sich beschwert: Er findet es gerade jetzt wichtig, dass wir auch einmal an etwas anderes denken. Und da w\u00e4re die Gesch\u00e4ftsleitung gerne bereit gewesen, einen Sonderobolus springen zu lassen. Damit wir trotzdem feiern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>B: Wir waren alle in Feierlaune. Deshalb haben sich auch ganze drei angemeldet.<\/p>\n<p>A: Ne. Sollen sie alleine feiern. Ohne uns. Ich wei\u00df ja nicht einmal, ob ich zuhause feiern werde. Jetzt ohne Gegenwart.<\/p>\n<p>B: Und ohne Zukunft.<\/p>\n<p>E: Freuet euch, der Herr ist nahe, es kommt der Menschen Heiland\u2026<\/p>\n<p>A: Ach zieh weiter kleiner Engel. Gut gemeint, aber bei uns f\u00e4llt Weihnachten aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">\u00dcberleitung<\/span><\/b><\/p>\n<p>Der Engel geht frustriert zu einem Schild, auf das er zuvor \u201cFREUET EUCH\u201d geschrieben hat, verh\u00e4ngt es mit einem schwarzen Tuch . &#8211; Musik &#8211; Dann kommt ein \u00e4lterer Mann und h\u00e4ngt einen wei\u00dfen Zettal an das schwarze Tuch. Daraufhin kommt eine dritte Person, die den Zettel abnimmt, und am Lesepult folgende Erz\u00e4hlung vorliest:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Mein unerwartetes Weihnachten<\/b><\/p>\n<p>\u201cDas haben Sie ja super hinbekommen&#8230;\u201d das Lob des Arztes beim Blick auf die R\u00f6ntgenbilder\u00a0 hat mich von Anfang an nichts Gutes erahnen lassen. \u201cEin sch\u00f6ner glatter Bruch &#8230; den werden wir einrichten und gipsen, dann k\u00f6nnen Sie zu den Feiertagen wieder heim\u201d.<\/p>\n<p>Er wusste ja nicht, was \u201cdaheim\u201d bedeutet &#8211; daheim, mit einem gebrochenen Unterarm und einen h\u00f6llisch schmerzenden R\u00fccken &#8211; allein. Es war das Aus f\u00fcr die Feiertage.<\/p>\n<p>Seit dem Herbst war ausgemacht, dass ich zu meiner Tochter und ihrer Familie fahren w\u00fcrde, endlich mal wieder ein sch\u00f6nes gemeinsames Weihnachtsfest. Alle um den Weihnachtsbaum,\u00a0 die kleine Sabrina, der Tom, der schon in die Schule ging, meine Tochter, ihr Mann Robert, und ich als Opa. Und die Oma w\u00e4re irgendwie auch dabei gewesen, in unseren Erinnerungen, so wie Verstorbene uns eben nie so ganz verlassen.<\/p>\n<p>Und jetzt, mit Gips und verzogenem R\u00fccken? In meinem Zustand die 600 km weite Fahrt nach Hamburg? Nein, das war mir zu viel &#8211; das wollte ich mir nicht antun. Ich bleibe daheim!<\/p>\n<p>Am Abend hatte ich telefonisch die Hiobsbotschaft durchgegeben. Fast gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig-k\u00fchl hat meine Tochter auf die Absage reagiert. War sie beleidigt, oder sogar froh, dass der Alte mit seinen 72 Jahren nicht kommen w\u00fcrde? Sie war wie so oft in letzter Zeit kurz angebunden am Telefon &#8211; machte das das norddeutsche Klima?<\/p>\n<p>Am morgen darauf war schon der Vierundzwanzigste. Bereits fr\u00fch am morgen Weihnachtslieder im Radio. Sonst hatte mich das immer gest\u00f6rt. Aber an jenem Tag war ich froh \u00fcber diese Melodien &#8211; sie waren das Einzige, was in meiner Wohnung an Weihnachten erinnerte: Einen Christbaum hatte ich nicht besorgt &#8211; wozu auch, ich wollte ja \u00fcber die Festtage in Hamburg sein. Keine Lichterkette, keine Weihnachskrippe, kein Pl\u00e4tzchenduft, keine Geschenke. Nur vier Briefumschl\u00e4ge mit Geld hatte ich f\u00fcr Kinder und Enkel vorbereitet &#8211; die lagen jetzt verwaist neben dem Telefon auf der Kommode.<\/p>\n<p>Mit dem eingegipsten Arm und Schmerzen im R\u00fccken besorgte ich dann das n\u00f6tigste in der Edeka um die Ecke. Nudeln, Geschnittenes Brot und andere Lebensmittel, die man mit einem Arm halbwegs zubereiten konnte. Am Regal mit dem Christstollen stutzte ich. Er war in Cellophan eingepackt, mit einer roten Schleife umwickelt; an ihr baumelten ein Weihnachtsengel aus Keramik und ein kleiner Fichtenzweig. Der Christstollen war f\u00fcr mich und meine Frau immer der Inbegriff f\u00fcr Weihnachten. An den Feiertagen hatten wir stets Nachmittags Tee mit Christstollen gegessen &#8211; nein wir haben ihn richtiggehend zelebriert. Soll ich diese liebgewordene Tradition weiterf\u00fchren, jetzt acht Monate nach ihrem Tod?<\/p>\n<p>Entschlossen griff ich zum Einkaufswagen &#8211; nein es gibt keinen Christstollen &#8211; Weihnachten findet heuer ohne mich statt! Das \u201cFrohes Fest\u201d der Kassiererin beim Hinausgehen klang in meinen Ohren wie Hohn.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg, mit jedem weihnachtlich geschm\u00fcckten Fenster und mit jedem beleuchteten Vorgarten nahm mein Entschluss deutlichere Formen an. Adieu Weihnachtsmann, lebt wohl Adventskr\u00e4nze, macht\u0301s gut, ihr hilflos an der Hauswand h\u00e4ngenden Nikol\u00e4use, fahrt dahin, ihr leuchtenden Schwibb\u00f6gen und blinkenden Elektrosterne. Ihr werdet nicht gebraucht &#8211; jedenfalls nicht von mir.<\/p>\n<p>Mach\u0301s gut, du Kirche mit deinem Krippenspiel und dem r\u00fchrenden \u201cStille Nacht\u201d. Servus, ihr Hirten und K\u00f6nige aus dem Morgenland, ihr werdet euren Weg auch ohne mich finden. Ihr habt ja den Stern.<\/p>\n<p>Als es Abend wurde, in meiner Wohnung, musste ich mich zwingen, wenigstens eine Lampe einzuschalten. Zu gerne h\u00e4tte ich im Dunkeln die kommenden Festtage \u00fcberdauert. Ich sa\u00df da, gr\u00fcbelte \u00fcber d\u00fcstere Gedanken, deren ich mich heute sch\u00e4me.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich war ich ein wenig einged\u00f6st, jedenfalls kam es mir vor, wie im Traum. Als diese \u00e4ltere Frau aus der Nachbarschaft pl\u00f6tzlich an der T\u00fcr klingelte, mit einem Weidenkorb in ihrer d\u00fcrren Hand. Sie sprach von Nachbarn, die ihr von meinem Unfall berichtet hatten und dass sie jetzt, wo ihre Kinder und Enkel heimgefahren waren, mir einfach einen kleinen Weihnachtsgru\u00df vorbeibringen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Obwohl ich doch eigentlich alleine bleiben wollte, bat ich sie herein. Aus ihren Korb heraus entfaltete sie auf meinem Couchtisch ein weihnachtliches Picknick: Tee in einer Thermoskanne, Spritzgeb\u00e4ck, Lebkuchen. Sie sprach nicht viel, aber ich erinnere mich daran, dass sie vorschlug, ich solle sie in die Christmette begleiten &#8211; die ist um 22 Uhr &#8211; bis dann. So war sie gekommen und wieder verschwunden.\u00a0 Wie einst die Engel \u00fcber den Hirten am Himmel.<\/p>\n<p>Wie verzaubert kam ich mir vor. Probierte einige Pl\u00e4tzchen und goss mir Tee ein. Im Schein der Stehlampe, die mir vorkam, wie ein Christbaum h\u00f6herer Ordnung, genoss ich den nachklingenden Charme dieser unerwarteten Begegnung.<\/p>\n<p>Das Telefon \u00fcberbrachte mir den n\u00e4chsten Besucher. Ja, meine Tochter hat mich an diesem Abend in besonderer Weise besucht. Als die Kinder im Bett waren und ihr Mann Robert in die Gebrauchsanweisung des Digitalkamera vertieft war, hatte sie zum Telefon gegriffen. So nah, wie an diesem Abend, was sie mir seit ihrer Kindheit nicht mehr gewesen. Ich sp\u00fcrte wieder die Zuneigung und W\u00e4rme in ihrer Stimme, ihr Worte spiegelten das Vertrauen einer erwachsenen Frau in ihren alt gewordenen Vater. Auch den besorgten Unterton in ihrer Stimme sp\u00fcrte ich und war dankbar dar\u00fcber. Mit der Gewissheit, meiner Tochter wichtiger zu sein, als ich oft vermutete legte ich am Ende den Telefonh\u00f6rer zur Seite.<\/p>\n<p>In der Christmette, zu der mich diese Frau Wankel tats\u00e4chlich abgeholt hatte, umfing mich ein Weihnachtsgef\u00fchl, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Heraus aus meiner kleinen ungeschm\u00fcckten Wohnung, hinein in einen vom Kerzenschein warm schimmernden Kirchenraum. Diese Stunde hatte nichts triumphales, selbst der Chor wirkte in seinem Gesang zur\u00fcckhaltend. Auch der Pfarrer machte nicht viele Worte &#8211; sprach von diesem Jesus, der in die schlichte Einfachheit der Menschen hineingeboren wurde. Erz\u00e4hlte von der Krippe, zu der zuallererst Stroh, Ochs und Esel geh\u00f6rten &#8211; nicht aber Gold, Weihrauch, Myrre oder Lametta.<\/p>\n<p>Auf den Heimweg war ich kein guter Gespr\u00e4chspartner &#8211; ein Gedanke des Gebets im Gottesdienst kreiste in meinem Kopf: \u201cGott, du bist uns auch im Elend nah\u201d. &#8211; Vielleicht auch im Elend eines verwitweten Alten, der beschlossen hat, Weihnachten ausfallen zu lassen? &#8211;<\/p>\n<p>An diesem Abend war ich mir sicher: Hinter meiner Wohnungst\u00fcr wartete mein Stall von Bethlehem, ungeschm\u00fcckt, und unvorbereitet f\u00fcr den gro\u00dfen Gast.<\/p>\n<p>Den holte ich aus dem Karton, in dem meine Frau im letzten Januar die Krippe verstaut hatte: Ein kleines daumennagelgro\u00dfes Jesuskind aus Kunststoff. Ich holte ein sauberes, wei\u00dfes Taschentuch aus meiner Kommode und faltete es zu einem kleinen Kissen. So legte ich diesen kleinen gro\u00dfen Gast auf das Nachtischk\u00e4stchen neben meinem Bett.<\/p>\n<p>Danke Jesus, dass du an Weihnachten nun doch bei mir eingekehrt bist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsamer Gottesdienst von Pfarern aus 7 Pfarreien im Dekanat Uffenheim An diesem Gottesdienstentwurf haben mitgeschrieben: Pfr. J\u00fcrgen Blum, Lipprichhausen Pfr. Helmut Spaeth, Wallmersbach Pfr. Alexander Seidel, Gollhofen Anspiel (zweiteilig) Szene 1: Ehekrach Engel (E): \u201eFreuet euch, denn der Herr ist nahe\u2026\u201c Geht auf ein Ehepaar zu, das gerade dabei ist,\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1553\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":true,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Weihnachtsfreude: Wunschlos gl\u00fccklich? (Szene und Erz\u00e4hlung) 18. Dezember 2005","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[29],"tags":[86,534,89],"class_list":["post-1553","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten-2004-2006","tag-advent","tag-szene","tag-weihnachten"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4BNB2-p3","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1553"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1554,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1553\/revisions\/1554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}