{"id":1535,"date":"2006-06-16T21:19:20","date_gmt":"2006-06-16T19:19:20","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1535"},"modified":"2015-04-02T15:49:51","modified_gmt":"2015-04-02T14:49:51","slug":"predigt-das-leben-als-achterbahn-liedpredigt-zu-eg-112-auf-auf-mein-herz-mit-freuden-16-april-2006-ostersonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1535","title":{"rendered":"Predigt: Das Leben als Achterbahn  (Liedpredigt zu EG 112 Auf, auf mein Herz mit Freuden) 16. April 2006, Ostersonntag"},"content":{"rendered":"<p>Das Lied \u201cAuf, auf, mein Herz mit Freuden\u201d von Paul Gerhardt soll das Thema des heutigen Predigt sein. Wir werden es auf drei Abschnitte verteilt singen. &#8211; Daran m\u00f6chte ich immer einige Gedanken anschlie\u00dfen- Singen wir die ersten beiden Verse<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #990099;\"><b>Vers 1+2: Das Gro\u00dfe Schauspiel<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><i>1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht;wie kommt nach gro\u00dfem Leiden nun ein so gro\u00dfes Licht!<br \/>\nMein Heiland war gelegt da, wo man uns hintr\u00e4gt,<br \/>\nwenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist.<br \/>\n2. Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb gro\u00df Geschrei;<br \/>\neh er&#8217;s vermeint und denket, ist Christus wieder frei<br \/>\nund ruft Viktoria, schwingt fr\u00f6hlich hier und da<br \/>\nsein F\u00e4hnlein als ein Held, der Feld und Mut beh\u00e4lt.<\/i><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde.<\/p>\n<p>\u201cVorhang auf\u201d hei\u00dft es in diesem Lied von Paul Gerhardt. In den ersten beiden Versen, die wir gerade gesungen haben, schauen wir quasi auf eine B\u00fchne. Da beginnt gleich ein einmaliges Schauspiel. Und das sagt der, der hier singt, zu sich selber: \u201cAchtung, du Herz, schau dir nur genau an, was da jetzt gleich passiert\u201d.<\/p>\n<p>Das Schauspiel ist ein zwei-Akter. Der erste Akt, der gegeben wird, hei\u00dft Karfreitag. Jesus wird ins Grab gelebt. Das scheinbare Ende seiner Karriere als Messias. Seine Feinde triumphieren. Und damit sind wohl nur am Rande die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten gemeint. Vielmehr der Tod selber &#8211; der Feind des Gottessohns &#8211; glaubt seinen Widersacher ein f\u00fcr allemal erledigt zu haben. Die Sektflaschen mit der Geschmacksrichtung Schwefel werden gek\u00f6pft und es wird schon mal eine Runde eingeschenkt.<\/p>\n<p>Aber es folgt der zweite Akt. Keiner war dabei, keiner kann es sich erkl\u00e4ren: Aber Jesus ist wieder frei &#8211; er lebt. Er hat den Tod besiegt. Als strahlender Held schreitet er auf die B\u00fchne, in der Hand die Siegerfahne mit seinem Symbol, dem Kreuz.\u00a0 In Meiner Phantasie tritt er noch einmal mit allen auf die B\u00fchne, mit den J\u00fcngern, die es noch nicht fassen k\u00f6nnen, und auch mit dem Verbrecher, der zu seiner Rechten gekreuzigt worden war. Denn ihm hat er einen Platz in seinem Himmelreich versprochen. Gro\u00dfer Triumph des wahren Siegers, seine Gegner sind schon von der B\u00fchne verschwunden. Wer zuletzt lacht, lacht am besten .<\/p>\n<p>Damit ist das Schauspiel zu Ende. &#8211; Und die beiden ersten Verse auch.\u00a0 Singen wir darum nun Vers 3-5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #990099;\"><b><i>Vers 3-5: Mir graust vor nichts<\/i><\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><i>3. Das ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel;<br \/>\nnun soll mir nicht mehr grauen vor allem, was mir will<br \/>\nentnehmen meinen Mut zusamt dem edlen Gut,<br \/>\nso mir durch Jesus Christ aus Lieb erworben ist.<\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><i>4. Die H\u00f6ll und ihre Rotten, die kr\u00fcmmen mir kein Haar;<br \/>\nder S\u00fcnden kann ich spotten, bleib allzeit ohn Gefahr.<br \/>\nDer Tod mit seiner Macht wird nichts bei mir geacht&#8216;:<br \/>\ner bleibt ein totes Bild, und w\u00e4r er noch so wild.<\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><i>5. Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem gro\u00dfen Zorn,<br \/>\nsie z\u00fcrnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.<br \/>\nDie Tr\u00fcbsal tr\u00fcbt mir nicht mein Herz und Angesicht,<br \/>\ndas Ungl\u00fcck ist mein Gl\u00fcck, die Nacht mein Sonnenblick.<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade ist das Schauspiel auf der B\u00fchne zu Ende gegangen: Der Vorhang f\u00e4llt und sind noch Fragen offen?<\/p>\n<p>Paul Gerhard sagt dazu: \u201cDas ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel; nun soll mir nicht mehr grauen vor allem, was mir will.\u201d\u00a0 F\u00fcr ihn hat das Geschehen an Karfreitag und an Ostern eine ganz klare Botschaft.\u00a0 H\u00e4tte er in Franken statt in Berlin gewohnt, w\u00fcrde Paul sagen: \u201cWenn ich mir anschau, wie der Jesus mit dem Tod umgesprungen ist, das graust mit vor nichts mehr.\u201d<\/p>\n<p>Es ist Schluss mit der Angst! Um das deutlich zu machen holt er in den drei Versen alles hervor, was ihn als Christen so zu schaffen macht:<\/p>\n<p>~ Die H\u00f6lle als Ort, vor der er Angst hat. Deren Rotten, die D\u00e4monen, die er dort am Werke sieht, wo Menschen in ihrem Glauben ins Zweifeln geraten.<\/p>\n<p>~ Die eigenen S\u00fcnden, die ihn immer wieder einholen. Das Gef\u00fchl, als Christ zu versagen, weil er immer wieder die gleichen Fehler begeht.<\/p>\n<p>~ Der Tod, als das Ende des Lebens und gr\u00f6\u00dfte Krise: Dort, wo man Menschen, die man liebt verliert.\u00a0 Bei dreien seiner Kinder war es der Fall, genauso wie bei seiner damals noch jungen Ehefrau.<\/p>\n<p>~ Und \u00fcberhaupt alles, was an Schrecklichen in dieser Welt geschieht, verliert f\u00fcr ihn angesichts der Ostergeschehens an Gewicht.<\/p>\n<p>Ist pl\u00f6tzlich alles egal? &#8211; Man k\u00f6nnte ja fragen, ob Paul Gerhard unter die Haschischraucher gegangen w\u00e4re, denen ja auch nach einem Joint alles locker und easy vorkommt. &#8211; Dann h\u00e4tte ja tats\u00e4chlich Karl Marx recht, der die These aufstellte, Religion w\u00e4re Opium f\u00fcrs Volk.<\/p>\n<p>Nein &#8211; Paul Gerhard leidet angesichts von Ostern nicht an Realit\u00e4tsverlust. Vielmehr erkennt er in der Auferstehung Jesu eine Realit\u00e4t, die das, was man sonst allgemein f\u00fcr ma\u00dfgeblich h\u00e4lt, radikal umpolt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Paul gilt: Angesichts der Auferstehung als Grundlage f\u00fcr mein Leben, gewinnen Tod, H\u00f6lle, S\u00fcnde und das eigene Versagen einen neuen Stellenwert. Denn sie sind nicht das, was mein Leben letztendlich bestimmt. Pr\u00e4gend ist das Ostergeschehen. Und weil Jesus der Sieger ist, ist das, was mir Angst macht, nur Nebensache.<\/p>\n<p>Und er &#8211; der ja wirklich viel Schlimmes erlebt hat und darum auch glaubw\u00fcrdig \u00fcber Leiden reden kann &#8211; wagt es, das auf die Spitze zu treiben, wie wir es im f\u00fcnften Vers lesen k\u00f6nnen:\u00a0\u00a0 5. Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem gro\u00dfen Zorn, sie z\u00fcrnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn. Die Tr\u00fcbsal tr\u00fcbt mir nicht \/ mein Herz und Angesicht, das Ungl\u00fcck ist mein Gl\u00fcck, die Nacht mein Sonnenblick.<\/p>\n<p>Singen wir nun die letzten drei Verse:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #990099;\"><b><i>Vers 6-8: Das Leben als Achterbahnfahrt<\/i><\/b><\/span><\/p>\n<p><i>6. Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied;<br \/>\nwo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit.<br \/>\nEr rei\u00dfet durch den Tod, durch Welt, durch S\u00fcnd, durch Not,<br \/>\ner rei\u00dfet durch die H\u00f6ll, ich bin stets sein Gesell.<\/i><\/p>\n<p><i>7. Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg ihm immer nach<br \/>\nund darf mich gar nicht kehren an einzig Ungemach.<br \/>\nEs tobe, was da kann, mein Haupt nimmt sich mein an,<br \/>\nmein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt.<\/i><\/p>\n<p><i>8. Er bringt mich an die Pforten, die in den Himmel f\u00fchrt,<br \/>\ndaran mit g\u00fcldnen Worten der Reim gelesen wird:<br \/>\n\u00bbWer dort wird mit verh\u00f6hnt, wird hier auch mit gekr\u00f6nt;<br \/>\nwer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erh\u00f6ht.\u00ab<\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Im ersten Teil des Liedes hat uns Paul Gerhard in eine Art Schauspiel-Auff\u00fchrung mitgenommen. Danach hat er mit deutlichen Worten erkl\u00e4rt, was das f\u00fcr sein Verstehen dieser Welt bedeutet.<\/p>\n<p>Uns jetzt wird es &#8211; so kommt es mir vor &#8211; hochdramatisch: Er steigt mit uns in eine Achterbahn!\u00a0 Ich stelle mir das fast schon bildlich vor: Paul Gerhard sagt \u201cich geh\u00f6re zu Jesus, h\u00e4nge an ihm dran, als w\u00e4re ich ein Teil von ihm, oder er ein Teil von mir\u201d. Und dieser Jesus nimmt mich Huckepack auf meiner Reise durch mein Leben. Durch ein Leben, das stellenweise etwas von einer Achterbahn oder gar Geisterbahn hat. Eine Reise, bei der Jesus mich mitrei\u00dft. Durch Welt und Not, durch S\u00fcnd und Tod. Da geht es mitten durch. Es bleibt mir nichts erspart, aber: Ich werde\u00a0 auf dieser Achterbahnfahrt Huckepack genommen von diesem Jesus, der mich mitrei\u00dft &#8211; und vor allen niemals auf der Strecke liegen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wenn Sie schon einmal Achterbahn gefahren sind, wissen sie, wie es ist dabei herumgerissen und durchgesch\u00fcttelt zu werden. Und sie kennen das Gef\u00fchl der letzten 20 Meter des Fahrt: Nach dem ganzen Gerumpel und Geschleudere nimmt der Wagen Tempo raus, die Fahrt wird ganz sanft, man landet an der Stelle, wo man dann aussteigt, fast wie auf einer Wolke.<\/p>\n<p>In unserem Lied hat die Lebensachterbahn auch eine Ausstiegsstelle. Ganz sanft wird man da an der Pforte ankommen. Egal, wie wild der Ritt vorher war, letztlich kommt man als einer, der sich an Jesus festh\u00e4lt, doch wohlbehalten an: Es tobe, was da kann, mein Haupt nimmt sich mein an, mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>vielleicht ist diese bildhafte Vorstellung, die ich\u00a0 aus diesem Lied herausgeh\u00f6rt habe auch einmal ein ganz schlichtes aber doch passendes Angebot, Ostern zu verstehen. Ganz ohne hohe Theologie, die wir da ja oft bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Da ist einer, der kennt diese alte Szene von Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Und das beeindruckt ihn so sehr, dass er diesem Jesus vertraut und auf dessen R\u00fccken die eigene Achterbahn des Lebens zu bew\u00e4ltigen will. Weil er ahnt: Dieser Jesus hat seine eigene Achterbahn damals auch \u00fcberstanden, durch gute Zeiten, durch Leiden und sogar durch den Tod hindurch. Und weil er den Tod \u00fcberwunden hat, bin ich gewiss, mit ihm am Ende auch im ewigen Leben anzukommen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Lied \u201cAuf, auf, mein Herz mit Freuden\u201d von Paul Gerhardt soll das Thema des heutigen Predigt sein. 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