{"id":1511,"date":"2006-12-24T20:48:42","date_gmt":"2006-12-24T18:48:42","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1511"},"modified":"2015-12-09T17:39:33","modified_gmt":"2015-12-09T16:39:33","slug":"predigt-bin-grade-mal-auf-der-erde-heilig-abend-2006","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1511","title":{"rendered":"Predigt: Bin grade mal auf der Erde, Heilig Abend 2006"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Hubert M\u00fcller hat sich schon lange \u00fcberlegt: Ich will einmal Gott besuchen. Irgendwo da oben muss er ja sein. Er hatte es auf den h\u00f6chsten Bergen der Alpen versucht und beim Flug in den Urlaub aus dem Flugzeugfenster gesp\u00e4ht &#8211; aber er hat niemanden gesehen. Gott muss anscheinend noch weiter oben wohnen. Manchen Abend lag er schlaflos im Bett und gr\u00fcbelte, wie er wohl zu Gott kommen k\u00f6nnte.<!--more--><br \/>\nAls er einmal dar\u00fcber einschlief, hatte er den Traum, in dem das lang Ersehnte wahr wurde:<\/p>\n<p>Er tr\u00e4umte, er wanderte im Gebirge auf der Suche nach dem Weg in den Himmel. Da entdeckte\u00a0 er im Schatten eines Felsvorsprungs eine T\u00fcr. &#8211; Sie war wei\u00df lackiert und die T\u00fcrklinke schimmerte golden. Ein kleines Schild auf Augenh\u00f6he verriet: \u201cAufgang zum Himmel\u201d.<br \/>\nHubert M\u00fcller \u00f6ffnete die T\u00fcr und stand am Fu\u00df einer langen, ebenfalls wei\u00df lackierten Wendeltreppe. Vorsichtig, voller Respekt ging er die ersten Schritte auf dieser Treppe hinauf, dann immer schneller, bis ihn die erste Ersch\u00f6pfung zwang, langsamer zu gehen.<br \/>\nWie weit wird es noch sein? Er wurde m\u00fcde &#8211; aber seine Neugier war gr\u00f6\u00dfer und trieb ihn voran.<br \/>\nNach scheinbar endloser Zeit war es soweit: Die Treppe m\u00fcndete in einen wei\u00dfen Gang, und der endete an einer T\u00fcre. \u201cHimmel\u201d stand auf einem unscheinbaren Schild. Sollte er es wagen, in Gottes Himmelreich einzutreten?<br \/>\nEr dr\u00fcckte vorsichtig und erwartungsvoll die T\u00fcre auf:<br \/>\nAber es sah nichts. Es war stockfinster, kein Laut war zu h\u00f6ren. Kein Engelsgesang, kein strahlendes Licht.<\/p>\n<p>\u201cIst da wer\u201d rief er \u00e4ngstlich in die Dunkelheit. Nicht einmal ein Echo kam zur\u00fcck.<br \/>\nHerr M\u00fcller kramte in seiner Hosentasche und versuchte mit\u00a0 seinem Feuerzeug die Finsternis zu erhellen.<br \/>\nDa entdeckte er im Schein der Flamme direkt vor sich, neben dieser T\u00fcre, eine Pinnwand. Daran war ein Zettel befestigt, und darauf stand eine Nachricht von Gott:<br \/>\n\u201cIch bin bis auf weiteres nicht mehr hier oben. Wenn mich jemand erreichen will: Bin unten auf der Erde in der Krippe von Bethlehem.\u201d<\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<br \/>\nGott ist umgezogen &#8230; Gott wohnt bei uns um die Ecke &#8230; in Bethlehem! Ein Gedanke, den Weihnachten uns nahelegt.<\/p>\n<p>Wenn Gott in Jesus zu uns kommt, bei uns Menschen Wohnung genommen hat, dann hat das ernstzunehmende Folgen &#8211; Weil Gott mir dann auch auf Erden begegnen kann.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, im s\u00fc\u00dfen Kind in der Weihnachtskrippe. Das feiern wir ja heute.<br \/>\nAber auch im Gl\u00fcck einer Familie unterm Weihnachtsbaum kann ich etwas von Gottes Liebe entdecken.<br \/>\nOder der hilfsbereite Nachbar, der mir aus einer schwierigen Situation heraushilft, kann ein Zeichen sein, dass Gott unter uns wohnt.<\/p>\n<p>Eine Liste, die man beliebig verl\u00e4ngern k\u00f6nnte &#8211; aber damit ist Gottes Weg zu den Menschen und mit uns Menschen nicht zu Ende. Er reist n\u00e4mlich nicht \u00fcberst\u00fcrzt ab, wenn es schwierig wird, wenn Schluss ist mit Liebe und Barmherzigkeit.<\/p>\n<p>Beim gro\u00dfen Familienkrach am Heiligen Abend, wo Entt\u00e4uschungen und Verletzungen auf den Tisch kommen.<br \/>\nAuch dann ist er da, so wie das Kind in der Krippe unterm Baum. Erinnert uns daran, bereit zu sein selbst Fehler einzugestehen und auch anderen zu vergeben.<\/p>\n<p>Er ist nahe, wo Menschen einsam in ihrer weihnachtlichen Wohnung sitzen. Wo Familien zum ersten Mal ohne einen verstorbenen Angeh\u00f6rigen feiern m\u00fcssen, oder ohne den Vater, weil er ausgezogen ist.<br \/>\nWo Alte oder Kranke mit gemischten Gef\u00fchlen in die Zukunft blicken, weil sie nicht wissen, was kommen wird.<br \/>\nDa ist sich Gott nicht zu schade, sich unsere Klage und unsere Fragen anzuh\u00f6ren. Er ist nahe, auch in den schwierigen Zeiten, auch da wo wir ihn nicht sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Das ist nicht immer einfach.<br \/>\nAber vielleicht ist es eine Hilfe, sich immer wieder mal an diesen Zettel an Gottes Pinnwand zu erinnern:<br \/>\nWas stand darauf? \u201cIch bin bis auf weiteres nicht mehr hier oben. Wenn mich jemand erreichen will: Bin unten auf der Erde.\u201d<\/p>\n<p>So zu leben, als w\u00e4re Gott gerade heute zu Besuch bei uns Menschen.<br \/>\nVielleicht f\u00e4llt es mir dann leichter, so zu beten, als w\u00fcrde er neben mir auf der Bank sitzen.<br \/>\nUnd vielleicht w\u00fcrde ich manchmal anders handeln und reden, wenn ich mir vorstelle, dass er ganz nahe ist &#8211; dort in der Krippe unterm Weihnachtsbaum.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Hubert M\u00fcller hat sich schon lange \u00fcberlegt: Ich will einmal Gott besuchen. Irgendwo da oben muss er ja sein. Er hatte es auf den h\u00f6chsten Bergen der Alpen versucht und beim Flug in den Urlaub aus dem Flugzeugfenster gesp\u00e4ht &#8211; aber er hat niemanden gesehen. 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