{"id":1458,"date":"2007-10-29T21:22:16","date_gmt":"2007-10-29T19:22:16","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1458"},"modified":"2014-05-30T21:25:13","modified_gmt":"2014-05-30T19:25:13","slug":"predigt-zur-geschichte-der-gemeinde-gollhofen-die-jahre-1595-bis-1629-29-oktober-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1458","title":{"rendered":"Predigt zur Geschichte der Gemeinde Gollhofen : Die Jahre 1595 bis 1629 &#8211; 29. Oktober 2007"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/hexenberbrennung.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1460\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1460\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/hexenberbrennung.jpg?fit=270%2C425&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"270,425\" data-comments-opened=\"1\" data-image-title=\"hexenberbrennung\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/hexenberbrennung.jpg?fit=270%2C425&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1460\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/hexenberbrennung-190x300.jpg?resize=190%2C300\" alt=\"hexenberbrennung\" width=\"190\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p>der heutige Blick in die Gemeinde-Geschichte beginnt im Jahr 1595. Die Reformation Luthers hat sich etabliert. Der Augsburger Religionsfriede hatte sichergestellt, dass die einzelnen Landesf\u00fcrsten bestimmen durften, welche Konfession ihre Untertanen hatten. Es gab keine gr\u00f6\u00dferen gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen den Standesherren, auch wenn sich evangelische und katholische F\u00fcrsten nicht gerade freundlich gesinnt waren. Allein die Tatsache , dass der Kaiser Rudolf II und sein Nachfolger Ferdinand II auf der Seite der Katholiken stand, war den evangelischen Landesherren nicht so genehm. So bildeten sie in den folgenden Jahren sicherheitshalber ein Verteidigungsb\u00fcndnis, die protestantische Union. <!--more--><br \/>\nAuf der Seite der evangelischen Theologen hatte man sich inzwischen\u00a0 lehrm\u00e4\u00dfig geeinigt. Viele Fragen, wie man zu der Lehre von der Erwachsenentaufe stehe, ob man das Abendmahl symbolisch oder real verstehen solle, und ob man sich mit dem Calvinisten in der Schweiz einigen k\u00f6nnte, waren abgearbeitet. Es war das Konkordienbuch entstanden, ein umfangreiches Werk, das die lutherische Auslegung der Bibel dokumentierte. Darin finden sich zum Beispiel auch der Kleine und Gro\u00dfe Katechsimus, aber auch die altkirclichen Glaubensbekenntnisse und eine Streitschrift von Luthers Mitarbeiter Melanchthons gegen den Papst.<\/p>\n<p>Gollhofen ist schon seit 40 Jahren evangelisch. Als Pfarrer wirkte Johannes Knauer aus Dinkelsb\u00fchl, der ganze 40 Jahre lang in Gollhofen seinen Dienst versah. Die Kirche stand schon fast 100 Jahre.<br \/>\nAber jetzt blicken wir in das, was unser Gollh\u00f6fer Archiv aus dieser Zeit zu berichten wei\u00df:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1595<br \/>\nIn diesem Jahr wurde die ehemalige Fr\u00fchmesskapelle, also der Rest der ehemaligen Johanniskirche in das alte Rathaus umgewandelt und der Boden zum herrschaftlichen Getreidespeicher eingerichtet. Der mit dickem Gew\u00f6lbe versehene kleine Chor im Osten blieb stehen. Dort entdeckte man 1794 noch ein Weihwasserbecken. \u00dcber diesem Chor wurde die Ratsstube f\u00fcr die zw\u00f6lf Gerichtsherren und den Amtsschultheis eingerichtet. Darum f\u00fchrte das alte Rathaus bis zu seinem Abbruch im Jahre 1794 dem Namen Capell und der Brunnen am Rathaus den Namen Kappelbrunnen<\/p>\n<p>1596<br \/>\nVon diesem Jahr an regieren die S\u00f6hne des Schenken Friedrich VII in der Herrschaft Limpurg und Sontheim gemeinsam. Friedrich war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe stammten Eberhardt und Georg; aus der zweiten Wilhelm, Konrad, Heinrich, Friedrich, Erasmus. Diese 7 herrschen von nun an \u00fcber die L\u00e4ndereien gemeinsam. Jedoch sind w\u00e4hrend des 30-j\u00e4hrigen Krieges f\u00fcnf von ihnen verstorben.<\/p>\n<p>1600<br \/>\nDie fr\u00e4nkische Herrschaft Limpurg befand sich um die Wende des Jahrhunderts in sehr gl\u00fccklichen Verh\u00e4ltnissen. Besonders das Dorf Gollhofen war wohlhabend und stark bev\u00f6lkert. Es f\u00e4llt auch auf, dass es viele Handwerker in dieser Zeit in Gollhofen gab, was mit der fr\u00fch erlangten Marktgerechtigkeit in Zusammenhang gebracht wird.<\/p>\n<p>1609<br \/>\nDie Gemeinde bittet die Herrschaft um die Erlaubnis ihre \u00c4cker an bestimmten Stellen in Weinberge verwandeln zu d\u00fcrfen. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es drei Lagen, die mit Wein gepflanzt waren: Die Anst\u00f6\u00dfe in Richtung Bergtheim (Herrnberchtheim) und Reusch und am Weg hinab zur Gollach. Letztere Stelle wird noch jetzt \u201ealter Weinberg\u201d genannt. Dieses Gesuch der Gemeinde wurde jedoch abgelehnt.<\/p>\n<p>1616<br \/>\nEinen Einblick in die Sitten jener Zeit bekommen wir durch einen Eintrag in einem alten Kirchenbuch. Dort ist im Trauregister zu lesen: <i>Weil die Braut sich fleischlich vergangenen und ges\u00fcndigt hat, ist ihr ein stroherner Kranz aufgesetzt worden, mit dem sie dann auch zur Kirche hat gehen m\u00fcssen.<br \/>\n<\/i>Die Kirchenbu\u00dfe wurde in Gollhofen erst im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts abgeschafft und war zuvor eine Zeitlang durch eine Geldzahlung ersetzt worden.<\/p>\n<p>1617<br \/>\nOswald Endres, ein Einwohner in Gollhofen, wurde beim Diebstahl ergriffen, gesteht noch viele weitere Verbrechen und Diebst\u00e4hle, wird deshalb nach Hellmitzheim abgef\u00fchrt, wo die Limpurgische Herrschaft ihr Gericht hatte. Der T\u00e4ter wird dort mit dem Schwert hingerichtet, dann wird sein K\u00f6rper auf das Rad geflochten.<\/p>\n<p>1618<br \/>\nIm Oktober versammeln sich die Evangelischen St\u00e4nde (also die Evangelischen Landesherren und Stadtoberen) in Rothenburg um \u00fcber die Gefahren zu diskutieren, die durch die Unruhen in B\u00f6hmen bef\u00fcrchtet werden. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass diese Konflikte zum Fl\u00e4chenbrand f\u00fchren, der als Drei\u00dfigj\u00e4hriger Krieg in die Geschichte eingeht.<\/p>\n<p>1621<br \/>\nIn diesem Jahr fing man an, die alte Bastei am Kirchhof st\u00e4rker zu befestigen. Auf dem Kirchturm wurde eine besondere Wachstube eingerichtet, die Lebensmittel wurden hinauf gezogen und die Turmt\u00fcre innen durch starke Querriegel verschlossen. Auf dem Turm wurde Tag und Nacht Wache gehalten. In dieser Zeit war der Turm nicht mit Treppen, sondern mit einer einzigen langen Leiter erreichbar.<\/p>\n<p>1623<br \/>\nWiederholt werden katholische Truppen in Gollhofen einquartiert, was f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung sehr unangenehm ist, da diese Truppen Gollhofen als Feindesland ansehen und sich entsprechend aufgef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>1624<br \/>\nIn diesem Jahr wurde die Pfarrerscheune erbaut. F\u00fcr den gesamten Bau erhielt der Zimmermann von der Gemeinde 100 Gulden, f\u00fcr diesen Preis musste er auch das Bauholz selbst besorgen.<\/p>\n<p>1624<br \/>\nKaiser Ferdinand II erkl\u00e4rt, dass die Schenken von Limpurg und ihre L\u00e4ndereien unter seinem besonderen Schutz stehen. Jedoch k\u00fcmmert sich Tilly, der General der katholischen Liga darum herzlich wenig.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kommt es in Gollhofen zu einer Hexenverfolgung. Gem\u00e4\u00df der alten Pfarrbeschreibung wurde in der Herrschaft von Speckfeld gezielt nach Hexen gesucht. Mehrere ungl\u00fcckliche Weibspersonen aus Gollhofen wurden als der Zauberei verd\u00e4chtig festgenommen, gefoltert und entweder des Landes verwiesen oder gar auf dem Scheiterhaufen verbrannt.<br \/>\nEine weitere Notiz berichtet vom 23. Oktober 1624. An diesem Tag sollen f\u00fcnf Frauen aus Gollhofen das Dorf angez\u00fcndet haben. Ein gro\u00dfer Teil Gollhofens ging in Flammen auf. \u00dcber ein 11-j\u00e4hriges tatbeteiligtes M\u00e4dchen ist dieses Verbrechen aufgedeckt worden. Drei der T\u00e4terinnen, die auch weitere Verbrechen ver\u00fcbt haben sollen, wurden in Hellmitzheim lebendig verbrannt. Das elfj\u00e4hrige M\u00e4dchen wurde lebenslang aus dem Lande verwiesen.<br \/>\nIm Kirchenbuch von Hellmitzheim findet sich dazu folgende Eintrag: <i>Am 21. M\u00e4rz 1625 wurden hier zwei Hexen aus Gollhofen verbrannt, w\u00e4hrend es einen schrecklichen Wind und Gewitter gegeben hat. Eine der beiden hat sich gar nicht bekehren wollen sondern hat gesagt: Dem, dem sie in dieser Welt gedient habe, wolle sie auch in jener Welt dienen. Ebenso wurden am 22. Juli vier Hexen aus Gollhofen verbrannt.<br \/>\n<\/i>Es ist unklar, ob eine der beiden Hinrichtungen etwas mit dem Brand von Gollhofen und einen damit verbundenen Hexenprozess zu tun hat.<\/p>\n<p>1626<br \/>\nBau des Gef\u00e4ngnisses in Gollhofen, das auch Pforte genannt wird. Das Geb\u00e4ude, das einen unterirdischen Raum besitzt, hat zum Dorfgraben hin eine Falllbr\u00fccke.<br \/>\nSchenk Georg von Limpurg reist zu Wallenstein und erwirkt eine Anweisung an dessen Oberste, das Limpurgische Gebiet st\u00e4rker zu schonen, was aber wenig half. In diesem Jahr mussten die Gollh\u00f6fer 20 Malter Hafer als Abgabe an die Sch\u00f6nburgischen Reiter nach Sommerhausen bringen.<\/p>\n<p>1628<br \/>\nDie Sch\u00f6nburgischen Reiter werden f\u00fcr zwei Jahre in Gollhofen einquartiert. Im selben Jahr musste der Pfarrer von Einersheim wegen des Einfalls der W\u00fcrzburger nach Gollhofen fliehen. Sp\u00e4ter findet dieser eine Anstellung in einem Kloster.<\/p>\n<p>Dem Gollh\u00f6fer Pfarrer blieb das gleiche Schicksal durch einen gl\u00fccklichen Umstand erspart. Denn nach dem Plan des Domkapitels in W\u00fcrzburg sollte der Pfarrer von Gollhofen am 13. Juli zusammen mit dem Schullehrer vertrieben werden und daf\u00fcr ein katholischer Messpriester eingesetzt werden. Allerdings zog gerade in diesen Tagen ein zu den Evangelischen geh\u00f6rendes Reiterregiment durch Gollhofen und hatte sich genau da niedergelassen. So mussten die W\u00fcrzburger notgedrungen auf die gewaltsame Rekatholisierung in Gollhofen verzichten.<\/p>\n<p>1629<br \/>\nDas Dorf wird zunehmend besser gefestigt, um es gegen \u00dcberf\u00e4lle und feindliche Durchz\u00fcge zu sichern. Auch die Kirchhofbefestigung wird verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\n\u201etr\u00fcgerische Idylle\u201d, diesen Titel w\u00fcrde ich unserem Dorf ums Jahr 1600 geben. Es gab viel idyllisches: Eintracht, Ordnung, Wohlstand.\u00a0 Aber zugleich lugt aus einigen Ecken ein d\u00fcsteres Gesicht:<br \/>\n&#8211; Die Kirchenzucht, so nannte man das oft hoheitlich verordnete Vorgehen der Kirchengemeinde, gegen Verfehlungen vor allem in moralischer Hinsicht. Da muss eine Braut mit einem Kranz aus Stroh zur Hochzeit gehen, als Zeichen daf\u00fcr, dass schon vor der Hochzeit mit ihrem Mann geschlafen hat. Hmm &#8230; warum kriegt nur die Braut buchst\u00e4blich eines auf Dach? Was ist mit dem Br\u00e4utigam, der vielleicht die treibende Kraft war? Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ja nur der bestraft wurde, der sich erwischen hat lassen. Sieht so Seel-Sorge aus?<br \/>\n&#8211; Die uns\u00e4glichen Hexenverfolgungen. Bei denen die Delinquentinnen oft kaum eine Chance hatten ihre Unschuld zu beweisen. Unbequeme Frauen lebten gef\u00e4hrlich, genauso waren geistig behinderte Frauen aufgrund ihres ungew\u00f6hnlichen Verhalten immer in der Gefahr in den Verdacht zu geraten, mit dem Teufel im Bund zu sein.<br \/>\n&#8211; Wir wissen nicht, was Oswald Endres au\u00dfer diesem einen Diebstahl noch verbrochen hat. Doch erschrickt man, wie schnell, hier jemand zum Tode verurteilt wurde.<\/p>\n<p>Eine teuer erkaufte Idylle. Und zugleich ahnen schon manche in Gollhofen, dass die gro\u00dfen Gefahren von ganz anderer Seit drohen. Die ersten Einquartierungen von Soldaten geben einen Vorgeschmack auf die Gr\u00e4uel der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges. Mit dem Umbau des Kirchturms zum Wachturm und einer verst\u00e4rkten Befestigung des Dorfes versucht man sich zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Idylle und akute Gefahr: Es war wohl keine \u201egute alte Zeit\u201d. Aber welche Zeit ist da schon gut zu nennen?<\/p>\n<p>Bei uns verst\u00e4rken Politiker die &#8211; unsichtbaren &#8211; Mauern gegen Islamismus und Terror. Die USA f\u00fchren f\u00fcr sich ja schon ihren pers\u00f6nlichen \u201eWar against the Terror\u201d. Kaum einer wagt eine Einsch\u00e4tzung, was die n\u00e4chsten 30 Jahre in dieser Hinsicht bringen.<br \/>\nUnd zugleich pflegen wir auch eine Idylle. Die ist manchmal auch teuer erkauft. Das Thema ist nur ein anderes als damals. Wir lassen es uns gutgehen, und sp\u00fcren zugleich, dass unser globales Wirtschaften, unser Umgang mit Ressourcen und der Sch\u00f6pfung in eine Sackgasse f\u00fchren wird. Dass manches so nicht weitergehen kann.<\/p>\n<p>Ich werde heute morgen keine L\u00f6sung anbieten, sondern nur den Blick in die Geschichte &#8230;. die gezeigt hat, wie Idyllen schnell zerbrechen, wie langfristige Planungen \u00fcber nacht Makulatur werden, wie mein individuelles Schicksal scheinbar zum Spielball gro\u00dfer M\u00e4chte werden kann. Verunsicherung allenthalben &#8230; damals wie heute.<\/p>\n<p>Damals hat man die Kirche verst\u00e4rkt und ausgebaut &#8211; nicht das Gef\u00e4ngnis.<br \/>\nVielleicht haben die Menschen damals gesp\u00fcrt, wo der richtige Ort ist, an wen man sich wenden muss, wenn man Hoffnung braucht.\u00a0 &#8211; Wir auch?<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, der heutige Blick in die Gemeinde-Geschichte beginnt im Jahr 1595. Die Reformation Luthers hat sich etabliert. 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