{"id":1456,"date":"2007-12-02T21:14:15","date_gmt":"2007-12-02T20:14:15","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1456"},"modified":"2017-10-24T18:50:45","modified_gmt":"2017-10-24T17:50:45","slug":"predigt-warten-auf-rettung-lied-eg-20-das-volk-das-noch-im-finstern-wandelt-2-dezember-2007-1-advent-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1456","title":{"rendered":"Predigt: Warten auf Rettung (Lied EG 20: Das Volk, das noch im Finstern wandelt) 2. Dezember 2007, 1. Advent 2007"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<blockquote><p>Das Volk, das noch im Finstern wandelt, bald sieht es Licht, ein gro\u00dfes Licht. Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt.<br \/>\nDie ihr noch wohnt im Tal der Tr\u00e4nen, wo Tod den schwarzen Schatten wirft: Schon h\u00f6rt ihr Gottes Schritt, ihr d\u00fcrft euch jetzt nicht mehr verlassen w\u00e4hnen. (EG 20, Verse 1+2)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das haben wir eben gesungen. Kann man das auch erleben?<\/p>\n<p><strong><em>\u00a0Im Dunkel auf die Schritte des Befreiers warten<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich denke da an Old Shatterhand&#8230;<br \/>\n<em> Es war Nacht &#8211; fast stockfinster &#8211; nur eine d\u00fcnne Mondsichel lie\u00df schemenhaft das Lager der Kiowa-Indianer erkennen. Mit den H\u00e4nden an den R\u00fccken war er an deren Marterpfahl gefesselt. Sie hatten ihn vor vier Tagen gefangen genommen und hielten ihn f\u00fcr einen Verr\u00e4ter, und machten ihn f\u00fcr den Tod des H\u00e4uptlingssohnes verantwortlich. Er ahnte, dass seine Hinrichtung nur ein Frage der Zeit war. Vergeblich hatte er versucht, sich zu befreien, doch die Stricke, mit denen er an den Marterpfahl gebunden war, konnte er nicht zerrei\u00dfen. So stand er da, das Holz des Pfahls im R\u00fccken, und hob den Kopf. Er starrte in die Finsternis. Versuchte, etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Hielt manchmal den Atem an, um in die Stille der Nacht hineinzulauschen. <\/em>Da h\u00f6rte er hinter sich ein Ger\u00e4usch. Den Ruf eines K\u00e4uzchens &#8230; oder war es vielleicht doch &#8230;.<!--more--><\/p>\n<p><em>Old Shatterhand lauschte weiter. Ein leises Rascheln hinter ihm, der Laut von vorsichtig aufgesetzten F\u00fc\u00dfen, dann h\u00f6rte er jemanden hinter sich atmen.\u00a0 \u201eWinnetou?\u201d fragte er in die Stille hinein. \u201eSei still, Blutsbruder\u201d kam es zur\u00fcck, und dann h\u00f6rte er das Ger\u00e4usch eines Messers, das seine Fesseln mit schnellem Schnitt durchtrennte .<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt.<br \/>\nSchon h\u00f6rt ihr Gottes Schritt, ihr d\u00fcrft euch jetzt nicht mehr verlassen w\u00e4hnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es war wohl der vermeintliche Ruf des K\u00e4uzchens, der Old Shatterhand aufatmen lie\u00df.\u00a0 Im Film dazu w\u00fcrde bereits jetzt leise die erl\u00f6sende Erkennungsmelodie einsetzen und f\u00fcr den letzten Zuschauer deutlich machen: Das Bleichgesicht ist gerettet. Winnetou kommt und wird ihn befreien &#8230; das steht au\u00dfer Frage.<\/p>\n<p>Im wirklichen Leben m\u00f6chte mir das nicht so einfach gelingen.<br \/>\nHinzuh\u00f6ren &#8230; wo h\u00f6re ich die Schritte Gottes, wo klingt etwas so, dass ich das Gef\u00fchl bekomme, dass Gott unsere Welt zum Guten ver\u00e4ndert? Dass er kommt!?<br \/>\nSo sitze im Dunkel unserer Welt mit all ihren Schwierigkeiten und Elend und warte auf die leisen Schritte unseres Befreiers. Wo sind die Signale seines Kommens? Bin ich blind und taub f\u00fcr das, was sich tut? Vielleicht sind Gottes Ger\u00e4usche und Zeichen auch so klein, dass ich die \u00fcbersehe.<\/p>\n<p>Wie gut, dass uns &#8211; wie im Film &#8211; notfalls die Erkennungsmelodie deutlich macht, dass sich etwas tut. Und wenn es die Melodie des Advents und des Weihnachtsfestes ist. Mit seiner Botschaft, dass Gott in unsere Welt kommt, um Fesseln aufzuschneiden und diese Welt zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>\u201eMacht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit\u201d.<\/p>\n<p><strong><em>\u00a0Was wird sich tun, wenn es mal soweit ist?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wie sieht sie eigentlich aus, diese Herrlichkeit? Im Lied lese ich:<\/p>\n<blockquote><p>Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen, nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!<br \/>\nKein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.<br \/>\nDie Liebe geht nicht mehr verloren. Das Unrecht st\u00fcrzt in vollem Lauf.<br \/>\nDer Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf und ruft: \u00bbUns ist ein Kind geboren!\u00ab (EG 20, Verse 3+4)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Holl\u00e4nder Schulte Nordholt, der das Lied verfasst hat, lehnt sich an ein Kapitel aus dem Propheten Jesaja an, und zugleich sp\u00fcrt man, dass er darin auch seine Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg verarbeitet hat.<br \/>\nSeine Hoffnungen sind einfach und pr \u00e4gnant: Frieden statt Krieg, das Ende einer bitteren Zeit. Aber auch Gerechtigkeit und die Hoffnung, dass Liebe nie vergeblich ist. Zuletzt: Der Tod des Todes, wobei offen bleibt, ob er damit das Ende des sinnlosen Sterbens im Krieg meint, oder tats\u00e4chlich die Entmachtung des Todes, weil wir auf die Auferstehung der Toten hoffen.<\/p>\n<p>Und wenn man die Verse heute schreiben m\u00fcsste? Wahrscheinlich w\u00fcrden neue Begriffe auftauchen:<\/p>\n<blockquote><p>Er kommt mit Arbeit, nicht mehr rennen, g\u0301nug Geld, gesund, Aufschwung und Zeit!<br \/>\nKein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Videos auf der Seele brennen.<br \/>\nDie Umwelt geht nicht mehr verloren. Das Kapital verliert die Macht.<br \/>\ndie Dritt-Welt hat sich aufgemacht, ist endlich frei von Diktatoren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Jede Zeit, jede Kultur hat ihre eigenen Erwartungen von dem, was Gott als Retter seiner Welt mitbringen sollte.Darum unterscheiden sich die Hoffnungen des Jesaja vor 2500 Jahren, des holl\u00e4ndischen Liederdichters nach Kriegsende und der Familie aus dem heutigen Franken.<br \/>\nUnd doch gibt es da eine Gemeinsamkeit: Man hofft auf das, was man vermisst; es sind die Punkte, an denen die eigene Welt aus dem Gleichgewicht gekommen ist. So ruht die Hoffnung auf eine geheilte Welt auf dem Heiland, der sie wieder ins Gleichgewicht bringt.<\/p>\n<p><strong><em>Der Retter will auch regieren<\/em><\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Man singt: Ein Sohn ist uns gegeben, Sohn Gottes, der das Zepter h\u00e4lt,<br \/>\nder gute Hirt, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit und das Leben.<br \/>\nNoch andre Namen wird er f\u00fchren: Er hei\u00dft Gottheld und Wunderrat<br \/>\nund Vater aller Ewigkeit. Der Friedef\u00fcrst wird uns regieren! (EG 20 Verse 5+6)<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndas letzte S\u00e4tzchen kommt uns so bekannt vor, nicht zuletzt von \u201eMacht hoch die T\u00fcr\u201d. Und doch steht da etwas, was wir gerne \u00fcbersehen. Der, der unsere Welt ins Gleichgewicht bringen soll, ist einer, der regiert. &#8211; Und wer regiert, der hat auch etwas zu sagen! Der hat Richtlinienkompetenz, darf mir etwas abverlangen, und sagen, wo es lang geht!<\/p>\n<p>Der Heiland als Regent. Nicht als Arzt, der im Zuge einer Vollnarkose ein Kniegelenk austauscht: ich wache auf, und alles ist in Ordnung. Er ist der Herrscher, der mir Regeln gibt, mir etwas abverlangt: Treue und Glauben ihm gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eChristus, der Retter ist da\u201d, hei\u00dft es im Lied \u201estille Nacht\u201d. Bei Retter denke ich da schnell an Rettungshubschrauber, die selbst in entlegenste Alpent\u00e4ler fliegen um verletzte Bergsteiger auszufliegen. Die \u00e4rgerlichen Nebenfolgen hat die Bergwacht bereits auch entdeckt: Immer wieder wagen sich unerfahrene Urlauber ohne brauchbare Ausr\u00fcstung in hochalpines Gel\u00e4nde, mit dem Bewusstsein: Wir haben ja ein Handy, da k\u00f6nnen wir notfalls einen Rettungshubschrauber anfordern.<\/p>\n<p>Unsere Verse hier sprechen von einer anderen Art von Rettung. Von einer, die auch dem Getetteten etwas abverlangt. M\u00fcssen wir doch noch einmal zu Winnetou und Old Shatterhand?<\/p>\n<p><em>Sie wussten, mit dem Durchtrennen der Fesseln waren beide noch nicht in Sicherheit. Zun\u00e4chst krochen sie ger\u00e4uschlos auf allen Vieren vom Marterpfahl in den Schutz des nahen Geb\u00fcsches. Mit elastischen Schritten, zugleich aber stets geduckt lief Winnetou auf einem verschlungenen Weg durch die sp\u00e4rlich bewachsenen H\u00fcgel der Pr\u00e4rie. Old Shatterhand folgte ihm stets mit nur wenigen Schritten Abstand. Es ahnte, den Grund f\u00fcr diesen verschlungenen Weg, den Winnetou eingeschlagen hatte, sicher hatte er zuvor ausgekundschaftet, wo die Aiowas ihre Wachposten aufgestellt hatten. Old Shatterhand war sich sicher. Jede eigenm\u00e4chtige Aktion h\u00e4tte f\u00fcr sie das Ende bedeuten k\u00f6nnen; so vertraute er dem H\u00e4uptling der Apachen. So blieb er exakt auf dem Weg, der er ihm vorgab. Hatte er doch schon oft erlebt, dass das Vertrauen das er in ihn gesetzt hatte, nicht entt\u00e4uscht worden war.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Vertrauen und Rettung geh\u00f6ren zusammen. Bei Karl May und im Advent.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Das Volk, das noch im Finstern wandelt, bald sieht es Licht, ein gro\u00dfes Licht. Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt. 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