{"id":1450,"date":"2007-12-31T21:02:28","date_gmt":"2007-12-31T19:02:28","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1450"},"modified":"2014-05-30T21:07:44","modified_gmt":"2014-05-30T19:07:44","slug":"predigt-zur-jahreslosung-2008-ich-lebe-und-ihr-sollt-auch-leben-johannes-1419-31-dezember-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1450","title":{"rendered":"Predigt zur Jahreslosung 2008: &#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8220; (Johannes 14,19) 31. Dezember 2007"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jesuslebt.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1451\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1451\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jesuslebt.jpg?fit=300%2C97&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"300,97\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"jesuslebt\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jesuslebt.jpg?fit=300%2C97&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-full wp-image-1451\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jesuslebt.jpg?resize=300%2C97\" alt=\"jesuslebt\" width=\"300\" height=\"97\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jesuslebt.jpg?w=300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jesuslebt.jpg?resize=150%2C49&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jesuslebt.jpg?resize=250%2C80&amp;ssl=1 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\ndie Jahreslosung f\u00fcr 2008 ist ein Wort, dass Jesus im Johannesevangelium seinen J\u00fcngern gesagt hat: &#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8220; (Joh 14,19).<\/p>\n<blockquote><p>Zuallererst kommt mir da ganz viel &#8222;Leben&#8220; entgegen, wo soll man da anfangen?\u00a0 Ich m\u00f6chte einfach versuchen, es in drei kleinen Ausschnitten zu beleuchten, sozusagen einige Schwimmkerzen auf Ozean des Themas Leben zu entz\u00fcnden.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em><strong>\u00a0Jesus lebt<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Seit fast drei\u00dfig Jahren gibt es kleine Anstecker mit der Aufschrift &#8222;Jesus lebt&#8220;. Ich wei\u00df nicht, ob Sie die kennen. In den 70er und 80er Jahren waren die in frommen Kreisen richtig in. Der pietistische Pfarrer Paul Deitenbeck hat sie vor etwa drei\u00dfig Jahren erfunden. Als Bekenntniszeichen f\u00fcr Christen, die darauf vertrauen, dass Jesus lebt &#8211; also am Ostermorgen auferstanden und in unserer Welt wirksam ist.<\/p>\n<p>Dieser Anstecker, den man auch heute noch kaufen kann, signalisiert ein bestimmtes Verst\u00e4ndnis von Jesus: Dass er mehr ist als nur eine bedeutende Figur der Zeitgeschichte.<\/p>\n<p>Katharina die Gro\u00dfe, Martin Luther, Simone de Beauvoir, Albert Einstein, Mahatma Gandhi &#8211; sie alle waren gro\u00dfe, bedeutende Personen, die unsere Welt entscheidend ver\u00e4ndert haben &#8211; bis heute. Aber dennoch sind sie alle tot! Das einzige, was von ihnen noch lebendig ist, ist die Erinnerung an ihre Taten, Gedanken, Texte und deren Wirkungen.<\/p>\n<p>Jesus lebt &#8211; das bedeutet mehr: Es geht nicht um Erinnerung an ihm, sondern um ein Leben mit ihm. Er kann mir ein Gegen\u00fcber sein, mit dem ich im Gebet spreche. Und manchmal gewinne ich den Eindruck, dass auch er mit mir lebt; mir nahe ist in schweren und auch im gl\u00fccklichen Zeiten, mir ins Gewissen spricht, wenn ich einen falschen Weg einschlage.<\/p>\n<p><strong><em>&#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8220; &#8211; Jesus und Du, Ihr d\u00fc<\/em><\/strong><strong><em>rft etwas miteinander zu tun haben<\/em><\/strong>!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sp\u00fcre ich es nicht immer. Da gibt es auch Phasen, in denen ich nichts von seiner Gegenwart sp\u00fcre. Martin Luther hatte zwar keinen Jesus-lebt- Anstecker, aber \u00fcber dem Portal seines Hauses hat er diese Botschaft auf lateinisch einmei\u00dfeln lassen: &#8222;vivit&#8220;- &#8222;Er lebt&#8220; prangte im Sandstein \u00fcber seiner Haust\u00fcr. Wenn gro\u00dfe Reformator mal wieder v\u00f6llig verzweifelt und verzagt war: &#8222;Er lebt&#8220;, das hat Martin Luther dann an Jesu Gegenwart erinnert, hat ihm gut getan und Mut gemacht.<\/p>\n<p><strong><em>Ich soll auch leben<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, so viel zur ersten H\u00e4lfte der Jahreslosung. Die stehts mit dem &#8222;und ihr sollt auch leben&#8220;?<\/p>\n<p>Dass wir leben, steht f\u00fcr alle die wir hier sitzen momentan au\u00dfer Frage.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr lie\u00dfe sich umso besser fragen, wie wir leben. Und dazu ist der Jahreswechsel von jeher ein willkommener Anlass. Wir blicken zur\u00fcck auf das vergangene Jahr. Wir \u00fcberlegen, wie es so gelaufen ist. Bedenken, was uns gut gelungen ist, und worauf wir stolz sein k\u00f6nnen. Wir versuchen aus den Fehlern des vergangenen Jahres zu lernen und sie hinter uns zu lassen. Manchmal merkt man auch, wie sehr der Erfolg beziehungsweise Misserfolg nicht nur an einem selbst hing, sondern auch von anderen Faktoren abh\u00e4ngig war.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich blickt man auch nach vorne: Ich plane das kommende Jahr, trage meine Geburtstage im Kalender ein &#8211; merke wen ich\u00a0 vergessen habe, zu besuchen &#8211; entwickle einige gute Vors\u00e4tze. Manche Vors\u00e4tze formuliert man ganz bewusst und andere entstehen eher aus einem Gef\u00fchl heraus.<\/p>\n<p>Wir Menschen sind da ganz unterschiedlich &#8211; gerade auch in unserer F\u00e4higkeit und Bereitschaft so eine ehrliche R\u00fcckschau zu halten oder bewusst nach vorne zu planen. Und je mehr man vom Alltag und seinen Anforderungen aufgefressen wird, umso weniger Zeit und Muse findet man daf\u00fcr. Das ist besonders \u00e4rgerlich: Gerade dann, wenn man vor Stress nicht wei\u00df, wo einem der Kopf steht, h\u00e4tte man so eine Auszeit des Nachdenkens besonders n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Gorch Fock hat gesagt: Man kann das Leben nicht verl\u00e4ngern, auch nicht verbreitern, sondern nur vertiefen.<\/p>\n<p><strong><em>Das Leben vertiefen &#8211; kann die Jahreslosung da ein bisschen helfen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8220; &#8211; da verbindet sich sprachlich das Leben Jesu mit meinem Leben. Was spricht dagegen, dass da noch mehr Verbindung entsteht? Dass ich mich in meinem Leben st\u00e4rker an Jesus orientiere? Er hat uns ein Leben vorgelebt, aus dem wir f\u00fcr das eigene Leben viel lernen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen nicht alles nachmachen, wir werden auch immer an unsere Grenzen kommen. Aber sein Vorbild in Form seines gelebten Lebens ist da. Jesus hat gegen uns nicht nur etwas vorgeschrieben, vorerz\u00e4hlt, sondern er hat uns etwas vorgelebt.<\/p>\n<p>Manch einer f\u00fchlt sich da \u00fcberfordert, hat Angst, seine Energien zu verschlei\u00dfen, mit denen man ja immer sparsam umgehen will.<br \/>\nAber ist es nicht auch schade, wenn sich gar nichts bewegt? Wenn man gar nichts riskiert?<br \/>\nErich Fried hat in einem Gedicht das Leben mit einer Taschenlampe verglichen. Er schreibt dort:<\/p>\n<p>Auch ungelebtes Leben geht zu Ende<br \/>\nzwar vielleicht langsamer<br \/>\nwie eine Batterie in einer Taschenlampe die keiner benutzt<br \/>\nAber das hilft nicht viel:<br \/>\nWenn man (sagen wir einmal)<br \/>\ndiese Taschenlampe<br \/>\nnach so- und so vielen Jahren anknipsen will<br \/>\nkommt kein Atemzug Licht mehr heraus<br \/>\nund wenn du sie aufmachst<br \/>\nfindest du nur deine Knochen<br \/>\nund falls du Pech hast auch diese<br \/>\nschon ganz zerfressen.<br \/>\nDa h\u00e4ttest du genauso gut leuchten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Leben &#8230; ohne Limit?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, jedes neue Jahr ist auch eine neue Chance &#8230; im Leben das Licht anzuknipsen &#8230; etwas leuchten zu lassen &#8230; etwas zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Oder sind die Knochen schon ganz zerfressen? Wir sind hier alle nicht mehr die J\u00fcngsten! Und viele von ihnen haben schon Dutzende von Jahreswenden hinter sich, die mit mehr oder minder erfolgreichen guten Vors\u00e4tzen begonnen haben. Und wenn man scharf rechnet, haben die meisten von uns schon mehr Jahreswenden hinter sich als vor sich!<\/p>\n<p>Auch so eine Bilanz kann zu dem geh\u00f6ren, was einem an Silvester deutlich wird. Ich gebe zu: Da denken wir lieber nicht so gerne dran &#8211; ist ja auch ein absoluter Stimmungskiller zur Silvesterparty.Aber weil wir jetzt Gottesdienst haben und nicht Party, will ich trotzdem noch mal drauf schauen:<\/p>\n<p>&#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Jesus spricht diesen Satz in einer seiner Abschiedsreden zu den J\u00fcngern. Sein Tod wirft darin schon seinen Schatten voraus, &#8211; Nein, ich muss besser sagen: Der Tod versucht seinen Schatten voraus zu werfen, aber das Licht der Auferstehung Jesu l\u00e4sst diesen Schatten verschwinden, bevor man ihm \u00fcberhaupt wahrnehmen kann. &#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8220;, Jesus \u00fcberspringt in diesen Satz die bittere Realit\u00e4t des Todes und verweist gleich auf das Leben an seiner Seite nach dem Tod.<\/p>\n<p><em><strong>Was kann das hei\u00dfen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Leben findet nicht nur vor meiner Beerdigung statt, sondern auch danach. Ich muss nicht alles geschafft haben &#8230; ich muss nicht alles erreicht haben &#8230; ich muss nicht alles erlebt haben in den achtzig oder neunzig Jahren auf dieser Erde: Weil Leben f\u00fcr den Christen dar\u00fcber hinaus gehen kann.<br \/>\nVielleicht vers \u00f6hnt mich dieser Gedanke mit den scheinbar verpassten Chancen meines Lebens.<\/p>\n<p>Mir ist dazu mein erster Computer-Drucker vor 22 Jahren eingefallen. Ich war furchtbar stolz auf den Nadeldrucker, so etwas war damals noch eine kleine Sensation. Und ich habe als Jugendlicher sofort begonnen zu \u00fcberlegen, was ich denn jetzt alles ausdrucken k\u00f6nnte und m\u00fcsste. Ich war richtig hektisch. Die Chance, dies oder jenes endlich ausdrucken zu k\u00f6nnen musste ich ja nutzen! Pixelgrafiken, mathematische Kurven und manches mehr brachte der Drucker knatternd aufs Papier.<\/p>\n<p>Nach zwei Tagen kam ich zu langsam zur Besinnung: Warum stresse ich mich eigentlich so rein? Ich habe den Drucker gekauft! Ich habe alle Zeit der Welt, alles auszudrucken, was ich m\u00f6chte. Was ich heute nicht ausdrucke, kann ich auch in zwei Jahren noch ausdrucken! So kehrte neben der Vernunft auch die Gelassenheit zur\u00fcck an den Bildschirm.<br \/>\nVon da an habe ich nur noch ausgedruckt, was mir wirklich sinnvoll erschien. Und vieles auch eben nicht.<\/p>\n<p>W\u00e4re das auch ein Konzept f\u00fcr den Umgang mit den eigenen Lebenschancen? Wahrzunehmen, was sinnvoll ist aber nicht sinnlos alles mitzunehmen, was sich einem bietet.<\/p>\n<p>&#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8220; &#8211; die Jahreslosung bietet viele Facetten. Drei davon k\u00f6nnen sie heute gedanklich mitnehmen:<\/p>\n<p>&#8211; Den Jesus-lebt-Anstecker, der mit signalisiert, dass ich mein Leben mit ihm f\u00fchren will.<br \/>\n&#8211; Die Taschenlampe, die ich auch im neuen Jahr anknipsen will, und mir \u00fcberlege, was im neuen Jahr besonders beleuchtet werden soll.<br \/>\n&#8211; Oder meinen Drucker, mein Symbol f\u00fcr die Gelassenheit angesichts vieler Chancen, die ich nicht alle mitnehmen muss.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, die Jahreslosung f\u00fcr 2008 ist ein Wort, dass Jesus im Johannesevangelium seinen J\u00fcngern gesagt hat: &#8222;Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8220; (Joh 14,19). 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