{"id":1415,"date":"2008-07-13T22:51:09","date_gmt":"2008-07-13T20:51:09","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1415"},"modified":"2014-05-29T22:53:59","modified_gmt":"2014-05-29T20:53:59","slug":"predigt-fuerchte-dich-nicht-sondern-rede-und-schweige-nicht-apg-180-10-13-juli-2008-taufe-von-paula","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1415","title":{"rendered":"Predigt: F\u00fcrchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! (Apg 18,0-10) 13. Juli 2008, Taufe von Paula"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/schweigen.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1417\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1417\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/schweigen.jpg?fit=193%2C169&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"193,169\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"schweigen\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/schweigen.jpg?fit=193%2C169&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-full wp-image-1417\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/schweigen.jpg?resize=193%2C169\" alt=\"schweigen\" width=\"193\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/schweigen.jpg?w=193&amp;ssl=1 193w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/schweigen.jpg?resize=150%2C131&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/schweigen.jpg?resize=171%2C150&amp;ssl=1 171w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Immer, wenn er auf der schmalen Pritsche in seiner Zelle lag, wanderte sein Blick \u00fcber die Worte und S\u00e4tze, die die fr\u00fcheren Insassen an die Wand gekritzelt hatten. Teils mit Kreide, manche wurden auch mit einem spitzen Gegenstand in den M\u00f6rtel der Wand geritzt.iebesschw\u00fcre, Hasstiraden, alles war auf den 5 Quadratmetern vertreten.<br \/>\nUnd er dachte sich: H \u00e4tte ich doch lieber nur geschrieben und nichts gesagt &#8211; den Mund nicht so weit aufgemacht. Jetzt sitze ich hier, weil ich den M\u00e4chtigen zu gef\u00e4hrlich wurde. Kein Mensch wei\u00df, was aus mir wird, ob und wann ich einmal von einem Richter angeh\u00f6rt werde.<br \/>\nUnd was ist, wenn sie mich holen und verh\u00f6ren? Was soll ich tun?<br \/>\nLieber schweigen, nichts sagen, nur nicht anecken &#8211; oder soll ichs doch wagen, meine Meinung zu sagen &#8211; die unbequeme Wahrheit laut aussprechen?<!--more--><\/p>\n<p>\u201eSoll ich das sagen, was gesagt werden muss &#8211; oder halte ich mich zur\u00fcck?\u201d<br \/>\nDas fragt sich mancher Regimekritiker in China.<br \/>\nDa gr\u00fcbelt mancher christliche Missionar in Pakistan.<br \/>\nUnd die Frage hat auch Paulus umgetrieben, als er vor fast 2000 Jahren durch Kleinasien gezogen ist, um die Botschaft von Jesu Auferstehung weiterzusagen, um f\u00fcr den christlichen Glauben zu werben. Denn er stie\u00df mit dem, was er sagte nicht \u00fcberall auf Zustimmung. Was er sagte, war vielen Leuten unangenehm:<\/p>\n<p>Er forderte sie heraus, umzudenken.<br \/>\nEr erwartete, dass man Stellung bezieht.<br \/>\nEr hoffte, dass Menschen sich taufen lassen und ein Leben als Christ f\u00fchren.<br \/>\nManchmal f \u00fchrte ihn sein Engagement auch ins Gef\u00e4ngnis, er wurde oft angegriffen, einmal gelyncht und entkam nur knapp dem Tod.<\/p>\n<p>Solche Leute, die unbequemes &#8211; aber notwendiges &#8211; sagen, hatten damals und haben heute keinen leichten Stand. Sie brauchen Durchhalteverm\u00f6gen und jemanden, der ihnen Mut macht.<\/p>\n<p>Dem Paulus ist das zuteil geworden: In der Apostelgeschichte wird beschrieben, dass er in einer schwierigen Situation nachts eine Erscheinung, eine Vision,\u00a0 hatte, in der Gott ihm sagt:<b><i> F\u00fcrchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin bei dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden. <\/i><\/b>(Apg 18, 9-10)<br \/>\nGenau so einen Satz hat er in diesem Moment dringend gebraucht. Einen Satz, der Mut macht, das zu sagen, was gesagt werden muss. Und diese Worte sind der Taufspruch f\u00fcr Paula: Ein Mutmacher f\u00fcr die richtigen Worte.<\/p>\n<p><b><i>Reden und Schweigen<\/i><\/b><\/p>\n<p>Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wo dieses Sprichwort herkommt, und ich wei\u00df, es hat seine Berechtigung.<br \/>\nGestern erst hab ich mir einen wirklich d\u00e4mlichen Kommentar von jemanden, den ich noch nie vorher gesehen habe, anh\u00f6ren m\u00fcssen. Am liebsten h\u00e4tte ich &#8230; aber ich habs mir dann verkniffen. Und es war richtig. Eine Diskussion \u00fcber den Unsinn, den der Mensch da von sich gegeben hat, h\u00e4tte nichts gebracht, au\u00dfer dass ich mich erst richtig aufgeregt h\u00e4tte. Ich habe im Laufe des Tages\u00a0 noch 4 mal innerlich dr\u00fcber den Kopf gesch\u00fcttelt &#8211; und es war f\u00fcr mich ausgestanden..<br \/>\nManchmal ist es sicher ratsam: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.<\/p>\n<p>Aber ich glaube, es ist nicht der Weisheit letzter Schluss.\u00a0 Oft genug ist doch das Reden die wertvollere M\u00fcnze. Und jeder wei\u00df, dass man mal etwas sagen m\u00fcsste. Dass das so nicht richtig l\u00e4uft, dass das so nicht weitergehen kann.<br \/>\n&#8211; Klar, kann man an die gro\u00dfe Politik denken &#8230;<br \/>\n&#8211; Aber oft genug ists vor der eigenen Haust \u00fcre, wo man mal was sagen m\u00fcsste, weil man sich \u00fcber etwas \u00e4rgert, weil einem bei Freunden oder Nachbarn etwas auff\u00e4llt, wor\u00fcber man mal reden m\u00fcsste.<br \/>\n&#8211; Oder in der eigenen Familie, bei den eigenen Kindern, den Eltern, einen nahem Verwandten.<\/p>\n<p>\u201eIch m\u00fcsste mal mit ihm reden, vielleicht hat er noch gar nicht selber gemerkt.\u201d Und ich merke, dass ich mir selber prophezeie: Es wird der Tag kommen, wo der Andere dir, oder du dir selber sagen musst: \u201eH\u00e4tt\u0301st halt was g\u0301sacht\u201d.<br \/>\nAber der Schritt hin zum Reden ist manchmal dann oft doch ganz schwer. Weil wir in und mit Beziehungen leben und viele Menschen scheuen sich davor, mit einem klaren Wort einen Konflikt zu entfachen, der das gute Miteinander in Frage stellt.<br \/>\nUnd so wird geschwiegen &#8211; und manches schwelt \u00fcber Jahre weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht wie bei Herrn Meier:<br \/>\nHerr Meier hat G\u00e4ste und er entdeckt am Sonntag Nachmittag, dass ihm die Kaffeefilter ausgegangen sind. So entscheidet er sich, bei Frau M\u00fcller oben im 5. Stockwerk nachzufragen, ob sie ihm ein paar Filtert\u00fcten borgen kann. So geht er los, im ersten Stock legt er sich seine Worte zurecht \u201eLiebe Frau M\u00fcller, mir ist ein Missgeschick passiert, leider sind meine Filtert\u00fcten alle, w\u00e4ren Sie so freundlich mir vielleicht mit zwei oder drei von ihren auszuhelfen\u201d.<br \/>\nIm Zweiten Stock \u00fcberlegt er: Sie wird schon nichts dagegen haben &#8230; na gut, manchmal hat sie ihn schon so seltsam angesehen, wenn er mit einem Korb voller Bierflaschen heimgekommen ist.<br \/>\nIm Dritten Stock denkt er: Sie soll sich nicht so anstellen! Es ist ja seine Sache, wieviel Bier er kauft. Da kann sie ihm schon mal ein paar Filtert\u00fcten geben.<br \/>\nIm Vierten gr\u00fcbelt er: Wo kommen wir denn hin, wenn jeder den andern kontrolliert und dann vielleicht wegen ein paar Filtert\u00fcten Schwierigkeiten macht. Und so steigert er sich in seine stillen Gedanken hinein &#8230; bis er an der Wohnungst\u00fcr von Freu M\u00fcller steht. Er klingelt, sie \u00f6ffnet und strahlt ihn freundlich an:<br \/>\nUnd da explodiert er: \u201eDa brauchen sie gar nicht so bl\u00f6d zu gucken, Frau M\u00fcller! Wieviel Bier ich trinke, geht sie einen feuchten Kehricht an &#8211; und ihre Kaffeefilter k\u00f6nnen sie sich an den Hut stecken!\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\noft ist es n\u00f6tig, zeitig miteinander zu reden, und nicht zu schweigen, wenn einem eine Entwicklung Sorgen bereitet. Klar: Manche von Ihnen haben damit sowieso kein Problem, geh\u00f6ren zu dem Menschenschlag der auch dem Nachbarn unverbl\u00fcmt und direkt sagt, was anliegt. Nat\u00fcrlich auch mit dem Risiko dann es mal ordentlich raucht. &#8211; Aber andere Menschen tun sich damit viel schwerer.<\/p>\n<p>Da ist sie , die Angst vor dem Konflikt.<br \/>\nDie Furcht davor, den Anderen zu kr\u00e4nken oder zu unrecht zu beschuldigen.<br \/>\nDas Gef\u00fchl, dass ein klares Bekenntnis zu dem, was einem wichtig ist, einen Keil zwischen mich und den anderen treiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Diese diffuse Furcht bringt viele von uns dazu, dass wir oft genug da den Mund, halten, wo es besser w\u00e4re, mal ein klares Wort zu sprechen.<\/p>\n<p><b><i>F\u00fcrchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin bei dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden. <\/i><\/b>(Apg 18, 9-10)<\/p>\n<p>Ein Mutmacher-Satz!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Tauffamilie ,<br \/>\nPaulas Taufspruch, ist einer, der zumindest zu einem Teil einen weiten Bogen in ihr Leben als junges M\u00e4dchen bis zur Erwachsenen schl\u00e4gt. Denn da ist es wichtig, diesen Mut zum offenen Wort zu entwickeln.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr mich ist es keine Frage, dass zugleich dieses Versprechen Gottes weiterhilft. <b><i>Denn ich bin bei dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden. <\/i> <\/b>Eine Zusage des Segens, der Begleitung auf diesem Weg als Mensch, der klare Worte spricht. Das ist wichtig, dass Vertrauen in diesem Lebensweg in ihr w\u00e4chst. wer sich seines Weges sicher ist, dem f\u00e4llt es leichter auch einmal ungewohnte Stritte zu gehen.<\/p>\n<p><b><i>Auch \u00fcber den Glauben reden<\/i><\/b><\/p>\n<p>Aber da ist noch ein letzter Punkt, bei dem manchmal gerade auch die sonst Mutigen \u201eich spreche alles sofort an\u201d-Leute auff\u00e4llig schweigsam werden: N\u00e4mlich wenns um den Glauben geht. Klar, unser Glaube ist etwas pers\u00f6nliches. Da ist jeder von uns anders, hat andere Fragen, andere Hoffnungen, andere Zweifel. Heute, am Tag der Taufe, an dem Sie als Eltern und Paten ihr \u201eja\u201d gesagt haben, gilt Ihnen der Taufspruch auch pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p><b><i>F\u00fcrchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht &#8211; <\/i><\/b>auch dann nicht, wenns um den Glauben geht, wenn die Frage nach dem kommt, was dein Leben tr\u00e4gt, worauf du dich verl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wenn Kinder nach Gott fragen, dann ist es wichtig, dass sie ehrliche und tragf\u00e4hige Antworten bekommen. Nichts im Konfirmandenunterricht auswendig gelerntes (auch das ist wichtig), sondern dass sie sp\u00fcren, wie im Leben der Eltern und Paten Glaube &#8211; Gottvertrauen &#8211; aussieht.<\/p>\n<p>Sicherlich ist im Kleinkindalter ein Abendgebet der sinnvollste Weg, zu \u201ereden\u201d, ohne dass man theologisch viel erkl\u00e4rt, vermittelt man ein Gef\u00fchl der Vertrauens und Beh\u00fctet seins: <b><i>Denn ich bin bei dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden<\/i> <\/b>. Oft sind es die kleinen Worte, die Gold wert sind.<\/p>\n<p>Liebe Familie Fuchs, ich w\u00fcnsche Ihnen gerade in diesem Sinn die richtigen Worte zur rechten Zeit.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde Immer, wenn er auf der schmalen Pritsche in seiner Zelle lag, wanderte sein Blick \u00fcber die Worte und S\u00e4tze, die die fr\u00fcheren Insassen an die Wand gekritzelt hatten. 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