{"id":1413,"date":"2008-08-03T22:48:11","date_gmt":"2008-08-03T21:48:11","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1413"},"modified":"2017-10-24T18:45:25","modified_gmt":"2017-10-24T17:45:25","slug":"predigt-vergebung-und-verantwortung-2-samuel-12-3-august-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1413","title":{"rendered":"Predigt: Vergebung und Verantwortung (2. Samuel 12) 3. August 2008"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr heute steht im 2. Samuelbuch. Er beschreibt eine Szene im Palast von K\u00f6nig David. Darin kommt der Prophet Nathan zu einer Audienz des K\u00f6nigs. Offenbar m\u00f6chte der Prophet dem K\u00f6nig einen Streitfall zwischen zwei B\u00fcrgern vorstellen und erbittet von David ein Urteil:<!--more--><\/p>\n<p>2. Sam 12, 1-10.12-15a<\/p>\n<p><em>12,1\u00a0 Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei M\u00e4nner in einer Stadt, der eine reich, der andere arm.<br \/>\n12,2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; 12,3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Sch\u00e4flein, das er gekauft hatte. Und er n\u00e4hrte es, da\u00df es gro\u00df wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es a\u00df von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Scho\u00df, und er hielt&#8217;s wie eine Tochter.<br \/>\n12,4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam,\u00a0 brachte er&#8217;s nicht \u00fcber sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.<br \/>\n12,5 Da geriet David in gro\u00dfen Zorn \u00fcber den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!<br \/>\n12,6 Dazu soll er das Schaf\u00a0 vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>bei K\u00f6nig David geht es anders zu als bei Fernsehrichterin Barbara Salesch: Kurzer Vortrag der Angelegenheit beim K\u00f6nig als obersten Richter des Landes &#8211; kein Anwalt &#8211; selbst der Beklagte muss nicht vorgef\u00fchrt werden. Die abscheuliche Tat des reichen Mannes spricht allein schon B\u00e4nde. Und so f\u00e4llt K\u00f6nig David postwendend sein hartes und gerechtes Urteil:<br \/>\nDer T\u00e4ter wird zu Tod verurteilt, aber zuvor muss er vierfach Schadensersatz leisten. &#8211; Fertig!<\/p>\n<p>Na gut, das klingt schon sehr drakonisch, aber auf diese Weise versucht David Recht und Ordnung im Staat Israel aufrecht zu erhalten.<br \/>\nEr ist der K\u00f6nig, er ist das Recht. &#8211; So versteht er sich.<br \/>\nAber das ist nur die eine H\u00e4lfte der Medaille. K\u00f6nig David, der hier so vehement f\u00fcr Recht und Ordnung einsteht, hat selber Dreck am Stecken. &#8211; Und die Aff\u00e4re hat einen Namen: Bathseba.<\/p>\n<p>Die sch\u00f6ne junge Nachbarin &#8211; verheiratet mit Uria, einem Soldaten des K\u00f6nigs. David hatte sie beim Baden beobachtet, sie schien ihm eine S\u00fcnde wert. Ihr Mann war ja f\u00fcr David im Krieg, und dieser spielte seine Macht und seinen Charme aus, um sie ins Bett zu bekommen. Und als sie von ihm schwanger wurde, nutzte der K\u00f6nig wiederum seine M\u00f6glichkeiten, um Bathsebas Mann unsch\u00e4dlich zu machen. Ehebruch und Mord &#8211; zwei kapitale Verbrechen, die ihn nicht nur seine Stellung als K\u00f6nig, sondern auch den Kopf h\u00e4tten kosten k\u00f6nnen. Wenig sp\u00e4ter heiratete er die Witwe, die gebar ein Kind und keiner konnte ihm etwas nachweisen.<\/p>\n<p>So ging alles seinen gewohnten Gang &#8211; der Skandal blieb aus. Kein Richter musste sich mit seinem Fall besch\u00e4ftigen. Und er blieb weiterhin in der Rolle des K\u00f6nigs und Rechtsprechers. Und dieser Fall, den Nathan ihm vorlegte, brachte ihn so richtig in Rage.<br \/>\nKomisch. Die Ungerechtigkeit des anderen bringt ihn auf die Palme, und verdr\u00e4ngt dabei l\u00e4ssig die eigenen Schattenseiten. Oder ist es vielleicht typisch menschlich, dass wir sehr genau wissen, was die anderen falsch machen, aber mit den eigenen Fehlern ziemlich gro\u00dfz\u00fcgig sind?<\/p>\n<p>David hatte anscheinend keine Skrupel, im Falle dieses reichen Mannes ein hartes Urteil &#8211; das Todesurteil zu sprechen. Es war ja auch berechtigt: Dieser Mann hatte aus purem Eigennutz einem Anderen das Liebste, dieses kleine Sch\u00e4fchen weggenommen. Obwohl er mehr als genug hatte. Skrupellos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>12,7 Da sprach Nathan zu David:\u00a0 Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum K\u00f6nig gesalbt \u00fcber Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls12,8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazu tun. 12,9 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, da\u00df du getan hast, was ihm mi\u00dffiel?\u00a0 Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter. 12,10 Nun, so\u00a0 soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die\u00a0 Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, da\u00df sie deine Frau sei. 12,11 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil \u00fcber dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem N\u00e4chsten geben, da\u00df er\u00a0 bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne.\u00a0 12,12 Denn du hast&#8217;s heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz Israel und im Licht der Sonne.<\/p>\n<p>\u201eDu bist der Mann\u201d &#8211; diese vier Worte des Nathan haben eigentlich schon alles gesagt.<\/p>\n<p>Du bist der, der dem anderen die Frau wegnimmt obwohl er einen ganzen Harem im Palast hat. Du bist der Egoist &#8211; der keine Skrupel hat. Und du bist es, der sich selbst das Todesurteil gesprochen hat, ohne es zu merken &#8211; weil du vor Selbstgerechtigkeit blind f\u00fcr deine eigenen Fehler geworden bist.<\/p>\n<p>Die ganzen Drohungen des Nathan h\u00f6rt David wahrscheinlich gar nicht mehr. Er ist noch taub von dem inneren Knall, als seine eigene Lebensl\u00fcge wie ein riesiger Luftballon zerplatzte. Der K\u00f6nig ist nicht besser als ein sch\u00e4biger geiziger Gro\u00dfbauer, der den Nachbarn ein Lamm wegnimmt. Der K\u00f6nig befindet sich im freien Fall nach unten.<\/p>\n<p>Es sieht so aus, als w\u00e4re das der klassische Absturz in die Bedeutungslosigkeit, der Untergang des K\u00f6nigtums dieses David.<\/p>\n<p>Bei den Sch\u00fclern der 5. Klassen steht das Leben des K\u00f6nig David auf dem Lehrplan &#8211; auch die Bathseba-Geschichte und der Zusammensto\u00df mit dem Propheten Nathan.<br \/>\nImmer wieder sagen mir dann Sch\u00fcler \u201eJetzt m\u00fcsste sich David eigentlich selber umbringen, denn schlie\u00dflich hat er sich ja selbst das Todesurteil ausgestellt\u201d. Keine Frage: F\u00fcr Sch\u00fcler mit ausgepr\u00e4gtem Gerechtigkeitssinn ist die Sachlage klar, da gibts auch keinen Promi-Bonus f\u00fcr den K\u00f6nig: Gleiches Recht f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Doch Gott sei Dank geht diese Begegnung doch noch anders aus:<\/p>\n<p>12,13 Da sprach David zu Nathan:\u00a0 Ich habe ges\u00fcndigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine S\u00fcnde weggenommen; du wirst nicht sterben. 12,14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum L\u00e4stern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben. 12,15 Und Nathan ging heim.<\/p>\n<p>David kommt mit dem Leben davon. Gerettet hat ihn seine Einsicht in seine Schuld: \u201eIch habe ges\u00fcndigt gegen den HERRN\u201d David redet es nicht klein. Er versucht diesmal nicht, sich zu verteidigen, Bathseba eine Mitschuld anzuh\u00e4ngen oder darauf zu verweisen, dass andere es genauso schlimm treiben. Das alles h\u00e4tte Gott nicht gelten lassen.<br \/>\nAllein das Eingestehen von Schuld er\u00f6ffnet ihm die Chance weiterzuleben und umzukehren und sein Leben zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Gott widersteht den Hochm\u00fctigen, aber den Dem\u00fctigen gibt er Gnade. (1. Petr 5,5) &#8211; So lautet der aktuelle Wochenspruch.<\/p>\n<p>Die eigene Schuld einzugestehen, das er\u00f6ffnet die Chance zur Vergebung, zur Umkehr, zum Neuanfang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Happy End?\u00a0 Beileibe nicht!<br \/>\nEs bleiben zwei auf der Strecke: Uria, der Mann der Bathseba, den David heimt\u00fcckisch umbringen lie\u00df, wird nicht wieder lebendig. Und den gemeinsamen Sohn wird ein fr\u00fcher Tod dahinraffen.<br \/>\nDie Gr\u00fcnde f\u00fcr seinen Tod erscheinen mir dunkel und schwer nachvollziehbar. Schlie\u00dflich ist das Baby derjenige, der f\u00fcr die Taten seiner Eltern am allerwenigsten kann.<\/p>\n<p>Was soll dieser sinnlose Tod &#8211; der wahrscheinlich David und Bathseba schlimmer trifft als alles andere?<br \/>\nIch habe da keine Antwort &#8211; aber eine, genauer gesagt zwei Beobachtungen gehen mir zu diesem schlimmen Ausgang der Geschichte nicht aus dem Kopf:<\/p>\n<p>Das Erste: Auch wenn wir von Vergebung reden, die unsere Schuld vor Gott und Menschen aufheben kann. Oft genug m\u00fcssen wir mit den Folgen unserer Fehler ein Leben lang umgehen.<br \/>\nSelbst wenn ich einen Menschen, der mir B\u00f6ses getan hat, vergeben habe, wird uns beiden die Erinnerung an das Geschehene bleiben &#8211; und manchmal bleibt da auch noch mehr als nur Erinnerung.<br \/>\nVergebung kann Schuld tilgen, aber macht die Folgen unseres Handelns nicht automatisch r\u00fcckg\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Das Zweite: Wenn wir Fehler machen, sind es oft andere, n\u00e4mlich Kinder, die die Folgen tragen.\u00a0 Obs der Vater ist der sich nach f\u00fcnf Bier nicht mehr unter Kontrolle hat.<br \/>\nDie Eltern, denen es nicht gelingt, ihre Ehe wieder zu kitten, und sich hinfort nur noch \u00fcber Anw\u00e4lte austauschen.<br \/>\nOder unsere Weltwirtschaft, die nicht danach fragt, ob in 40 Jahren noch gen\u00fcgend Rohstoffe und nicht zuviel Gift auf unserem Globus zu finden sind.<\/p>\n<p>Die Kinder sind leider oft die, die unsere Fehler tragen m\u00fcssen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Drama um David und Bathseba lehrt mir:<br \/>\nGott gibt uns Menschen zwei Dinge, mit denen wir in einem Leben, das nicht immer einfach ist, umgehen m\u00fcssen:<br \/>\nVerantwortung und Vergebung.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Der Predigttext f\u00fcr heute steht im 2. 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