{"id":1403,"date":"2008-10-10T22:36:12","date_gmt":"2008-10-10T21:36:12","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1403"},"modified":"2017-10-24T18:42:45","modified_gmt":"2017-10-24T17:42:45","slug":"predigt-jetzt-habt-euch-wieder-lieb-1-johannes-2-7-11-19-oktober-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1403","title":{"rendered":"Predigt: Jetzt habt euch wieder lieb! (1. Johannes 2, 7-11) 19. Oktober 2008"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>1. Joh. 2, 7-11:<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schatz3.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1404\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1404\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schatz3.jpg?fit=300%2C225&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"300,225\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"schatz3\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schatz3.jpg?fit=300%2C225&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-full wp-image-1404\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schatz3.jpg?resize=300%2C225\" alt=\"schatz3\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schatz3.jpg?w=300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schatz3.jpg?resize=150%2C113&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schatz3.jpg?resize=200%2C150&amp;ssl=1 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nMeine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr geh\u00f6rt habt. 8 Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt. 9 Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis. 10 Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall. 11 Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und wei\u00df nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Und jetzt habt euch wieder lieb!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der L\u00e4rm aus der Kinderzimmer schallt bis in die K\u00fcche. Genervt legt die Mutter die halbeingefettete Backform auf den Herd und trocknet sich die H\u00e4nde ab: Furchtbar, dieser Zickenkrieg, warum k\u00f6nnen die beiden Geschwister nicht einfach friedlich miteinander spielen? Warum m\u00fcssen sie sich immer wieder derart in die Wolle kriegen? Mit festem Schritt steuert sie ins Kinderzimmer und staucht die beiden jungen Damen zusammen. <!--more--><\/p>\n<p>Dann ist Ruhe. Und bevor sie das Zimmer verl\u00e4sst schaut sie beiden Kontrahentinnen streng in die Augen: \u201cUnd jetzt habt ihr euch wieder lieb &#8211; ja?\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe auf Kommando. \u201cHab deine Schwester endlich lieb &#8211; hopp!\u201d Geht das? Liebe ist ja nicht einfach so verf\u00fcgbar. Ich kann sie nicht an- oder ausschalten. Und doch kennen wir das Liebesgebot : Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst. Machen wir uns etwas vor, wenn wir meinen, zur N \u00e4chstenliebe aufrufen zu k\u00f6nnen &#8211; und damit etwas zu ver\u00e4ndern? Ein Aufruf zu einem Gef\u00fchl?<\/p>\n<p>Unsere Kirche beleuchtet von allen Seiten das Thema N\u00e4chstenliebe, wirbt daf\u00fcr und versucht im Bereich der Diakonie diese N\u00e4chstenliebe erfahrbar zu machen.Wir sprechen vom Akzeptieren der Anderen und Toleranz. Fast schon, dass wir als Christen zur \u201cArmy oft Love\u201d werden &#8211; der Verein, in dem sich alle liebhaben.<\/p>\n<p>Und in machen Freikirchen k\u00f6nnten Au\u00dfenstehende den Eindruck bekommen, dass es eine rechte Bussi-Bussi Gesellschaft w\u00e4re. Da wird sich am Gottesdienst begr\u00fc\u00dft, umarmt, geknuddelt. &#8211; Eine Herzlichkeit, mit der die einen ihre Probleme haben &#8211; aber andere finden gerade das an mancher Freikirche besonders attraktiv.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Die dunklen Ecken meines frommen Herzens<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u201cWer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis.\u201d &#8211; So manches fromme Herz hat da so seine finsteren Ecken. Denn es f\u00e4llt mir nicht leicht, jeden und jede zu lieben. Und manchmal wei\u00df ich auch gar nicht, ob ich ihn lieben will.<\/p>\n<p>&#8211; Der Angeber, der meint, der Gr\u00f6\u00dfte zu sein, sich \u00fcber andere lustig macht &#8211; auch noch Dumme findet, die mitlachen &#8211;\u00a0 und doch sieht eigentlich jeder die Mittelm\u00e4\u00dfigkeit dieses gro\u00dfspurigen Typen.<br \/>\n&#8211; Die Schnorrerin, die sich von allem etwas leiht, oft das Zur \u00fcckgeben vergisst, und selber nie auf die Idee k\u00e4me, etwas aus ihrem Besitz etwas ihren Freundinnen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Als Dank zieht sie bei jedem Kaffeekr\u00e4nzchen \u00fcber die jeweils nicht anwesenden Personen her, dass es allen, nur nicht ihr, peinlich ist.<br \/>\n&#8211; Der Broker, der innerhalb der letzten zwei Jahre Millionen mit Hedgefonds verdient hat, drei Villen in New York, Rio und in der S\u00fcdsee besitzt, und nur ein m\u00fcdes L\u00e4cheln f\u00fcr die Sorgen der Anleger \u00fcbrig hat &#8211; sein Anwalt verhandelt nach dem B\u00f6rsencrash und seiner au\u00dferordentlichen K\u00fcndigung\u00a0 mit seinem Arbeitgeber; 7 Millionen Euro Abl\u00f6se m\u00f6chte er schon noch mitnehmen.<\/p>\n<p>Menschen, deren Lebensweise, deren Umgang mit Anderen, deren Verhalten mich anficht. So etwas finde ich schlimm, widerlich. Wie soll ich bittesch\u00f6n jemanden lieben, dessen Verhalten ich verabscheuensw\u00fcrdig finde?<\/p>\n<p>Was da in mir passiert, ist oft das gleiche: In meinem Herzen wird es d\u00fcster, ich sp\u00fcre wie mir alles hochkommt:<\/p>\n<p>&#8211; Die Wut \u00fcber die Ungerechtigkeit, die im Leben dieser Menschen sichtbar wird.<\/p>\n<p>&#8211; Der \u00c4rger \u00fcber den Egoismus, den sie an den Tag legen.<\/p>\n<p>&#8211; Die Verzweiflung \u00fcber die Machtlosigkeit, weil ich das alles nicht \u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>&#8211; Und auch der Neid, wenn ich erkenne, dass sie es mit dem allen besser haben, sich weniger Sorgen machen, finanziell besser dastehen- kurzum gl\u00fccklicher sind als ich. &#8211; Der Depp, der es mit Ehrlichkeit, Verantwortung und Mitmenschlichkeit versucht.<\/p>\n<p>Oft genug gelingt es mir, diese Gef\u00fchle wieder einzud\u00e4mmen, diesen d\u00fcsteren Winkel meines Herzens m\u00f6glichst klein zu halten.\u00a0 Und zwischendurch bricht sich das alles Bahn, uns es muss mal was gesagt werden, weil ich sonst platze.<\/p>\n<p>Sieben mal siebzigmal.<\/p>\n<p>Da trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir s\u00fcndigt, vergeben? Gen\u00fcgt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.<\/p>\n<p>Und ich merke, ich stehe dahinter in der Schlange der Leute, die auch was von Jesus wissen wollten &#8211; und meine Frage ist die gleiche gewesen. Petrus, hast du das geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>Hast du inzwischen nachgerechnet &#8230; wie oft das ist? Das hei\u00dft ja praktisch immer! Das ist ja ein Freibrief! Das hat ja gar keine Grenzen &#8211; wo kommen wir denn da hin? Da krieg ich ja soooo einen Hals!<\/p>\n<p>\u201cJa,\u201d h\u00f6re ich den Meister sagen, und ich wundere mich, dass er tats\u00e4chlich das Wort ergreift \u201cja, das soll ein Freibrief sein. Aber nicht f\u00fcr die Menschen, denen du gram bist, sondern f\u00fcr dich! Diese Regel soll dein Herz frei machen von der D\u00fcsterkeit deiner Gedanken! Damit der Weg frei ist f\u00fcr das Licht\u201d. Mit deiner Wut, die du in dir pflegst, tust du dir selbst keinen Gefallen &#8211;<\/p>\n<p>Wo will ich hin<\/p>\n<p>Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall.\u00a0 Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und wei\u00df nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.<\/p>\n<p>Blind sein &#8211; das will ich nicht.<\/p>\n<p>Ich will die Augen nicht verschlie\u00dfen vor dem, was los ist; will nicht so tun, als wenn ich es nicht erkenne. Aber ich m\u00f6chte auch nicht, dass sich mein Blick verfinstert.<\/p>\n<p>&#8211; Nicht blind sein vor Wut auf den, der andere hintergeht.<br \/>\n&#8211; Nicht geblendet vom Hass auf Egoisten, die die Gutm\u00fctigkeit der Anderen ausnutzen.<br \/>\n&#8211; Nicht bet\u00e4ubt vom Neid auf den scheinbaren Vorteil derer, die auf Kosten der Anderen leben.<\/p>\n<p>Diese Dunkelheit, die daraus entsteht w\u00fcrde mich nicht besser machen, als diejenigen, \u00fcber die ich mich \u00e4rgere. Denn so ein selbstgerechtes Aburteilen der anderen w\u00fcrde auch nicht zu uns als Christen passen: Wir wissen doch selbst am besten um unsere eigenen Schw\u00e4chen und Fehler &#8211; wir wissen aus eigener Erfahrung um S\u00fcnde und Schuld, die man auf sich l\u00e4dt.<\/p>\n<p>Da verbindet mich mit dem, den ich kritisch sehe viel mehr, als mir lieb ist &#8211; wir beide sind Menschen, die Gottes Vergebung brauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwas ich gerade sage, ist theologisch, ethisch, biblisch glasklar und sollte jedem, der in Konfiunterricht aufgepasst hat, inhaltlich nicht besonders \u00fcberraschen. Klar, das wissen wir alle.<\/p>\n<p>Aber das hei\u00dft noch lange nicht, dass wir das problemlos umsetzen k\u00f6nnen. Es ist unheimlich schwer. Manchmal f\u00e4llt es einem ganz leicht, und manchmal ist es ein elender innerer Kampf: Mit dem Nicht-Verurteilen, Nicht -Verachten, Nicht-Hassen der Menschen, die alles andere als liebensw\u00fcrdig sind.Es ist ein schwieriger Weg. Johannes formuliert es wohl nicht umsonst so:<\/p>\n<p>Wer seinen Bruder liebt, der BLEIBT im Licht. Es soll uns darum gehen, dass wir im Licht der Liebe Gottes bleiben, und uns nicht selber als Christen ausknipsen. Immer wieder innerlich pr\u00fcfen, ob ich den Anderen &#8211; mit allen seinen Fehlern &#8211; noch mit der Brille der N\u00e4chstenliebe ansehen, und ihn auch mal kritisiere.<\/p>\n<p>Oder ob ich mich von d\u00fcsterer Wut, Entt\u00e4uschung, Neid bis hin zu Hass in die Finsternis treiben lasse, die es mir manchmal leichter macht, Dampf abzulassen, es letztlich dazu f\u00fchrt, dass Br\u00fccken zum Anderen abgerissen werden.<\/p>\n<p>Nur wenn ich im Licht stehe, habe ich \u00fcberhaupt die Chance etwas ver\u00e4ndern.\u00a0 Und manchmal kann ich nichts ver\u00e4ndern; da will ich es lernen, das Unver\u00e4nderbare hinzunehmen, und mein Herz nicht zu einer d\u00fcsteren M\u00f6rdergrube zu machen.<\/p>\n<p>In unserem Wohnzimmer neben dem Telefon h\u00e4ngt ein Kalender. Im Monat Oktober genie\u00dfe ich den Blick auf einen Irischen Bergsee, daneben ist ein Segensspruch aus Irland gedruckt:<\/p>\n<p>M\u00f6ge Klarheit sich spiegeln<br \/>\nam Grund deines Herzens,<br \/>\nrein sei deine Seele,<br \/>\nwie ein See,<br \/>\nganz oben im Gebirge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Joh. 2, 7-11: Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. 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