{"id":1400,"date":"2008-10-29T22:31:33","date_gmt":"2008-10-29T20:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1400"},"modified":"2014-05-29T22:35:18","modified_gmt":"2014-05-29T20:35:18","slug":"predigt-zur-kirchweih-der-zoellner-zachaeusreservierte-plaetze-in-der-kirche-lk-19-26-oktober-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1400","title":{"rendered":"Predigt zur Kirchweih: Der Z\u00f6llner Zach\u00e4us,Reservierte Pl\u00e4tze in der Kirche  (Lk 19) 26. Oktober 2008)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Aktion <a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweih08_1.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1401\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1401\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweih08_1.jpg?fit=500%2C468&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"500,468\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A520&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1225023627&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8125&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.002&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"kirchweih08_1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweih08_1.jpg?fit=500%2C468&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1401\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweih08_1-300x280.jpg?resize=300%2C280\" alt=\"kirchweih08_1\" width=\"300\" height=\"280\" \/><\/a>vor dem Gottesdienst:<br \/>\nJeder Gottesdienstbesucher wurde mit einer Reservierungskarte ausgestattet, mit der er\u00a0 die Kirche betreten durfte und mit der er seinen pers\u00f6nlichen reservierten Platz einnehmen durfte.<\/p><\/blockquote>\n<p><em><strong>Begr\u00fc\u00dfung im Gottesdienst:<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Zu unserem Kirchweih-Gottesdienst gr\u00fc\u00dfe ich Sie ganz herzlich. Sie, die Gollh\u00f6fer, und auch die Gollh\u00f6fer, die nicht mehr hier wohnen, aber zur Kirchweih zu Besuch hierher kommen. Haben sie alle ihre Reserviert-K\u00e4rtchen? Und liegen sie jetzt vorschriftsm \u00e4\u00dfig auf der Gesangbuchablage?<!--more--><br \/>\nJetzt haben sie es einmal direkt vor Augen: Die Tatsache, dass f\u00fcr Sie hier ein Platz reserviert ist.\u00a0 Anders als in einer\u00a0 \u00fcberf\u00fcllten Wirtschaft oder im Kino: Jeder hat seinen Platz in unserer Kirche &#8211; auch im \u00fcbertragenen Sinn! Und drau\u00dfen haben wir gesehen, wie viele Karten wir vorr\u00e4tig haben.<br \/>\nSeit 515 Jahren bietet unsere Johanniskirche die M\u00f6glichkeit, jeden Sonntag zu kommen, seinen Platz zu finden, wo Menschen zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern, zu beten, oder einfach Gott nahe zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Die Predigt:<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Der Albtraum<\/em><\/p>\n<p>Er war der erste an diesem Sonntag. 9:40 zeigte die Kirchturmuhr, als er mit hastigen Schritten am Gemeindehaus vorbei in den Kirchhof huschte. Es muss ja auch nicht jeder sehen, wenn er heute mal wieder in die Kirche geht.<br \/>\n\u201cMal wieder\u201d, genau genommen war er seit der Konfirmation seiner \u00e4ltesten Tochter nicht mehr da gewesen. Und das ist ja auch schon \u00fcber 14 Jahre her. Gut, bei der Beerdigung vom Nachbarn schr\u00e4g gegen\u00fcber, da war er auch in der Kirche &#8211; aber das z\u00e4hlt vielleicht auch nur halb.<\/p>\n<p>Sein Weg f\u00fchrt ihn die Treppe zur Empore hinauf. Da f\u00e4llt er nicht so auf. Obwohl &#8230; unten im Kirchenschiff w\u00fcrde er mehr mitbekommen, aber dann w\u00fcrden ihn bestimmt alle anglotzen und anfangen zu tuscheln.<br \/>\nLangsam \u00f6ffnet er die Emporent\u00fcre, er kommt sich fast vor wie ein Dieb, der in eine fremde Wohnung eindringt. Er atmet langsam aus: keiner da &#8230; auch von der Mesnerin keine Spur &#8211; Moment, da gibts doch inzwischen eine Neue, oder, mehrere? Irgendwas haben die Leute in der Wirtschaft doch erz\u00e4hlt &#8230; .<\/p>\n<p>Wo setze ich mich hin. Hoppla, was ist das &#8211; ist da etwa reserviert? Er schaut sich das kleine Emailschild genauer an, das da an der Gesangbuchablage festgeschraubt ist. Aha, sagt er halblaut, da hat sich der Alte Herr vom Ortsrand doch tats\u00e4chlich seinen Stammplatz mit einem Schildchen reserviert. Und daneben: Ein Gesangbuch, mit einem Namensaufkleber &#8211; da hat sich noch jemand seinen Platz gesichert.<\/p>\n<p>Erst jetzt merkt er, dass die ganze Reihe in festen H\u00e4nden ist: Plastikschilder, ausgebreitete Jacken, mit Namenszug bestickte Sitzkissen, handgeschriebene Pappschilder, liegengelassene Brillenetuis; einer hat sogar eine Kopie seiner Taufurkunde in einen kleinen Holzrahmen gespannt und mit einem Kettchen an den kleinen Messinghaken geh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Auch die zweite Bankreihe war auf die gleiche Weise belegt. Und wo setze ich mich jetzt hin? Das kann doch nicht wahr sein. Sein Blick schweift \u00fcber das Kirchenschiff, wo unten bereits einige Damen ihre Pl\u00e4tze eingenommen haben. Auch dort: Ein Meer von reservierten Pl\u00e4tzen &#8211; dicht an dicht &#8211; keine einzige L\u00fccke. Unbewusst kratzt er sich am Kopf, war heute irgendwas besonderes? Wenn da alles reserviert ist? Oder ist da hier vielleicht schon l\u00e4nger so? Wollen die mich vielleicht gar nicht haben?<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt sein Blick auf die freie Fl\u00e4che hinter der zweiten Emporenreihe, da neben dem Fenster, unter der Treppe zur zweiten Empore, da steht ein einsamer Stuhl &#8230; der scheint nicht reserviert; vielleicht sollte er den nehmen. Und wenn man von da hinten nichts sieht, kann k\u00f6nnte ich mich ja auch auf den Stuhl stellen.<\/p>\n<p><em>Die Reihen fest geschlossen?<\/em><\/p>\n<p>Wie gut, dass es nur ein Alptraum war. &#8211;<\/p>\n<p>Ein anderer hat im Grunde den Gleichen erlebt &#8211; Zach\u00e4us, der Z\u00f6llner, von dem wir in der Evangeliumslesung geh\u00f6rt haben. Da war auch alles besetzt. Als Jesus durch die Stra\u00dfen zog, und alle dabei sein wollten, da war f\u00fcr ihn kein Platz.<\/p>\n<p>Recht geschiehts ihm &#8211; sagen die Leute in den ersten Reihen &#8211;\u00a0 schlie\u00dflich hat er sich die ganze Zeit nicht um Glaube und Religion gek\u00fcmmert. In seinem Zollh\u00e4uschen ist er immer gesessen und hat drauf geschaut, dass ihm kein Silbergroschen an Verdienst entgeht. Alles andere war ihm egal, Glaubensfragen haben ihn nicht interessiert, erschienen ihm bedeutungslos und langweilig. Aber jetzt, wo dieser neue Prediger und Wundert\u00e4ter Jesus auftaucht, da bekommt der kleine Zach\u00e4us gro\u00dfe Ohren und bequemt sich aus seinem B\u00fcro auf die Stra\u00dfe.\u00a0 Ja &#8230;. jetzt gehts pl\u00f6tzlich&#8230; jetzt hat der gn\u00e4dige Herr auch mal Zeit &#8230;<\/p>\n<p>Aber jetzt ist uns das auch zu bl\u00f6d! Soll er doch schauen, wo er einen Platz findet. Wir stehen schlie\u00dflich auch schon l\u00e4nger da! Soll er doch auf den Baum klettern oder sonstwohin &#8230; w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner, wenn wir ihm jetzt auch noch den roten Teppich ausrollen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Frage, ob wir nicht manchmal genauso denken, br\u00e4uchten wir uns eigentlich gar nicht stellen. Denn wir wissen ja, wie diese Geschichte mit Zach\u00e4us ausgeht. Jesus geht durch de Stra\u00dfe, vor bei an der Jubelnden, den ihm freundlich zunickenden, den Schulterklopfern und denen, die ihn bewundern. Vorbei an denen, die schon seit Wochen immer wieder weder Kosten noch M\u00fchen scheuen, um ihm, den Gottesmann nahe zu sein.<\/p>\n<p>Er blickt ihnen freundlich ins Gesicht &#8230; und dann schaut er hoch, hinter zu dem Maulbeerbaum, in dem Zach\u00e4us sein Pl\u00e4tzchen hat.<br \/>\n\u201cZach\u00e4us, steig eilend herunter, denn ich muss heute in deinem Haus einkehren\u201d.<br \/>\nJesus macht es vor: Gerade die, die schon lange nicht mehr da waren, die seltenen G\u00e4ste, die nicht wissen, so eigentlich ihr Platz ist &#8211; denen geh\u00f6rt Jesu gesamte Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Ist das fair? Wenn Jesus seine Stammkunden warten l\u00e4sst, weil ein Neuzugang seine Zeit in Anspruch nimmt? Kein Wunder, dass es postwendend zur Auseinandersetzung kommt. Aber Jesus l\u00e4sst sich davon nicht beirren und l\u00e4dt sich bei Zach\u00e4us zum Essen ein. &#8211; Ein Privileg, auf das schon ganz andere, Verdientere, viel l\u00e4nger vergeblich spekuliert haben. Er setzt damit ein Zeichen.<\/p>\n<p>Und mit diesem Schritt setzt Jesus kommt viel mehr in Bewegung, als es ein Besuch beim Oberrabbiner Jerichos oder beim Stadtkommandanten je h\u00e4tte erreichen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>&#8211; Zach\u00e4us, der von vielen skeptisch be\u00e4ugte Egoist ver\u00e4ndert sich. Er \u00f6ffnet sich angesichts der Zuwendung Jesu zu ihm und beginnt sein Leben zu ver\u00e4ndern.<br \/>\n&#8211; Und die Gemeinde ver\u00e4ndert sich, weil einer von ihnen sich ver\u00e4ndert.<br \/>\n&#8211; Und viele m \u00fcssen lernen, dass Menschen, die man fest in einer Schublade einsortiert hatte, ganz neue Seiten ihrer Person sichtbar werden lassen.<\/p>\n<p>Nun liegt es an den Leuten von Jericho, zusammenzur\u00fccken und Platz zu machen, damit einer der dazugeh\u00f6rt, auch sein reserviertes Pl\u00e4tzchen in dieser wachsenden Gemeinschaft findet.<\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<br \/>\nPlatzmangel ist bei uns sicher nicht das Problem; aber dennoch ist es nicht leicht, neu oder wieder seinen Platz in unserer Kirche zu finden.<br \/>\nVielleicht ist es tats\u00e4chlich das Gef\u00fchl: Dass es ja m\u00f6glicherweise auff\u00e4llt, dass ich nach langer Zeit \u201cmal wieder\u201d in der Kirche auftauche. Da setze ich mich dann schon lieber auf die Empore, es soll ja keiner den Eindruck haben, ich komme, um gesehen zu werden.<br \/>\nDenn es ist meines Erachtens ein Ger\u00fccht, dass manche Leute deshalb am Sonntag hierherkommen, um gesehen zu werden. Aber doch ist es wichtig, die zu sehen, die mal wieder da sind. Denn sie sollen auch sp\u00fcren, dass wir uns freuen; auch \u00fcber seltenere G\u00e4ste.<\/p>\n<p>\u201cHeh, des is fei mein Platz\u201d, das sollten wir uns verkneifen! Sie verdienen ein freundliches Wort, und wenn man miteinander nur kurz \u00fcber das Wetter oder die etwas undurchschaubare Predigt des Pfarrers spricht. Dass wir uns gegenseitig wahrnehmen, die Stammkunden und die kleinen Zach\u00e4usse.<\/p>\n<p>Wenn wir eine Gemeinde sein wollen, die weiterlebt, die nicht nur von vergangenen guten Zeiten tr\u00e4umt, sondern auch in Zukunft im Dorf relevant sein will, dann werden wir immer ein paar B\u00e4nke f\u00fcr Zach\u00e4usse freihalten.<\/p>\n<p>Ihnen signalisieren, dass sich auch dazugeh\u00f6ren, dass sie sich nicht entschuldigen m\u00fcssen, daf\u00fcr, dass sie lange nicht mehr hier waren. Sondern dass wir sie unsere offenen Arme sp\u00fcren lassen:<\/p>\n<p>\u201cSch\u00f6n, dass du mal wieder da bist. Komm setz dich her, h\u00f6r zu, sing mit, und sp\u00fcre in dich hinein, ob dieser Gottesdienst dir etwas mitgibt. Vielleicht eine Antwort, oder eine neue Frage. M\u00f6glicherweise auch ein Gef\u00fchl: Angenommen zu sein; besch\u00fctzt oder gesegnet.\u201d<\/p>\n<p>Wenn wir eine Gemeinde sein wollen, die weiterlebt, die nicht nur von vergangenen guten Zeiten tr\u00e4umt, sollten wir auch manchen Schritt nach vorne wagen. Auch auf die zu, die noch in ihrem Zollh\u00e4uschen sitzen, sie einladen , und ihnen auch Gottesdienstformen bieten, die ihnen mehr entsprechen, als unser gesch\u00e4tztes normales Programm. Obs Kirche im Gr\u00fcnen, in der Halle am Sportplatz, eine Andacht auf dem Kirchendachboden oder ein Familiengottesdienst ist: Offene Arme zu haben hei\u00dft auch, dass wir uns ver\u00e4ndern, eine eine Gemeinschaft sind, die offen ist f\u00fcr ihre Fragen, ihre Hoffnungen und auch ihre Anregungen und Kritik.<\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<\/p>\n<p>wir haben alle unsere reservierten Pl\u00e4tze.<br \/>\nSeit unserer Taufe sagt Gott: Du bist mein geliebtes Kind, du geh \u00f6rst zu mir.<br \/>\nDir halte ich einen reservierten Platz warm. W\u00e4re schade drum, wenn wir diesen Platz nicht n\u00fctzen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktion vor dem Gottesdienst: Jeder Gottesdienstbesucher wurde mit einer Reservierungskarte ausgestattet, mit der er\u00a0 die Kirche betreten durfte und mit der er seinen pers\u00f6nlichen reservierten Platz einnehmen durfte. 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