{"id":1395,"date":"2008-12-25T22:23:40","date_gmt":"2008-12-25T20:23:40","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1395"},"modified":"2015-12-09T17:41:56","modified_gmt":"2015-12-09T16:41:56","slug":"predigt-gottes-neue-form-der-kommunikation-johannes-1-1-14-25-dezember-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1395","title":{"rendered":"Predigt: Gottes neue Form der Kommunikation (Johannes 1, 1-14)  25. Dezember 2008"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>an Weihnachten feiern wir, dass Jesus zu uns in die Welt kam. Und ganz selbstverst\u00e4ndlich denken wir an den Stall von Bethlehem, die Hirten, an Maria und Josef. Wir k\u00f6nnen es uns auch kaum anders vorstellen. Dabei m\u00fcsste das gar nicht so sein: Von den vier Evangelisten Matth\u00e4us, Markus, Lukas und Johannes erz\u00e4hlt nur Lukas von der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Geburt im Stall. Die \u00fcbrigen drei fanden andere Begebenheiten wichtiger, zum Beispiel Matth\u00e4us, der von den Weisen aus dem Morgenland berichtet.<!--more--><\/p>\n<p>Ganz anders kommt Johannes in seinem Evangelium daher: \u201eWeshalb soll ich \u00fcber Jesu Geburt schreiben? Erstens haben Matth\u00e4usn und Lukas in ihren Evangelien vor mir schon alles gesagt. Und Zweitens ist die Geburt eines Kindes in Bethlehem sowas von normal, da verschwende ich doch kein wertvolles Papyrus. Viel wichtiger ist es doch, zu sagen, was da f\u00fcr ein Mensch gekommen war!\u201d &#8211; sprachs und begann sein Evangelium mit einem Hymnus, einem Loblied \u00fcber des Sohn Gottes, den er so \u00e4hnlich irgendwo mal geh\u00f6rt hatte:<\/p>\n<p>Predigttext: Johannes 1, 1-14<br \/>\nIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat&#8217;s nicht ergriffen. 6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hie\u00df Johannes. 7 Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Jesus als das Wort ist mehr als ein Sandwichmann<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Was da steht, klingt wirklich ganz ganz anders: Keine Hirten, kein Stall, vor allem kein kleines Baby. Sondern Johannes stellt uns gleich den erwachsenen Jesus in den Raum &#8211; und zwar als das Wort Gottes, das in die Welt kam. Ein Wort, das durch unsere Welt l\u00e4uft. Das, was Gott sagt, was Gott will, was Gott verspricht, steht nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern bekommt Beine &#8230; und l\u00e4uft mitten zwischen den Menschen herum.<\/p>\n<p>Kennen sie die Sandwich-M\u00e4nner? Die gibt es manchmal noch in Gro\u00dfst\u00e4dten: Leute, die sich vorne und hinten ein Werbeplakat auf den K\u00f6rper gebunden haben und so als wandelnde Werbetafeln unterwegs sind. Unterbezahlte Leute, die auf den Stra\u00dfen herumlaufen, f\u00fcr einen Foto- oder Handyladen oder ein Konzert Werbung machen. Wer sie genauer fragt, was es mit dem beworbenen Handyvertrag auf sich hat, erntet nur ein Schulterzucken: \u201eDa hab ich keine Ahnung, ich trag ja blo\u00df das Plakat spazieren!\u201d<\/p>\n<p>Nicht un\u00e4hnlich geht es uns Menschen ja manchmal mit dem geschriebenen Wort Gottes. Da finden wir Erz\u00e4hlungen, einzelne S\u00e4tze oder Regeln, die wir nicht so ganz verstehen.\u00a0 Da steht man da, schaut mit fragendem Blick die Buchstaben seiner Bibel an und kommt nicht weiter. Und die zuckt mit den Schultern und teilt mir mit: \u201eBedaure, ich bin ein Buch, ich kann nicht reden und es dir erkl\u00e4ren. Bl\u00e4ttere in mir herum und versuche, mich zu verstehen, mehr kann ich nicht f\u00fcr dich tun\u201d.<\/p>\n<p>Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit &#8211; Jesus ist mehr als ein Sandwichmann mit aufgedrucktem Bibeltext. Mit ihm kam das Wort Gottes so auf die Erde, dass es sich selber erkl\u00e4rte. Ganz anschaulich und lebendig. Und wer etwas nicht verstand, der konnte nachfragen und bekam eine Antwort. Und manchmal sah diese Antwort ganz anders aus als das, was die Menschen sich erwartet hatten. Die Streitgespr\u00e4che, die Jesus mit den Schriftgelehrten gef\u00fchrt hat, zeigen das.<\/p>\n<p><strong><em>Gott ist Kommunikation<\/em><\/strong><br \/>\nIn Jesus kam das Wort Gottes in die Welt und erkl\u00e4rte sich selbst. Gott kommt zu den Menschen, um mit ihnen direkt zu reden. &#8211; Ein Gott zum diskutieren!<\/p>\n<p>Vielleicht ist es uns schon so selbstverst\u00e4ndlich, dass wir gar nicht mehr dar\u00fcber staunen k\u00f6nnen: Dass Gott sich aufmacht, mit uns in Kommunikation zu treten, dass wir ihm nicht egal sind, dass er in der Person von Jesus f\u00fcr uns zu einem verstehbaren menschlichen Gegen\u00fcber wird &#8211; das ist alles andere als zu erwarten.<\/p>\n<p>Wie oft muss ich als kleines Menschlein erleben, dass andere Menschen es nicht f\u00fcr n\u00f6tig erachten mit mir zu reden; weil sie bedeutend, prominent oder einfach nur hochn\u00e4sig sind. Und viele wissen, wie bl\u00f6d das ist, im Vorzimmer abgefertigt zu werden, weil das hohe Tier keine Zeit oder keine Lust hat, mit mir ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<br \/>\nGott macht das ganz anders: Er hat uns Menschen bewusst als Gegen\u00fcber geschaffen; hat uns die F\u00e4higkeit zur Sprache gegeben, damit wir ein grandioses Werkzeug haben, um miteinander und mit ihm ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Und beim ihm lauert keine Vorzimmerdame, sondern Jesus, der uns beigebracht hat, Gott mit \u201eVater\u201d anzureden. Und Kinder brauchen normalerweise keine Terminvereinbarung, um mit dem Papa reden zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Gott ist Kommunikation; oder wie Johannes er schrieb:. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort Gott sei Dank, dass wir Worte haben, um zu h\u00f6ren, was von Gott gesagt wird, und um ihm im Gebet selber zu sagen, was uns wichtig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Wenn das Schweigen zu laut wird<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, man braucht keim Kommunikationstheoretiker sein, um die zwei Schwachpunkte der Kommunikation zu nennen, denn die kennen wir alle:<br \/>\nErstens: Der eine h\u00f6rt nicht hin.<br \/>\nZweitens: Der andere sagt nichts mehr.<br \/>\nBeide sind schlimm, und beiden kennen wir auch aus dem Umgang mit Gottes Wort.<\/p>\n<p>Das Drama Nummer eins fasst Johannes in eineinhalb S\u00e4tzen zusammen: Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden<\/p>\n<p>Es ist das alte Spiel, dass einer sich abm\u00fcht, dem andern etwas wichtiges mitzuteilen, aber der h\u00f6rt nicht hin, zeigt sich desinteressiert und gelangweilt. Und vor lauter arrogantem Nicht-Hinh\u00f6ren verpasst er dann das, was wirklich wichtig war.<\/p>\n<p>Wir pflegen oft auch so eine Kultur des Nicht-Hinh\u00f6rens. Was soll Glaube, Kirche, Christentum schon an wichtigem zu sagen haben? Lass die reden, wir machen unser Zeug, wie wir wollen. Verr\u00fcckte Welt: Gott, der es eigentlich nicht n\u00f6tig h\u00e4tte, geht einen gewaltigen Schritt auf die Menschen zu, um ihnen zu helfen; und wir sind oft so schn\u00f6selig und zieren uns, mit unserem Leben zu antworten. Klar, so kann die Kommunikation mit Gott nicht gelingen.<br \/>\nDabei verhei\u00dft Johannes ja etwas wunderbares: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da w\u00e4re noch der zweite Problempunkt: Wenn der, der reden soll, nichts sagt.<br \/>\nWenn Gott schweigt, wenn wir Fragen haben, aber keine Antwort zu h \u00f6ren ist.<br \/>\n\u201eWarum musste das passieren?\u201d<br \/>\n\u201eWarum trifft es immer meine Familie?\u201d<br \/>\n\u201eWeshalb verbessert sich meine Situation nicht?\u201d<br \/>\n\u201eWie kann Gott das zulassen?\u201d<br \/>\n\u201eWas habe ich getan, dass es mir jetzt so ergeht?\u201d<br \/>\nFragen, die Menschen in eine Stille hineinrufen, wo sie sich erhoffen, dass einer antwortet &#8211; und zwar nicht nur mit feinen Worten, sondern auch mit einer machtvollen Tat, die das Leiden beendet, die offnen Wunden schlie\u00dft. Aber da erleben wir Menschen unseren Gott oft seltsam still, f \u00fchlen uns allein und h\u00e4ngengelassen. Das ist nicht einfach, und als Pfarrer wei\u00df ich, dass kluge Erkl\u00e4rungen nicht das sind, was wirklich gesucht wird. \u201eUnd das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns\u201d, die Ant-Wort ward Fleisch und wohnte unter uns!\u00a0 Eine m\u00f6gliche Antwort ist dieser Jesus selbst, der ja auch tiefes Leid erlebte, am Kreuz auch die W-Frage stellte: \u201eMein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201d<br \/>\nVielleicht ist das eine andere Form von Antwort: Dass Gott selbst mitten im Leiden schon dabei ist; er unsere Fragen und unseren Schmerz kennt. Was er uns voraus hat, ist die Erfahrung, dass nach Verzweiflung und Tod zuletzt die Auferstehung das letzte Wort hat.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Evangelisten Matth\u00e4us und Lukas haben uns die Geburt Jesu sehr anschaulich und nahegehend \u00fcberliefert. Ich bin froh \u00fcber diese Berichte, die und helfen, ein inneres Bild von diesem geschehen zu bekommen.<\/p>\n<p>Dem Johnannes, der ganz ohne Krippe und Wickelkind auskommt, dem verdanken wir an Weihnachten etwas anderes: Das Erkennen, dass mit der Geburt Jesu die Kommunikation zwischen Gott uns Mensch eine ganz neue Qualit\u00e4t bekommen hat.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, an Weihnachten feiern wir, dass Jesus zu uns in die Welt kam. Und ganz selbstverst\u00e4ndlich denken wir an den Stall von Bethlehem, die Hirten, an Maria und Josef. Wir k\u00f6nnen es uns auch kaum anders vorstellen. Dabei m\u00fcsste das gar nicht so sein: Von den vier Evangelisten Matth\u00e4us,\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1395\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Gottes neue Form der Kommunikation (Johannes 1, 1-14)  25. 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