{"id":1371,"date":"2009-04-12T23:07:11","date_gmt":"2009-04-12T22:07:11","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1371"},"modified":"2017-10-24T18:37:52","modified_gmt":"2017-10-24T17:37:52","slug":"predigt-auferstehung-schluss-mit-damals-der-glaube-ist-jetzt-markus-16-1-8-12-april-2009-ostersonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1371","title":{"rendered":"Predigt: Auferstehung: Schluss mit \u201eDamals\u201d, der Glaube ist \u201cjetzt\u201d (Markus 16, 1-8) 12. April 2009, Ostersonntag"},"content":{"rendered":"<p>Predigttext: Jesu Auferstehung, Mk 16, 1-8<br \/>\n<em>Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende \u00d6<\/em><em>le, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr fr\u00fch, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer w\u00e4lzt uns den Stein von des Grabes T\u00fcr? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggew\u00e4lzt war; denn er war sehr gro\u00df.\u00a0 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen J\u00fcngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes wei\u00dfes Gewand an, und sie entsetzten sich.<!--more--><\/em><\/p>\n<p><em>Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die St\u00e4tte, wo sie ihn hinlegten.\u00a0 Geht aber hin und sagt seinen J\u00fcngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galil\u00e4a; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie f\u00fcrchteten sich<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndas Evangelium, das Sie eben geh\u00f6rt haben, ist eines, das eigentlich gar nicht zu einem festlich-feierlich -harmonischen Ostergottesdienst passt:<\/p>\n<p>Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie f\u00fcrchteten sich. So endet dieser Bericht. Flucht, Zittern, Entsetzen, Furcht. Nichts von Osterhase oder Lammbraten, Kl\u00f6\u00dfe und Cappuccino. Die drei Frauen am Grab sind geschockt, eben haben sie sich noch gedanklich mit dem Problem besch\u00e4ftigt, wie man die Steinplatte vom Grab wegbekommt. Schlie\u00dflich wollten sie nach der eiligen Beisetzung am Freitag nun dem Leichnam Jesu die letzte Ehre erweisen und ihn salben. Ihn sch\u00f6n herrichten, Abschied von dem Toten nehmen.<br \/>\nF\u00fcr so etwas waren traditionell die Frauen zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Aber dann kam alles anders: Das ge\u00f6ffnete leere Grab, dieser wei\u00dfgekleidete Bote mit seiner Botschaft \u201eJesus ist auferstanden, er ist nicht hier.\u201d Das konnten sie nicht verstehen, das hat die drei zutiefst verst\u00f6rt. Wo wir Osterfreude erwarten w\u00fcrden, gibts nur blankes Entsetzen.\u00a0 Die Nachricht von der Auferstehung Jesu ist zuviel f\u00fcr sie, ist jenseits dessen, was sie erwartet haben.<\/p>\n<p>Ja, zu erwarten w\u00e4re nach Karfreitag eigentlich etwas anderes. N\u00e4mlich, dass alles seinen tragisch-geregelten Gang geht: Die J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen h\u00e4tten sich zun\u00e4chst weiter versteckt gehalten, aus Angst, dass auch sie vor Gericht gestellt werden. Sie h\u00e4tten sich wohl noch einige Wochen in der Gegend um Jerusalem aufgehalten, w\u00e4ren einander in dieser Phase der Trauer beigestanden. H\u00e4tten sich immer wieder erz\u00e4hlt, wie es mit Jesus war, was er gesagt und getan hatte. &#8211; Damals, als er noch bei ihnen war.<\/p>\n<p>Irgendwann h\u00e4tte man sich gefragt: Und jetzt? Einige w\u00e4ren wohl wieder in ihre Heimatd\u00f6rfer zur\u00fcckgekehrt,\u00a0 andere nach Jesu Vorbild durch die D\u00f6rfer gezogen und h\u00e4tten von Gottes Reich gepredigt. Jesu Grab h\u00e4tte sich m\u00f6glicherweise zu einem Pilgerort entwickelt, wo man an ihn denken konnte, ein \u00d6ll\u00e4mpchen entz\u00fcnden.<\/p>\n<p>Vielleicht h\u00e4tte jemand auch einmal die Erz\u00e4hlungen, die \u00fcber Jesus im Umlauf waren gesammelt und als Buch herausgegeben. Auf der Seite zwei mit einer Widmung des Verfassers: \u201eZur Erinnerung an Jesus von Nazareth, der mit seinem Leben viele Menschen beeindruckt und gepr\u00e4gt hat, aber viel zu fr\u00fch aus unserer Mitte gerissen wurde. Friede seiner Seele.\u201d<br \/>\n\u201eFriede seiner Seele\u201d genau &#8211; das w\u00e4rs gewesen. Das Leben Jesu als ein f\u00fcr die J\u00fcnger und Jesu Zeitgenossen abgeschlossenes Kapitel.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr die Menschen sp\u00e4terer Jahrzehnte eine mehr oder minder anr\u00fchrende Lebensgeschichte mit tragischem Ausgang. Eben wie ein Buch: Mit einer ersten und einer letzten Seite. Und danach ist die Geschichte fertigerz\u00e4hlt. Schluss!<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich habe ich das Gef\u00fchl, das viele Menschen so auf Jesu Leben schauen. Jesus als Person der Zeitgeschichte mit zugegebenerma\u00dfen einmaliger Wirkung. Einer der tats\u00e4chlich mit seinem Wirken die Welt gepr\u00e4gt und ver\u00e4ndert hat. Und man blickt darauf mit Respekt oder Skepsis. Auf jeden Fall blickt man weit in die Vergangenheit: Damals &#8230; da hat Jesus &#8230;<\/p>\n<p>Und das \u201edamals\u201d ist das Zauberw\u00f6rtchen: Damals &#8230; ja damals war halt alles anders &#8230; nicht zu vergleichen mit heute &#8230; wenn es heute einen Jesus geben w\u00fcrde, dann w\u00fcrde man ihn heute sicher entweder gleich umbringen oder in die Psychiatrie stecken &#8230;<br \/>\nDamals &#8230; &#8211; so halten wir uns Jesus vom Leib. Sicherheitsabstand von dem, der sagt, er sei Gottes Sohn.<\/p>\n<p>Ostern &#8211; die Auferstehung Jesu &#8211; macht kurzen Prozess mit dem \u201edamals\u201d.<\/p>\n<p>Jesus ist auferstanden, er ist nicht hier. Sagt der Mann am Grab zu den drei Frauen. Es wird nichts mir dem w\u00fcrdevollen Abschied als Abschluss des Kapitels \u201eWir lebten einige Jahre mit Jesus\u201d &#8211; er lebt, er hat das Grab verlassen.<\/p>\n<p>\u201eUnd wo ist er jetzt?\u201d haben sich die Frauen gefragt, und der Engel gibt ihnen sofort eine klare Antwort: Geht aber hin und sagt seinen J\u00fcngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galil\u00e4a; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Der, der tot war ist unerkannt irgendwo hier unterwegs, sp\u00e4ter wird er euch am verabredeten Ort treffen, dann werdet ihr ihn erkennen. Haltet die Augen offen!<\/p>\n<p>So war das damals mit den Frauen.<br \/>\nStopp!<br \/>\nEben habe ich behauptet, dass wir seit Ostern das Wort \u201edamals\u201d streichen m\u00fcssen, wenn wir von Jesus reden. Dann h\u00f6re ich im Jahr 2009 den Engel immer noch sagen: Geht aber hin und sagt seinen Gemeindegliedern, dass er vor euch hingehen wird nach Gollhofen; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Nat\u00fcrlich, der Auferstandene ist hier, und er begegnet uns in ganz unterschiedlicher Weise. Er lebt nicht im \u201edamals\u201d, sondern im \u201ejetzt\u201d. Haltet also die Augen offen!<\/p>\n<p>Und ihm begegnen? Dieser Jesus ist manchmal als stille Macht zu sp\u00fcren.<br \/>\n~ Viele Menschen erleben ihn heute als Kraftquelle. Sp \u00fcren, wie es ihnen neuen Auftrieb gibt, wenn sie in schwierigen Situationen zu ihm beten.<br \/>\n~ Es tut ihnen gut, zu wissen, von ihm geliebt zu werden, trotz mancher Fehler und Macken, trotz Schuld und Versagen.<br \/>\n~ Trauernde und Sterbende gewinnen Zuversicht, weil Jesu Auferstehung ihnen sagt: Der Tod hat die Macht \u00fcber uns Menschen verloren. Gott schenkt uns ein neues Leben.<\/p>\n<p>Manchmal begegnet er uns aber auch als einer, der sich uns entgegen stellt. Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan. Mit diesem Satz erinnert er uns daran, dass er uns direkt vor unserer Haust\u00fcr begegnen kann.<\/p>\n<p>~ Als der Nachbar, der verzweifelt fragt, ob man seine Kinder \u00fcber Nacht nehmen kann, weil seine Frau ins Krankenhaus muss.<br \/>\n~ Als der problematische Arbeitskollege, der manchmal von depressiven Sch\u00fcben geplagt wird und dann nur noch die H\u00e4lfte seiner Arbeit schafft.<br \/>\n~ Als die Bekannte, die &#8211; seit sie Witwe ist &#8211; immer wieder vor der T\u00fcr steht und fragt, ob man Zeit hat &#8230; einfach so zum Reden.<\/p>\n<p>Jesus existiert nicht im damals, sondern im jetzt. Das ist eine Folge der Auferstehung. &#8211; Und da ist das Erschrecken der J\u00fcngerinnen von damals irgendwie auch nachvollziehbar. Das muss man sich erstmal bewusst machen.<br \/>\nEin Jesus, der vor 2000 Jahren gestorben ist, den habe ich unter Kontrolle.<br \/>\nEin Jesus, der seit 2000 Jahren als Auferstandener unter uns lebt, der fordert mich als Christ immer wieder heraus. Mit dem werde ich nicht so einfach fertig. Der ist da als der, der mich unterst\u00fctzt und tr\u00e4gt, mich kritisiert, korrigiert und motiviert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndas Markusevangelium, endet an dieser Stelle, die wir vorhin geh\u00f6rt haben. Mit den erschrockenen Frauen, die nach Galil\u00e4a geschickt werden. Markus hat keinen Bericht von weiteren Begegnungen mit Jesus oder der Himmelfahrt. Erst 100 Jahre sp\u00e4ter hat jemand einen Schluss dazugeschrieben, der uns ans Lukasevagelium erinnert, und in den meisten Bibelausgaben hat man diesen Anhang auch mit \u00fcbernommen. Weil der Schluss eben so pl\u00f6tzlich war &#8230; so ein komisches offenes Ende.<\/p>\n<p>Aber genau das ist es doch! Das Evangelium hat kein Ende. Das n\u00e4chste Kapitel schreiben wir, wenn wir unser Leben mit Jesus gestalten. Glaube hat seinen Grund in dem, was damals geschehen ist. Aber den Glauben leben &#8230; die Chance dazu haben wir jetzt!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigttext: Jesu Auferstehung, Mk 16, 1-8 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende \u00d6le, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr fr\u00fch, als die Sonne aufging. 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