{"id":1355,"date":"2009-10-04T22:44:22","date_gmt":"2009-10-04T21:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1355"},"modified":"2017-10-24T18:36:08","modified_gmt":"2017-10-24T17:36:08","slug":"predigt-eine-schrecksekunde-zum-nachdenkenlukas-12-13-31-4-oktober-2009-erntedank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1355","title":{"rendered":"Predigt: Eine Schrecksekunde zum Nachdenken\u201d (Lukas 12, 13-31) 4. Oktober 2009, Erntedank"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Der Aufzug bringt es an den Tag<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Er kauerte auf dem Fu\u00dfboden dieser Aufzugskabine und blickte nach oben in das Licht der Neonr\u00f6hren. Schon seit drei Stunden sa\u00df er hier fest &#8211; und noch niemand hatte Kontakt mit ihm aufgenommen.<br \/>\nWie auch? Er war heute der einzige, der am Tag der deutschen Einheit im Geb\u00e4ude der Rechtsanwaltskanzlei aufgetaucht war. Alle anderen waren daheim geblieben, aber da waren noch diese wichtigen Unterlagen im B\u00fcro, die er unbedingt \u00fcbers Wochenende durcharbeiten wollte.<!--more--><\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg war dann das mit dem Aufzug passiert: Es gab einen gewaltigen Knall, dann sackte die Kabine f\u00fcr einen kurzen Moment wie im freien Fall nach unten, bevor sie mit lautem Krachen doch wieder stehenblieb. Seitdem bewegte sich nichts mehr. Nur alle Paar Minuten vernahm Friedrich ein sanftes Knirschen an den W\u00e4nden, das er sich nicht erkl\u00e4ren konnte.<\/p>\n<p>H\u00e4tte ich nur das Handy nicht im Auto gelassen &#8230;. &#8211; denn der Notruf-Knopf im Aufzug l\u00f6ste nur ein Klingeln an der Pf\u00f6rtnerloge aus, die heute nicht besetzt war &#8230; und morgen am Sonntag auch nicht. Friedrich Meyer sa\u00df so unt\u00e4tig auf dem Boden dieser Kabine. Das war das Schlimme: Unt\u00e4tig sein, hilflos! Das kannte er nicht, er war immer unter Strom, an einen Fall dran, zu einem Mandanten unterwegs, oder bei Konferenzen engagiert. Vergeudete Zeit war ihm ein Gr\u00e4uel. Und was er anpackte, das klappte auch.<\/p>\n<p>Nicht umsonst hatte er es zum Abteilungsleiter in dieser renommierten Anwaltskanzlei gebracht. Nicht durch Beziehungen, allein durch sein Talent und seinen enormen Flei\u00df. Sein Vater war als Finanzbeamter sehr stolz auf ihn, wenn der auch nie verstehen konnte, weshalb sein Sohn f\u00fcr seine Arbeit das achtfache des eigenen Gehalts einstreichen konnte.<br \/>\nMeyers Finger zogen die Brieftasche aus dem Sakko: Seine Augen brauchten etwas zum Lesen, zum Begutachten, sonst w\u00fcrde er noch wahnsinnig.<br \/>\nEr zog Kassenbelege heraus und studierte sie, eine alte Eintrittskarte, die drei Kreditkarten. Alle drei als Premium-Gold-Card, sie wiesen ihn als finanzkr\u00e4ftigen K\u00e4ufer aus, und gerne bezahlte er mit ihnen in den schicken Restaurants im Stadtzentrum. Ja, er genoss seinen beruflichen Erfolg, das Ansehen, das f\u00fcrstliche Gehalt. Vieles konnte er sich damit leisten, was er sich schon als kleiner Junge ertr\u00e4umt hatte, und vieles, wonach ihm jetzt der Sinn stand: Das edle Cabrio, das Haus am Stadtrand, das Chalet in den Schweizer Alpen.<\/p>\n<p>Ein erneutes Knirschen riss ihn aus seinen Zettelstudien: Und was ist, wenn der Aufzug doch nicht h\u00e4lt, wenn er allen Sicherungen zum Trotz doch die 8 Stockwerke tief abst\u00fcrzt? Und er erinnerte sich an einen Fall, den er als junger Rechtsreferendar bearbeitet hatte. War es da im Gutachten nicht um schlecht gewartete Fangeinrichtungen im Aufzugschacht gegangen? Und Friedrich suchte am Bedienfeld nach dem Herstellungsjahr des Aufzugs &#8230; 1986.<br \/>\nKomisch &#8211; das ist das Geburtsjahr seiner \u00e4ltesten Tochter &#8230; hastig kramte er wieder in der Brieftasche .. .ich habe da doch ein paar Fotos von meiner Frau und den Kindern. Er fand sie und legte die f\u00fcnf Passbilder im Halbkreis vor sich auf den Boden. Dabei empfand er in sich eine gewisser Feierlichkeit, die ihn fast schon peinlich ber\u00fchrte.<\/p>\n<p>Wenns jetzt bergab geht, sind sie wenigstens da, sagte er halblaut vor sich hin &#8230; nur so zum Spa\u00df. Aber pl\u00f6tzlich erschrak er \u00fcber seine eigenen Worte.<\/p>\n<p>Mensch, du Idiot Warum hast du eigentlich zuerst die Kassenzettel und Kreditkarten rausgekramt? Ist es wirklich schon so schlimm mit dir? Hat dich dein beruflicher Erfolg schon soweit aufgesogen, dass alles nur noch darum geht. Was w\u00fcrdest du jetzt verlieren, wenn die Kabine runterrauscht?<\/p>\n<p>Und was w\u00e4re dann \u00fcbrig von dir? Und er \u00fcberlegte, wie wenig Zeit er in den letzten Jahren mit seiner Familie verbracht hatte &#8230; wie selten er sich Zeit f\u00fcr sich selbst, und zum Nachdenken genommen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>da lebt man sein Leben \u00fcber Jahrzehnte eigentlich ganz ordentlich, meint, das passt schon so, vertreibt gekonnt aufkeimende Fragen \u00fcber das wieso und weshalb &#8211; und ist mit der Gesamtsituation eigentlich ganz zufrieden. Erst wenns so richtig eng wird, wenn wir den Fragen und uns selbst nicht mehr ausweichen kann, dass kommen wir grunds\u00e4tzlich ins Gr\u00fcbeln. So erging es zumindest dem reichen Kornbauern aus Jesu Gleichnis und dem Rechtsanwalt Friedrich Meyer.<\/p>\n<p><strong><em>Aufgesogen von den M\u00f6glichkeiten<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Er ist tragisch: Da scheint es eine Macht, eine Dynamik zu geben, die uns und unsere Aufmerksamkeit derart aufsaugt, dass unser Blick nur noch in diese eine Richtung geht.<br \/>\nJesus erz\u00e4hlt von diesem Bauern, der von den Chancen der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ernte derart fasziniert ist, dass er nur noch das Ziel hat, weiter zu wachsen, der gr\u00f6\u00dfte Betrieb zu werden und damit f\u00fcr alle Zeiten ausgesorgt zu haben.<br \/>\nDer Anwalt im Aufzug in besessen von seiner Karriere, dem damit verbundenen M\u00f6glichkeiten, dass seine Familie zur Staffage seines erfolgreichen Lebens wird.<br \/>\nMancher Bankmanager war in den letzten Jahren so berauscht von der Macht und den M\u00f6glichkeiten, die er durch die ihm anvertrauten Milliarden hatte, dass er sich die Frage nach den Risiken seiner Gesch\u00e4fte gar nicht mehr stellte.<br \/>\nOder so manche Machthaber, in Nordkorea, Simbabwe oder anderswo, die an ihrer Macht kleben, ohne Gesp\u00fcr f\u00fcr die N\u00f6te ihres Landes in Wohlstand schwelgen und ihr Volk zugrunde richten.<\/p>\n<p>Aber Vorsicht: Ich will meine Beispiele nicht zu gro\u00df ausmalen, denn ich kenn es ja in meinem eigenen Leben auch: Dieser Sog, der sich entwickeln kann. Bei dem einen ist es der geliebte Beruf, das Hobby, das Sich-k\u00fcmmern ums eigene Verm\u00f6gen, die Faszination des Internets &#8211; und man bekommt so einen Tunnelblick, und \u00fcbersieht, was eigentlich wichtig f\u00fcrs Leben ist.<\/p>\n<p>Du Narr, hei\u00dft es im Gleichnis. Heute m\u00fcsste man sagen: Du Idiot. Denn das Wort \u201eIdiot\u201d kommt aus dem Griechischen und bezeichnet einen Menschen, der nur auf sich selbst schaut. Ein Idiot ist, der sich gefangennehmen l\u00e4sst von dem Sog der Dinge dieser Welt, und damit eigentlich die Chance zum echten Leben verpasst.<\/p>\n<p><strong><em>Wo liegen deine Sch\u00e4tze?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann geh\u00f6ren, was du angeh\u00e4uft hast? So geht es dem, der sich Sch\u00e4tze sammelt und ist nicht reich bei Gott.<\/p>\n<p>Wo liegen deine Sch\u00e4tze?<br \/>\nWas ziehst du als erstes aus deiner Jackentasche, wenn es deine letzten Minuten sein k \u00f6nnten?<br \/>\nJesu Geschichte ist drastisch &#8211; es geht um die letzten Fragen, die sich der Bauer stellen musste. Er r\u00fcttelt damit seine Zuh\u00f6rer energisch auf.<br \/>\nBeim Rechtsanwalt in meiner Erz \u00e4hlung habe ich mich nicht getraut ihn abst\u00fcrzen zu lassen. Ich habe es mit dem Aufr\u00fctteln durch die Aufzugskabine bewenden lassen. Und stelle mir vor, dass er am Abend gefunden und gerettet wird, weil seine Familie ihn vermisst hat.<\/p>\n<p>Nunja, das ist ja auch unsere Situation: Wir h\u00f6ren Jesu Warnung und haben noch die Gelegenheit, uns der Frage zu stellen, die Jesus in den Raum stellt: \u201eWo hast du deine Sch\u00e4tze angesammelt? Hier auf der Erde, oder bei Gott\u201d<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, ich bin der \u00dcberzeugung, dass es hier nicht um ein pers\u00f6nliches Himmelskonto mit guten Taten geht.\u00a0 Fragen wir doch so: Wo ist das, was dir am wertvollsten ist? Wo h\u00e4ngt denn dein Herz dran? Welcher Besitz macht dich gl\u00fccklich?<br \/>\nIst es dein Haus, das du selbst erbaut hast?<br \/>\nIst es dein Beruf, der dich erf\u00fcllt?<br \/>\nIst es der Hof, den du von deinen Vorfahren weitergereicht bekommen hast ?<\/p>\n<p>Ich es Gott, der dich liebt und dich halten will, und bei dem du nach deinem Tod Heimat finden kannst? Die Antwort darauf f\u00e4llt ihnen wahrscheinlich genauso schwer wie mir. Denn wir haben irgendwie \u00fcberall unsere Sch\u00e4tze liegen. Da ist ja nichts unwichtig. Und das ist ja unsere Welt, dass wir von Dingen umzingelt sind, die Wert-voll sind.<\/p>\n<p>Ganz anders sieht es f\u00fcr viele Menschen auf Samoa und in Indonesien nach den dortigen Naturkatastrophen aus. F\u00fcr manchen ist da jetzt alles weg. Und was sie aus dem Tr\u00fcmmern ihrer Existenz noch herausziehen, ist kaum von Wert.\u00a0 Die Menschen dort sehen sich mit der Frage konfrontiert: Was habe ich denn noch? Was ist noch etwas wert, wenn ich vor dem nichts stehe?<br \/>\nEin Gott dem man sein Leid klagen kann, und den man um Hilfe anrufen kann.<br \/>\nEine Hoffnung, dass man nicht alleingelassen wird.<br \/>\nFreunde, die da sind, um gemeinsam zu weinen und mit anzupacken um wieder etwas aufzubauen.<\/p>\n<p><em><strong>Erntedank &#8211; der Wert des Geschenkten<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Anscheinend ist es bei uns Menschen h\u00e4ufig so, dass wir das, was wir haben, erst dann wirklich wertsch\u00e4tzen, wenn wir es verloren haben, oder wenn der Verlust droht. Eine wirklich seltsame Eigenschaft. Das Erntedankfest macht es anders. Heute nehmen wir uns Zeit, dankbar zu sein, und bewusst zu machen womit wir beschenkt sind.<\/p>\n<p>Zuallererst wirklich die Dankbarkeit f\u00fcr das Lebensnotwendige, unsere Nahrungsmittel &#8211; ohne sie w\u00fcrden wir nicht \u00fcberleben. Wir haben sie, wir werden satt zur gen\u00fcge. M\u00f6ge Gott uns davor bewahren, dass wir den Wert der Lebensmittel erst wiederentdecken, wenn sie global knapp werden und auch wir in Europa anfangen Hunger zu leiden.<\/p>\n<p>Erntedank hei\u00dft f\u00fcr mich aber auch danke zu sagen, f\u00fcr das, was in meinem Leben im \u00fcbertragenen Sinne w\u00e4chst, und gedeiht: Beziehungen, Ideen, Projekte, Freundschaften. Wenn hier im Leben etwas gelingt, m\u00f6chte ich auch Gott daf\u00fcr danken &#8211; denn ich sp\u00fcre, dass es &#8211; wie bei Saat und Ernte &#8211; auch ein Wunder, ein Geschenk ist, wenn im Leben etwas gelingt.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Lied k\u00f6nnen wir Gott musikalisch Danke sagen: Oh Gott von dem wir alles haben.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufzug bringt es an den Tag Er kauerte auf dem Fu\u00dfboden dieser Aufzugskabine und blickte nach oben in das Licht der Neonr\u00f6hren. Schon seit drei Stunden sa\u00df er hier fest &#8211; und noch niemand hatte Kontakt mit ihm aufgenommen. Wie auch? 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