{"id":1343,"date":"2009-12-25T22:25:46","date_gmt":"2009-12-25T21:25:46","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1343"},"modified":"2017-10-24T18:34:21","modified_gmt":"2017-10-24T17:34:21","slug":"predigt-lasst-uns-nicht-lieben-mit-worten-noch-mit-der-zunge-sondern-mit-der-tat-und-mit-der-wahrheit-1-joh-318-25-dezember-2009-1-weihnachtsfeiertag-mit-taufe-von-zoey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1343","title":{"rendered":"Predigt:  lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit (1. Joh 3,18) 25. Dezember 2009,  1. Weihnachtsfeiertag mit Taufe von Zoey"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201cich hab dir doch schon tausendmal gesagt&#8230;.\u201d. Ich vermute, keiner von Ihnen kennt diesen Satz. Aber es gibt ganz vereinzelt auf diesem Globus Situationen, in denen S\u00e4tze so oder \u00e4hnlich beginnen.Sowas k\u00f6nnte ein erk\u00e4lteter\u00a0 Papa seinen T\u00f6chtern sagen, die notorisch s\u00e4mtliche Zimmert\u00fcren in Haus offen stehen lassen. Bei 15 Grad minus und einer schw\u00e4chelnden Heizung ist das ja nicht so toll. Aber da kann man ja sagen, was man will und sooft man will!<br \/>\nAnscheinend ist die p\u00e4dagogische Reichweite unserer S\u00e4tze nicht allzu gro\u00df. Ich habe den Eindruck: Wenn man es seinen Kindern tausend Mal gesagt hat, wird es beim tausend-und-ersten Mal auch nicht besser klappen. Erst wenn ich meine Strategie \u00e4ndere, mir die T\u00fcroffenlasserin schnappe, und trotz Gemotze und Gejammer zur T\u00fcre zur\u00fcckzitiere, damit sie sie eigenh\u00e4ndig schlie\u00dft, dann habe ich Aussicht auf einen halbwegs dauerhaften Erfolg. Worte allein gen\u00fcgen offenbar nicht.<!--more--><\/p>\n<p>Auch in der Erwachsenenwelt ists nicht besser darum bestellt: Ich denke da an beliebte Treueschw\u00fcre, die ja durchaus gerne geh\u00f6rt werden. \u201cIch liebe doch wirklich nur dich\u201d, klingt gut, aber allein die Formulierung \u201cwirklich nur dich\u201d l\u00e4sst erahnen, wo da vielleicht noch Kl\u00e4rungsbedarf herrscht.<\/p>\n<p>Frappierender noch der klasssische Workaholik-Spruch \u201cich mach das alles ja nur f\u00fcr euch\u201d. Dieser Satz ist &#8211; da bin ich \u00fcberzeugt &#8211; wirklich ehrlich gemeint. Aber dummerweise gibt es Familien, die h\u00f6ren diesen Satz und erfahren im tatschlichen Leben aber, dass dieser Papa, der alles ja nur f\u00fcr uns tut, kaum mehr f\u00fcr die Familie da ist, weil er ja alles f\u00fcr uns tut.\u00a0 Im Ergebnis ist dieser Satz dann gar nichts mehr wert, weil die Worte und das was geschieht, nicht zusammenpassen.<\/p>\n<p>Noch ein anderes Beispiel. Ich gebe zu, das ist ein bisschen komplizierter. Da gibts ein Volk und einen Gott. Die geh\u00f6ren zusammen. Er sagt zu Ihnen: \u201cIch bin euer Gott, ich habe Gutes mit euch vor und lasse euch nicht im Stich. Und ich zeige euch Regeln, mit denen das Leben von euch Menschen miteinander gut gelingt.\u201d<br \/>\nKlingt gut &#8211; gar keine Frage. Aber das Volk ist ja auch neugierig, und \u00fcberlegt, ob es nicht noch andere erfolgversprechende Partnerschaften g\u00e4be. Und man probiert aus, ob mit anderen G\u00f6ttern und anderen Regeln das Leben vielleicht nicht noch angenehmer zu gestalten w\u00e4re &#8211; dass dabei immer ein paar auf der Strecke bleiben, ist halt kaum zu vermeiden. Dieser Gott versucht\u0301s immer wieder, mit ihnen zu reden: Durch Propheten und andere weise M\u00e4nner, aber wir wissen ja &#8230; es ist aussichtslos, so wie bei den T\u00f6chtern die so gerne T\u00fcren offen stehen lassen.<\/p>\n<p>Worte sind eben nur eine Ebene der Kommunikation. Und was da geschieht hat oft nur eine bedauerlich geringe Halbwertszeit. Viel mehr sind wir Menschen darauf angelegt, dass etwas wahrnehmbar passiert, dass Dinge sich ver\u00e4ndern.<br \/>\nWeihachten ist der Punkt, an dem Gott die Ebene des h\u00f6r- und lesbaren Wortes verl\u00e4sst, und Mensch wird. Richtig bei den Menschen da ist, sichtbar, h\u00f6rbar, sp\u00fcrbar.<br \/>\nMan konnte ihn sehen, anfassen, seine Windeln wechseln.<br \/>\nMan konnte ihn fragen, mit ihm streiten, ihn bewundern.<br \/>\nMan konnte von ihm geheilt werden, angefasst werden, gek\u00fcsst werden.<br \/>\nMann konnte ihm die F\u00fc\u00dfe waschen, ihn verraten, ihn umbringen.<br \/>\nWas Gott schon tausendmal gesagt hatte, das wurde durch die Geburt Jesu sp\u00fcrbare Wirklichkeit. Gottes Liebe zu uns ist zur Tat geworden. Er wurde Mensch, uns zuliebe.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwenn Gott es uns vormacht, dann liegt es nicht fern, dass wir genauso Dinge nicht nur tausendmal sagen, sondern auch Taten folgen lassen. Zoeys Taufspruch aus dem 1. Johannesbrief ist da ein klarer Aufruf: Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.<\/p>\n<p>Lieben mit der Tat statt nur mit Worten. Das ist f\u00fcr Sie als Eltern eine Aufgabe, die sie sich mit diesem Taufspruch selbst ins Stammbuch schreiben: Liebe deine Tochter mit der Tat, lass sie sp\u00fcren wie sehr du sie lieb hast. Auch dann, wenn sie die neue Digitalkamera von der Kommode zieht. Auch dann, wenn sie als Kindergartenkind 10 Warum-Fragen innerhalb einer Minute stellt.\u00a0 Auch dann, wenn sie mit 12 eine furchtbare, trotzige Zicke ist, mit der man stundenlang ohne Ergebnis herumdiskutieren kann.<\/p>\n<p>Das ist keine leichte Aufgabe &#8211; und je \u00e4lter die Kinder werden, umso \u00f6fter wei\u00df man auch, dass man da an seine Grenzen kommen kann. Da bin ich froh, wenn Gott uns die Kraft gibt, dass wir dann nicht nur mit Worten, sondern mit der Tat, also \u201ctats\u00e4chlich\u201d lieben k\u00f6nnen.<br \/>\nEs ist ein Unterschied, ob ich z\u00e4hneknirschend sage \u201cist nicht so schlimm\u201d, aber im inneren brodle wie ein Vulkan, oder ob es mir geschenkt ist, Gelassenheit zu bewahren, den geliebten Menschen zu sehen, und nicht die kleinen und gro\u00dfen Katastrophen in den Mittelpunkt zu r\u00fccken.<br \/>\nJemanden lieben hei\u00dft auch: Ihn mit den Augen Gottes anzusehen. Ihn anzunehmen, Fehler zu verzeihen. Aber auch ihm aus der Patsche zu helfen, wenn er auf den Holzweg unterwegs ist und nicht mehr weiter wei\u00df.<\/p>\n<p>So, war das jetzt zu viel s\u00fc\u00dfe Liebesso\u00dfe in der Weihnachtspredigt?<br \/>\nKein Problem &#8211; denn Zoeys Taufspruch hat da noch eine zweite kleine aber feine Nuance eingebaut:<br \/>\nKinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. -Mit der Wahrheit lieben!<\/p>\n<p>Das ist die hohe Schule des Liebens. Die Wahrheit und die Liebe in Einklang zu bringen. Im Grunde ist das ja kein Problem &#8211; aber es gibt da doch Siuationen da passt nach nichtmehr so ideal zusammen. Ich habe den Eindruck, dass wir Menschen beim Lieben unserer geliebten Mitmenschen manchmal ein bisschen mogeln. Indem wir sie uns liebenswerter mogeln, als sie es m\u00f6glicherweise sind. Da sagt eine Frau, die im 14-t\u00e4gigen Turnus von ihrem Mann verpr\u00fcgelt wird: Er ist kein schlechter Mensch. Da schw\u00e4rmen die Eltern in den h\u00f6chsten T\u00f6nen von den schulischen Leistungen ihrer begabten Tochter, obwohl das arme Kind nur mit Nachhilfe, viel Tr\u00e4nen, Verzweiflung und Angst es schafft auf dem Gymnasium zu bleiben. Mit der Wahrheit lieben: Den Menschen lieben, nicht, mein unrealistisches Traumbild von ihm. Denn irgendwann holt uns dieser Selbstbetrug ein. Irgendwann sagt jemand: Du hast nicht mich geliebt, sondern das Bild, das du dir von mir gemacht hast.<\/p>\n<p>Jemanden anzunehmen mit seinen Fehler und Schw\u00e4chen &#8211; von da aus ihm zu vergeben, wo es geboten ist. Oder auch konsequent daran zu arbeiten etwas zu ver\u00e4ndern weil es so nicht weitergehen kann. &#8211; Das ist kein leichter Weg der Liebe, mitunter ein ganz harter. &#8211; Aber genau dann tue ich das, was Johannes meint: Lieben mit der Tat.<\/p>\n<p>Liebe darf eben nicht zur T\u00fcnche werden, um Probleme wegzuretuschieren. Liebe will die Augen \u00f6ffnen, um den Anderen in seiner Gesamtheit zu sehen und anzunehmen:<br \/>\nSeine Kinder.<br \/>\nSeine Eltern (das sage ich euch Kigo-Kindern und euch Erwachsenen!)<br \/>\nSeinen Partner<br \/>\nund sich selbst.<br \/>\nAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, \u201cich hab dir doch schon tausendmal gesagt&#8230;.\u201d. Ich vermute, keiner von Ihnen kennt diesen Satz. Aber es gibt ganz vereinzelt auf diesem Globus Situationen, in denen S\u00e4tze so oder \u00e4hnlich beginnen.Sowas k\u00f6nnte ein erk\u00e4lteter\u00a0 Papa seinen T\u00f6chtern sagen, die notorisch s\u00e4mtliche Zimmert\u00fcren in Haus offen stehen lassen. 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